„Burschen und Bomben”

Anhang C: Täterprofile und Szenarien

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Helmut Qualtinger: Weil ma so fad is ...![427]

's war'n mal Zeiten, wo der g'schupfte Ferdl
War bekannt als bedeutender Kerl,
Aber jetzt wird's um ihn langsam stad (ganz stad),
Und dann später war's wie a Kommando:
Jeder schalnt sich wie Marlon Brando,
Mit der Zeit war des a ziemlich fad (ganz fad).
Und wir ham beinah schon alles probiert,
Daß die Zeit vergeht,
Doch wenn man erwachsener wird,
Is der Ferdl und Brando
Für unseran do scho zu blöd!
Bei der Arbeit sekkiert di der Master
Und die andern verbogenen G'fraster,
Deine Nerven wer'n langsam verdraht;
Und auf d'Nacht, wenn der Mensch wieder frei is
Und die scheußliche Arbeit vorbei is,
Dann fangt's erst an,
Was mach ma dann?
Weil dann is uns fad!

Was kann denn i dafür, daß i a so viel Zeit hab?
I hab nix zan tuan!
Was kann denn i dafür, daß i mit nix a Freud hab?
Da kriagst an Zurn.

Da gehst ins Kino und siachst an Galopp von Indianern
Im Cinemascop,
Weil dir so fad is.
Du gehst vom Kino raus und waßt net, was sollst machen,
Drum gehst ins Café,
Hörst in der Juke–Box jeden Tag dieselben Sachen,
Die tuan dir scho weh.
Und mit der Zeit, da kriagst a Idee,
Und du zerlegst einen Cafetier,
Weil dir so fad is.
Dann nimmst'n Rock–Rock–Rock und verrollst di in
Die Bongo–Bar,
Dort spielst Tarock–rock–rock, nachher rollst die
Kugeln vom Billard,
Dann trinkst an Grog–rog–rog, schnappst an Roller,
Und fahrst ohne Führerschein durch an Bam (Baum).
Und wenn a Schmier erscheint, haust eam z'samm.
Und hast das alles erledigt, is das Resultat:
Fad!
Nächsten Tag steht des groß in der Zeitung,
Und dann spürst du erst deine Bedeutung:
Deine Hand ist am Pulsschlag der Stadt.
Du spielst weiter die harmlosen Stückeln,
Doch nach zwei Dutzend Zeitungsartikeln
Samma durt, wo ma warn: Es is fad!
Und dann wird amal was Neuches probiert,
Daß die Zeit vergeht.
Und dann wer'n die Bücheln studiert,
Weil ma will amal sehn,
Was bei Mickey Spillane
Alles steht.
Und da kann man zum Beispiel vergleichen
Die diskrete Erzeugung von Leichen
Vom MG zum Strychninpräparat.
Dann probierst es einmal in der Praxis
Mit Chauffeuren von einsamen Taxis.
Dann wirst gehetzt,
In Häfen g'setzt,
Und dann is erst fad!

Was kann denn i dafür, daß i jetzt so viel Zeit hab?
Was hab i scho tan?
I hab bewiesen, daß i a a bissel Schneid hab,
Und schauts mi jetzt an!

I bin für längere Zeit petschiert,
Aber was mi dann am meisten geniert,
Is, daß ma fad is.
I denk ans Kino, an die feschen Indianer,
I denk ans Café.
Fallt mir die Juke–Box ein, dann könnt ich ehrlich wana (weinen),
Des war a Gaudee.
Jetzt bin i eing'naht und waß net, wieso,
Und wenn i Sackln pick, bin i scho froh,
Daß ma net fad is ...

Was kann denn i dafür, daß i a so viel Zeit hab?

Was kann denn i dafür, daß i a so viel Zeit hab?

...



Arik Brauer: Schwarz und Weiß[428]

Er schaut ganz kurz nur deine Hand an
und denkt, die Haut ist viel zu braun.
Er will nicht wissen, was du noch kannst,
er schenkt nur hellen Händen Vertraun.

Es könnte sein, daß grade diese Hand
heute abend Geige spielt.
Es könnte sein, daß grade dieser Klang
sein laues Herz aufwühlt.

Er sieht nur schwarz und weiß die ganze Welt,
die Zwischentöne sieht er nicht.
Weil ihm das Schwarz und Weiß viel leichter fällt,
er hat zu wenig Licht.

Er schaut ganz kurz nur dein Gesicht an
und denkt, die Nase ist viel zu krumm.
Er will nicht wissen, was du alles weißt,
er schaut sich nicht einmal nach dir um.

Es könnte sein, daß grade das die Nase
von dem Doktor ist,
der heute Nacht die erste Hilfe bringt,
wenn er unterm Auto liegt.

Er sieht nur schwarz und weiß die ganze Welt,
die Zwischentöne sieht er nicht.
Weil ihm das Schwarz und Weiß viel leichter fällt,
er hat zu wenig Licht.

Er schaut ganz kurz nur deinen Kopf an
und denkt, der Schopf ist viel zu lang.
Er will nicht wissen wer du bist und denkt,
du hast zum Bösen einen Hang.

Es könnte sein, daß grade diesen Schopf
morgen früh die Muse küßt.
Es könnte sein, daß grade das der Kopf
vom Messias ist.

Er sieht nur schwarz und weiß die ganze Welt,
die Zwischentöne sieht er nicht.
Weil ihm das Schwarz und Weiß viel leichter fällt,
er hat zu wenig Licht.



Szenar 1: IRA & Co.


IRA–Mit­glied[429] trifft po­li­tisch mo­ti­vier­ten und tä­ti­gen öster­rei­chi­schen „Neo–Na­zi” wäh­rend des­sen Ir­land–„Ur­lau­bes” zwecks Er­fah­rungs­au­stau­sches zum Bom­ben­ba­steln.[430] Da in Öster­reich Bom­ben–Ge­walt — an­ders als in Ir­land — kei­ne Tra­di­tion hat, ge­nügt dem Neo–Na­zi eine klei­ne Bom­ben­va­ri­an­te (im Ge­gen­satz et­wa zur Auto­bom­be), die „nur” ir­re­pa­ra­ble Ver­let­zun­gen, nicht aber den Tod zur Fol­ge hat.

Im Ge­gen­satz zum IRA–Ter­ro­ri­sten will der öster­rei­chi­sche Ab­sen­der nicht einen (po­li­zei­li­chen, mi­li­tä­ri­schen) Geg­ner (Feind) de­mo­ra­li­sie­ren, um ihn aus dem Land zu trei­ben, son­dern (ras­sisch min­der­wer­ti­ge aus­län­di­sche oder po­li­tisch und/oder ras­sisch min­der­wer­ti­ge in­län­di­sche) eige­ne Leu­te er­schrecken, da­mit sie sich nicht mehr für sei­ne Fein­de (Aus­län­der, ras­sisch Min­der­wer­ti­ge) ein­set­zen. Man­gels Un­ter­stüt­zung im In­land und durch ent­spre­chen­de Be­richt­er­stat­tung im Aus­land wird der Zu­zug ras­sisch Min­der­wer­ti­ger nach Öster­reich ge­stoppt, die in Öster­reich le­ben­den Aus­län­der wer­den da­zu be­wo­gen, das Land zu ver­las­sen, die As­si­mi­lier­ten zu­min­dest ein­ge­schüch­tert. Durch die zu­neh­men­de Zu­stim­mung in der Be­völ­ke­rung ver­än­dert sich auch die Be­richt­er­stat­tung in den öster­rei­chi­schen Me­di­en zu sei­nen Gun­sten, es ge­lingt ihm, der Ge­sell­schaft „sei­ne Be­grif­fe”, sei­ne Mei­nung zu ok­tro­yie­ren.[431]

Der Öster­rei­cher will „Po­li­tik ma­chen”, nicht „Krieg füh­ren”; er dient nicht einer Ar­mee, son­dern einer Be­we­gung. Sei­ne Be­we­gung will die Öster­rei­cher von Nicht–Öster­rei­chi­schem (= Nicht–Deut­schem, Nicht–Ari­schem) be­frei­en, ih­nen so die Mög­lich­keit zur Selbst­be­stim­mung (Be­kennt­nis zum Deutsch­tum) ge­ben.



Sze­nar 2: Frust­ra­tion


Ein ar­beits­los ge­wor­de­ner Öster­rei­cher, in Kärn­ten, Salz­burg, Ober­öster­reich, Wien; er ver­sucht, neue Ar­beit zu be­kom­men. Auf dem Ar­beits­amt be­merkt er, daß „Tschu­schen” und „Aus­län­der” (sei­ne un­re­flekt­ier­ten Kri­te­ri­en: Ge­sichts­aus­druck, Haut­tö­nung, Spra­che u.ä.) Ar­beit (in an­de­ren Be­ru­fen, was ihm aber gleich­gül­tig ist) be­kom­men, er aber — nicht zu­letzt we­gen des ihm an­haf­ten­den Man­gels an Fle­xi­bi­li­tät — nicht. Er be­kommt (nicht nur auf dem Ar­beits­amt) einen „Hei­li­gen Zorn”; nach lan­gem Grübeln über die Si­tua­tion sieht er ein, daß die Mit­tel, die an­de­re an­ge­wandt ha­ben, um ge­gen Aus­län­der zu agie­ren („Aus­län­der-Halt”–Volks­be­geh­ren, Kan­di­da­tu­ren von Bur­ger und Scrin­zi, Ver­brei­tung frem­den­feind­li­chen Schrift­tums) bis­her „nichts ge­bracht” ha­ben und daß nur eine här­te­re Gang­art die un­be­frie­di­gen­de Si­tua­tion ver­än­dern kann.

Der Fern­seh­film „Gam­bit”[432], den er zu­fäl­lig sieht, bringt ihn auf die ent­schei­den­de Idee, Brie­fe mit bri­san­tem In­halt zu ver­schicken, gleich­zei­tig macht die Film­hand­lung ihn mit dem Grund­pro­blem sei­ner ge­plan­ten Ak­tio­nen ver­traut: der Tar­nung. Nach et­wa zwei– bis drei­jäh­ri­ger Vor­be­rei­tung hat er sich ein­ge­le­sen, al­le prak­ti­schen Fer­tig­kei­ten wie Lö­ten,[433] die si­che­re Her­bei­füh­rung bri­san­ter che­mi­scher Re­ak­tio­nen so­wie das Wis­sen um die ef­fi­zien­te Tar­nung[434] er­wor­ben, sich un­auf­fäl­lig (spo­ra­disch und zu­sam­men­hang­los) die ent­spre­chen­den Adres­sen sei­ner Op­fer und die Tei­le für sei­ne Brief­bom­ben be­sorgt und einen Vor­rat da­von an­ge­legt.

Sein Ziel ist die Ver­trei­bung der Frem­den, die ihn um die Früch­te sei­ner le­bens­lan­gen, schwe­ren und rechts­schaf­fe­nen Ar­beit ge­bracht ha­ben, die ihm un­ge­recht­fer­tig­ter­wei­se vor­ge­zo­gen wor­den sind (im eige­nen Land!) und die Wie­der­her­stel­lung „or­dent­li­cher Ver­hält­nis­se”.



Sze­nar 3: Die Macht des Ex­tre­mi­sten: Na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Pro­pa­gan­da


Von Gerd Honsik herausgegebener Aufkleber

Staats– und ge­sell­schafts­feind­li­cher Ex­tre­mist[435]; er grup­piert drei bis vier völ­lig an sei­nem Ge­dan­ken­gut Un­be­tei­lig­te, die mit den je­weils für ter­ro­ri­sti­sche An­schlä­ge not­wen­di­gen Spe­zi­al­kennt­nis­sen aus­ge­stat­tet sind, un­ab­hän­gig von­ein­an­der um sich und be­ginnt, je­den ein­zel­nen sei­ner „Freun­de” lang­sam zu ma­ni­pu­lie­ren, zu in­dok­tri­nie­ren. Er baut ein Ab­hän­gig­keits­ver­hält­nis auf, ge­winnt an Auto­ri­tät. In­ner­halb eines Jah­res bringt er die „Gleich­ge­sinn­ten” zu­sam­men, das sel­be Ziel be­wegt al­le, in den Un­ter­grund zu ge­hen, „et­was zu tun”. Durch sei­ne Au­to­ri­tät ge­lingt es ihm, even­tu­el­le mo­ra­li­sche Be­den­ken[436] der Be­tei­lig­ten zu be­sei­ti­gen.[437] Sein Ziel, ge­gen die Aus­län­der und an­de­res min­der­wer­ti­ges Ge­sin­del in Öster­reich et­was zu un­ter­neh­men, er­reicht er da­durch, daß sich zwar die Me­di­en und die re­gie­ren­den Par­tei­en ge­gen ihn stel­len, er aber in­sge­heim eine brei­te Zu­stim­mung „sei­ner” Be­völ­ke­rung er­war­tet und die­se zu aus­län­der­feind­li­chem, völ­kisch und ras­sisch ein­wand­frei­em, wenn auch nicht der­art ra­di­ka­lem Ver­hal­ten an­lei­tet; je­den­falls senkt er die Hemm­schwel­le der (vor­wie­gend noch ver­ba­len, nur in sel­te­nen Fäl­len hand­greif­li­chen und bei wei­tem noch nicht ter­ro­ri­sti­schen) Ge­walt­be­reit­schaft in wei­ten Krei­sen der öster­rei­chi­schen Be­völ­ke­rung, eine Hemm­schwel­le, die von der re­gie­ren­den, vert­schusch­ten Min­der­heit und durch die jü­di­sche[438] Me­di­en­pro­pa­gan­da im Ver­ein mit dem in­ter­na­tio­na­len Frei­mau­rer­tum in jah­re– und jahr­zehn­te­lan­ger Klein­ar­beit der (ari­schen, völ­kisch, ras­sisch, na­tio­nal ein­wand­frei­en) Mehr­heit als öf­fent­li­che Mei­nung[439] ok­tro­yiert wor­den ist. Zu­hil­fe kommt ihm da­bei, daß in den Me­di­en kol­por­tier­tes Fehl­ver­hal­ten so­ge­nann­ter Wirt­schafts­flücht­lin­ge so­wie die of­fen­kun­di­gen ne­ga­ti­ven Fol­gen des in Öster­reich ver­brei­te­ten bil­li­gen Mas­sen­tou­ris­mus in Tei­len der öster­rei­chi­schen Be­völ­ke­rung ein un­ter­schwel­li­ges Ge­fühl der An­ti­pa­thie, manch­mal so­gar der Be­klem­mung aus­ge­löst ha­ben.[440] Die End­lö­sung der Tschu­schen–, Ju­den– und Aus­län­der­fra­ge wird nicht durch phy­si­sche Ver­nich­tung, son­dern durch öf­fent­li­chen Druck, der ein Kli­ma des Un­be­ha­gens und in Fol­ge der Angst ver­brei­tet, her­bei­ge­führt: Un­er­wünsch­te Min­der­wer­ti­ge ver­las­sen Öster­reich frei­wil­lig, weil sie je­der­zeit mit der Es­ka­la­tion, d.h. der phy­si­schen Ver­nich­tung, rech­nen müs­sen.[441] Einer rei­nen und ver­eint­en deut­schen Na­tion steht dann nichts mehr im We­ge; die Feh­ler des frühe­ren, mi­ßver­stan­de­nen Na­tio­nal­so­zia­lis­mus (Op­fe­rung wert­vol­len deut­schen Blu­tes in einem Kampf ge­gen den „Rest der Welt”; pro­pa­gan­di­sti­scher Kampf ge­gen ras­sisch Min­der­wer­ti­ge, ge­gen die Über­macht der ver­ju­de­ten in­ter­na­tio­na­len öf­fent­li­chen Mei­nung; bol­sche­wi­sti­sche ideo­lo­gi­sche Ba­sis mit Ten­denz zur Ver­weich­li­chung an­stel­le ari­scher Tu­gend, Här­te und Über­le­gen­heit[442] etc.) wur­den ver­mie­den, man hat aus der Ge­schich­te ge­lernt.[443] Man hat ge­lernt und, wie es der Füh­rer einst wei­se be­foh­len und selbst an­ge­wandt hat, nicht nur aus­schließ­lich das Rich­ti­ge ge­le­sen, son­dern sich auch sonst auf das We­sent­li­che kon­zen­triert[444] und auf ein­fa­che, ge­nia­le[445] Art der wei­te­ren Über­frem­dung und Ver­wäs­se­rung ari­schen Blu­tes Ein­halt ge­bo­ten!



Sze­nar 4: „Katz' und Maus — Nur ein Spiel ...”


A (liest vor): „Ich weiß et­was!”
B (ant­wor­tet): „Ich weiß, daß Du et­was weißt.”

A (schreibt und liest vor): „Ich weiß, daß Du weißt, daß ich et­was weiß!”
B (ant­wor­tet): „Ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du et­was weißt.”

A (schreibt und liest vor): „Ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du weißt, daß ich et­was weiß!”
B (ant­wor­tet): „Ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du et­was weißt.”

A (schreibt und liest vor): „Ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du weißt, daß ich et­was weiß!”
B: „Jetzt ha­be ich den Über­blick ver­lo­ren.”[446]


Katz' und Maus: Eine Lö­sung:[447]

A (liest vor): „Ich weiß et­was!”
B (ant­wor­tet): „Ich weiß, daß Du et­was weißt.”

A (schreibt und liest vor): „Ich weiß, daß Du weißt, daß ich et­was weiß!”
B (ant­wor­tet): „Ich weiß, daß Du das weißt.”

A (schreibt und liest vor): „Ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du weißt, daß ich et­was weiß!”
B (ant­wor­tet): „Ich weiß, daß Du das weißt”

A (schreibt und liest vor): „Ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du weißt, daß ich weiß, daß Du weißt, daß ich et­was weiß!”
B (ant­wor­tet): „Ich weiß, daß Du das weißt.”

A: „Jetzt ha­be ich den Über­blick ver­lo­ren!”



[427] Vgl. Erbacher Qual­tin­ger S. 62–64; vgl. Qual­tin­ger auf Preis­re­cords; zur Über­set­zung Wie­ner Dia­lekt­aus­drücke ins Hoch­deut­sche vgl. Weh­le Wie­ne­risch. Ge­gen En­de der fünf­zi­ger Jah­re in Schwe­den und zu Be­ginn der sech­zi­ger Jah­re in Deutsch­land ent­stan­den Ju­gend­ban­den, die harm­lo­se Bür­ger mit Fahr­rad­ket­ten und Mes­sern ty­ran­ni­sie­ren; die Mit­glie­der die­ser Ban­den wa­ren fast aus­schließ­lich Kin­der von wohl­si­tui­er­ten Ärz­ten, Rechts­an­wäl­ten, Rich­tern ... Als Mo­tiv ga­ben die Ju­gend­li­chen Lan­ge­wei­le an. Es ist denk­bar, daß der Ab­sen­der der Brief­bom­ben sich einen „Spaß” dar­aus macht, Be­hör­den und Öffent­lich­keit zu fop­pen und sich nur zur Tar­nung frem­den­feind­lich mo­ti­viert gibt. Vgl. da­zu auch Mid­den­dorff Po­li­tische Kri­mi­na­li­tät S. 399 m.w.N.: „Im Ju­li 1969 be­schloß die ame­ri­ka­ni­sche Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­tion SDS, sich mit der Ex­tre­mi­sten­grup­pe Wea­ther­men zu ver­bün­den, und nach­dem man mit Pro­pa­gan­da­ak­tio­nen in der Öffent­lich­keit kei­nen Wi­der­hall fand, be­schloß man, in den Un­ter­grund zu ge­hen und Ter­ror­ak­te zu be­ge­hen. Die Mehr­zahl der Ter­ro­ri­sten stamm­te aus der Mit­tel­schicht, ins­be­son­de­re der obe­ren Mit­tel­schicht. [...] Der Reich­tum ih­rer Fa­mi­lien mach­te es den re­bel­lie­ren­den Kin­dern mög­lich, sich aus der Ge­sell­schaft völ­lig zu­rück­zu­zie&hen und sich mit den Ar­men und Un­ter­drück­ten zu iden­ti­fi­zie­ren. Oft spiel­te auch Lan­ge­wei­le eine wich­tige Rol­le. Die Re­ak­tion vie­ler El­tern war schwach, weil man ih­nen ein Schuld­ge­fühl we­gen ih­res Reich­tu­mes ein­re­de­te.”

[428] Vgl. Brau­er auf poly­dor. Vor­ur­tei­le kön­nen nicht nur auf einer „fa­schi­sto­i­den”, na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen oder ge­ne­rell frem­den­feind­li­chen Ein­stel­lung be­ru­hen, son­dern auch auf Des­in­ter­es­se und (dar­aus re­sul­tie­rend) Man­gel an Aus­ein­an­der­set­zung; vgl. da­zu et­wa Zim­mer­mann Na­tio­nal­stolz, S. 24 f.: „Wer nicht ge­rei­set ist, wer nichts ge­le­sen hat, wer dem Um­gang mit Leu­ten aus­weicht, die mehr wis­sen als er, ist all­zu­sehr auf das ein­ge­schränkt, was er täg­lich sieht. Er hat sei­ne Augen nur über die Din­ge of­fen, die ihn um­ge­ben; er ver­mu­tet nichts als öde Eilan­de und wü­ste dis­si­den­ti­sche Län­de­reien aus­ser­halb dem span­gen­lan­gen Fleck, den er be­wohnt; oder er nimmt von sich selbst und von sei­nen Um­stän­den ab, wie er von al­lem den­ken sol­le, was aus­ser sei­nem Ge­sichts­krei­se liegt. Er glaubt, wie die in der Rei­se­be­schrei­bung von Pa­ris nach Saint Cloud ab­ge­schil­der­ten Pa­ri­ser Maul­af­fen, die Ber­ge sei­en un­be­wohnt, die sich an den äus­ser­sten Gren­zen sei­nes Ge­sichts­krei­ses er­he­ben, al­les Ge­mü­se und al­les Ge­trei­de wach­se an den Bäu­men, weil die wil­den Ka­sta­nien auf den Spa­zier­gän­gen von Pa­ris auch an den Bäu­men wach­sen.” Wird kein An­reiz zu die­ser Aus­ein­an­der­set­zung ge­bo­ten, son­dern die­se von Po­li­tik und Me­di­en viel­leicht so­gar ver­hin­dert (oder wer­den gar ein­sei­ti­ge „In­for­ma­tio­nen” auf­ge­nö­tigt), führt dies nicht zum Ab­bau, son­dern zu einer Ver­stär­kung der Vor­ur­tei­le. Der idea­le An­satz zur Be­kämp­fung von Vor­ur­tei­len be­steht vor­zugs­wei­se im Be­reit­stel­len von neu­tral–ob­jek­ti­ven In­for­ma­tio­nen al­ler Art einer­seits so­wie an­de­rer­seits im Ken­nen­ler­nen an­de­rer Völ­ker und Kul­tu­ren durch eige­nes Er­le­ben, durch Rei­sen; vgl. da­zu oben An­hang A.6.2 so­wie ntv Wer­bung: „Mit je­der Rei­se be­grei­fen wir ein biß­chen mehr, wie­viel uns mit­ein­an­der ver­bin­det.” so­wie Zim­mer­mann Na­tio­nal­stolz, S. 89 f.: „Wa­che auf und lies, ist die be­ste Ma­xi­me zur Hei­lung der Vor­ur­tei­le wi­der Na­tio­nen, die man nicht kennt. Man wird sich im­mer we­ni­ger ver­ach­ten, je mehr man münd­lich oder durch Schrif­ten mit­ein­an­der um­geht. Die Wis­sen­schaf­ten pflan­zen un­ter den feind­se­lig­sten Völ­kern einen Geist der Ein­tracht und der Ge­gen­lie­be, ver­min­dern den Na­tio­nal­hass, der die See­len ver­engt, zer­stö­ren die Grenz­un­ter­schei­dun­gen des Eigen­nut­zes und der Eifer­sucht, ge­ben der Ver­nunft eine grö­ße­re Aus­brei­tung, dem Gei­ste eine ru­hi­ge­re Er­ha­ben­heit, dem Ur­teil über an­de­re Völ­ker mehr Ge­zie­mig­keit. Al­le Ge­lehr­ten sind Bür­ger eines ein­zi­gen Frei­staa­tes, in wel­chem man der ge­setz­mä­ßi­gen Un­gleich­heit un­ge­ach­tet kei­nen Ty­rann lei­det.”

[429] Brief­bom­ben sind kei­ne „öster­rei­chi­sche Spe­zia­li­tät”; Brief– und Buch­bom­ben wur­den schon öf­ters in Ir­land ver­schickt: „Das ist eine Buch­bom­be, die in Zei­tungs­pa­pier ein­ge­wickelt und als Pa­ket mit der Post ver­schickt wur­de.” Die Buch­bom­ben der IRA ent­hiel­ten et­wa 10 dag Pla­stik­spreng­stoff, ge­nug, um eine Per­son zu tö­ten. „Al­le Brief­bom­ben sind so ge­baut, daß sie ex­plo­die­ren, wenn sie ge­öff­net wer­den. Man kann sie nur schwer ent­schär­fen. Gott sei Dank kam dann der Rönt­gen­ap­pa­rat. Mit ihm konn­ten wir fest­stel­len, was die Brie­fe ent­hiel­ten. Das war eine gro­ße Wei­ter­ent­wick­lung. Spä­ter gab es so­gar trans­por­ta­ble Ap­pa­ra­te. [...]” Vgl. Gur­ney In­ter­view. Auch die Na­mens­ge­bung („Ba­ju­wa­ri­sche Be­frei­ungsar­mee” — „Irish Re­pu­bli­can Ar­my”) spricht für eine Be­ein­flus­sung durch die iri­sche Ter­ror­sze­ne.

[430] Vgl. zur In­ter­na­tio­na­li­tät des Ter­ro­ris­mus et­wa Mid­den­dorff Po­li­ti­sche Kri­mi­na­li­tät, S. 393: „Der mo­der­ne Ter­ro­ris­mus ist an kei­ne Staats­gren­zen ge­bun­den. Die iri­sche IRA un­ter­hielt Ver­bin­dun­gen zu der Pa­lä­sti­nen­ser–Or­ga­ni­sa­tion »Schwar­zer Sep­tem­ber« und zu der »Be­frei­ungs­front der Bre­tag­ne«. Man half sich ge­gen­sei­tig mit Waf­fen und Spreng­stoff, lie­fer­te sich fal­sche Päs­se und ver­steck­te Flücht­lin­ge und Ku­rie­re. In in­ter­na­tio­na­ler Zu­sam­men­ar­beit schos­sen An­ge­hö­ri­ge der »Ver­einig­ten Ro­ten Ar­mee« Ja­pans, die aus li­by­schen Öl­ge­win­nen fi­nan­ziert wur­den, im Auf­trag der Pa­lä­sti­nen­ser mit rus­si­schen Waf­fen einen Shell–Tank in Sin­ga­pur in Brand.”

[431] Vgl. Habs­burg Macht S. 195 f. Vgl. auch un­ten FN 441.

[432] Vgl. da­zu In­for­ma­tions­blatt der Ba­va­ria Film GmbH zu See­lig Gam­bit: „Gam­bit — Pro­fes­sor Ott, ein an­ge­seh­ener deut­scher Atom­wis­sen­schaft­ler, kommt bei einer Vor­trags­rei­se in Ma­rok­ko un­ter selt­sa­men Um­stän­den ums Le­ben. Eini­ge Zeit spä­ter er­hält die Bun­des­re­gie­rung den er­sten einer Rei­he von Er­pres­ser­brie­fen, die bei den deut­schen Si­cher­heits­kräf­ten höch­ste Alarm­be­reit­schaft aus­lö­sen: Eine Grup­pe, die sich als «O.D.I.N.» be­zeich­net, droht dar­in, durch die Zer­stö­rung eines Atom­kraft­werks eine un­vor­stell­ba­re Ka­ta­stro­phe aus­zu­lö­sen, wenn ihr nicht bis zu einem vor­ge­ge­be­nen Zeit­punkt eine Mil­li­ar­de DM in Gold über­ge­ben wird. Nach an­fäng­li­chen Zwei­feln sind die Ex­per­ten der Si­cher­heits­be­hör­den über­zeugt, daß die Dro­hung ernst­zu­neh­men ist; denn von Brief zu Brief be­wei­sen die Er­pres­ser, daß sie durch­aus in der La­ge sind, Lücken in den Si­cher­heits­vor­keh­rung­en aus­zu­ma­chen und zu nut­zen. Bei ih­ren fie­ber­haf­ten Er­mitt­lun­gen in rechts­ra­di­ka­len Krei­sen stößt die Po­li­zei auf Si­byl­le «Bil­lie» See­ger, eine jun­ge Re­por­te­rin, die of­fen­bar mit einem Aus­stei­ger der rechts­ra­di­ka­len Ter­ror­sze­ne in Ver­bin­dung steht. Bil­lie kennt sich ganz gut aus mit der Po­li­zei, aber der­ar­tig dra­sti­sche Er­mitt­lungs­me­tho­den, wie sie sie jetzt am eige­nen Leib er­fährt, sind ihr neu. Das läßt für sie nur einen Schluß zu: daß da ein ganz gro­ßes Ding läuft. Als be­ses­se­ne Jour­na­li­stin ver­sucht sie, auf eige­ne Faust die Sa­che auf­zu­klä­ren. Da­bei pfeift sie auf war­nen­de Stim­men aus der Si­che­rungs­grup­pe Bonn eben­so wie auf Dro­hun­gen der Neo­na­zis. Ih­re Kar­ten sind nicht schlecht, denn sie weiß mehr als sie der Po­li­zei ge­sagt hat. Was Bil­lie aber nicht weiß, ist, mit welch ho­hem Ein­satz die­ses Spiel wirk­lich ge­spielt wird.” Be­son­ders in­ter­es­sant sind die ein­ge­hen­den Dar­stel­lun­gen der an­ge­wand­ten Vor­sichts­maßnah­men beim Ver­schicken der Er­pres­ser­brie­fe; im Ge­gen­satz zu den Brie­fen der BBA je­doch ent­hal­ten sie we­sent­lich we­ni­ger Text, der Rück­schlüs­se auf die Her­kunft und Per­son des Ver­fas­sers er­mög­li­chen könn­te.

[433] Die im ORF und von den er­mit­teln­den Be­hör­den dar­ge­stell­ten „Spe­zi­al­kennt­nis­se” des Brief­bom­ben­ab­sen­ders sind in der Mehr­zahl als sol­che letzt­lich nicht zu wer­ten: Löten kön­nen vie­le HTL– bzw. TU–Ab­sol­ven­ten so­wie zahl­rei­che Hob­by–Elek­tro­ni­ker, An­ge­stell­te von Her­stel­ler­fir­men elek­tro­ni­scher Ge­rä­te so­wie die Ver­käu­fer der­sel­ben und ih­re Ser­vice–Tech­ni­ker, aber auch Kri­mi­na­li­sten, Mit­glie­der von Bom­ben­ent­schär­fungs– und An­ti­ter­ror–Ein­hei­ten, Agen­ten ver­schie­den­ster Ge­heim­dien­ste etc. (für öster­rei­chi­sche Be­am­te des all­ge­mei­nen oder mi­li­täri­schen Si­cher­heits­dien­stes — Sta­po, HNA, HAA — er­gibt sich zu­sätz­lich zur Er­fah­rung ein er­leich­ter­ter In­for­ma­tions­zu­gang) — al­les in al­lem zig–tau­sen­de Per­so­nen in Öster­reich. Der Auf­bau ein­fa­cher elek­tro­ni­scher Schal­tun­gen (und die in den Brie­fen und in den Me­di­en ge­schil­der­ten Schal­tun­gen sind als sol­che zu be­zeich­nen!) kann über­dies auch bei feh­len­den Vor­kennt­nis­sen bin­nen kur­zer Zeit (je nach Fer­tig­keit in­ner­halb eines hal­ben Jah­res) so­wohl theo­re­tisch als auch prak­tisch er­lernt, geübt und per­fek­tio­niert wer­den. Für die ver­mu­te­ten Com­pu­ter– und Che­mie­kennt­nis­se gilt das­sel­be (über Ni­tro­gly­ce­rin kön­nen De­tails in je­dem Schul­buch nach­ge­le­sen wer­den, vgl. et­wa Ja­nu­schew­sky/Ja­risch Che­mie Bd. 2 S. 64 und S. 108 oder Gu­by/Rich­ter/Seidl Or­ga­ni­sche Che­mie, S. 77.). Der ein­zig heik­le Punkt scheint das Zu­sam­men­fü­gen der ein­zel­nen elek­tro­ni­schen, phy­si­ka­li­schen und che­mi­schen Kom­po­nen­ten zu sein. Vgl. ORF Re­port Spe­zi­al, 21.24 Uhr.

[434] Zur Tar­nung vgl. auch oben An­hang A.1.1 die­ser Ar­beit.

[435] Vgl. da­zu Ak­tu­ell, S. 214: „Ex­tre­mis­mus ist eine Be­zeich­nung für Be­stre­bun­gen, aus einer be­stimm­ten Ide­o­lo­gie her­aus und un­ter Aus­schal­tung in­sti­tu­tio­na­li­sier­ter po­li­ti­scher Ver­fah­rens­wei­sen das Ge­sell­schafts­sy­stem um­stür­zen. Rechts–E. wird zu­meist als eine an­ti­de­mo­kra­tisch–auto­ri­tä­re und na­tio­na­li­stisch–völ­ki­sche Ein­stel­lung (Fa­schis­mus), Links–E. als Stre­ben nach einem for­mal ega­li­tä­ren Staat (Kom­mu­nis­mus) oder einem herr­schafts­frei­en Zu­stand (An­ar­chis­mus) de­fi­niert.” Be­ach­tens­wert: Ex­tre­mis­mus „ist”; die Er­klär­ung des „Links–” bzw. „Rechts–”Ex­tre­mis­mus fällt we­sent­lich vor­sich­ti­ger aus: „als ... wer­den de­fi­niert”.

[436] Mo­ral sei hier wie­der als ge­sell­schafts­be­zo­ge­nes Ge­wis­sen de­fi­niert; vgl. oben FN 351.

[437] Vgl. da­zu Mil­gram Ex­pe­ri­ment, S. 22: „Dies ist viel­leicht die fun­da­men­tal­ste Er­kennt­nis aus un­se­rer Un­ter­su­chung: Ganz ge­wöhn­li­che Men­schen, die nur schlicht ih­re Auf­ga­be er­fül­len und kei­ner­lei per­sön­li­che Feind­se­lig­keit emp­fin­den, kön­nen zu Hand­lun­gen in einem grau­si­gen Ver­nich­tungs­pro­zeß ver­an­laßt wer­den. Schlim­mer noch: selbst wenn ih­nen die zer­stö­re­ri­schen Fol­gen ih­res Han­delns vor Augen ge­führt und klar be­wußt ge­macht wer­den und wenn man ih­nen dann sagt, sie sol­len Hand­lun­gen aus­füh­ren, die in kras­sem Wi­der­spruch ste­hen zu ih­ren mo­ra­li­schen Grund­über­zeu­gun­gen, so ver­fü­gen doch nur ver­ein­zel­te Men­schen über ge­nü­gen­de Stand­fe­stig­keit, um der Auto­ri­tät wirk­sam Wi­der­stand ent­ge­gen­zu­set­zen. Eine Viel­zahl von Hem­mun­gen ge­gen­über dem Un­ge­hor­sam ge­gen Auto­ri­tät spielt mit und sorgt er­folg­reich da­für, daß einer nicht auf­muckt.” Beim Mil­gram–Ex­pe­ri­ment be­fahl ein Wis­sen­schaf­ter (Auto­ri­tät!) den Test­per­so­nen, einer drit­ten Per­son (im Ver­such na­tür­lich nur ima­gi­nä­re) schmerz­haf­te bis töd­li­che Strom­stö­ße zu ver­set­zen; die mei­sten Test­per­so­nen füg­ten sich völ­lig un­kri­tisch, aber wi­der bes­se­res Wis­sen und Ge­wis­sen der ver­meint­li­chen Auto­ri­tät des Wis­sen­schaf­ters. — Die für den Be­ginn der Ma­ni­pu­la­tion und In­dok­tri­na­tion nö­ti­ge Auto­ri­tät kön­n­te sich der Kopf der Ter­ro­ri­sten sei­nen spä­te­ren Kom­pli­zen ge­gen­über durch sein gro­ßes tech­ni­sches, po­li­ti­sches und/oder hi­sto­ri­sches Wis­sen er­wor­ben ha­ben.

[438] „Jüdisch” ist nur pars pro to­to: Ge­meint sind hier na­tür­lich al­le Nicht–Ari­er, al­so Tschu­schen, Nig­ger, Bol­sche­wi­ken usw.! Und der Kampf ge­gen die Ju­den wird als ein hei­li­ger ver­stan­den; vgl. Hit­ler Mein Kampf, S. 68–70: „In die­sem Fal­le blieb als letz­te Ret­tung noch der Kampf [ge­gen Mar­xismus und Ju­den­tum, Anm.], der Kampf mit al­len Waf­fen, die men­sch­li­cher Geist, Ver­stand und Wil­le zu er­fas­sen ver­mö­gen, ganz gleich, wem das Schick­sal dann sei­nen Se­gen in die Waag­scha­le senkt. [...] In­dem ich mich in die Leh­re des Mar­xis­mus ver­tief­te und so das Wir­ken des jü­di­schen Vol­kes in ru­hi­ger Klar­heit einer Be­trach­tung un­ter­zog, gab mir das Schick­sal sel­ber sei­ne Ant­wort. [...] Siegt der Ju­de mit Hil­fe sei­nes mar­xi­sti­schen Glau­bens­be­kennt­nis­ses über die V­öl­ker die­ser Welt, dann wird sei­ne Kro­ne der To­ten­tanz der Mensch­heit sein, dann wird die­ser Pla­net wie­der wie einst vor Jahr­mil­lio­nen men­schen­leer durch den Äther zie­hen. [...] So glaub­e ich heu­te im Sin­ne des all­mäch­ti­gen Schöp­fers zu han­deln: In­dem ich mich des Ju­den er­weh­re, kämp­fe ich für das Werk des Herrn.

[439] Vgl. da­zu Hit­ler Mein Kampf, S. 92.: „Was wir im­mer mit dem Wor­te »öffent­li­che Mei­nung« be­zeich­nen, be­ruht nur zu einem klein­sten Tei­le auf selbst­ge­won­ne­nen Er­fah­run­gen oder gar Er­kennt­nis­sen der ein­zel­nen, zum grö­ßten Teil da­ge­gen auf der Vor­stel­lung, die durch eine oft ganz un­end­lich ein­dring­li­che und be­harr­li­che Art von so­ge­nann­ter „Auf­klä­rung” her­vor­ge­ru­fen wird.”

[440] Vgl. Hit­ler Mein Kampf, S. 67: „Ich be­gann sie all­mäh­lich zu has­sen.”

[441] Schon 1928 hat­te man eine „Pa­tent–Lö­sung” für die ef­fi­zien­te Lö­sung der Ju­den­fra­ge zur Hand; vgl. et­wa VB 21./22.10.1928, S. 4: „Eine Aus­wei­sung der Ju­den ist un­nö­tig! wenn je­der Deut­sche jü­di­sche Ge­schäf­te und Wa­ren­häu­ser meidet, dann ge­hen sie von selbst.”

[442] Vgl. da­zu et­wa das Zi­tat von Hit­ler in Klo­se Frei­heit, S. 221: „... durch den Mann, des­sen Be­schrei­bung heißt: schlank wie ein Wind­hund, zäh wie Le­der, hart wie Krupp­stahl.”

[443] Man be­ach­te die Eigen­dy­na­mik die­ser Ar­gu­men­ta­tions­kette. Zur Ge­walt ge­gen­über Frem­den vgl. er­gän­zend Rauch­fleisch Ge­walt, S. 179–234.

[444] Vgl. Hit­ler Mein Kampf, S. 36 f.: „Es fehlt ih­nen die Kunst, im Bu­che das für sie Wert­vol­le vom Wert­lo­sen zu son­dern, das eine dann im Kop­fe zu be­hal­ten für im­mer, das an­de­re, wenn mög­lich, gar nicht zu se­hen, auf je­den Fall aber nicht als zweck­lo­sen Bal­last mit­zu­schlep­pen. [...] Nie­mals wird es so einem Kop­fe ge­lin­gen, aus dem Durch­ein­an­der sei­nes „Wis­sens” das für die For­de­rung der Stun­de Pas­sen­de her­aus­zu­ho­len, da ja sein gei­sti­ger Bal­last nicht in den Li­ni­en des Le­bens ge­ord­net liegt, son­dern in der Rei­hen­fol­ge der Bü­cher, wie er sie las und wie ihr In­halt ihm nun im Kop­fe sitzt. Wür­de das Schick­sal bei sei­nen An­for­de­run­gen des täg­li­chen Le­bens ihn im­mer an die rich­ti­ge An­wen­dung des einst Ge­le­se­nen er­in­nern, so müß­te es aber auch noch Buch und Sei­ten­zahl er­wäh­nen, da der ar­me Tropf sonst in al­ler Ewig­keit das Rich­ti­ge nicht fin­den wür­de.”

[445] Vgl. Hit­ler Mein Kampf, S. 86: „Ist nicht je­de ge­nia­le Tat auf die­ser Welt der sicht­ba­re Pro­test des Ge­nies ge­gen die Träg­heit der Mas­se?”

[446] Zur Über­li­stung von Be­hör­den vgl. Par­kin­son Ge­setz, S. 108: „Nach die­ser Theo­rie war­tet der chi­ne­si­sche Mil­lio­när sei­ne steu­er­li­che Ver­an­la­gung durch das Fi­nanz­amt gar nicht erst ab, son­dern schickt schon zu­vor einen Scheck über et­wa 329,83 Dol­lar an den be­tref­fen­den Re­fe­ren­ten. Ein kur­zes Be­gleit­schrei­ben be­zieht sich auf einen frühe­ren Brief­wech­sel und er­wähnt bei­läu­fig eine Bar­zah­lung an den Be­am­ten. Der Er­folg des Ver­fah­rens ist zu­nächst, daß der gan­ze steu­er­ein­trei­ben­de Ap­pa­rat vor­über­ge­hend de­mo­liert wird. Die Ver­wir­rung wird zum Cha­os, wenn ein wei­te­res Schrei­ben des Mil­lio­närs ein­trifft, in dem er sich we­gen sei­nes Irr­tums ent­schul­digt und um po­sta­li­sche Rück­sen­dung von 24 Cents bit­tet. Jetzt füh­len sich die Be­am­ten so er­schreckt und my­sti­fi­ziert, daß sie wäh­rend der näch­sten acht­zehn Mo­na­te über­haupt kein Ant­wort­schrei­ben her­aus­ge­hen las­sen — und ehe die­se Frist ver­stri­chen ist, trifft ein neu­er Scheck des Mil­lio­närs über 167,42 Dol­lar im Fi­nanz­amt ein. Auf die­se Wei­se, sag­te un­ser Theo­re­ti­ker, zahlt der chi­ne­si­sche Mil­lio­när prak­tisch kei­ne Steu­ern, und der chi­ne­si­sche Fi­nanz­be­am­te lan­det in der Gum­mi­zel­le. Mag dies auch noch un­be­wie­sen sein, die Theo­rie scheint einer gründ­li­chen Un­ter­su­chung wert. Min­de­stens könn­te man es ein­mal ver­su­chen.” Der Ver­gleich drängt sich ge­ra­de­zu auf: Man schickt eine Bom­be, läßt die Er­mitt­ler im Kreis lau­fen, schickt noch eine Bom­be, ärgert die Er­mitt­ler mit einem Be­ken­ner­schrei­ben, schickt eine Bom­be, schickt ein — dies­mal co­dier­tes — Be­ken­ner­schrei­ben, be­schäf­tigt die Er­mitt­ler, schickt eine neue Bom­be und schweigt an­schlie­ßend ...

[447] Dem Wort­laut der Be­ken­ner­schrei­ben zu­fol­ge scheint es den Ter­ro­ri­sten der Ba­ju­wa­ri­schen Be­frei­ungs­ar­mee einen be­son­de­ren Spaß zu be­rei­ten, die er­mit­tel­nden Be­hör­den an der Na­se her­um­zu­füh­ren und gleich­zei­tig un­ent­deckt zu blei­ben. Sie schei­nen Ge­fal­len am Ner­ven­kit­zel zu ha­ben. Ein we­nig Ähn­lich­keit hat ihr Ver­hal­ten auch mit je­nem Dr. Hai­ders ge­gen­über den bei­den Gro­ß­par­tei­en und den Me­di­en, das län­ger als ein Jahr­zehnt (!) von gro­ßem Er­folg ge­krönt war: Nur eini­ge we­ni­ge pro­vo­kan­te Wor­te sei­ner­seits be­wirk­ten wo­chen­lan­ge öf­fent­li­che Dis­kus­sion­en, die die po­li­ti­schen Ge­gner lahm­leg­te und — auf­grund der per­ma­nen­ten (un­be­zahl­ten!) Me­di­en­prä­senz — Wer­bung für sei­ne Sa­che mach­ten. Der Spaß wird den Ter­ro­ri­sten ver­dor­ben durch a) man­geln­des Me­dien­echo, b) durch Ig­no­rie­ren der Ka­prio­len (Spott, Ver­schleie­rungs­tak­tik, ent­spre­chen­de For­mu­lie­run­gen) und Kon­zen­tra­tion auf die er­mit­tel­ten Tat­sa­chen und kri­mi­na­li­sti­schen Schluß­fol­ge­run­gen und c) eine wirk­lich „hei­ße” Fähr­te, die sich für die Er­mitt­lungs­be­hör­den dar­aus er­ge­ben kann — manch­mal ist we­ni­ger eben wirk­lich mehr!






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Version Nr. 3/2026 vom 19. Feber 2026
Für den Inhalt verantwortlich: Christoph M. Ledel
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