„Burschen und Bomben”

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Felix, qui potuit rerum cognoscere causas.


1 Allgemeines


1.1 Zum Erfordernis der Begriffsbestimmung


All­zu ger­ne drücken sich Auto­ren vor der De­fi­ni­tion der von ih­nen ver­wen­de­ten Be­grif­fe. Sie ver­stecken sich hin­ter dem (oft nur postu­lier­ten) „all­ge­mei­en Sprach­ge­brauch”, dem „All­tags­ver­ständ­nis”[15] oder set­zen das all­ge­mein gül­ti­ge Ver­ständ­nis grund­leg­en­der Be­grif­fe ein­fach still­schwei­gend vor­aus.[16] „Wer sich je­doch mit den Grund­be­grif­fen sei­ner Ar­beit nicht selbst be­schäf­tigt, er­schwert [...] nicht nur sich selbst, son­dern auch dem Le­ser die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem eigent­li­chen The­ma er­heb­lich.”[17] Der Un­wil­le zur Fest­le­gung durch eine De­fi­ni­tion führt zwangs­läu­fig zu ver­schie­den­sten In­ter­pre­ta­tions­mög­lich­kei­ten eines Tex­tes und da­mit zur be­griff­li­chen Un­schär­fe, die einen teils er­heb­li­chen Man­gel an Nach­voll­zieh­bar­keit und da­mit an Ob­jek­ti­vi­tät — Grund­vor­aus­set­zun­gen zur Wis­sen­schaft­lich­keit[18] — zur Fol­ge hat.

Für die Nach­voll­zieh­bar­keit ist je­doch kei­nes­falls er­for­der­lich, daß sich die ge­ge­be­ne Be­griffs­be­stim­mung am all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch (ins­be­son­de­re an je­nem der Po­li­tik und der Mas­sen­me­dien!) orien­tiert — im Ge­gen­teil: Oft tre­ten erst in­fol­ge einer kla­ren, durch den Ge­brauch mög­lichst ein­deu­ti­ger Wor­te so­wie durch die An­wen­dung un­zwei­fel­haf­ter, nach­voll­zieh­ba­rer Re­geln der Gram­ma­tik und der Lo­gik ge­präg­te De­fi­ni­tion die Un­schär­fen des „all­ge­mei­nen Sprach­ge­brau­ches” zu­ta­ge. Nur da­durch kann sich die aka­de­misch–ob­jek­ti­ve For­mu­lie­rung dem Zu­griff und der Kri­tik der in­ter­pre­ta­ti­ven Ma­ni­pu­la­tion ent­zie­hen[19] — je­ner Ma­ni­pu­la­tion, die in ­ Kon­se­quenz Aus­gangs­punkt und Grund­la­ge des To­ta­li­ta­ris­mus ist.[20] Un­ter die­sem As­pekt sind auch die Wi­der­stän­de ge­gen ra­di­ka­le Ver­än­de­run­gen von Spra­che und Recht­schrei­bung,[21] mit de­nen sich die deutsch­spra­chi­ge Be­völ­ke­rung Euro­pas derzeit kon­fron­tiert sieht, nicht von vorn­her­ein als „dis­kri­mi­nie­rungs­freund­lich”, „re­ak­tionär” oder gar „deutsch­tü­melnd” zu qua­li­fi­zie­ren; es han­delt sich viel­mehr um eine oft rein in­stink­ti­ve Auf­leh­nung ge­gen die mit der „Ver­ein­fa­chung der Spra­che” auto­ma­tisch ein­her­ge­hen­den sprach­kul­tu­rel­len Ni­vel­lie­rung und be­griff­li­chen Un­schär­fe[22] so­wie ge­gen den un­ter der Mas­ke des „Dis­kri­mi­nie­rungs­ab­baus” oktroy­ier­ten Sprachumbau.[23]


1.2 Der „akademische Gedanke”


Eine De­fi­ni­tion mit wis­sen­schaft­lich–aka­de­mi­schem An­spruch dient aus­schließ­lich der wis­sen­schaft­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung, sie dul­det kei­nen sie ein­en­gen­den Zweck, kein Ziel außer der Wis­sen­schaft, schon gar kei­ne Ideo­lo­gie[24]. Eine aka­de­mi­sche Aus­sa­ge er­hält ihr An­se­hen aus der ihr eige­nen Ob­jek­ti­vi­tät[25], ih­ren Wahr­heits­ge­halt aus der ihr eige­nen To­le­ranz[26].

Die Be­zeich­nung einer Aus­sa­ge als „De­fi­ni­tion” al­lein ist da­her noch kei­ne Ga­ran­tie für aka­de­misch–freie Wis­sen­schaft­lich­keit; ih­re miß­bräuch­li­che Ver­wen­dung — et­wa als Recht­fer­ti­gung oder Mit­tel zur Durch­set­zung — für einen nicht–wis­sen­schaft­li­chen, mög­li­cher­wei­se po­li­tisch–ideo­lo­gi­schen Zweck[27] ist da­her im­mer zu über­prü­fen!

Äqui­dis­tanz bei der Aus­übung von (objektiv legitimierter) Auto­ri­tät[28] so­wie To­le­ranz[29] sind wie­der­um un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zun­gen für „... Grund­frei­hei­ten, wel­che die Grund­la­ge der Ge­rech­tig­keit und des Frie­dens in der Welt bil­den und de­ren Auf­recht­er­hal­tung we­sent­lich auf einem wahr­haft de­mo­kra­ti­schen po­li­ti­schen Re­gi­me einer­seits und auf einer ge­mein­sa­men Auf­fas­sung und Ach­tung der Men­schen­rech­te an­de­rer­seits be­ruht, von de­nen sie sich her­lei­ten; [...].”[30]

So­mit ist der Ein­fluß aka­de­misch ge­präg­ten Ge­dan­ken­gu­tes et­wa auf die Po­li­tik, die Exe­ku­tiv­ge­walt und die „öf­fent­li­che Mein­ung” zwei­fel­los ein In­di­ka­tor für den Grad der Ver­wirk­li­chung der bür­ger­li­chen Grund– und Frei­heits­rech­te in­ner­halb einer Ge­sell­schaft, der un­ab­hän­gig da­von ist, wie die­se sich selbst sieht und be­nennt![31]


1.3 Verallgemeinerungen,[32] Verwechslungen, Vorurteile


Cou­leur­stu­den­ten sind „Re­ak­tionäre”, „Bur­schen­schaf­ter”, „An­ti­se­mi­ten”, „Na­tio­nal–Kon­ser­va­ti­ve”, „Fa­schi­sten”, „Na­zis”, „Protektionsscheißer”, „Frem­den­has­ser”, „An­ti­de­mo­kra­ten”, „Deutsch­na­tio­na­le”, „Sä­bel­fe­ti­schi­sten”, „Bier­tisch­ro­man­ti­ker”, „Deutsch­tüm­ler” und „Schlit­zer”.[33] Der­ar­ti­ge Män­gel an Sach– und Ge­schichtskennt­nis und die dar­aus re­sul­tie­ren­den Miß­ver­ständ­nis­se und Ver­all­ge­mei­ne­run­gen füh­ren in letz­ter Kon­se­quenz zu Vor­ur­tei­len, die nicht nur in der all­ge­mei­nen Be­völ­ke­rung weit ver­brei­tet, son­dern auch im nicht cor­po­rier­ten aka­de­mi­schen Be­reich mitt­ler­wei­le tief ver­wur­zelt und da­her nur schwer zu be­kämp­fen sind.[34]

Vor­ur­tei­le be­hin­dern das freie Den­ken; sie sind je­doch nicht nur zu­tiefst un­aka­de­misch, son­dern auch auf­grund ih­rer Eigen­dy­na­mik — sie ver­ab­so­lu­tie­ren sich und brin­gen zu ih­rer eige­nen Recht­fer­ti­gung im­mer neue Vor­ur­tei­le her­vor — be­son­ders gut zur Ma­ni­pu­la­tion ge­eig­net, wie das Bei­spiel des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus be­son­ders deut­lich vor Augen ge­führt hat. Miß­ver­ständ­nis­se auf­zu­klä­ren und Vor­ur­tei­len vor­zu­beu­gen ist da­her nicht nur aka­de­mi­sches An­lie­gen, son­dern auch not­wen­di­ge Selbst­schutz­maß­nah­me einer hu­ma­nen, am In­di­vi­du­um und sei­nen Grund­rech­ten orien­tier­ten, nicht–to­ta­li­tä­ren Ge­sell­schaft, will sie nicht das Op­fer ra­di­ka­ler Strö­mun­gen wer­den.[35]

Da­her soll, be­vor auf das Cor­po­ra­tions­stu­den­ten­tum selbst ein­ge­gan­gen wird, an zwei Bei­spie­len, näm­lich an der ge­ra­de in cou­leur­stu­den­ti­schen Krei­sen sich im­mer grö­ße­rer Be­liebt­heit er­freu­en­den Frak­tur­schrift so­wie am so­ge­nann­ten Sieg­frieds­kopf, dem Denk­mal der Deut­schen Stu­den­ten­schaft für ih­re Kriegs­op­fer in der Aula der Uni­ver­si­tät Wien, die Ober­fläch­lich­keit der all­ge­mei­nen Be­ur­tei­lun­gen deut­lich ge­macht wer­den.


1.3.1 Schrift


Als „si­che­res Zei­chen” für einen deutsch­na­tio­na­len oder gar na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Hin­ter­grund einer Per­son oder einer Per­so­nen­grup­pe wird die Ver­wen­dung der Frak­tur­schrift an­ge­se­hen; das geht so weit, daß die­se Schrift be­reits als Sy­no­nym für die be­schrie­be­nen Gei­stes­hal­tun­gen ver­wen­det wird.[36] Da­bei ge­nügt schon ein Blick ins Kon­ver­sa­tions­le­xi­kon[37] oder in eine wis­sen­schaft­li­che Ar­beit[38], um fest­stel­len zu kön­nen, daß a) sehr oft Schrif­ten als Frak­tur be­zeich­net wer­den, die kei­ne sind, und b) we­der die Ent­ste­hung noch die Ent­wick­lung der Frak­tur et­was mit „Deutsch­tüme­lei” oder mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu tun hat.[39] Bei nä­he­rer Übe­rle­gung scheint es viel­mehr weit her­ge­holt, wa­rum ge­ra­de die Schrift des öster­rei­chi­schen Kai­sers, von Künst­lern wie Albrecht Dü­rer und Paul Ce­lan, der öster­rei­chi­schen Reichs­ge­setz­blät­ter[40], der Wie­ner Zei­tung und der in Öster­reich bis 1978 ver­wen­de­ten la­tei­nisch–deut­schen Schul­wör­ter­bü­cher[41] mit die­sem Ge­dan­ken­gut in Ver­bin­dung zu brin­gen wä­re.[42]


Aufkleber der Wiener Burschenschaft Teutonia

Die Be­reit­wil­lig­keit, mit der Be­nüt­zer der Frak­tur un­kri­tisch–ver­all­ge­mei­nernd ins „rech­te Eck” ge­stellt wer­den, nützt aber nur den „Rech­ten”, die die­se Schrift sinn­wid­rig ein­set­zen, für sich in An­spruch neh­men und so die Schrift und ih­re Geschich­te im eige­nen Sin­ne um­deu­ten kön­nen — das al­les mit Hil­fe der so­ge­nann­ten An­ti­fa­schi­sten und wei­ter Tei­le der Be­völ­ke­rung, die die Än­de­rung des Schrift­bil­des in den vier­zi­ger Jah­ren still­schwei­gend hin­ge­nom­men ha­ben und sich heu­te ih­res Ur­sprungs nicht mehr er­in­nern kön­nen oder wol­len.[43]

Ne­ben den ge­schil­der­ten, auf Un­wis­sen­heit oder Ma­ni­pu­la­tions­ab­sicht be­ru­hen­den Grün­den kann da­her die Frak­tur­schrift heu­te et­wa ver­wen­det wer­den, um aus­zu­drücken, daß es sich um die Wie­der­ga­be eines Tex­tes aus der Zeit der öster­rei­chisch–un­ga­ri­schen Mon­ar­chie han­delt,[44] weil sie bes­ser ge­fällt als die An­ti­qua[45] oder weil man die jahr­hun­der­te­lan­ge Tra­di­tion die­ser Schrift pfle­gen möch­te.


1.3.2 Die Deutsche Studentenschaft und der „Siegfriedskopf”


Für das bes­se­re Ver­ständ­nis er­scheint es rat­sam, auf die Ent­ste­hung und Ent­wick­lung der Deut­schen Stu­den­ten­schaft ein­zu­ge­hen.[46] Nach der Selbst­auf­lö­sung der „Na­tio­nen”[47] nah­men ab 1880 vor­über­ge­hend an der Wie­ner Uni­ver­si­tät die Cor­po­ra­tio­nen die Auf­ga­ben der stu­den­ti­schen Stan­des­ver­tre­tung wahr.[48] „Nach­dem im Deut­schen Reich schon wäh­rend des Er­sten Welt­krie­ges ver­sucht wor­den war, einen all­ge­mei­nen deut­schen Stu­den­ten­tag ab­zu­hal­ten, ge­lang es am 25. Mai 1919, eine ge­mein­sa­me Ta­gung al­ler Stu­den­ten­schaf­ten der deut­schen Hoch­sch­len in Würz­burg ab­zu­hal­ten. Dort wur­de dann vom 17. bis zum 19. Ju­li der Ge­samt­ver­band Deut­sche Stu­den­ten­schaft auf groß­deutsch–völ­ki­scher Ba­sis kon­sti­tu­tiert. Ganz im Sin­ne der da­mals in Öster­reich herr­schen­den »An­schluß­ideol­o­gie« war auch die öster­rei­chi­sche Stu­den­ten­schaft in die­sen Ver­band mit ein­ge­schlos­sen. Da jü­di­sche Stu­den­ten deut­scher Na­tio­na­li­tät von der Stu­den­ten­schaft aus­ge­schlos­sen wa­ren, kam es auf dem Stu­den­ten­tag in Er­lan­gen im Ju­li 1921 zur Spren­gung die­ser er­sten, Würz­bur­ger Ver­fas­sung.[49] Die Er­lan­ger Ver­fas­sung b­ruh­te auf der Drei­tei­lung in eine reichs­deut­sche, öster­rei­chi­sche und su­de­ten­deut­sche Grup­pe, die nur mehr einen ge­mein­sa­men Vor­sit­zen­den, im übri­gen aber freie Hand — vor al­lem in der Fra­ge der Mit­glied­schaft — ha­ben soll­te. Nach lang­wie­ri­gen »Ver­fas­sungs­kämp­fen« wur­de schließ­lich 1923 wie­der die Würz­bur­ger Ver­fas­ung ein­ge­führt. [...] Der er­ste Kreis­tag der öster­rei­chi­schen Stu­den­ten­schaf­ten fand 1920 in Wien statt und be­schäf­tig­te sich mit der Aus­län­der­fra­ge. Es wur­de fest­ge­legt, daß nur »deutsch­ari­sche« Stu­den­ten durch die Im­ma­tri­ku­la­tion Mit­glie­der der Deut­schen Stu­den­tens­chaft wür­den. Das in der Studentenschaft wirkende antisemitische Prinzip[50] und die star­ke Zu­wan­de­rung von Ost­ju­den, ins­be­son­de­re an die Wie­ner Uni­ver­si­tät, führ­te schließ­lich zur For­de­rung eines nu­me­rus clau­sus für Ju­den bzw. nach dem »Stu­den­ten­recht«. Da­ge­gen bil­de­ten die deutsch­frei­heit­li­chen Cou­leurs den Deut­schen Stu­den­ten­bund, die so­zial­de­mo­kra­ti­schen Stu­die­ren­den den So­zial­de­mo­kra­ti­schen Stu­den­ten– und Aka­de­mi­ker­ver­band. [...] Nach­dem die von Rek­tor Wen­zel Graf Gleis­pach am 20. März 1930 er­las­se­ne Stu­den­ten­ord­nung, die fak­tisch den nu­me­rus clau­sus für Ju­den bzw. Stu­den­ten ver­schie­de­ner Wert–Ka­te­go­rien ein­ge­führt ha­ben wür­de, vom Ver­fas­sungs­gerichts­hof am 20. Ju­ni 1931 auf­ge­ho­ben wor­den war, trat die Ka­tho­lisch–deut­sche Hoch­schü­ler­schaft aus der Deut­schen Stu­den­ten­schaft aus. Der ver­blie­be­nen Rumpf­stu­den­ten­schaft aber wur­de durch die Be­hör­de ih­re bis­he­ri­ge Tä­tig­keit un­ter­sagt. Da­mit fand die­se er­ste stu­den­ti­sche Selbst­ver­wal­tungs­or­ga­nis­a­tion Öster­reichs ihr En­de.”[51]

Die Deut­sche Stu­den­ten­schaft war al­so ein Pen­dant zur heu­ti­gen Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­ler­schaft; wie die­se be­stand sie auch aus ver­schie­de­nen Frak­tio­nen, die ent­spre­chend dem Mehr­heits­ver­hält­nis an der je­wei­li­gen Uni­ver­si­tät auch die grund­le­gen­de Rich­tung der je­wei­li­gen Deut­schen Stu­den­ten­schaft be­stimm­ten. Dies macht wie­der­um all­ge­mein­gül­ti­ge Aus­sa­gen über die da­ma­li­ge stu­den­ti­sche Stan­des­ver­tre­tung — noch da­zu über einen län­ge­ren Zeit­raum — un­mög­lich: Wäh­rend sich in Wien die Deut­sche Stu­den­ten­schaft ab et­wa 1923/24 zu­neh­mend durch die Ab­hal­tung von „pa­trio­ti­schen Fei­ern” her­vor­trat,[52] war sie 1930 in Inns­bruck mehr­heit­lich in der Hand der KDHOe,[53] die im Ständestaat die füh­ren­de Rol­le in der stu­den­ti­schen Ver­tre­tung über­neh­men soll­te.[54]

Dem NSDStB[55] gelang es im Laufe der Zeit, durch Er­fol­ge[56] bei den Wah­len zu den Stu­den­ten­aus­schüs­sen zu­neh­mend Ein­fluß auf die Deut­sche Stu­den­ten­schaft zu ge­win­nen, was je­doch nur in sehr ge­rin­gem Maße Rück­schlüs­se auf eine all­ge­mei­ne Nei­gung der öster­rei­chi­schen bzw. reichs­deut­schen Stu­den­ten zum Na­tio­nal­o­zia­lis­mus zu­läßt.[57]

Nach der Machtübernahme der Na­tio­nal­so­zia­li­sten im Deut­schen Reich wur­de die Über­lei­tung der Deut­schen Stu­den­ten­schaft in die „Reichs­schaft der Stu­die­ren­den” an­ge­ord­net.[58]


Aufkleber der Initiative SOS

Die Pla­nun­gen für den „Sieg­frieds­kopf”, wie der Ge­denks­tein in der Aula der Wie­ner Uni­ver­si­tät ge­nannt wird, be­gan­nen, wie aus den Un­ter­la­gen des Uni­ver­si­täts­ar­chi­ves in Wien her­vor­geht, be­reits vor 1914.[59] Er soll­te da­mals vor al­lem an je­ne Stu­den­ten erinnern, die in den Schlach­ten der ­ 1866 und 1870/71[60] gefal­len wa­ren. Erst nach dem Er­sten Welt­krieg konn­te dann die Rea­li­sie­rung des Hel­den­denk­mals in An­griff ge­nom­men wer­den. Nach 1918 gab es na­tür­lich vie­le ge­fal­le­ne Stu­den­ten — u.a. je­ne der aka­de­mi­schen Le­gion[61] — und auch Ver­tre­ter des aka­de­mi­schen Mit­tel­baus und der Pro­fes­so­ren­schaft mehr, an die der Stein er­in­nern muß­te. Durch die Wir­ren der In­fla­tions­zeit wur­de sei­ne Fertig­stel­lung noch­mals ver­zö­gert, so­daß das von Jo­sef Müll­ner ge­schaf­fe­ne Hel­den­mal erst am 9. No­vem­ber 1923 feier­lich ent­hüllt wer­den konn­te.[62]

Am 13.05.1965 fand mit­tags an­läß­lich der Feier­lich­kei­ten zum sechs­hun­dert­jäh­ri­gen Be­ste­hen der Uni­ver­si­tät Wien eine „To­ten­eh­rung in der Aula der Uni­ver­si­tät”[63] statt; im An­schluß dar­an leg­ten zwei Pe­del­le „vor dem Ehren­mal für die ge­fal­le­nen Hel­den der Uni­ver­si­tät einen Lor­beer­kranz der Uni­ver­si­tät und einen zwei­ten der Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­ler­schaft nie­der.”[64] Gall schrieb da­mals im Auf­trag der Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­ler­schaft: „Je­den­falls soll­te das schö­ne Hel­den­denk­mal Jo­sef Müll­ners in der Aula der Neuen Uni­ver­si­tät den Stu­den­ten von heu­te nicht nur an die To­ten zweier Welt­krie­ge er­in­nern, son­dern auch an den Op­fer­mut und die Pflicht­er­fül­lung aka­de­mi­scher Le­gio­nä­re aus drei Jahr­hun­der­ten.”[65] Fünf­und­zwan­zig Jah­re spä­ter, im Früh­jahr 1990, wur­de im Haupt­aus­schuß der Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­ler­schaft Wien von so­zia­li­sti­schen Man­da­ta­ren ein An­trag ein­ge­bracht, der die Ent­fer­nung des Denk­mals aus der Aula zum Ziel hat­te und da­mals auf Wi­der­stand sei­tens der JES und den cor­po­rier­ten Man­da­ta­ren der frei­heit­li­chen Frak­tion gesto­ßen ist.

Die dar­auf­hin vor­wie­gend von Cor­po­ra­tions­stu­den­ten als ge­mein­nüt­zi­ger Ver­ein ge­grün­de­te über­frak­tio­nel­le „Platt­form Sieg­frieds­kopf” be­schäf­tig­te sich mit der Quel­len­for­schung an der Wie­ner Univ­er­si­tät und gab Wer­be­ma­te­rial wie den ne­ben­ste­hend ab­ge­bil­de­ten Auf­kle­ber her­aus. Im Ok­to­ber 1990 ver­lie­ßen die nicht frei­heit­lich orien­tier­ten Mit­glie­der die Platt­form wie­der.[66]

Der Ge­denk­stein, der eigent­lich dem To­ten­ge­den­ken die­nen soll­te, ist bis heu­te um­strit­ten. Eine ak­tu­el­le, wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Ar­beit auf aka­de­mi­schem Ni­veau je­doch, die die po­li­tisch mo­ti­vier­ten Strei­tig­kei­ten um den Stand­ort des Sieg­frieds­kop­fes — und auch die Kranz­nie­der­le­gun­gen schla­gen­der Cor­po­ra­tio­nen — ver­hin­dern kön­nte, exi­stert noch nicht. Vor al­lem aus die­sem Grund ist der „Denk­mal­sturm” als un­aka­de­misch, ja ge­ra­de­zu als bar­ba­risch ab­zu­leh­nen. Zu be­den­ken ist außer­dem, daß der Ge­denk­stein, selbst wenn er sich nach­weis­lich als Pro­dukt deutsch­na­tio­na­ler Ge­sin­nung her­aus­stel­len soll­te, im­mer­hin in der Aula einer Uni­ver­si­tät steht, von de­ren An­ge­hö­ri­gen man er­war­ten kann, daß sie zur Ge­schich­te ih­rer Al­ma Ma­ter ge­nü­gend Ab­stand und Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein im aka­de­mi­schen Sin­ne be­sit­zen, um sich der Aus­ein­an­der­set­zung mit ihr — auch in Form eines Hel­den­denk­mals — stel­len zu kön­nen![67]



2 Corporation

Variatio delectat!

2.1 Allgemeines


Stu­den­ti­sche Cor­po­ra­tio­nen[68] sind Ge­mein­schaf­ten von Stu­den­ten und Aka­de­mi­kern, „de­ren Grund­sät­ze, Um­gangs–, Or­ga­ni­sa­tions– und auch Sprach­for­men bis heu­te noch von Tra­di­tio­nen v. a. aus dem 18. und 19. Jh. ge­prägt sind.”[69]


2.2 Unterscheidung


„Die Viel­falt von Kor­po­ra­tions­ver­bän­den im deutsch­spra­chi­gen Raum er­weist sich al­lei­ne schon an un­ter­schied­li­cher Ein­stel­lung zum Le­bens­bund­prin­zip und zur Men­sur, dem »Be­kennt­nis« auch durch äußer­li­che »Sig­na­le« wie Far­ben­tra­gen oder doch –füh­ren, dem Be­streb­en nach eige­nem Ver­bin­dungs­haus, dem Ge­mein­schafts­le­ben sui ge­ne­ris und ih­rer Aus­rich­tung in der durch Tra­di­tion vor­ge­ge­be­nen Prä­gung, sei die­se po­li­ti­scher, welt­an­schau­li­cher, wissen­schaft­li­cher, sport­li­cher, mu­si­scher oder fach­be­zo­ge­ner Art. Mit Rück­sicht auf die­se Ge­ge­ben­hei­ten las­sen sich die Kor­po­ra­tions­ver­bän­de, Kar­tel­le und re­gio­na­len Con­ven­te nach be­währ­tem Mu­ster in 4 Grup­pen un­ter­tei­len, näm­lich:

1. Schla­gen­de und far­ben­tra­gen­de Ver­bän­de:
CC, ÖLTC, DBÖ, KSCV, SAT, SWR, WSC;

2. Men­sur frei­stel­len­de und far­ben­tra­gen­de Ver­bän­de:
BDIC, BdSt, CDC, DB, DHB, DS, H, MK, MSC, NCTC, VDB, WJSC;

3. Nicht­schla­gen­de, far­ben­tra­gen­de Ver­bän­de:
ASB, BPhV, BrK, CNK, CV und ÖCV, KÖL, K, RKDB, RKAB, RVC, SB, SBL, SKI, SSt, SSV, TCV, VCS, WB, WK, Z;

4. Nicht­schla­gen­de, Far­ben frei­stell­en­de und schwar­ze Ver­bän­de:
AGÖ, ARB, ATB, DG, FGT, KV, ÖKV, MWR, PC, SV, UV, UVÖ, VASV, VVDSt.”[70]


2.3 Verbände


Ein Ver­band ist ein Zu­sam­men­schluß meh­re­rer Cor­po­ra­tio­nen mit an­nä­hernd glei­chen Ziel­set­zun­gen; er ist oft ver­eins­recht­lich ver­an­kert.[71] Ein Orts­ver­band oder Orts­con­vent ist ein oft loser Zu­sam­men­schluß meh­re­rer Cor­po­ra­tio­nen aus dem­sel­ben Ver­band, die ih­ren Sitz am sel­ben Ort ha­ben.[72] Ein Dach­ver­band wie­der­um faßt meh­re­re Ver­bän­de zu­sam­men.[73]


2.4 Terminologie: Funktionäre und Arten der Mitgliedschaft


Die Funk­tio­nä­re einer Cor­pora­tion wer­den Char­gen[74] ge­nannt. Die ge­bräuch­lich­sten Char­gen­be­zeich­nun­gen sind Se­nior[75], Con­se­nior[76], Fuchsmajor[77], Schrift­füh­rer und Kas­sier.[78] Da­ne­ben gibt es weitere, vereinsrechtlich nicht bedeutende Funktionäre wie „Sachwart”, „Bar­wart”, „Bü­cher­wart”, „Bu­den­wart”, „Fecht­wart”[79] usw. Die Char­gen sind der Ge­samt­cor­po­ra­tion für ihr Han­deln ver­ant­wort­lich.

Wer den Wunsch äußert, Mit­glied einer Cor­po­ra­tion zu wer­den, ist Spe–Fuchs.[80] Wer sein Re­cep­tions­gesuch[81] beim Fuchs­ma­jor ab­ge­ge­ben hat, wird durch Be­schluß des Bur­schen­con­ven­tes[82] und nach der feier­li­chen Auf­nah­me „Kraßfuchs”[83]. Nach Ab­lauf von et­wa zwei Se­me­stern, dem Ab­le­gen der Bran­der­prü­fung[84] und der ze­re­mo­niel­len Bran­de­rung[85] auf einer der tra­di­tio­nell cou­leur­stu­den­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen[86] ist man „Brand­fuchs”. Nach Be­ste­hen einer stren­gen Prü­fung und nach Ab­le­gen des „Bur­schen­eides” wird man Voll­mit­glied der Cor­po­ra­tion auf Le­bens­zeit mit Sitz und Stim­me auf dem BC[87];auch die Bur­schung wird ze­re­mo­niell ent­we­der an­läß­lich einer Knei­pe oder eines Fest­kom­mer­ses durch­ge­führt.[88] Mit Be­en­di­gung des Stu­diu­ms[89] tritt der „Ak­ti­ve” ins Phi­li­ste­ri­um, den Alt­her­ren­stand, über; der Al­te Herr hat Sitz und Stim­me auf dem AHC.[90]

Ein Ur­mit­glied[91] ist, wer die Fuch­sen­zeit in der Cor­po­ra­tion ab­sol­viert hat. Band­mit­glied[92] ist das Mit­glied einer Cor­po­ra­tion aus dem­sel­ben Ver­band, das die Mit­glied­schaft verlie­hen be­kommt, Ehren­bur­schen bzw. Eh­ren­phi­li­ster sind Cor­po­ra­tions­mit­glie­der, die aus Cor­po­ra­tio­nen be­freun­de­ter Ver­bän­e kom­men. Eh­ren­mit­glie­der sind sol­che, die kei­ner (be­freun­de­ten) Cor­po­ra­tion an­ge­hö­ren, sich um die Cor­po­ra­tion oder um die von ihr ver­tre­te­nen Prin­zi­pien gro­ße Ver­dien­ste er­wor­ben ha­ben, von de­nen aber die Ab­sol­vie­rung einer Fuch­sen­zeit nicht er­war­tet wer­den kann. Kon­knei­pan­ten er­fül­len nicht al­le er­for­der­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen[93] für eine Mit­glied­schaft; sie sind gern ge­se­he­ne Dau­er­gä­ste der Cor­po­ra­tion und er­hal­ten meist zum Zei­chen ih­rer Ver­bun­den­heit mit die­ser Halb­cou­leur verliehen.[94]


2.5 Prinzipien


Das Cor­po­ra­tions­le­ben so­wie das der Cor­po­ra­tions­mit­glie­der orien­tiert sich ge­wöhn­lich an Prin­zi­pien wie re­li­gio[95], ami­ci­tia[96], scien­tia[97], pat­ria[98], vir­tus[99], mon­ar­chia[100]; da­ne­ben gibt es eige­ne Prin­zi­pien, die der spe­ziel­len Aus­rich­tung der je­wei­li­gen Cor­po­ra­tion in tech­ni­scher, mu­si­scher, sport­li­cher etc. Hin­sicht ent­spre­chen.[101]


2.6 Die Mensur


Das Wort be­zeich­net eigent­lich den Ab­stand zwei­er Fech­ter zu­ein­an­der;[102] im stu­den­ti­schen Sprach­ge­rauch hin­ge­gen ist da­mit ein Zwei­kampf zur Aus­tra­gung von Eh­ren­sa­chen mit schar­fen Hieb­waf­fen, den Schlä­gern[103] ge­meint. Ge­foch­ten wird nach stren­gen, von der all­ge­mein üb­li­chen Fecht­art ab­wei­chen­den Re­geln, dem je­wei­li­gen „Pauk–Com­ment”[104]. Wer sich be­lei­digt fühlt, der for­dert sei­nen Wi­der­sa­cher zur Men­sur; be­trifft die eh­ren­rüh­ri­ge An­ge­le­gen­heit gleich zwei oder meh­re­re Cor­po­ra­tio­nen, so ver­ein­ba­ren üb­li­cher­wei­se die je­wei­li­gen Fecht­war­te die Zu­sam­men­stel­lung der fech­ten­den Paa­re.[105] Ge­paukt wird mit ent­spre­chen­dem Schutz[106], nach je vier­zig Gän­gen zu je vier oder sechs Hieben[107] ist der Eh­ren­han­del aus­ge­paukt[108].

So un­ver­ständ­lich einem Außen­ste­hen­den bzw. christ­li­chen Cor­po­ra­tions­stu­den­ten die­se Art der Streit­bei­le­gung er­schei­nen mag: Waf­fen­stu­den­ten­tum gab und gibt es von Hei­del­berg bis Czer­no­witz; es hat eine lan­ge Tra­di­tion, die zu­min­dest auf aka­de­mi­schem Bo­den re­spek­tiert und nicht mit Pauschal­ur­tei­len be­drängt wer­den soll­te.[109]


2.7 Nomen est omen?


Im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch wird der Be­griff „Bur­schen­schaft” häu­fig als pars pro to­to, näm­lich für die Cor­po­ra­tio­nen schlecht­hin ver­wen­det. Ne­ben dem fest­zu­stel­len­den Wis­sens­man­gel hat dies meist hi­sto­ris­che, manch­mal auch po­li­ti­sche Grün­de.[110]

Auch der Be­griff „Bu­schen­schaft” selbst ist dif­fe­ren­ziert zu se­hen: RKDB oder RKAB[111] et­wa ha­ben we­der or­ga­ni­sa­to­risch noch welt­an­schau­lich–ideo­lo­gisch gese­hen et­was mit der DB oder der DBÖ zu tun, und auch in­ner­halb der DB fin­det man oft dra­sti­sche Un­ter­schie­de, was die po­li­ti­schen und staats­theo­re­ti­schen An­schau­un­gen be­trifft.[112]

Rück­schlüs­se aus dem Cor­po­ra­tions­na­men auf ih­ren ideo­lo­gi­schen bzw. welt­an­schau­li­chen Hin­ter­grund sind eben­falls nicht ziel­füh­rend. So kann „Ger­ma­nia” et­wa die in Leip­zig an­säs­si­ge CV–Cor­po­ra­tion, die ver­bands­freie „Aka­de­mi­sche Ver­bin­dung” aus Stutt­gart, die Tü­bin­ger Bur­schen­schaft im Süd­deut­schen Kar­tell, die Cor­po­ra­tion im christ­lich–farb­tra­gen­den Schwarz­burg­bund in Göt­tin­gen oder die Würz­bur­ger oder Er­lan­ger Cor­po­ra­tion der DB be­zeich­nen; die „Fran­co­nia Czer­no­witz” ist eine (von ehe­ma­li­gen Czer­no­wit­zer ka­tho­li­schen Cou­leur­stu­den­ten ge­grün­de­te) CV –Cor­po­ra­tion in Er­lan­gen, die „Ar­mi­nia Czer­no­witz” ist eine (von schla­gen­den Czer­no­wit­zer Stu­den­ten ge­grün­de­te) DBÖ in Linz; al­le die­se Cor­po­ra­tio­nen ha­ben ein eige­nes, ih­rem je­wei­li­gen Ver­band mehr oder weni­ger ent­spre­chen­des Selbst­ver­stän­dnis, ih­re Mit­glie­der ver­tre­ten oft die ver­schie­den­sten po­li­ti­schen, ideo­lo­gi­schen, welt­an­schau­li­chen etc. An­sich­ten. Um die­se be­ur­tei­len zu kön­nen, muß man zu­min­dest eini­ge Cor­po­ra­tions­mit­glie­der nä­her ken­nen­ler­nen, sich einen Über­blick über das ent­spre­chen­de Schrift­tum ver­schaf­fen[113] und sich mit der Cor­po­ra­tions– und je­wei­li­gen Ver­bands­ge­schich­te ver­traut ma­chen![114]

Das­sel­be gilt auch für ver­schie­de­ne Be­grif­fe wie et­wa „deutsch” in Wahl­sprü­chen wie „Christ­lich, deutsch und frei!”[115], „Deut­sche Treue aller­we­gen!”[116], „Tuitschi Zucht gat vor in al­len!”[117] oder et­wa „Deutsch in Lied und Art”[118]. Sie wei­sen nicht eo ip­so auf eine deutsch­na­tio­na­le Gesin­nung der Cor­po­ra­tions­mit­glie­der hin, son­dern sind ins­be­son­de­re bei kon­fes­sio­nell orien­tier­ten Cor­po­ra­tio­nen aus­schließ­lich im Zu­sam­men­hang mit ih­rer je­wei­li­gen Grün­dung[119] und dem da­ma­li­gen Ver­ständ­nis des Be­grif­fes „deutsch” zu interpretieren.[120]


2.8 Liedgut


Stu­den­ti­sches Lied­gut um­faßt einer­seits „ty­pi­sche” Stu­den­ten­lie­der wie et­wa „Gau­dea­mus igi­tur” oder „Bur­schen her­aus”, an­de­rer­seits auch all­ge­mei­nes, volks­tüm­li­ches und kirch­li­ches Lied­gut. Tra­di­tio­nel­le Liedvsamm­lun­gen[121] ver­hin­dern Neu– und Wei­ter­ent­wick­lun­gen nicht, wie ein Ver­gleich mit äl­te­ren Aus­ga­ben be­stä­tigt.[122]

Auch ty­pi­sche Stu­den­ten­lie­der sind nicht auf den stu­den­ti­schen Be­reich be­schränkt; Tex­te wie Me­lo­dien fin­den sich — auch in ab­ge­wan­del­ter Form und da­her manch­mal un­be­merkt — in den ver­schie­den­sten Be­rei­chen des täg­li­chen Le­bens.[123]

Zum all­ge­mein Ge­bräuch­li­chen exi­stie­ren bei eini­gen Lie­dern den Eigen­tüm­lich­kei­ten und Tra­di­tion­en einer Cor­po­ra­tion bzw. einem Ver­band ent­spre­chen­de Text– und Me­lo­die­va­ri­an­ten,[124] die für Außen­ste­hen­de oft nur sehr schwer nach­voll­zieh­bar sind.

Die Be­zeich­nung „Sän­ger­schaft” weist dar­auf hin, daß die Pfle­ge stu­den­ti­schen Lied­gu­tes ein be­son­de­res An­lie­gen der je­wei­li­gen Cor­po­ra­tion ist.


2.9 Conclusio


Es gibt al­so kon­fes­sio­nell ge­bun­de­ne, aka­de­mi­sche, bel­gi­che, männ­li­che, frei­heit­lich orien­tier­te, mon­ar­chi­sti­sche, deut­sche, austro–pa­trio­ti­sche, nicht–farb­tra­gen­de, frei­schla­gen­de, öster­rei­chi­sche, ka­tho­li­sche, die Be­spre­chungs­men­sur be­ja­hen­de, freie, tra­di­tions­be­wuß­te, lands­mann­schaft­li­che, te­ch­ni­sche, re­publi­ka­ni­sche, Süd­ti­ro­ler, na­tio­na­le, theo­lo­gi­sche, deutsch­na­tio­na­le, weib­li­che, kon­ser­va­ti­ve, schla­gen­de, einem Ver­band an­ge­hö­ren­de, mu­si­sche, Schwei­zer, die Be­stim­mungs­men­sur be­ja­hen­de, pen­na­le, sport­trei­ben­de, ge­misch­te, völ­kisch orien­tier­te, jü­di­sche, farb­tra­gen­de, die Men­sur ver­wer­fen­de ... Cor­po­ra­tio­nen.[125] Man­che der ge­nann­ten Be­grif­fe sind kom­bi­na­tions­fä­hig, an­de­re nicht. Pau­schal­aus­sa­gen sind auf­grund der Viel­falt die­ser Kom­bi­na­tions­mög­lich­kei­ten nicht ziel­füh­rend, der Rea­li­tät ent­spre­chen­de Rück­schlüs­se auf die po­li­ti­sche, ideo­lo­gi­sche, welt­an­schau­li­che, re­li­giö­se Grund­hal­tung der je­wei­li­gen Cor­po­ra­tions­mit­glie­der oh­ne in­ten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit ­ und der Cor­po­ra­tion selbst sind je­den­falls nicht mög­lich.[126]



3 Ter­ro­ri­sten oder At­ten­tä­ter?


„Die »Sa­che« war dir doch im­mer scheiß­egal —
das ein­zi­ge, was dich an­ge­turnt hat, wa­ren dei­ne Bom­ben!”
[127]


3.1 Das Attentat


„Un­ter einem At­ten­tat wird je­der po­li­tisch mo­ti­vier­te An­schlag auf das Le­ben eines Men­schen in her­vor­ra­gen­der ge­sell­schaft­li­cher Stel­lung ver­stan­den. Das At­ten­tat ist in der Ge­schich­te der Mensch­heit kei­ne Aus­nah­me­er­schei­nung, son­dern ein im­ma­nen­ter Be­stand­teil des hi­sto­ri­schen Ab­lau­fes der Welt­ge­chich­te [...].”[128] At­ten­ta­te ha­ben al­so das Ziel, eine Per­son oder eine (zeit­lich und räum­lich be­grenz­te) Grup­pe von Per­so­nen, die in den Augen des At­ten­tä­ters po­li­tisch ein­fluß­reich, aber von ent­ge­gen­ge­setz­ten In­ter­es­sen ge­lei­tet ist oder sich für sol­che ein­setzt, mit einem Schlag (Schuß, Bom­be) zu tö­ten.

Nur we­ni­ge Op­fer der Brief­bom­ben wa­ren pro­mi­nent, nur eines da­von war po­li­tisch wirk­lich ein­fluß­reich, d.h. in ent­schei­den­der po­li­ti­scher Funk­tion: der Wie­ner Bür­ger­mei­ster Hel­mut Zilk; der für ihn be­stimm­te Spreng­satz war je­doch so auf­ge­baut und di­men­sio­niert, daß er mit an Si­cher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit nicht tö­tet, was die An­ga­ben der BBA un­ter­mau­ert.[129]

Da die Tö­tung von „Men­schen in her­vor­ra­gen­der ge­sell­schaft­li­cher Stel­lung”[130] of­fen­bar nicht Ziel der BBA war, kann von „At­ten­ta­ten” im Zu­sam­men­hang mit den Brief­bom­ben­an­schlä­gen nicht ge­spro­chen wer­den.


3.2 Der Terroranschlag


„Der Terror ist ein Mittel d er Überzeugung.”[131] „In einer an­de­ren um­fas­sen­den De­fi­ni­tion wird der Ak­zent auf das Ver­brei­ten von Schrecken durch un­be­re­chen­ba­re und über­ra­schen­de Ge­walt­ta­ten ge­setzt, bei de­nen we­ni­ger das di­rek­te Op­fer als die brei­te­re Wir­kung auf die gan­ze geg­ne­ri­sche Grup­pe zählt. »Das Stre­ben nach Pub­li­zi­tät ist des­halb ein we­sent­li­ches Merk­mal des Ter­ro­ris­mus« [...].”[132] In die­sem Sin­ne sind die Brief­bom­ben­an­schlä­ge der BBA als Ter­ror­ak­te zu be­zeich­nen.


3.2.1 Staatsterror


„Zu den wich­tig­sten Herr­schafts­in­stru­men­ten der to­ta­li­tä­ren Dik­ta­tur zählt ne­ben der Par­tei die Ge­heim­po­li­zei. Bei­de üben Ter­ror aus. Mit Hil­fe des Ter­rors, der nicht be­re­chen­ba­ren An­wen­dung phy­si­scher Ge­walt als per­ma­nen­ter Dro­hung, wird bei den Be­herrsch­ten die für die Wahvrung und Meh­rung der Herrvschaft not­wen­di­ge Angst her­vor­ge­ru­fen. Je mehr Angst, ins­be­son­de­re Ver­fol­gungs­angst, die Masvsen bevfällt, de­sto sel­te­ner wird es not­wen­dig sein, tat­säch­lich phy­si­sche Ge­walt ein­zu­set­zen. Das Ter­ror­sy­stem ist nicht nur ge­gen mehr oder we­ni­ger er­wie­se­ne Geg­ner des Re­gi­mes ge­rich­tet, son­dern über­wacht auch die eige­nen Par­tei­mit­glie­der und Funk­tio­näre [...]. Sehr oft rich­tet sich der Ter­ror in ver­stärk­tem Aus­maß ge­gen ein­zel­ne Schich­ten, die mehr oder we­ni­ger will­kür­lich aus­ge­wählt sind, etwa gegen die Intelligenz.”[133]


3.2.2 Terror gegen einen Staat


Rich­tet sich der Ter­ror ge­gen einen frem­den Staat, so ist sein Ziel in der Re­gel des­sen De­sta­bi­li­sie­rung, um eige­ne In­ter­es­sen leich­ter oder über­haupt erst durch­set­zen zu kön­nen. Die­se Art von Ter­ror geht ent­we­der von einem Staat selbst[134] oder von Grup­pen aus, die wie­der­um mit[135] oder oh­ne[136] staat­li­che Bil­li­gung agie­ren.[137]


3.2.3 Terror gegen Gruppen


Diese „Er­schei­nungs­form des po­li­ti­schen Macht­kamp­fes [...], bei denen de­mo­krat. Spiel­re­geln und Rück­sich­ten auf Leib, Le­ben und Gü­ter des Geg­ners außer acht ge­las­sen wer­den,”[138] dient einer sich be­nach­tei­ligt füh­len­den Grup­pe zur De­sta­bi­li­sie­rung des recht­li­chen und fak­ti­schen Schut­zes, des­sen sich die „be­nach­tei­li­gen­de” und zu­meist auch wirk­lich herr­schen­de Grup­pe be­dient,[139] zur rück­sichts­lo­sen Durch­set­zung eige­ner In­ter­es­sen.[140]

Nicht nur po­li­tisch mo­ti­vier­ter, son­dern über­haupt straf­recht­lich re­le­van­ter Ter­ror ge­gen Grup­pen ist auto­ma­tisch auch Ter­ror ge­gen den Staat, da er in De­struk­tions– und De­sta­bi­li­sie­rungs­ab­sicht an den Grund­fe­sten sei­ner Rechts­ord­nung bzw. an ih­rer Durch­setz­bar­keit rührt.[141]


3.3 Die Brief­bom­ben­an­schlä­ge der Ba­ju­wa­ri­schen Be­frei­ungs­ar­mee


Der Terror der BBA rich­tet sich g­gen ih­rer Mei­nung nach ras­sisch min­der­wer­ti­ge österreichische Staatsbürger[142] oder in Öster­reich le­ben­de Aus­län­der so­wie ge­gen je­ne fehl­ge­lei­te­ten Öster­rei­cher bzw. min­der­wer­ti­gen öster­rei­chi­schen Staats­bür­ger, die sich für die In­te­gra­tion ras­sisch Min­der­wer­ti­ger in Öster­reich ein­set­zen.[143] Um den Ter­ror mehr Ef­fi­zienz, mehr Brei­ten­wir­kung zu ver­schaf­fen, wer­den Bom­ben einer­seits an Pro­mi­nen­te, die ein ent­spre­chen­des Me­dien­echo ga­ran­tie­ren, ver­schickt, an­de­rer­seits aber auch an der (brei­ten) Öf­fent­lich­keit völ­lig un­be­kann­te Per­so­nen.[144] Auch die Schwe­re der be­ab­sich­tig­ten Ver­let­zun­gen, die Raf­fi­nes­se der Bom­ben und der Zeitpunkt ih­rer Ver­sen­dung sind nicht vor­her­seh­bar, was das Ge­fühl der Ohn­macht nicht nur der be­trof­fe­nen Be­völ­ke­rung, son­dern auch bei den von Tschu­schen be­ein­fluß­ten Si­cher­heits­be­hör­den ver­brei­ten soll.

Die di­rek­ten Op­fer („pri­mä­re Ziel­grup­pe”) sol­len ver­un­si­chert, ein­ge­schüch­tert, am be­sten ganz zum Schwei­gen ge­bracht, Tschu­schen, Ver­tschusch­te und an­de­re ras­sisch Min­der­wer­ti­ge („pe­ri­phä­re Ziel­grup­pe”) zum „frei­wil­li­gen” Ver­las­sen des Lan­des[145] be­wo­gen wer­den. Schließ­lich wird die ras­sisch hoch­wer­ti­ge, alt­ein­ge­ses­se­ne Be­völ­ke­rung („An­sprech­grup­pe”) — die, oh­ne sich viel­leicht des­sen be­wußt zu sein, im­mer noch die Mehr­heit bil­det — die volks­frem­de Un­ter­wan­de­rung dank des Be­frei­ungs­kamp­fes der BBA ab­schüt­teln, wie­der zu eige­nem Selbst­ver­ständ­nis kom­men und die Par­tei­en und das Par­la­ment bzw. die ge­sam­te Ge­setz­ge­bung und Recht­spre­chung da­zu zwin­gen, ih­rem Ver­lan­gen nach selbst­be­stimm­ter Ge­stal­tung des eige­nen Le­bens­rau­mes ent­spre­chend Rech­nung zu tra­gen. Wenn das nicht ge­lingt, wirkt der Brief­bom­ben­ter­ror als Sig­nal eines Mu­ti­gen und zu­neh­mend Mäch­ti­gen aus dem Kreis der ras­sisch Hoch­wer­ti­gen an die Ras­sen­ge­nos­sen in Öster­reich — die zwei­fels­oh­ne, zu­min­dest ins­ge­heim, mit der BBA sym­pa­thi­sie­ren —, sich eben­falls zu er­he­ben und durch Re­pres­sa­lien, nö­ti­gen­falls auch ge­walt­sam das Ge­sin­del, das oh­ne­hin nur auf Ko­sten der Alt­ein­ge­ses­se­nen hier lebt, hin­aus­zu­wer­fen, da­mit wie­der das Recht und die Ord­nung in das Land zu­rück­keh­ren kön­nen, die nicht von ihm be­ein­flußt und ok­troy­iert sind.[146]

Um die­ses Ziel aber er­rei­chen und der über­nom­me­nen Ver­ant­wor­tung ge­recht wer­den zu kön­nen, muß die BBA wohl­über­legt und ef­fi­zient han­deln. Ne­ben der eige­nen Tar­nung, die für das Über­le­ben der BBA und da­mit ih­rer Ide­ale not­wen­dig ist, ist hier­bei Rück­sichts­lo­sig­keit nicht nur ge­gen­über den di­rek­ten oder in­di­rek­ten Op­fern des Brief­bom­ben­ter­rors, son­dern auch im Fal­le der Ent­deckung ge­gen sich selbst un­er­läß­lich;[147] um dem zum My­thos sti­li­sier­ten Selbst­ver­ständ­nis der Un­er­reich­bar­keit für Me­dien und er­mit­teln­de Be­hör­den auf­recht­zu­er­hal­ten, müs­sen die Mit­glie­der der BBA be­reit sein, sich in die­sem Fal­le zu op­fern, d.h. selbst zu tö­ten.[148]


3.4 Gewalt und Fanatismus — Männersache?


„Es ist ein weit­ver­brei­te­tes Kli­schee, daß Män­ner eine Art Mo­no­pol auf Ge­walt­tä­tig­keit und Ge­walt­be­reit­schaft hät­ten. Die bei­den Ge­schlech­ter un­ter­schei­den sich dies­be­züg­lich von­ein­an­der in hi­sto­ri­scher Hin­sicht (Frau­en sind auf­grund ih­rer Stel­lung in der abend­län­di­schen Ge­sell­schaft frü­her we­sent­lich sel­te­ner in die Po­si­tion ge­kom­men, daß die von ih­nen an­ge­wand­te Ge­walt — et­wa im Be­reich der Kin­der­er­zie­hung — über­lie­fert wor­den wäre; ent­spre­chen­de wis­sen­schaft­li­che Un­ter­su­chun­gen gibt es auch erst seit jün­ge­rer Zeit. Weib­li­che Heer­füh­rer wie etwa Jeanne d'Arc wa­ren eben eine Aus­nah­me­er­schei­nung!) und mög­li­cher­wei­se in der Wahl der Mit­tel und der Raf­fi­nes­se bei der Gewalt­aus­übung.”[149]

Mög­li­che (po­li­ti­sche) Ver­wir­rung und Fa­na­tis­mus[150] sind kei­nes­falls als „Män­ner­sa­che” zu be­zeich­nen. „Auch die Ge­schlechts­zu­ge­hö­rig­keit bil­det kei­nen Schutz vor fa­na­ti­schem Be­neh­men: neben Sa­vo­na­ro­la, Cal­vin, Robes­pierre, Le­nin, Hit­ler, Cas­tro und so vie­len an­de­ren lau­ten, ag­gres­si­ven und lei­se­ren, aber zä­hen männ­li­chen Fa­na­ti­kern ste­hen, zwar auf je völ­lig ver­schie­de­nem gei­sti­gem Ni­veau, aber in be­zug auf den Fa­na­tis­mus doch recht eben­bü­rtig: die Non­nen von Port–Royal und die auf­ge­brach­ten Wei­ber der Pa­ri­ser Hal­len oder eman­zi­pier­te Blau­strümp­fe und ra­bia­te Frau­en­rechtle­rin­nen bis zu den Lager­kom­man­dan­tin­nen von Kon­zen­tra­tions­la­gern der jüng­sten Zeit [Ilse Koch], mit der Peit­sche und dem Re­vol­ver in der Hand. Sie alle rei­chen sich über die Jahr­hun­der­te hin­weg die Hän­de, wenn es um ra­di­ka­le Hal­tung und un­nach­gie­bi­gen Kampf, um tat­säch­li­ches oder ver­meint­li­ches Recht, um un­duld­sa­mes Ver­fech­ten von Ideen und Über­zeu­gun­gen geht.”[151]

Er­gän­zend wä­ren bei­spiels­wei­se ne­ben den be­rüch­tig­ten weib­li­chen Po­lit­kom­mis­sa­ren in der UdSSR und den „Flin­ten­wei­bern”[152] die Na­men Gu­drun Enss­lin, Ulri­ke Mein­hof oder Pa­tri­cia Hearst zu nen­nen.[153]

Ter­ro­ri­sten sind rück­sichts­los gewalt­be­reit und, so sie aus eige­nem An­trieb handeln,[154] mei­stens „Ideen­fa­na­ti­er” — Eigen­schaf­ten, die kei­nes­falls nur Män­nern zu­ge­schrie­ben wer­den dür­fen. Da­her be­steht durch­aus die Mög­lich­keit, daß die BBA auch weib­li­che Mit­glie­der hat.[155]



[15] Vgl. dazu et­wa Be­sen­bäck u.a. Ge­walt, S. 149, FN 2: „Wir ha­ben uns ent­schie­den, Ras­sis­mus, Rechts­ex­tre­mis­mus, An­ti­se­mi­tis­mus nicht zu de­fi­nie­ren. De­fi­ni­tio­nen die­ser drei Be­grif­fe fül­len Bü­cher und wir glau­ben, daß bei die­sen Be­griff­lich­kei­ten ein ge­wis­ses All­tags­ver­ständ­nis vor­aus­ge­setzt wer­den kann und für die Re­fe­rentIn­nen­li­ste aus­rei­chend ist.” Auf eine auch nur exem­pla­ri­sche Quel­len­an­ga­be, die die­se Be­haup­tung un­ter­stützt, wur­de eben­falls ver­zich­tet.

[16] Die­ser Vor­wurf trifft ge­le­gent­lich so­gar den Ge­setz­ge­ber; vgl. dazu Ledel DA, S. 4.

[17] Vgl. Ledel DA, S. 4, FN 13. Vgl. dazu auch Bo­din Über den Staat, S. 9: „Wir stel­len die De­fi­ni­tion an den An­fang, weil man zu­erst im­mer nach dem eigent­li­chen Zweck fra­gen muß und erst dann nach den Mit­teln, mit de­nen man ihn er­rei­chen kann. Eine De­fi­ni­tion ist aber nichts an­de­res als das Ziel eines Vor­ha­bens. Wird sie nicht auf eine si­che­re Grund­la­ge ge­stellt, bricht al­les, was man dar­auf baut, kurz da­nach wie­der zu­sam­men. Es mag wohl sein, daß je­mand, ob­wohl er sein Ziel kennt, nicht die Mit­tel fin­det, es zu er­rei­chen. Ihm geht es wie dem schlech­ten Bo­gen­schüt­zen, der das Zen­trum der Schieß­schei­be sieht, aber nicht zie­len kann. Mit Auf­merk­sam­keit und Mü­he aber könn­te er tref­fen oder dem Ziel na­he kom­men. Und auch wenn er nicht ins Ziel trifft, wird man ihn ach­ten, vor­aus­ge­setzt er be­müht sich nach be­sten Kräf­ten. Aber je­mand, der sein Ziel gar nicht kennt und die Sa­che, die er sich vor­ge­nom­men hat, nicht de­fi­nie­ren kann, muß al­le Hoff­nung auf­ge­ben, je­mals die Mit­tel zur Rea­li­sie­rung zu fin­den; wie einer, der blind­lings in die Luft schießt, oh­ne das Ziel zu se­hen. Wir wol­len des­halb Punkt für Punkt die De­fi­ni­tion be­han­deln, die wir for­mu­liert ha­ben.” Vgl. da­zu auch Savigny De­fi­nie­ren, S. 7: „Eine De­fi­ni­tion ist oft ein gu­tes und oft ein un­er­läß­li­ches Hilfs­mit­tel für je­man­den, der eine kla­re Aus­sa­ge ma­chen möch­te. [...] In man­chen Wis­sen­schaf­ten ist die Be­herr­schung der Tech­ni­ken des De­fi­nie­rens eine Selbst­ver­ständ­lich­keit; in an­de­ren sind kor­rek­te De­fi­ni­tio­nen sel­ten. Das führt zu Leer­lauf und Zeit­ver­schwen­dung in Dis­kus­sio­nen. Es führt wei­ter da­zu, daß vie­le wis­sen­schaft­li­che The­sen un­kla­rer als nö­tig aus­ge­drückt und da­durch um die Chan­ce ge­bracht wer­den, ver­bes­sert zu wer­den. Man­geln­de Be­herr­schung der De­fi­ni­tions­tech­ni­ken ist nicht die ein­zi­ge Ur­sa­che da­für; sie ist aber eine Ur­sa­che, die sich be­sei­ti­gen läßt.” Vgl. auch eben­da, S. 25–27

[18] Vgl. da­zu Brun­ner Um­gang, S. 66: „Was hieße dann Ob­jek­ti­vi­tät? [...] Al­le Ge­bo­te der Rich­tig­keit müs­sen wahr­ge­nom­men wer­den. [...] Was im­mer der Hi­sto­ri­ker mit den Quel­len tut, er muß es an­ge­ben und nach­voll­zieh­bar ma­chen, sich auf die Fin­ger se­hen las­sen. [...] Das Er­geb­nis muß so auf­be­rei­tet wer­den, daß es uns in Frei­heit zur Ver­fü­gung steht, für un­se­ren Um­gang mit der Ge­schich­te und un­ser Han­deln. Nicht mehr und nicht we­ni­ger. Rich­tig­keit, Über­prüf­bar­keit und Verfüg­bar­keit be­stim­men den lang­wie­ri­gen Pro­zeß vom Da­tum zum Fak­tum; [...].” Zum Er­for­der­nis der De­fi­ni­tion we­gen der Un­schär­fe des „all­ge­mei­nen Sprach­ge­brau­ches” vgl. auch Ledel DA, S. 3 f.

[19] Daß wis­sen­schaft­li­che De­fi­ni­tio­nen beim po­li­ti­schen Estab­lish­ment in di­rek­tem Ma­ße zu sei­nem je­wei­li­gen Macht­an­spruch un­be­liebt sind, er­gibt sich aus dem Er­set­zen der Ob­jek­ti­vi­tät durch die — stark sim­pli­fi­zie­ren­de — Pro­pa­gan­da in Dik­ta­tu­ren; vgl. da­zu Hit­ler Mein Kampf, S. 197 f.: „Die Auf­ga­be der Pro­pa­gan­da liegt nicht in einer wis­sen­schaft­li­chen Aus­bil­dung des ein­zel­nen, son­dern in einem Hin­wei­sen der Mas­se auf be­stimm­te Tat­sa­chen, Vor­gän­ge, Not­wen­dig­kei­ten usw., de­ren Be­deu­tung da­durch erst in den Ge­sichts­kreis der Mas­se ge­rückt wer­den soll. [...] Je­de Pro­pa­gan­da hat volks­tüm­lich zu sein und ihr gei­sti­ges Ni­veau ein­zu­stel­len nach der Auf­nah­me­fähig­keit des Be­schränk­te­sten un­ter de­nen, an die sie sich zu rich­ten ge­denkt. Da­mit wird ih­re rein gei­sti­ge Hö­he um­so tie­fer zu stel­len sein, je grö­ßer die zu er­fas­sen­de Mas­se der Men­schen sein soll. [...] Es ist falsch, der Pro­pa­gan­da die Viel­sei­tig­keit et­wa des wis­sen­schaft­li­chen Un­ter­richts ge­ben zu wol­len. Die Auf­nah­me­fähig­keit der gro­ßen Mas­se ist nur sehr be­schränkt, das Ver­ständ­nis klein, da­für je­doch die Ver­geß­lich­keit groß. Aus die­sen Tat­sa­chen her­aus hat sich je­de wir­kungs­vol­le Pro­pa­gan­da nur auf sehr we­ni­ge Punk­te zu be­schrän­ken und die­se schlag­wort­ar­tig so lan­ge zu ver­wer­ten, bis auch be­stimmt der Letz­te un­ter einem sol­chen Wor­te das Ge­woll­te sich vor­zu­stel­len ver­mag.” Hit­ler hat er­kannt, daß aka­de­mi­sche Ge­dan­ken–Frei­heit und wis­sen­schaft­li­che Ob­jek­ti­vi­tät nicht zur Ma­ni­pu­la­tion von Mas­sen ge­eig­net sind. Vgl. da­zu auch Ca­net­ti Mas­se und Macht. Zur Ma­ni­pu­la­tion durch Spra­che vgl. auch Kueh­nelt–Leddihn Wei­chen, S. 197: „Die Spra­che be­dingt na­tür­lich un­se­re Denk­wei­se, weil sich Ge­dan­ken ent­lang den Leit­li­nien eines Idioms ent­wickeln.”

[20] Dies hat Or­well sehr ein­drucks­voll be­schrie­ben: „The Ministry of Truth — Mini­true, in New­speak* (* New­speak was the of­ficial language of Oce­ania. For an ac­count of its struct­ure and ety­mo­logy see Ap­pen­dix.) — was start­ling different from any other object in sight. It was an enor­mous pyra­midal struct­ure of glitter­ing white con­crete, soar­ing up, terrace after terrace, 300 metres into the air. From where Winston stood it was just pos­sible to read, picked out on its white face in ele­gant let­ter­ing, the three slogans of the Party: War Is Peace — Free­dom Is Slav­er­y — Ig­no­rance Is Strength.” Vgl. Or­well 1984, S. 7; im An­hang wird dann die Spra­che New­speak wie folgt cha­rak­te­ri­siert: „New­speak was the offi­cial langu­age of Oce­ania and had been de­vised to meet the ideo­lo­gi­cal needs of Ing­soc, or Eng­lish So­cia­lism. [...] Mean­while it gained ground steadily, all Party mem­bers ten­ding to use New­speak words and gram­mati­cal con­struc­tions more and more in their every­day speech. The ver­sion in use in 1984, [...] con­tained many super­fluous words an ar­cha­ic for­ma­tions which were due to be sup­pressed later. [...] The pur­pose of New­speak was not only to pro­vide a medium of ex­pres­sion for the world–view and men­tal habits proper to the de­vo­tees of Ing­soc, but to make all other modes of thought im­pos­si­ble. It was in­tended that when New­speak had been adopted once and for all and Old­speak for­got­ten, a here­ti­cal thought — that is, a thought di­ver­ging from the prin­ciples of Ing­soc — should be liter­ally un­think­able, at least so far as thought is de­pen­dent on words. [...] To give a single example. The word free still ex­ist­ed in New­speak, but it could only be used in such state­ment as 'This dog is free from lice' or 'This field is free from weeds'. It could not be used in its old sense of 'po­liti­cally free' or 'in­tel­lec­tu­ally free', since po­li­ti­cal and in­tell­ec­tu­al free­dom no lon­ger exist­ed even as con­cepts, and were there­fore of ne­ces­si­ty name­less. [...] News­peak was de­sign­ed not to ex­tend but to di­minish the range of thought, and this pur­pose was in­direct­ly assis­ted by cutt­ing the choice of words down to a mi­ni­mum.” Vgl. eben­da, S. 241 f.; in die­sem Zu­sam­men­hang ist auch die theo­re­ti­sche Grund­la­ge die­ser to­ta­li­tä­ren Ge­sell­schaft: „The The­o­ry And Prac­tice Of Ol­i­garch­ical Col­lec­tiv­ism by Em­ma­nu­el Gold­stein”, zu le­sen; vgl. eben­da, S. 150–173. Der nach Ge­dan­ken–Frei­heit stre­ben­de Held, der dies liest, ge­rät so­fort in Kon­likt mit der Thought Po­lice; vgl. eben­da, S. 178 f. Or­wells „Thought Po­lice” ent­spre­chen Ge­heim­dien­ste wie GPU, Ge­sta­po, Sta­si, KGB, NKWD usw. Vgl. auch Bayer in Epo­che 9/1984.

[21] Vgl. da­zu nur bei­spiels­wei­se Kap­pe­ler Mei­ne Spra­che: „Die deut­sche Spra­che ist nicht die An­ge­le­gen­heit eines ge­schlos­se­nen Ter­ri­to­ri­ums, auf wel­chem Staats­be­hör­den ab­schlie­ßen­de — aus­schlie­ßen­de — Ur­tei­le dar­über fäl­len dür­fen.” Zur Sprach­ver­ar­mung in der mo­der­nen Ge­sell­schaft vgl. auch Ak­tu­ell, S. 620 f.

[22] Die von Or­well ge­schil­der­ten New­speak–Ten­den­zen sind heu­te viel­fach zu be­ob­ach­ten. Sie äußern sich et­wa im Ge­dan­ken der so­ge­nann­ten po­lit­i­cal correct­ness, einer Ma­ni­pu­la­tion von Spra­chen durch Ent­wur­ze­lung, Re­duk­tion und Um­be­nen­nun­gen; wei­ters im Durch­set­zen der deut­schen Spra­che öster­rei­chi­scher oder Schwei­zer Prä­gung von in­nen her­aus durch Ger­ma­nis­men so­wie all­ge­mein der deut­schen Spra­che durch eine Un­zahl von Ame­ri­ka­nis­men bzw. Ang­li­zis­men (vgl. da­zu auch Hen­scheid Dumm­deutsch, insb. S. 14 l.Sp.), die letzt­lich durch ih­re Ein­sei­tig­keit — eine gleich­zei­ti­ge, ähn­li­che Be­ein­flus­sung durch et­wa die grie­chi­sche, ita­lie­ni­sche, fran­zö­si­sche ... Spra­che ist nicht er­kenn­bar! — zur Ver­ar­mung nicht nur der deut­schen, son­dern über­haupt der da­durch be­ein­fluß­ba­ren euro­päi­schen Spra­chen führt, so­wie der zu­neh­mend un­re­flek­tier­te Ge­brauch von Fremd­wör­tern und Ab­kür­zun­gen; end­lich in der zu­neh­men­den po­li­ti­schen Ra­di­ka­li­sie­rung und Ge­walt­be­reit­schaft, die in wei­ten Be­völ­ke­rungs­krei­sen Euro­pas fest­zu­stel­len ist (vgl. da­zu auch Bork Miß­brauch, S. 28: „Die Ent­hu­ma­ni­sie­rung des deut­schen Men­schen wur­de in sei­ner Spra­che vor­weg­ge­nom­men.” so­wie eben­da, S. 33: „Das cha­rak­te­ri­sti­sche We­sens­merk­mal der ge­lenk­ten Na­zi–Spra­che war ih­re Ein­fach­heit und be­wuß­te Pri­mi­ti­vi­tät, war die Wucht, mit der sie ein­mal ge­präg­te Vor­stel­lungs– und Denk–Scha­blo­nen im­mer wie­der den Men­schen ein­häm­mer­te.”). Die Ge­fahr einer schlei­chen­den Wie­der­be­le­bung des in den ost­euro­päi­schen kom­mu­ni­sti­schen Dik­ta­tu­ren ge­schei­ter­ten „Int­soc” durch Un­ter­schät­zung von Ideo­lo­gie und der Mit­tel, de­rer sie sich be­dient (vgl. da­zu et­wa Hit­ler Mein Kampf, S. 253 f.: „Man ging da­bei von dem sehr rich­ti­gen Grund­satz aus, daß in der Grö­ße der Lü­ge im­mer ein ge­wis­ser Fak­tor des Ge­glaubt­wer­dens liegt, da die gro­ße Mas­se eines Vol­kes [...] einer gro­ßen Lü­ge leich­ter zum Op­fer fällt als einer klei­nen, da sie sel­ber ja wohl manch­mal im klei­nen lügt, je­doch vor zu gro­ßen Lü­gen sich doch zu sehr schä­men wür­de. Eine sol­che Un­wahr­heit wird ihr ja gar nicht in den Kopf kom­men, und sie wird an die Mög­lich­keit einer so un­ge­heu­ren Frech­heit der in­fam­sten Ver­dre­hung auch bei an­de­ren nicht glau­ben kön­nen, ja selbst bei Auf­klä­rung dar­über noch lan­ge zwei­feln und schwan­ken und we­nig­stens ir­gend­eine Ur­sa­che doch noch als wahr an­neh­men; da­her denn auch von den frech­sten Lü­gen im­mer noch et­was üb­rig und hän­gen blei­ben wird.”), wird ver­deut­licht durch die zu­neh­men­de Ver­wen­dung eines Wort­schat­zes, der auf einen neu­er­li­chen Ver­such der Um­set­zung des mar­xi­stisch–le­ni­ni­sti­schen End­ziels, der Welt­herr­schaft der Éga­li­té, der Gleich­heit und Gleich­ma­che­rei hin­weist: Wor­te wie „Gleich­be­hand­lungs­ge­setz” und „Gleich­be­rech­ti­gung” wer­den heu­te an Stel­le von Gleich­wer­tig­keit und Re­spekt so­gar viel­fach selbst­ver­ständ­lich und wi­der­spruchs­los als „Aus­druck de­mo­kra­ti­scher Grund­wer­te” an­ge­se­hen. Wem es aber ge­lingt, dem an­de­ren sei­ne Be­grif­fe auf­zu­zwin­gen, der hat be­reits den hal­ben Weg zur Macht­er­grei­fung be­reits ab­sol­viert!

[23] Ein Mu­ster­bei­spiel da­für ist wohl die vom Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Frau­en­an­ge­le­gen­hei­ten und Ver­brau­cher­schutz pro­pa­gier­te ge­schlech­ter­ge­rech­te Spra­che (vgl. dazu BKA Krea­ti­ves For­mu­lie­ren; emp­feh­lens­wert ist, zum Glos­sar, S. 134–141, zum bes­se­ren Ver­ständ­nis ein „nor­ma­les” Glos­sar hin­zu­zu­zie­hen, et­wa Wolff Sprach­ge­schich­te, S. 271–275.); dort fin­det man von Sprach­wis­sen­schaf­tern for­mu­lier­te Er­klä­run­gen wie „Manche Suffixe sind nicht mehr produktiv.” (BKA Krea­ti­ves For­mu­lie­ren, S. 48; der Ver­fas­ser muß ein­ge­ste­hen, daß er in sei­nem gan­zen Le­ben noch kei­ne pro­duk­ti­ve Nach­sil­be ge­trof­fen hat.) Daß die For­mu­lie­run­gen in der Bro­schü­re in der selbst ge­wähl­ten De­fi­ni­tion teil­we­se eben­falls dis­kri­mi­nie­rend sind (et­wa die Be­zeich­nung des Bun­des­kanz­ler­am­tes als Her­aus­ge­be­rin oder die Be­zeich­nung als Bun­des­mi­ni­ster­in, ob­wohl das Mi­ni­ste­ri­um nicht nur für Frau­en­an­ge­le­gen­hei­ten, son­dern auch für Ver­brau­cher­schutz zu­stän­dig ist und als Me­dien­in­ha­ber zwar die Bun­des­mi­ni­ste­rin an­ge­führt wird, sie aber die­se Bro­schü­re si­cher nicht als Pri­vat­per­son be­zahlt hat (so wä­re wohl das Bun­des­mi­ni­ste­ri­um als Me­dien­in­ha­ber und nicht die Frau Bun­des­mi­ni­ster kor­rek­ter­wei­se an­zu­füh­ren ge­we­sen.), ist da­bei völ­lig ne­ben­säch­lich: Eine kon­se­quen­te Um­set­zung die­ser „An­lei­tung” hät­te die sy­ste­ma­ti­sche Auf­he­bung der mei­sten gram­ma­ti­ka­li­schen Re­geln der deut­schen Spra­che zur Fol­ge. Ein sol­ches Werk soll mög­licher­wei­se so­gar lä­cher­lich wir­ken, nicht ernst ge­nom­men und so­mit un­ter­schätzt wer­den. Tat­sac­he ist je­doch, daß sich der Wi­der­stand da­ge­gen in Gren­zen hält, ob­wohl die Bro­schü­re dem Staats­bür­ger ge­gen­über blan­ker Hohn ist in einer Zeit der Pen­sions­kür­zun­gen, der er­höh­ten Ar­beits­lo­sig­keit und des wirt­schaft­li­chen Nie­der­gan­ges trotz EU–Bei­trit­tes. Ideo­lo­gi­sches Ziel ist of­fen­sicht­lich, die­se Kri­sen­zeit aus­zu­nüt­zen, um einers­eits gesell­schafts­ver­än­dern­de Maß­nah­men qua­si un­be­merkt ein­zu­füh­ren, wäh­rend der Groß­teil der Be­völ­ke­rung mit „es­sen­tiel­le­ren” Pro­ble­men (wie et­wa der Ar­beits­su­che) be­schäf­tigt ist, die­se einst­wei­len wu­chern zu las­sen, um durch ihr er­neu­tes Pro­pa­gie­ren von die­sen es­sen­tiel­le­ren Pro­ble­men völ­lig un­be­hel­ligt ab­len­ken zu kön­nen — und das al­les auf Ko­sten des (in der Re­gel im­mer noch männ­li­chen) Steu­er­zah­lers. Das­sel­be gilt üb­ri­gens für die Recht­schreib­re­form, die — außer von den Schul­buch­ver­la­gen — sel­ten Be­für­wor­ter mit fun­dier­ter Be­grün­dung fin­det; sie kos­tet meh­re­re Mil­liar­den Schil­ling, ni­vel­liert die Spra­che, die durch sie ein ge­rüt­telt Maß an Ex­akt­heit ver­liert, und wird — auf­grund der ho­hen Be­trä­ge, die noch­mals auf­zu­brin­gen wä­ren — wohl dann, wenn auch die Mehr­heit ein­ge­se­hen hat, daß die Ein­füh­rung der „Re­form” ein Feh­ler ge­we­sen ist, nicht mehr rück­gän­gig ge­macht wer­den. So kön­nen un­ter dem Deck­man­tel des Fort­schritts, der Mo­der­ni­sie­rung, der Be­sei­ti­gung von Dis­kri­mi­nie­run­gen neue un­sach­li­che Un­ter­scheid­un­gen ein­ge­führt wer­den, oh­ne daß dies be­son­ders be­merkt wird; ein ideo­lo­gi­sches fait ac­com­pli ge­gen die De­mo­kra­tie!

[24] Vgl. zum Be­griff Kauf­mann Ge­rech­tig­keit, S. 124: „Was sind Ideo­lo­gien? Hier gibt es die ver­schie­den­sten Er­klä­run­gen. Marx vor al­lem hat einen kri­ti­schen Ideo­lo­gie­be­griff ver­wen­det. [...] Man kann Ideo­lo­gie ganz all­ge­mein als eine un­re­flek­tier­te, ra­tio­nal nicht aus­ge­wie­se­ne Hand­lungs­orien­tie­rung ver­ste­hen. Wir al­le han­deln, mehr oder we­ni­ger, nach ideo­lo­gisch ge­präg­ten Ver­hal­tens­mu­stern. Das wol­len vie­le sich nicht ein­ge­ste­hen, weil sie Ideo­lo­gie für et­was per se Ne­ga­ti­ves, Schlim­mes hal­ten. Man soll­te aber Men­schen, die an­geb­lich frei sind von jeg­li­cher Ideo­lo­gie, mit gro­ßem Miß­trau­en be­geg­nen, denn of­fen­bar fehlt ih­nen die Fä­hig­keit zur Selbst­re­fle­xion, die Fä­hig­keit, den Ideo­lo­gie­ver­dacht zu­erst ein­mal ge­gen sich selber zu rich­ten. Kein Mensch ver­hält sich im­mer oder auch nur in der Re­gel rein ra­tio­nal — es ist ra­tio­nal, dies zu erken­nen. Auch in der Wis­sen­schaft kann man das Nicht–Ra­tio­na­le nicht im­mer völ­lig aus­schal­ten. Aber die Wis­sen­schaft muß nach Ra­tio­na­li­tät stre­ben, sie muß das Ideo­lo­gi­sche als sol­ches aufzu­decken und zu über­win­den trach­ten.” Vgl. auch Leit­ner u.a. Mensch und Staat, S. 143: „Un­ter einer Ideo­lo­gie kann man ganz all­ge­mein ein Ge­dan­ken­sy­stem oder eine Sum­me von Wert­vor­stel­lun­gen über die Ge­stal­tung von Staat und Ge­sell­schaft ver­ste­hen. Viel­fach wer­den Ideo­lo­gien als so­zia­le und po­li­ti­sche Recht­fer­ti­gungs­leh­ren de­fi­niert, als Kom­plex von Ideen zur Recht­fer­ti­gung po­li­ti­scher Hal­tun­gen und Zie­le.” Zu­sätz­lich ist zwi­schen „Welt­an­schau­ung”, d.i. die in­di­vi­du­el­le Sum­me von uni­ver­sa­li­sti­schen Wert­vor­stel­lun­gen mit re­li­giös–na­tur­recht­li­chem An­satz, und „Ideo­lo­gie”, näm­lich der Sum­me von ein­sei­tig aus­ge­rich­te­ten Recht­fer­ti­gungs­grün­den zur Fe­sti­gung einer Macht­pos­i­tion ge­gen­über den Macht­un­ter­wor­fe­nen, zu un­ter­schei­den.

[25] Vgl. da­zu Zel­len­berg Aká­de­mos, S. 11 f.: „Aka­de­mi­sche Frei­heit ist das Frei­sein von ideo­lo­gi­schen und po­li­ti­schen Bin­dun­gen. Aka­de­mi­sche Frei­heit eines Stu­di­ums äußert sich al­so in der rein theo­re­ti­schen, die Er­fas­sung der Wirk­lich­keit zum Ziel ha­ben­den Zu­wen­dung zu den Din­gen, ohne von ir­gend­wel­chen Nut­zungs­zwecken po­li­tisch–ideo­lo­gi­scher Na­tur in Dienst ge­nom­men zu sein.

[26] Zur To­le­ranz aus­führ­lich: Leit­ner u.a. Lehr­buch S. 134–136; vgl. auch Kauf­mann Ge­rech­tig­keit, S. 111 f: „To­le­ranz ist aus­ge­schlos­sen, wo ein Stand­punkt ab­so­lut ge­setzt wird. Wer für sich in An­spruch nimmt, daß er al­lein die Wahr­heit hat, daß ein­zig sei­ne Lebensweise gut ist, der wird aus taktischen Gründen den Irrtum und das Bösesein der an­de­ren viel­leicht eine Zeit­lang hin­neh­men, sein Ziel wird aber sein, die an­de­ren zu be­kämp­fen und ih­nen sei­ne Wahr­heit und sei­nen »way of life« auf­zu­nö­ti­gen. Wie In­to­le­ranz un­ter den In­di­vi­du­en zu Haß und Streit führt, so führt sie un­ter den Völ­kern zu Krieg. [...] To­le­ranz darf nicht ver­wech­selt wer­den mit In­dif­fe­ren­tis­mus. Der In­dif­fe­ren­te, der Neu­tra­li­sti­sche, erst recht der Re­sig­nier­te, der an der Wahr­heit ver­zwei­felt, gar an­nimmt, daß es kei­ne Wahr­heit ge­be, kann nicht wirk­lich to­le­rant sein. Der In­dif­fe­ren­te, der sich nicht ent­schei­den kann, ist un­fä­hig, zu »tra­gen« und zu »er­tra­gen«, er schwankt zwi­schen den ver­schie­de­nen Mei­nun­gen hin und her und ist dar­um nicht im­stan­de, sich mit an­de­ren aus­ein­an­der­zu­set­zen und so zur Wahr­heits­fin­dung bei­zu­tra­gen. To­le­ranz setzt da­her ge­ra­de vor­aus, daß es ob­jek­ti­ve Wahr­heit gibt und daß sie, zu­min­dest teil­wei­se, auf­ge­deckt wer­den kann. To­le­ranz ist aber aus­ge­schlos­sen, wo je­mand für sich in An­spruch nimmt, im Be­sitz der gan­zen und ab­so­lu­ten Wahr­heit zu sein. Denn ein Ab­so­lu­tes läßt ein An­de­res nicht zu, eben weil es aus–schließlich ist. [...] Wahr­heit und Frei­heit sind nicht et­was, das man als fe­sten Be­sitz hat, sie sind et­was, das sich in einem stän­di­gen Pro­zeß voll­zieht. Op­ti­ma­le Be­din­gun­gen für die­sen Pro­zeß sind nur in einer of­fe­nen Ge­sell­schaft ge­ge­ben, in der eine Plu­ra­li­tät von Mei­nun­gen sich in einem un­ge­hin­der­ten Aus­tausch mit­ein­an­der be­fin­den.”

[27] Trau­ri­ges Bei­spiel ist da­für der „wissen­schaft­li­che Nach­weis der Min­der­wer­tig­keit der jü­di­schen Ras­se” mit der da­mit ein­her­ge­hen­den „wissen­schaft­li­chen Un­ter­su­chung” und „De­fi­ni­tion” der Merk­ma­le jü­dis­cher Ras­se­zu­ge­hö­rig­keit als „wissen­schaft­li­che Recht­fer­ti­gung” der Mas­sen­ver­nich­tung im Sin­ne der „End­lö­sung der Ju­den­fra­ge” im Drit­ten Reich.

[28] Auto­ri­tät ist ge­rade­zu als Ge­gen­satz zur Macht zu se­hen; vgl. Mill Frei­heit, S. 25: „Die Macht (ge­meint ist je­ne des Mei­nungs­dik­ta­tes sei­tens des Vol­kes oder sei­ner Re­gie­rung im Ein­ver­neh­men mit die­sem) ist an und für sich un­recht­mäßig. Die be­ste Re­gie­rung hat ebenso­we­nig An­spruch dar­auf wie die schlimm­ste. Sie ist genau­so schädlich oder noch schäd­li­cher, wenn man sie in Über­ein­stim­mung mit der öf­fent­li­chen Mei­nung aus­übt, als wenn sie in Wi­der­spruch zu ihr steht. Wenn al­le Men­schen außer einem der­sel­ben Mei­nung wä­ren und nur die­ser ein­zi­ge eine ent­ge­gen­ge­setz­te hät­te, dann wä­re die gan­ze Mensch­heit nicht mehr be­rech­tigt, die­sen einen mund­tot zu ma­chen, als er, die Mensch­heit zum Schwei­gen zu brin­gen, wenn er die Macht hät­te.” Heu­te ga­ran­tiert Art. 10 EMRK die Mei­nungs­frei­heit in Öster­reich zwar auf Ver­fas­sungs­ebe­ne, bie­tet je­doch kei­ner­lei Schutz ge­gen die Ver­brei­tung einer parteipolitisch–ideo­lo­gisch orien­tier­ten Ein­heits­mei­nung, et­wa via staatlich–mo­no­po­li­sti­scher Mas­sen­me­dien, son­dern „nur” vor di­rek­ten Ein­grif­fen des Staa­tes in die pri­va­te Mei­nungs­frei­heit des ein­zel­nen Bür­gers; wie schwer es ist, die­se Macht zu bre­chen, zeigt die bis heu­te an­dau­ern­de Pro­ble­matik um die Frei­ga­be von Ka­nä­len für pri­va­te Rund­funk– und Fern­seh­trä­ger.
Der po­li­tisch mo­ti­vier­te und durch Ge­set­ze „ze­men­tier­te” er­wei­ter­te Ein­fluß — oft ge­gen den Sinn ver­schie­de­ner Ver­fas­sungs­ga­ran­tien — ist bei ge­naue­rem Hin­se­hen oft zu fin­den. Ein Bei­spiel da­zu ist das B–GBG: Es ne­giert den Un­ter­schied der Ge­schlech­ter (kann da­her nie­mals „ge­schlech­ter­ge­recht” sein; vgl. BKA Krea­ti­ves For­mu­lie­ren) und be­han­delt sie gleich an­statt gleich­wer­tig; es gilt nur im Be­reich der Be­am­ten und Bun­des­an­ge­stell­ten (vgl. § 1 B–GBG), je­doch ha­ben sich im Lau­fe der Zeit aus die­sem Be­reich — auch und vor al­lem mit Hil­fe des staat­li­chen ORF — ein ge­wis­ser Wort­schatz und eine ge­wis­se Grund­hal­tung in wei­ten Krei­sen der Be­völ­ke­rung aus­ge­rei­tet, die je­den ge­ra­de­zu als gesell­schaft­li­chen, an­ti­de­mo­kra­ti­schen (!), „frau­en­feind­li­chen” Außen­sei­ter dis­kre­di­tie­ren und „selbst­ver­ständ­lich be­rech­tig­ter­wei­se” mund­tot ma­chen, der ge­gen die­se Gleic­be­hand­lung Stel­lung nimmt — ein deut­li­ches Ex­em­pel für den par­tei­po­li­tisch–ideo­lo­gisch mo­ti­vier­ten, grund­rechts­feind­lich–„schlei­chen­den” ge­sell­schaft­li­chen Um­bau, wie er in Öster­reich of­fen­bar an der Ta­ges­ord­nung ist. Von Mei­nungs­frei­heit kann aber nur dann ge­re­det wer­den, wenn der Staat sich nicht nur in die Mei­nun­gen sei­ner Bür­ger nicht ein­mischt, son­dern ih­nen in ih­rer Viel­falt eine min­de­stens eben­so gro­ße Platt­form bie­tet — et­wa im We­ge des pri­va­ten Me­dien­be­rei­hes —, wie die Trä­ger der Staats­ge­walt für sich in An­spruch neh­men; vgl. da­zu auch JU Grund­satz­pro­gramm, S. 25: „Me­dien­kon­kur­renz und In­for­ma­tions­an­ge­bot. 67. Mei­nungs­frei­heit als zen­tra­ler Be­stand­teil einer de­mo­kra­ti­schen Ge­sells­chaft ist nur ge­währ­lei­stet, wenn die Frei­heit der In­for­ma­tion und der Me­dien ge­si­chert ist. In den Me­dien muß sich die Viel­falt der Mei­nun­gen und An­schau­un­gen wi­ders­pie­geln. Sie sind ein we­sent­li­ches Kon­troll­or­gan ge­gen­über Ge­sell­schaft und Staat. Mas­sen­me­dien sind je­doch auch in der La­ge, durch ih­re Be­richt­er­stat­tung selbst Ein­fluß auf Mei­nungs– und Wil­lens­bil­dung zu neh­men, wäh­rend sie selbst wirk­sa­mer Kon­trol­le weit­­ge­hend ent­zo­gen sind. Hier­aus er­wächst den Me­dien eine be­son­de­re Ver­pflich­tung, ih­ren mei­nungs­bil­den­den und po­li­ti­schen Ein­fluß nicht zu miß­brau­chen. Viel­falt und Kon­kur­renz der Me­dien si­chern ein aus­ge­wo­ge­nes In­for­ma­tions­an­ge­bot. Es ist da­her Auf­ga­be des Staa­tes, Me­dien­viel­falt zu si­chern und Mo­no­po­le ab­zu­bau­en. Im Be­reich der Pres­se hat sich die pri­vat­wirt­schaft­li­che Or­ga­ni­sa­tion be­währt. Im Be­reich von Hör­funk und Fern­se­hen kann eine Kon­kur­renz von öf­fent­li­chen und pri­va­ten An­bie­tern zu Viel­falt und aus­ge­wo­ge­nem An­ge­bot füh­ren. Die För­de­rung des deut­schen und euro­pä­ischen Films muß ver­stärkt wer­den.” Ge­for­dert werd­en müs­sen in die­sem Zu­sam­men­hang über­dies auch Ga­ran­tien für die Mei­nungs­frei­heit der Bür­ger un­ter­ein­an­der, die von die­sen wirk­sam durch­ge­setzt wer­den kön­nen.

[29] Vgl. Leit­ner u.a. Mensch und Staat, S. 134: „»Wer Macht be­sitzt, kann tole­rant han­deln. Wer macht­los ist, kann to­le­rant den­ken. Da die Macht­lo­sen fast im­mer, wenn sie zur Macht ge­lan­gen, die To­le­ranz ver­ges­sen — ein sehr be­ach­tens­wer­tes Phä­no­men — und die Mäch­ti­gen sich nur sel­ten bis zur To­le­ranz­stu­fe am Den­ken ge­übt ha­ben, ist es nicht gut um die To­le­ranz der Welt be­stellt.« (Ale­xan­der Mit­scher­lich)”

[30] Vgl. EMRK, Präambel.

[31] Nur to­ta­li­tä­re Sy­ste­me en­gen die Spra­che ein — wie es et­wa durch die Ver­ein­fa­chung der neu­en Recht­schrei­bung und durch die „krea­ti­ven” Vor­schlä­ge des Bun­des­mi­ni­ste­ri­ums für Frau­en­an­ge­le­gen­hei­ten ge­schieht —, frei­heit­lich–de­mo­kra­ti­sche Ord­nun­gen sind stets um eine Er­wei­te­rung der Spra­che be­müht; vgl. da­zu auch Bork Miß­brauch, S. 98. Nur in to­ta­li­tä­;ren Sy­ste­men wer­den an Uni­ver­si­tä­ten Lehr­plä­ne (nicht: die Kri­te­rien für das er­folg­rei­che Ab­sol­vie­ren eines Stu­diu­ms!) von po­li­tisch be­setz­ten staat­li­chen Stel­len vor­ge­ge­ben; vgl. da­zu auch Mill Frei­heit, S. 26: „Je­des Un­ter­bin­den einer Er­ör­te­rung ist eine An­ma­ßung von Un­fehl­bar­keit.”

[32] Vgl. Wei­gel Ru­hig, S. 39: „Ver­all­ge­mei­ne­run­gen kön­nen sehr weh tun.” Kueh­nelt–Leddihn Sa­ra­je­wo, S. 25: „Man hü­te sich al­so vor Ver­ein­fa­chun­gen!”

[33] Dies ist eine klei­ne Aus­wahl von Be­grif­fen, mit de­nen der Ver­fas­ser im Lau­fe sei­nes cou­leur­stu­den­ti­schen Le­bens von Nicht–Cor­po­ra­tions­stu­den­ten be­dacht wor­den ist. Der Ver­fas­ser hat sich oft ge­fragt, wie sich wohl ein An­ge­hö­ri­ger einer jü­di­schen farb­tra­gen­den Cor­po­ra­tion füh­len mag, wenn er mit sol­chen Aus­drücken kon­fron­tiert wird ... Vgl. da­zu auch Wei­gel Ru­hig, S. 39 f.: „Für die Lin­ken bin ich ein Fa­schist, für die Bür­ger­li­chen ein Lin­ker, so ist's recht, und es macht mir höl­li­schen Spaß, Leu­ten beim Er­stau­nen zu­zu­schau­en, wenn ich mei­nem Image nicht ent­spre­che.” Pau­scha­lie­ren­de Aus­sa­gen ge­gen Cou­leur­stu­den­ten, ge­gen Bur­gen­län­der, Mühl­viert­ler, Deut­sche oder Ita­lie­ner sind je­doch ge­nau­so als Vor­ur­tei­le zu be­zeich­nen wie pau­scha­lie­ren­de Dar­stel­lun­gen von In­dia­nern, Jörg Hai­der, So­zia­li­sten, Ju­den oder ge­gen­über einer son­sti­gen, x–be­lie­bi­gen Grup­pe oder Per­son. So­ge­nann­te „gra­du­el­le Un­ter­schie­de” als Ent­schul­di­gung oder gar Recht­fer­ti­gung von un­sach­li­cher Un­ter­schei­dung (Dis­kri­mi­nie­rung) zu ma­chen, ist blan­ke Ver­höh­nung der zahl­lo­sen Op­fer der­ar­ti­ger Vor­ur­tei­le! [Cou­leur­stu­den­ten sind farb­tra­gen­de Cor­po­ra­tions­stu­den­ten; Anm.] Vgl. da­zu auch Ledel in CARO♦AS 3/1999, S. 11 l.Sp.: „»Wer einen an­de­ren tö­tet, ...«, heißt es in § 75 des Öster­rei­chi­schen Straf­ge­setz­bu­ches. Von Öster­rei­chern, Ro­ma, Chi­ne­sen, von Mos­lems, Chri­sten oder Ju­den, von In­dia­nern, Ne­gern oder Bleich­ge­sich­tern ist dort nicht die Re­de, und ich hof­fe sehr, daß das so bleibt.”

[34] Vgl. Mill Frei­heit, S. 60: „Die ver­häng­nis­vol­le Nei­gung der Men­schen, über et­was, das nicht län­ger zwei­fel­haft ist, nicht wei­ter nach­zu­grü­beln, ist die Ur­sache der Hälf­te al­ler Irr­tü­mer. Ein zeit­ge­nös­si­scher Schrift­stel­ler sprach sehr rich­tig von »dem tie­fen Schlum­mer einer un­be­strit­te­nen Mei­nung«.”

[35] Vgl. dazu Canetti Masse und Macht.

[36] Vgl. dazu nur beispielsweise Berlakovich/Sivich Rechtsextremismus, S. U 1, sowie Waldenmair–Lackenbach in JES Konzept Nr. 24, S. U 1.

[37] Vgl. et­wa Brock­haus 1898, Bd. 7 S. 22: „Frak­tur (lat.) ... In der Buch­drucker­kunst ist F. (d. i. ge­bro­che­ne Schrift) die in deut­schen Druck­wer­ken üb­li­che Schrift, wel­che sich durch ih­re scharf ge­bro­che­nen Ecken von der run­den röm. Schrift (der An­ti­qua, s. d.), für wel­che auch die lat. Be­zeich­nung rot­un­da oder rot­un­da­lis vor­kam, un­ter­schei­det. [...] Sie knüpf­te an die­je­ni­ge Form der Buch­sta­ben an, wel­che in deut­schen Tex­ten und Brie­fen beim Schrei­ben üb­lich war. Ver­su­che in die­ser Rich­tung fin­den sich be­reits im 15. Jahrh. Im An­fang des 16. Jahrh. er­lang­te zu Nürn­berg, wo eine Schu­le von Schön­schrei­bern, «Mo­di­sten» ge­nannt, be­son­ders un­ter dem Mei­ster Paul Fi­scher blüh­te, eine den For­men deutsch­na­tio­na­ler Kunst sich gut an­pas­sen­de Schön­schrift all­ge­mei­ne­res An­se­hen und Ver­brei­tung. Fi­schers Schü­ler war der Schön­schrei­ber Joh. Neu­dör­fer der Äl­te­re, aus des­sen Schu­le zu­meist die Hof­se­kre­tä­re des Kai­sers Ma­xi­mi­li­an I. her­vor­gin­gen, dar­un­ter Vin­cenz Röck­ner, wel­cher die Pro­be zur Theu­er­dank­schrift [...]”; Meyers 1983, Bd. 7 S. 186: „Frak­tur [zu lat. frac­tu­ra „Das Bre­chen”], eine in Deutsch­land im 16. Jh. ge­schaf­fe­ne Form der go­ti­schen Schrift, die jahr­hun­der­te­lang in Deutsch­land ge­gen­über der An­ti­qua den Vor­rang be­haup­te­te; auch im poln., tschech., li­taui­schen, schwed. und finn. Sprach­bereich ver­brei­tet. Sie ent­stand auf der Grund­la­ge der Ba­star­da als Theu­er­dank­schrift (Ent­wurf von V. Rock­ner für den Druck des „Theu­er­dank”, 1517) und als „Dürer­frak­tur” (1522, 1525 ff.), der Schrift in Dü­rers Ver­öf­fent­li­chun­gen, von J. Neu­dörf­fer d. Ä. ent­wor­fen (ge­schnit­ten von Hie­ro­ny­mus An­dreae). [...] Die F. ver­lor seit dem 19. Jh. zu­nächst in wiss. Wer­ken, allg. im 20. Jh. ihre Bed., ob­wohl ge­ra­de An­fang des 20. Jh. vor­zügl. Frak­tur­schrif­ten ge­schnit­ten wur­den, die sog. deut­sche Schrift: R. Koch (u.a. „Dt. Koch­schrift”, 1908), [...]”

[38] Vgl. et­wa Fich­tenau Lehr­buch, S. 25–40.

[39] Die Frak­tur wur­de wäh­rend der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als „ver­ju­det” ab­ge­schafft und durch die heu­te all­ge­mein üb­li­che An­ti­qua er­setzt; vgl. da­zu et­wa Bar­mettl­er in Pü­rer, S. 306, so­wie En­gel­brecht Bil­dung, S. 318 m.w.N. Die For­de­rung nach Ab­schaf­fung der Frak­tur — wie auch nach Ver­ein­fa­chung der Recht­schrei­bung — ist schon da­mals nicht mehr neu; vgl. da­zu Leip­zi­ger Leh­rer­ver­ein Recht­schrei­bung, S. 20: „Frak­tur­zeit: Zeit der Ba­rock­schwül­ste in Woh­nung, Klei­dung, Spra­che und Schrift (Wort­un­ge­tü­me, Band­wurm­sät­ze, Schrei­bung über­flüs­si­ger Buch­sta­ben). an­ti­qua­zeit: zeit der ein­fa­chen häu­ser der ein­fa­chen klei­der, der ein­fa­chen schrift — der ein­fa­chen recht­schrei­bung!” Je ein­fa­cher je­doch die Spra­che des Vol­kes, de­sto leich­ter ist es be­herrsch­bar; vgl. Orwell 1984, S. 241 f. und oben FN 19. Das er­klärt ein­leuch­tend, wa­rum die Frak­tur ge­ra­de in der Zeit des to­ta­li­tä­ren Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ab­ge­schafft wor­den ist.

[40] Vgl. da­zu bei­spiels­wei­se das Reichs­ge­setz­blatt für die im Reichs­ra­te ver­tre­te­nen Kö­nig­rei­che und Län­der. CXLVIII. Stück v. 10.08.1918.

[41] Vgl. Sto­was­ser.

[42] Das­sel­be gilt für die Kur­rent­schrift, möch­te man nicht un­ter­stel­len, daß et­wa einer der in­ter­na­tio­nal be­rühm­te­sten zeit­ge­nös­sischen öster­reichi­schen Künst­ler, Frie­dens­reich Hun­dert­was­ser, deutsch­tü­melnd oder na­tio­nal­so­zia­li­stisch eingestellt wäre!

[43] Der Schrift­zug des Ver­bin­dungs­na­mens auf dem ab­ge­bil­de­ten Auf­kle­ber ent­spricht übri­gens weit mehr je­nem na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen „ide­a­len” Schrift­stil, wie er et­wa bei Eg­gers Frei­heit oder bei Hoff­mann Ost­mark zu fin­den ist. Die Kur­rent­schrift wur­de mit Rund­er­laß (E II a 334/41 E III, Z II a) am 1. Sep­tem­ber, die Druck­schrif­ten Go­tisch, Schwa­ba­cher und Frak­tur be­reits am 3. Jän­ner 1941 durch einen Ge­heim­er­laß ab­ge­schafft; vgl. et­wa Süß Druck­schrift, S. 10.

[44] Vgl. da­zu Raf­fa­el in CARO♦AS Nr. 6/1989.

[45] Das ist na­tür­lich Ge­schmacks­sa­che und soll hier nicht wei­ter be­han­delt wer­den.

[46] Vgl. Krause Bur­schen­herrl­ich­keit, S. 79: „Die ge­sam­te Stu­den­ten­ge­schich­te ist nur im Rah­men der je­wei­li­gen Zeit­ge­schich­te zu ver­ste­hen und steht mit die­ser in in­ten­si­ver Wech­sel­be­zie­hung.”

[47] Stu­den­ti­sche Stan­des­ver­tre­tung, die vom lands­mann­schaft­li­chen Prin­zip ge­prägt war.

[48] Vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 89.

[49] § 1 der Würz­bur­ger Ver­fas­sung der DSt: „Die Stu­die­ren­den deut­scher Ab­stam­mung und Mut­ter­spra­che der Hoch­schu­len des deut­schen Sprach­ge­bie­tes bil­den die Deut­sche Stu­den­ten­schaft.” Vgl. Heither u.a. Blut und Pauk­bo­den, S. 88.

[50] Die völ­kisch–an­ti­se­mi­ti­sche Hal­tung hat sich in der DSt ins­ge­samt erst 1923/24 durch­ge­setzt; vgl. Heither u.a. Blut und Pauk­bo­den, S. 89.

[51] Vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 89 f.

[52] Vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 89.

[53] Vgl. da­zu Drim­mel DSt und ÖH, S. 106–109; ders. Na­zis, S. 28 f.; zur Hal­tung der öster­rei­chi­schen CVer zur DSt vgl. eben­da. Hein­rich Drim­mel gilt als ver­läß­li­cher Zeit­zeu­ge; er wurde 1933 als Sach­wal­ter der Öster­rei­chi­schen Hoch­schü­ler­schaft von amts­we­gen ein­ge­setzt; vgl. da­zu Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 90.

[54] Zur KDHOe vgl. KDHW Mit­tei­lun­gen 06.1937, S. 4: „Sinn und Zweck der K.D.H.Oe.: Drei Auf­ga­ben sind es vor al­lem, die die Ka­tho­li­sche Deut­sche Hoch­schü­ler­schaft Oester­reichs zu er­fül­len hat: Trä­ge­rin soll sie sein ka­tho­li­schen Gei­stes an Oester­reichs ho­hen Schu­len. Je­ne Be­we­gung soll sie sein, in der al­le ka­tho­li­schen Stu­den­ten­ver­eini­gun­gen, in der al­le ka­tho­li­schen va­ter­län­di­schen Stu­den­ten in ge­schlos­se­ner Front ge­gen die Fein­de des Glau­bens und des Va­ter­lan­des ste­hen. Nicht zu­letzt soll die KDHOe. der so­zia­len Ar­beit die­nen. Brücken­bau­er wol­len wir sein von Stu­dent zu Stu­dent, Brücken­bau­er aber auch vom Stu­den­ten zum Ar­bei­ter! Zu­sam­men­ar­beit al­ler ka­tho­li­schen Aka­de­mi­ker Oester­reichs und da­rüber hin­aus in­ni­ge Ver­bin­dung mit den ka­tho­li­schen Stu­den­ten­ver­bän­den der gan­zen Welt ist unser Ziel. Im­mer be­wußt, Trä­ger einer neu­en Idee, Weg­wei­ser einer neu­en Zeit an den öster­rei­chi­schen Hoch­schu­len zu sein, wol­len wir un­se­re gan­ze Kraft da­ran­set­zen, eine christ­li­che, öster­rei­chi­sche, wahr­haft so­zia­le Stu­den­ten­schaft zu sein, wie es un­ser Helden­kanz­ler [ge­meint ist Doll­fuß, Anm.] ge­wollt.” Zur KDHW vgl. eben­da, S. 2: „Die KDHW ist die Ka­tho­li­sche Ak­tion der Hoch­schu­le: Sie ist da­mit be­auf­tragt, die Stu­die­ren­den mit der Ka­tho­li­schen Ak­tion als der gro­ßen Be­we­gung in der Kir­che, die vom Ober­haupt der Kir­che selbst ge­schaf­fen wur­de und ge­lei­tet wird, be­kannt zu ma­chen und je­den Ver­band so­wie je­den ein­zel­nen Stu­den­ten zum le­ben­di­gen Träg­er der Be­we­gung zu ma­chen. Es ist be­kannt, daß der Hei­li­ge Va­ter selbst in meh­re­ren An­spra­che es deut­lich aus­ge­spro­chen hat, daß ge­ra­de die Stu­den­ten in der Ka­tho­li­schen Ak­tion be­son­de­re Aufg­a­ben zu er­fül­len ha­ben.” Un­ter Be­rück­sich­ti­gung die­ser Pro­gram­me scheint es nicht ver­wun­der­lich, daß die­je­ni­gen Stu­den­ten, die in der KDHOe bzw. der KDHW or­ga­ni­siert wa­ren, nicht mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus kol­la­bo­rier­ten! Vgl. da­zu auch KDHW Mit­tei­lun­gen 11.1937, S. 2 f.

[55] Die Grün­dung des NSDStB erfolgte am 08.12.1925 in Mün­chen durch die bei­den Jus–Stu­den­ten Tem­pel und Pod­lich; vgl. da­zu Klo­se Frei­heit, S. 220 f.

[56] Vgl. dazu Klo­se Frei­heit, S. 223 f.

[57] Die­se Er­fol­ge ka­men selbst für Hit­ler über­ra­schend; vgl. Klo­se Frei­heit, S. 221. Sie sind je­doch zu re­la­ti­vie­ren; vgl. da­zu Klo­se Frei­heit, S. 224: „Nun wird mit die­sen Zah­len gern ge­ar­bei­tet, um zu be­wei­sen, daß vor 1933 die deut­schen Stu­den­ten be­reits Na­tio­nal­so­zia­li­sten wa­ren. Das ist ganz falsch. 1932 nah­men in Bres­lau 35%, in Ber­lin 30%, in Köln nur 22% al­ler Stu­den­ten über­haupt an Wah­len teil.” Noch we­ni­ger aus­sa­ge­kräf­tig in die­ser Hin­sicht sind auf­grund der öster­reich­weit nie­dri­gen Wahl­be­tei­li­gung von et­wa 25 % die ÖH–Wah­len der jüng­sten Zeit. In Inns­bruck konn­te der NSDStB trotz des ho­hen An­teils reichs­deut­scher Stu­den­ten erst 1931, als die Deut­sche Stu­den­ten­schaft als Ge­samt­ver­tre­tung der Stu­den­tens­chaft of­fi­ziell nicht mehr an­er­kannt war, eine Mehr­heit er­rin­gen; vgl. da­zu Drim­mel Nazis, S. 28 f. Dem­nach ist auch die pau­scha­lie­ren­de Aus­sa­ge von Va­sek, die DSt sei „ra­di­kal an­ti­se­mi­tisch und deutsch­na­tio­nal” ge­we­sen, als ir­re­füh­rend ab­zu­leh­nen; vgl. Va­sek Schwein, S. 69. Tho­mas Va­sek ist der­zeit „pro­fil”–Re­dak­teur; vgl. da­zu Pret­ter­eb­ner Kuf­ner, S. 14 f.

[58] „Der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus kennt kei­ne »Auto­no­mie« der Hoch­schu­len, die ge­gen das Volk be­haup­tet wer­den könn­te.” Vgl. Frick Stu­dent im Volk, S. 11. Die Ver­än­de­rung wird dann auch in der Ver­fas­sung der „Reichs­schaft” deut­lich (be­ach­tens­wert sind die Un­ter­schie­de in Auf­ga­ben­stel­lung und Wort­wahl im Ver­gleich zur KDH!); vgl. Frick Stu­dent im Volk, S. 19: „Ich ge­be der Reichs­schaft der Stu­die­ren­den an den deut­schen Hoch– und Fach­schu­len die­se Ver­fas­sung:
Stück 1: Die Deut­sche Stu­den­ten­schaft und die Deut­sche Fach­schul­schaft bil­den zu­sam­men die Reichs­schaft der Stu­die­ren­den an den deut­schen Hoch– und Fach­schu­len. Stück 2: Der Reichs­schafts­füh­rer wird vom Reichs­mi­ni­ster des In­nern er­nannt. Stück 3: Die Reichs­schaft ver­bin­det die Deut­sche Stu­den­ten­schaft und die Deut­sche Fach­schul­schaft zur Zu­sam­men­ar­beit in den ge­mein­sa­men Auf­ga­ben. Die For­men der Zu­sam­men­ar­beit be­stimmt der Reichs­schafts­füh­rer. Die Reichs­füh­rer der Deut­schen Stu­den­ten­schaft und der Deut­schen Fach­schul­schaft ste­hen ihm für sei­ne Auf­ga­ben zur Ver­fü­gung. Die Aus­füh­rung der ge­mein­sa­men Auf­ga­ben ist aus­schließ­lich Sa­che der Deut­schen Stu­den­ten­schaft und der Deut­schen Fachschulschaft. Der Reichs­schafts­füh­rer hat das Recht, an al­len Ver­an­stal­tun­gen der Deut­schen Stu­den­ten­schaft und der Deut­schen Fach­schul­schaft teil­zu­neh­men; er ist zu ih­nen ein­zu­la­den. Stück 4: Nach voll­zo­ge­nem Auf­bau er­läßt der Reichs­mi­ni­ster die end­gül­ti­ge Verfas­sung auf Vor­schlag des Reichs­schafts­füh­rers. — Ber­lin, den 7. Fe­bru­ar 1934: Der Reichs­mi­ni­ster des In­nern. gez. Frick.”
Zur Ver­fas­sung der DSt vgl. eben­da, S. 20–26; zur Verfas­sung der Fach­schul­schaft vgl. eben­da, S. 27–29. Her­vor­he­bun­gen nicht im Ori­gi­nal.

[59] Da es zu die­ser Zeit we­der einen re­le­van­ten An­schluß­ge­dan­ken noch einen na­tio­nal de­ter­mi­nier­ten, weit­ver­brei­te­ten An­ti­se­mi­tis­mus ge­ge­ben hat — vgl. da­zu Wei­gel Ru­hig, S. 10: „Pro­ble­me des christ­lich–jü­di­schen Ge­gen­sat­zes gab es we­der in der Volks­schu­le (1914–1918) noch im Gym­na­sium (1918–1926)” —, be­find­en sich auf der Li­ste der Geld­ge­ber vor dem Krieg selbst­ver­ständ­lich auch Na­men, die auf einen „nicht­ari­schen” Ur­sprung hin­wei­sen. Die „hi­sto­ri­schen Re­cher­chen” des „Un­ter­su­chungs­kom­mis­sions­mit­glie­des” Ul­ri­ke Da­vy, auf die sich et­wa Va­sek be­ruft, kön­nen nicht be­son­ders ob­jek­tiv und in­ten­siv ge­we­sen sein, denn sie er­wäh­nen we­der den Be­ginn der Pla­nun­gen noch die Li­ste der Geld­ge­ber; vgl. Va­sek Schwein, S. 69. Pi­kan­ter­wei­se ist in die­ser „Antifa”–Bro­schü­re der ÖH auf S. 76 ein In­se­rat des Li­be­ra­len Bil­dungs­fo­rums ab­ge­druckt, in dem ein Buch je­nes Herrn Dr. Fried­helm Fri­schen­schla­ger be­wor­ben wird, der als BMLV ex­tra an die öster­rei­chisch–ita­lie­ni­sche Gren­ze ge­fah­ren ist, um einen Kriegs­ver­bre­cher aus der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus mit Hand­schlag zu be­grü­ßen! Vgl. Davy/Va­sek Sieg­frieds­kopf, da­zu Ac­ta Stu­den­ti­ca 93/1992, S. 15.

[60] Zur Zeit des Deut­schen Krie­ges und spä­ter des Deutsch–Fran­zö­si­schen Krie­ges hat es die Deut­sche Stu­den­ten­schaft als „Na­tion”, nicht aber als In­sti­tu­tion ge­ge­ben. Zur Be­deu­tung der Aka­de­mi­schen Le­gion in die­ser Zeit vgl. Gall in BKA 1965, S. 12 f.: „Wie schon wäh­rend des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges [...] hat­ten auch 1848 die Wie­ner Stu­den­ten und ih­re Aka­de­mi­sche Le­gion her­vor­ra­gen­den An­teil am Kampf um Verfas­sung, Pres­se– und Mei­nungs­frei­heit. Die Wie­ner »Au­la« (das Ja­dot­sche Uni­ver­si­täts­ge­bäu­de von 1756) wur­de zum Frei­heits­sym­bol schlecht­hin für Öster­reich und die Welt. De­le­ga­tio­nen aus Frank­reich und den Ver­einig­ten Staa­ten grüß­ten die Wie­ner Le­gio­nä­re eben­so wie sol­che aus Böh­men, Mäh­ren und Un­garn. Men­schen­wür­de und Men­schen­recht ran­gier­ten weit vor klein­bür­ger­li­chem Chau­vi­nis­mus.”

[61] Vgl. dazu Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 162 f.: „Nach 1848 kam es nur noch we­ni­ge Ma­le zum Ver­such, eine Stu­den­ten­le­gion ins Le­ben zu ru­fen. Im Preu­ßen­krieg von 1866 schei­ter­ten sol­che Be­stre­bun­gen am Wi­der­stand von Wie­ner Bur­schen­schaf­ten. In der all­ge­mei­nen Be­gei­ste­rung am Be­ginn des Er­sten Welt­krie­ges be­schloß am 5. August 1914 eine ge­mein­sa­me Sit­zung ver­schie­de­ner aka­de­mi­scher Kor­po­ra­tio­nen in An­we­sen­heit des Rek­tors Ri­chard Wett­stein v. We­sters­heim, einem An­trag der Bur­schen­schaft Ost­mark fol­gend, die Be­grün­dung einer aka­de­mi­schen Le­gion. [...] Das Ab­zei­chen die­ser Le­gion hat­te die Um­schrift: „Aka­de­mi­sche Le­gion — Eh­re, Frei­heit, Va­ter­land”, ein Spruch, der sich bis in die heu­ti­ge Zeit bei al­len (!) Cor­po­ra­tio­nen er­hal­ten hat. 1915 hör­te die Le­gion auf zu be­ste­hen. [...] 1918 ver­such­ten die Deutsch–Völ­ki­schen im All­ge­mei­nen deut­schen Hoch­schul­aus­schuß mit ne­ga­ti­vem Er­folg, eine be­waff­ne­te Stu­den­ten­le­gion zum Schutz der Uni­ver­si­tät auf­zu­stel­len.”

[62] Vgl. da­zu Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 89. Aus den Un­ter­la­gen des Uni­ver­si­täts­ar­chi­ves Wien geht her­vor, daß zur Ein­wei­hungs­fei­er­lich­keit al­le orts­an­säs­si­gen farb­tra­gen­den (!) Cor­po­ra­tio­nen ein­ge­la­den wer­den soll­ten. Falls dies wirk­lich ge­sche­hen ist, dürf­te es das letz­te Mal nach dem Er­sten Welt­krieg ge­we­sen sein, daß deutsch­na­tio­na­le, jü­di­sche und christ­li­che Cor­po­ra­tio­nen plen.col. ge­mein­sam an der Wie­ner Uni­ver­si­tät auf­ge­tre­ten sind. Vgl. da­zu auch Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 190: „[...] nahm die Ge­samt­heit der Wie­ner Stu­den­ten­schaft an der Ein­wei­hung [...] teil.”

[63] Vgl. Fel­lin­ger u.a. 600-Jahr–Feie­r, S. 106. Zur Fei­er all­ge­mein vgl. BKA Kul­tur­nach­rich­ten 1/1965. Das er­ste To­ten­ge­den­ken nach dem Zwei­ten Welt­krieg hiel­ten dort am 05.05.1948 CVer ab; vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 192.

[64] Vgl. Fel­lin­ger u.a 600-Jahr–Feier, S. 108. Am Ab­lauf der Fei­er wa­ren so­wohl die ka­tho­li­sche Uni­ver­si­täts­sän­ger­schaft „Wal­tha­ria” im ÖCV als auch die Uni­ver­si­täts­sän­ger­schaft „Bar­den zu Wien” (vgl. Bar­den im In­ter­net) ak­tiv be­teiligt. „Der Rek­tor hielt fol­gen­de An­spra­che: »Eine Uni­ver­si­tät, die wie wir eine Fei­er lan­gen Be­stan­des be­geht, blickt na­tür­li­cher­wei­se an die­sen Ta­gen zu­rück auf ih­re Ver­gan­gen­heit, auf das, was vor ihr war und ge­schaf­fen wur­de — und da­mit auf die, die vor ihr wa­ren, und die das Werk, das wir heu­te be­treu­en, er­baut ha­ben. Und wahr­lich ist es ein Werk, das Ge­ne­ra­tio­nen ge­baut ha­ben — vie­le da­von sind uns in Er­in­ne­rung, ih­re Na­men ein­ge­gra­ben in gol­de­nen Let­tern in al­te Bil­der oder Fo­lian­ten — noch mehr aber sind un­be­kannt ge­blie­ben, na­men­los — den­noch wa­ren sie ein Teil am gro­ßen Werk, das oh­ne sie eben­so­we­nig hät­te wer­den kön­nen wie oh­ne die an­de­ren. — Wenn wir, wie wir ger­ne sa­gen, eine Ge­mein­schaft sind, und das nicht nur ein lee­res Wort sein soll, muß es auch eine Ge­mein­schaft sein, die, ge­ra­de an sol­chen Ta­gen wie die­se jetzt, hin­über­reicht über die Schwel­le, die die To­ten von den Le­ben­den trennt. Wir den­ken an sie, nicht nur wie man an Mo­nu­men­te denkt, an leb­lo­se Bil­der, an Ver­gan­ge­nes und Auf­ge­lö­stes, wir den­ken an sie als die, die das Werk be­gon­nen ha­ben, das wir fort­füh­ren, und die da­her im Werk, das wir heu­te be­sor­gen, noch im­mer le­ben­dig sind. Die von uns, die gläu­big sind, wis­sen noch mehr — sie wis­sen im Glau­ben, daß die To­ten le­ben­di­ger sind als wir, denn sie sind der gro­ßen Wahr­heit nä­her, die wir noch ver­bor­gen su­chen müs­sen; sie kön­nen, so hof­fen wir im Glau­ben, nun fa­cie ad fa­ci­em schau­en, was wir noch müh­sam er­schlie­ßen müs­sen. — Wie im­mer aber man da­zu steht, eines ist wohl un­be­strit­ten, daß wir ih­rer mit Dank ge­denk­en müs­sen, da wir auf ih­rem Werk, wie auf einem gu­ten Grund, un­ser Tun auf­bau­en und ge­stal­ten. [...] — Ih­rer al­ler zu ge­den­ken ist uns ge­ra­de in die­sen Ta­gen freu­di­gen Fei­erns ho­he Pflicht. — Und ge­den­ken heißt das Er­be be­wah­ren und fort­füh­ren. Das heißt, den Bau, der uns über­ge­ben wur­de, nicht nur zu er­hal­ten, wie er ist, son­dern ihn un­se­rer Zeit und un­se­ren Auf­ga­ben ge­mäß um­zu­ge­stal­ten, zu er­neu­ern, le­ben­dig zu er­hal­ten. Tra­di­tion, Er­be und Ver­pflich­tung der Ver­gan­gen­heit und den gro­ßen To­ten ge­gen­über dür­fen nie in dem Sin­ne ver­stan­den wer­den, daß das, was, ge­schah, was sie ta­ten, nun für im­mer nach­ge­ahmt wer­den müß­te, son­dern daß der Geist nach­ge­ahmt wer­den und wie­der­holt wer­den muß, in dem es ge­schah: der Geist der Hin­ga­be an die For­schung, auch der Neue­rung, über­haupt des Fort­schrit­tes. Es ist uns dies ge­ra­de heu­te ho­he Auf­g­be. — Ganz be­son­ders soll uns aber der Op­fer­tod der vie­len Mah­nung sein, die in die­sen letz­ten Krie­gen star­ben: Mah­nung da­ran, daß die Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Dif­fe­ren­zen, die im­mer auf­tre­ten wer­den, auf dem Ge­bie­te des Gei­sti­en, nie­mals auf dem Ge­bie­te der ro­hen Ge­walt aus­ge­tra­gen wer­den soll­ten. Ge­ra­de der Aka­de­mi­ker muß es als ho­he Ver­pflich­tung se­hen, Lei­dens­chaf­ten na­tio­na­ler, po­li­ti­scher, re­li­giö­ser, was im­mer Art, die ins Fa­na­ti­sche und da­mit ins Ge­fähr­li­che sich zu ent­wickeln dro­hen, recht­zei­tig als Ver­ir­run­gen der ech­ten Hu­ma­ni­tas zu er­ken­nen und mu­tig zu be­kämp­fen. Die un­ge­zähl­ten ­, die vor 20 Jah­ren auf den Schlacht­fel­dern, un­ter Bom­ben­an­grif­fen, aber auch (schwerst zu be­kla­gen­de Ver­ir­rung) in mensch­li­cher Ent­wür­di­gung in Kon­zen­tra­tions­la­gern, in ras­si­schen, re­li­giö­sen und son­sti­gen Ver­fol­gun­gen al­ler Art ihr Le­ben ge­ben muß­ten, müs­sen uns eine stän­di­ge und blei­ben­de Mah­nung sein, daß ge­ra­de wir dar­über zu wa­chen ha­ben, daß die mensch­li­chen Lei­den­schaf­ten un­ter der Herr­schaft des Gei­stes blei­ben müs­sen, wenn an­ders nicht der Mensch sei­ne Wür­de, ja sei­nen Na­men als sol­cher ver­lie­ren soll. — Der Tod die­ser Un­ge­zähl­ten liegt auf uns, den Über­le­ben­den, als eine schwe­re Ver­pflich­tung. Wir wol­len die­ser Ver­pflich­tung ein­ge­denk sein und da­mit un­se­rer To­ten und wol­len den klei­nen Spruch im Her­zen be­hal­ten, den ich ein­mal an einer Krie­ger­ge­denk­tafel einer klei­nen Ge­mein­de las: >Gott wol­le den Frie­den er­hal­ten, den wir mit dem To­de be­zahl­ten.< — Ich darf hin­zu­fü­gen: den Frie­den in der gro­ßen Welt und auch in un­se­rem klei­nen Lan­de.«” Vgl. Fel­lin­ger u.a. 600-Jahr–Feier, S. 106–108. Eine solc­he Feier, eine sol­che Re­de eines Uni­ver­si­täts­rek­tors fal­len nach Auf­fas­sung des Ver­fas­sers we­sent­lich mehr ins Ge­wicht als ein paar Krän­ze, die Bur­schen­schaf­ter am Sieg­frieds­kopf in Un­kennt­nis sei­ner Ent­ste­hungs­ge­schich­te nie­der­le­gen.

[65] Vgl. Gall Alma Mater Rudolphina, S. 163.

[66] Ne­ben In­ter­es­se an der Sa­che an sich und der Mög­lich­keit, Er­kennt­nis­se über die Ar­beits­wei­se, ins­be­son­de­re die Geld­be­schaf­fung des po­li­ti­schen Geg­ners zu er­hal­ten, war das Ziel der Mit­ar­beit kon­ser­va­ti­ver Stu­den­ten bei der Platt­form Sieg­frieds­kopf, Quel­len­for­schung und Pub­li­ka­tion der Er­geb­nis­se nicht Frei­heit­li­chen und schla­gen­den Bur­schen­schaf­tern zu über­las­sen und einer er­neut ten­den­ziel­len In­ter­pre­ta­tion des Ge­denk­steins vor­zu­beu­gen. Ein Ver­such in die­se Rich­tung führ­te dann kon­se­quen­ter­wei­se zum ent­spre­chen­den Bruch. — Im­mer wie­der stre­ben nicht­kon­fes­sio­nel­le, schla­gen­de, manch­mal ex­tre­mi­sti­sche Cor­po­ra­tio­nen da­nach, die von kon­fes­sio­nel­len Cor­po­ra­tio­nen vor­ge­nom­me­ne Ab­gren­zung zu un­ter­lau­fen, die­se zu ver­ein­nah­men, um so ih­re Iso­la­tion zu über­win­den und „ge­sell­schafts–”, „sa­lon­fä­hig” zu wer­den; vgl. da­zu auch Ko­sak in Aca­de­mia 12/1996 mit Hin­weis auf Bar­den im In­ter­net.

[67] Vgl. da­zu auch Wag­ner Atlas, S. 248 r.Sp.: „Mag der Über­gang zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zu­kunft noch so schmal sein, der Gegen­wart ist es mög­lich, in be­stimm­ten Gren­zen ih­re Ver­ant­wor­tung für den wei­te­ren Ver­lauf der Er­eig­nis­se wahr­zu­neh­men. Jetzt, in der Ge­gen­wart, ent­schei­det es sich, ob das Er­be ge­pflegt, wei­ter­ge­ge­ben, ab­ge­wan­delt oder ver­wor­fen wird: Im No­vem­ber 1918 z. B. for­der­ten Links­ra­di­ka­le den Ab­riß al­ler mon­ar­chi­schen Ge­bäu­de und Denk­mä­ler in Wien, um den end­gül­ti­gen Bruch mit der habs­bur­gi­schen Ver­gan­gen­heit un­ter Be­weis zu stel­len; be­son­ne­ne Staats­män­ner stell­ten sich da­ge­gen.” Wer sich da­her ge­gen die Be­sei­ti­gung des Sieg­frieds­kop­fes aus­spricht, muß kei­nes­falls deutsch­na­tio­nal, na­tio­nal­so­zia­li­stisch, deutsch­tü­melnd, fa­schi­stisch oder fa­schi­sto­id sein; es ist durch­aus mög­lich, daß der­jeni­ge et­was aus den „Bil­der­stür­men” der Re­for­ma­tion, der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­tion oder des Na­tio­na­len So­zia­lis­mus ge­lernt hat, sie für an­ti­li­be­ral, ge­gen die Mei­nungs­frei­heit ge­rich­tet und da­mit zu­tiefst un­de­mo­kra­tisch hält. Vgl. da­zu Le­ser Salz, S. 261: „Miß­trau­isch soll man sein!”

[68] Ne­ben der vom Ver­fas­ser ge­wähl­ten Schreib­wei­se ist auch „Kor­po­ra­tion” ge­bräuch­lich. Ne­ben der la­tei­ni­schen Be­zeich­nung wird viel­fach auch der Be­griff „Stu­den­ten­ver­bin­dung” bzw. „stu­den­ti­sche Ver­bin­dung” ver­wen­det.

[69] Vgl. Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 21, S. 199 l.Sp.

[70] Vgl. Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 12. Da­ne­ben gibt es auch zahl­rei­che ver­bands­freie Cor­po­ra­tio­nen und sol­che, die mit einem Ver­band — meist man­gels der voll­kom­me­nen Über­ein­stim­mung der Prin­zi­pien — as­so­zi­iert sind. Zu un­ter­schei­den sind die Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de wei­ters nach dem Ge­schlecht der Mit­glie­der (männ­lich — weib­lich — ge­mischt), nach vor­han­de­ner oder nicht vor­han­de­ner kon­fes­sio­nel­ler Prä­gung (ka­tho­lisch — christ­lich — li­be­ral — na­tio­nal — son­sti­ge), nach dem an­ge­streb­ten Aus­bil­dungs­ziel der Mit­glie­der (pen­na­le — aka­de­mi­sche Ver­bin­dun­gen) so­wie nach Mit­glied­schaf­ten des je­wei­li­gen Ver­ban­des bei Dach­ver­bän­den wie dem EKV. Ein um­fang­rei­ches Ver­zeich­nis der ge­bräuch­li­chen Ab­kür­zun­gen bie­ten all­ge­mein Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 9–12 und S. 269, so­wie mit einer knap­pen Cha­rak­te­ri­sie­rung Pabst Cou­leur und Braun­hemd, S. 92–102; eine aus­führ­li­che­re Cha­rak­te­ri­sie­rung der Ver­bän­de (mit ge­le­gent­li­chen Druck­feh­lern) fin­det sich in Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 245–267.

[71] Ein Bei­spiel da­für ist der ÖCV. In einem sol­chen Ver­band kön­nen aus­schlie­ß­lich Cor­po­ra­tio­nen, nicht je­doch phy­si­sche Per­so­nen Mit­glied sein. Es ist da­her falsch, von einer Per­son als „Mit­glied des ÖCV” zu spre­chen; sie ist „Mit­glied einer ÖCV–Ver­bin­dung”.

[72] Ein Bei­spiel da­für ist der SCV, der die Platt­form für die Zu­sam­men­ar­beit der drei Salz­bur­ger ÖCV–Cor­po­ra­tio­nen, K.Ö.H.V. Rhe­no–Ju­va­via, K.Ö.H.V. Ru­per­ti­na und K.S.H.V. Lo­dro­nia, bildet.

[73] Ein Bei­spiel da­für ist der EKV, dem christ­lich orien­tier­te, euro­päi­sche Stu­den­ten­ver­bän­de an­ge­hö­ren, und zwar z.Z. der KVHV, CV, KV, RKDB, TCV, UV, StMV, KÖL, MKV, ÖCV, ÖKV, VCS, VfM, UVÖ so­wie der Alt­her­ren­ver­band des SchwStV. Freie, d.h. ver­bands­freie Ver­ei­ni­gun­gen sind in einer eige­nen Ku­rie zu­sam­men­ge­faßt.

[74] Die­ser Be­griff ist streng zu un­ter­schei­den von je­nem des Char­gier­ten, d.i. der bei farb­tra­gen­den Cor­po­ra­tio­nen meist in „Wichs”, in stu­den­ti­scher Klei­dung auf­tre­ten­de Ver­tre­ter einer Cor­po­ra­tion bei tra­di­tio­nell stu­den­ti­schen Ver­an­stal­tun­gen wie „Kom­mer­sen” und „Knei­pen”, der aber nicht not­wen­di­ger­wei­se auch eine Char­ge be­klei­den muß. Ne­ben den Char­gen einer Cor­po­ra­tion gibt es auch die — oft be­son­ders ver­dien­ten bzw. fä­hi­gen Mit­glie­dern vor­be­hal­te­nen — (Orts–)Ver­bands­char­gen (et­wa der „Bun­des­se­nior” der K.Ö.L.) so­wie die Funk­tio­nen im je­wei­li­gen Dach­ver­band (et­wa der „Vi­ze­prä­si­dent” des EKV).

[75] Das ist der dem öster­rei­chi­schen Ver­einsG ent­spre­chen­de Ver­eins­ob­mann.

[76] Das ist der dem öster­rei­chi­schen Ver­einsG ent­spre­chen­de Ver­eins­ob­mann–Stell­ver­tre­ter.

[77] Der „maior vul­pium” ist der Cor­po­ra­tion für die Er­zie­hung der „Füch­se” im Sin­ne der Cor­po­ra­tions­prin­zi­pien ver­ant­wort­lich.

[78] Die Be­zeich­nun­gen der bei­den letzt­ge­nann­ten Char­gen un­ter­schei­det sich nicht von je­nen des öster­rei­chi­schen Ver­einsG. Für die Char­gen sind fol­gen­de Ab­kür­zun­gen ge­bräuch­lich: Se­nior — X; Con­se­nior — XX; Fuchs­ma­jor — FM; Schrift­füh­rer — XXX; Kas­sier — XXXX.

[79] Einen Fecht­wart gibt es na­tür­lich nur bei den schla­gen­den Cor­po­ra­tio­nen; ne­ben der Pfle­ge der Pauk­aus­rü­stung ist seine Auf­ga­be auch die Aus­wahl der Fech­ter­paa­re bei der Be­stim­mungs­men­sur. Vgl. auch un­ten 2.6.

[80] Lat. Spes = Hoff­nung. Dies ist auch die Be­zeich­nung für je­man­dem, von dem die Mit­glie­der einer Cor­po­ra­tion an­neh­men, er wä­re als zu­künf­ti­ges Mit­glied der Cor­po­ra­tion „brauch­bar”; er wird dann „ge­keilt”, d.h. um­wor­ben.

[81] Lat. re­cep­tio = Auf­nah­me.

[82] Be­schluß­fas­sen­des Gre­mi­um.

[83] „Kraß” = un­er­fah­ren. Vgl. dazu Grill u.a. Com­ment, S. 117–125.

[84] Die­se um­faßt The­men­be­rei­che wie Cor­po­ra­tions­we­sen, Ver­bands– und Cor­po­ra­tions­ge­schich­te, stu­den­tis­ches Lied­gut, stu­den­ti­sches Be­neh­men, bei farb­tra­gen­den Cor­po­ra­tion die „Far­ben­leh­re” — vgl. da­zu z.B. Klin­ke co­dex —, bei schla­gen­den bzw. frei­schla­gen­den Cor­po­ra­tio­nen Grund­be­grif­fe des Men­sur­we­sens, Uni­ver­si­täts–, Stadt– und Lan­des­ge­schich­te so­wie je nach An­spruch der Cor­po­ra­tion und Kön­nen ih­rer Char­gen je­den be­lie­bi­gen an­de­ren The­men­be­reich. Der Fuchs soll die Cor­po­ra­tion ge­nau ken­nen­ler­nen, da nach Ab­le­gen des Bur­schen­ei­des nicht nur Treue zur Cor­po­ra­ton und ih­ren Mit­glie­dern, son­dern auch ein ent­spre­chen­des En­ga­ge­ment von ihm er­war­tet wer­den.

[85] Un­ter Bran­de­rung ver­steht man das ze­re­mo­niel­le Schwär­zen vor­nehm­lich der Ge­sichts­par­tie des zu bran­dern­den Kan­di­da­ten mit­tels ruß­ge­schwärz­ten Kor­kens; sel­ten bei nicht farb­tra­gen­den Cor­po­ra­tio­nen.

[86] Die Bran­de­rung wird meist an­läß­lich einer „Bran­der­knei­pe” durch­ge­führt; vgl. Grill u.a. Com­ment, S. 129–134.

[87] Bes­chluß­fas­sen­des Gre­mium al­ler ge­bursch­ten Mit­glie­der; da­ne­ben gibt es den AHC, der die Be­lan­ge der AHAH ge­gen­über der Cor­po­ra­tion ver­tritt und für Kon­ti­nui­tät in der Cor­po­ra­tion zu sor­gen hat, und den CC; ein FC dient der Aus­bil­dung der Fuch­sen und be­steht aus die­sen und dem Fuchs­ma­jor.

[88] Vgl. da­zu et­wa die Bur­schungs­for­mel der K.Ö.L. Austria–Salzburg: „Ge­lobst Du, stets treu zur Austria zu ste­hen, an ih­ren Prin­zi­pien un­ver­brüch­lich fest­zu­hal­ten, ih­re Sat­zun­gen ge­wis­sen­haft zu be­ach­ten, ih­re In­ter­es­sen nach Kräf­ten zu för­dern, Freud und Leid mit ihr zu tei­len und je­dem Mit­glied ein wah­rer Freund und Bru­der zu sein, so ge­lo­be es auf die ge­kreuz­ten Klin­gen.” — „Ich ge­lo­be!” — „So nimm denn hin das weiß–schwarz–gold­ne Band und be­den­ke, daß es Dich für im­mer an un­se­ren Bund ket­tet. »Edel, fromm und treu« sei Dein Wahls­pruch auf im­mer­dar.”

[89] Bei Pen­na­lien mit Ab­le­gen der Ma­tu­ra.

[90] Zur Phi­li­strie­rung vgl. Grill u.a. Com­ment, S. 140–142. Von der ge­schil­der­ten cor­po­ra­tions­stu­den­ti­schen Lauf­bahn gibt es Un­ter­schie­de von Cor­po­ra­tion zu Cor­po­ra­tion so­wie von Ver­band zu Ver­band; das­sel­be gilt für die Be­zeich­nun­gen!

[91] Ur­bur­sche, Ur­phi­li­ster.

[92] Band­bursch, Band­phi­li­ster.

[93] Et­wa An­ge­hö­ri­ge einer an­de­ren Re­li­gions­ge­mein­schaft als der christ­li­chen, al­so bei­spiels­wei­se Ju­den, Mo­ham­me­da­ner usw., die ein be­son­de­res Zu­ge­hö­rig­keits­ge­fühl zu einer ka­tho­li­schen Cor­po­ra­tion emp­fin­den; bei An­ge­hö­ri­gen einer an­de­ren Kon­fe­ssion hin­ge­gen wird ge­le­gent­lich auch die Voll­mit­glied­schaft ver­lie­hen.

[94] D.h. sie tra­gen ent­we­der nur das Band oder nur die Müt­ze der Cor­po­ra­tion. Auch bei der Be­schrei­bung der Mit­glieds­ar­ten gilt: Es gibt ver­bands– und cor­po­ra­tions­wei­se Un­ter­schie­de.

[95] Christ­li­cher bzw. kon­fes­sio­nell be­stimm­ter (pro­te­stan­tisch, v.a. ka­tho­lisch) Glau­be; die­ses Prin­zip fehlt den nicht kon­fes­sio­nell orien­tier­ten Cor­po­ra­tio­nen. Christ­li­che, ins­be­son­de­re ka­tho­li­sche Cor­po­ra­tio­nen sind eo ip­so nicht schla­gend, da der Duell­cha­rak­ter der Men­sur un­ver­ein­bar mit dem christ­li­chen Grund­satz der Näch­sten­lie­be ist. Die bis 1938 exi­stie­ren­den jü­di­schen bzw. zio­ni­sti­schen Ver­bin­dun­gen konn­ten schla­gend, frei­sch­la­gend oder nicht­schla­gend sein.

[96] Das Prin­zip der Le­bens­freund­schaft; der Bur­schen­eid der mei­sten Cor­po­ra­tio­nen ver­pflich­tet die Mit­glie­der zur Treue zur Cor­po­ra­tion und ih­ren Mit­glie­der auf Le­bens­zeit. Ein Aus­tritt aus der Cor­po­ra­tion ist da­her nach Ab­lei­stung des Bur­schen­eides nicht mög­lich, der Ver­such wird mit der di­mis­sio, dem Aus­schluß ge­ahn­det. Die Fuch­sen­zeit ist da­her als Pro­be­zeit so­wohl für das neue Mit­glied als auch für die Cor­po­ra­tion ernst zu neh­men.

[97] Ne­ben dem Ab­schluß des Stu­di­ums und dem Er­werb eines aka­de­mi­schen Gra­des (bei Pen­na­lien ist das po­si­ti­ve Ab­le­gen der Ma­tu­ra bzw. des Abi­turs ver­langt) ver­pflich­tet die­ses Prin­zip — dem Frei­heits­ge­dan­ken stu­den­ti­scher Cor­po­ra­tio­nen ins­be­son­de­re seit 1848 ent­spre­chend — zu aka­de­mi­scher Hal­tung, ins­be­son­de­re zu To­le­ranz und Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein. Fast al­le Cor­po­ra­tio­nen orien­tie­ren sich an diesem Pri­nzip.

[98] Auch das Ein­tre­ten für Hei­mat, Volk und Va­ter­land ist ein Prin­zip der mei­sten Cor­po­ra­tio­nen; es ist ver­pönt, sich vor Mi­li­tär– bzw. Zi­vil­dienst zu drücken (eini­ge Cor­po­ra­tio­nen las­sen nur den Mi­li­tär­dienst gel­ten; dies gilt na­tür­lich nicht für Theo­lo­gen–Cor­po­ra­tio­nen!), frei­wil­li­ge Wehr­dienst­ver­länge­run­gen oder die Aus­bil­dung zum (Re­ser­ve–) Of­fi­zier wer­den re­gel­mä­ßig be­grüßt. Als Zei­chen der Wehr­haf­tig­keit und des Be­kennt­nis­ses zum Va­ter­land tra­gen auch die Char­gier­ten der mei­sten nicht­schla­gen­den (kon­fes­sio­nel­len) farb­tra­gen­den Cor­po­ra­tio­nen einen „Schlä­ger” oder einen Sä­bel, des­sen Klin­ge dann al­ler­dings nicht scharf ist. Über­zo­ge­ner Mi­li­ta­ris­mus ist je­doch in kon­fes­sio­nell ge­präg­ten Cor­po­ra­tio­nen — selbst bei Of­fi­ziers­cor­po­ra­tio­nen wie et­wa der K.Ö.A.V. The­re­sia­na in Wie­ner Neu­stadt — sel­ten.
Man­che li­be­ra­le Corps se­hen Öster­reich als Teil eines um­fas­sen­den deut­schen Kul­tur­krei­ses und le­gen den Va­ter­lands­be­griff ent­spre­chend weit aus. Deutsch­na­tio­nal ein­ge­stell­te öster­rei­chi­sche Cor­po­ra­tio­nen hin­ge­gen tre­ten mehr oder we­ni­ger of­fen für eine As­so­zi­ie­rung bzw. den neu­er­li­chen Ans­chluß Öster­reichs an Deutsch­land ein; sie ver­tre­ten da­mit je­doch nicht not­wen­di­ger­wei­se auch na­tio­nal­so­zia­li­sti­sches oder sonst ex­tre­mi­sti­sches Ge­dan­ken­gut.

[99] Der Tu­gend­be­griff reicht von all­ge­mein vor­bild­li­chem Ver­hal­ten in­ner­halb der Cor­po­ra­tion, in der Öf­fent­lich­keit und im Pri­vat­le­ben bis zum Keusch­heits­ge­bot bis zur Ehe­schlie­ßung. Un­eh­ren­haf­tes Ver­hal­ten und an­rü­chi­ger Le­bens­wan­del im Sin­ne des Prin­zip–Ver­ständ­nis­ses füh­ren wie je­der an­de­re Prin­zi­pien­bruch i.d.R. zur di­mis­sio.

[100] Zur Staats­form der Mon­ar­chie be­ken­nen sich in Öster­reich de­zi­diert nur noch we­ni­ge Cor­po­ra­tio­nen; bei den Cor­po­ra­tions­stu­den­ten selbst läßt sich quer durch die mei­sten Ver­bän­de mon­ar­chi­sches Ge­dan­ken­gut we­sent­lich häu­fi­ger fests­tel­len. Mon­ar­chi­sten un­ter­schei­den sich von Le­gi­ti­mi­sten ins­be­son­de­re da­durch, daß die­se auf dem Bo­den der der­zei­ti­gen Ver­fas­sung ste­hen — da­her auch häu­fig (ho­he) Be­am­te oder Of­fi­zie­re sind —, wäh­rend je­ne die Ent­ste­hung der Er­sten Repub­lik als re­vo­lu­tio­nä­res Un­recht an­se­hen und die re­pub­li­ka­ni­sche Ver­fas­sung schlicht­weg ne­gie­ren, oh­ne da­bei je­doch staats­feind­lich zu agie­ren, da dies dem Prin­zip patria zu­wi­der­lau­fen wür­de. V.a. im nicht­aka­de­mi­schen Be­reich sind hier be­griff­li­che Un­schä­rfen im Rah­men der Selbst­ein­schät­zung oft fest­zu­stel­len. Vgl. da­zu auch Ledel in CARO♦AS 1/1999.

[101] Die­se Prin­zi­pien wer­den oft auch durch ent­spre­chen­de Wahl­sprü­che aus­ge­drückt. Hier ist je­doch un­be­dingt die ge­schicht­li­che Ent­wick­lung der je­wei­li­gen Cor­po­ra­tion zu be­rück­sich­ti­gen!

[102] Lat. men­su­ra = das Maß; vgl. da­zu auch Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 14, S. 190 l.Sp. Zur Ent­ste­hung des Waf­fen­stu­den­ten­tums, ins­be­son­de­re an der Uni­ver­si­tät Wien, vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 139–164.

[103] Zum Schlä­ger­be­griff der ka­tho­li­schen Cor­po­ra­tio­nen in Öster­reich vgl. Grill u.a. Com­ment, S. 295. Wie schon er­wähnt, han­delt es sich hier um nicht scharf ge­schlif­fe­ne Pa­ra­de­waf­fen.

[104] Stud. pau­ken = fech­ten; frz. com­ment = wie; ge­meint sind hier die „Benimm–Re­geln beim Fech­ten”; ih­re (ab­sicht­li­che) Miß­ach­tung führt zum (un­eh­ren­haf­ten) Ver­lust der Men­sur.

[105] Be­stim­mungs­men­sur; die aus­ge­wähl­ten Cor­po­ra­tions­mit­glie­der müs­sen ge­gen­ein­an­der an­tre­ten.

[106] Da­zu ge­hö­ren Kör­per– und Arm­schutz, die „Pauk­bril­le”, eine Hals­bin­de. Eine le­bens­ge­fähr­li­che Ver­let­zung des Kon­tra­hen­ten ist nicht Sinn und Ziel der Men­sur; nor­ma­ler­wei­se ist da­her auch ein Arzt da­bei an­we­send.

[107] Das un­ter­liegt der Ver­ein­ba­rung und ist über­dies re­gio­nal und von Ver­band zu Ver­band un­ter­schied­lich. Auch die Ter­mi­no­lo­gie ist un­ter­schied­lich; vgl. da­zu auch ALSS Ver­zeich­nis, S. 21 f.

[108] Bei­ge­legt. Im Fal­le einer Verlet­zung wird ihr Grad, die „Blu­tung”, be­stimmt; die Se­kun­dan­ten ent­schei­den im Ver­ein mit dem Schieds­rich­ter, ob die Men­sur vor­zei­tig ab­ge­bro­chen wird oder nicht.
Zur Aus­tra­gung von Eh­ren­strei­tig­kei­ten fin­det bei ka­tho­li­schen Cor­po­ra­tio­nen ge­le­gent­lich die „Bier­men­sur” statt, die dort zu­gleich als Pa­ro­die auf die Men­sur schla­gen­der Cor­pora­tio­nen ver­stan­den wird. Waf­fen sind hier­bei zwei gleich­mä­ßig ge­füll­te Krü­ge (ma­xi­mal ein hal­ber Li­ter Bier); den Schwer­punkt bil­det je­doch nicht das Aus­trin­ken der­sel­ben in mög­lichst kur­zer Zeit, son­dern das Plä­do­yer der Se­kun­dan­ten da­nach; durch die­se Ver­la­ge­rung wird der Eh­ren­han­del re­la­ti­viert und ab­ge­schwächt. Vgl. d­azu Grill u.a. Com­ment, S. 199–201.
Bei­den „Me­nsur­ar­ten” ist ge­mein, daß da­nach die Eh­ren­hän­del end­gül­tig er­le­digt sind.

[109] Das schla­gen­de Prin­zip einer Cor­po­ra­tion deu­tet nicht eo ip­so auf die Pfle­ge deutsch­na­tio­na­len oder gar na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Ge­dan­ken­gu­tes hin; auch jü­di­sche bzw. zio­ni­sti­sche Cor­po­ra­tion ver­tra­ten die­ses Prin­zip. Über­dies gibt es eine Rei­he frei­schla­gen­der Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de, de­nen die Be­stim­mungs­men­sur fremd ist und an de­ren Stel­le die „Be­spre­chungs­men­sur” zu­las­sen oder auch das Men­sur­fech­ten unter rein sport­li­chen Aspek­ten se­hen. Auch die Ver­bands­zu­ge­hö­rig­keit ist nicht not­wen­di­ger­wei­se ein Be­ur­tei­lungs­kri­te­ri­um: Wäh­rend die Cor­po­ra­tio­nen der DBÖ 1952 an der Be­stim­mungs­men­sur fest­hal­ten, stellt die DB 1881 ih­ren Cor­po­ra­tio­nen die Men­sur frei; vgl. da­zu Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 247 u. S. 251. Wie so oft, bleibt auch hier die Fest­stel­lung, daß Pau­schal­ur­tei­le nicht zu­läs­sig sind! — Zur Un­ter­schei­dung von „kon­ser­va­ti­ven” und „pro­gres­si­ven” schla­gen­den Cor­po­ra­tio­nen vgl. Hart­mann CV, S. 31, ALSS Ver­zeich­nis 1979, S. 3 f, so­wie Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 178–180.

[110] Vgl. da­zu auch Heither Blut und Pauk­bo­den, S. 11: „Die fälsch­li­cher­wei­se oft vor­ge­nom­­me­ne Iden­ti­fi­zie­rung der derzeit 121 Bur­schen­schaf­ten der DB (Stand Herbst 1996; die­se re­präsen­tie­ren mit et­wa 2000 Stu­den­ten und un­ge­fähr 19000 Al­ten Her­ren et­wa ein Zehn­tel des Kor­po­ra­tions­spek­trums) mit »den Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen« schlecht­hin ist zum einen auf die hi­sto­ri­sche Be­deu­tung der (Ur–)Bur­schen­schafts­be­we­gung in der Zeit des na­tio­na­len Auf­bruchs zu­rück­zu­füh­ren (U­rbur­schen­schaft, Wart­burg­fest u.a.); sie ver­weist aber auch auf einen nach wie vor ho­hen po­li­ti­schen Ein­fluß, der dem sich selbst als po­li­tisch ver­ste­hen­den Ver­band zu­ge­schrie­ben wer­den muß. Die­ser Ein­fluß be­zieht sich auf die Wir­kungs­mög­lich­kei­ten in Ge­sell­schaft und Po­li­tik ge­nau­so wie auf die Zu­sam­men­ar­beit mit an­de­ren Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen.” Vgl. da­zu auch „Di­dien” in cou­leur 1/1990. Zum po­li­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis der DB vgl. Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 251: „Die DB ist eine po­li­ti­sche, stu­den­ti­sche und aka­de­mi­sche Ge­mein­schaft in der tra­di­tio­nel­len Form einer Kor­pora­tion. Tra­gen­des Mo­ment ist die gei­sti­ge Aus­rich­tung, die in dem Ver­such einer über die fach­wis­sen­schaft­li­che Bil­dung hin­aus­ge­hen­de gei­sti­ge Be­wälti­gung der Ge­gen­warts­fra­gen ih­ren Nie­der­schlag fin­det.” Der po­li­ti­sche Grund be­steht in Öster­reich in dem Vor­teil, den po­li­ti­schen, in der Re­gel kon­ser­va­ti­ven, im­mer aber ge­mä­ßig­ten Geg­ner mit einem ge­mein­sa­men, aber meist deutsch­na­tio­na­len, oft auch zum Ex­tre­mis­mus nei­gen­den Geg­ner gleich­set­zen und da­mit auf emo­tio­nel­ler Ba­sis leich­ter be­kämp­fen zu kön­nen. — Der kor­rek­te Über­be­griff ist aus­schließ­lich Cor­po­ra­tion bzw. Stu­den­ten­ver­bin­dung! Der stu­den­ti­sche Cor­po­ra­tions­be­griff ist über­dies nicht zu ver­wech­seln mit je­nem des fa­schi­stisch ge­präg­ten Ita­lien; „Bur­schen­schaft” ist außer­dem nicht nur ein cor­po­ra­tions­stu­den­ti­scher Be­griff; vgl. da­zu Petrei Die Bur­schen­schaf­ten im Bur­gen­land.

[111] Wie schon er­wähnt, sind ka­tho­li­sche Cor­po­ra­tio­nen nie­mals schla­gend; die bei­den Ver­bän­de ver­tre­ten die Ide­ale und Grund­sät­ze des EKV, des­sen Mit­glied sie sind. In­so­fern ist auch die De­fi­ni­tion des Be­grif­fes in Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 4, S. 161 r.Sp.: „Bur­schen­schaft, eine far­ben­tra­gen­de waf­fen­stu­dent. Kor­pora­tion, mit an­de­ren heu­te im Ver­band der Dt. B. zusam­men­ge­schlos­sen. Die Be­stim­mungs­men­sur bleibt seit 1971 der Ent­schei­dung der ein­zel­nen B. über­las­sen.” nicht kor­rekt. Vgl auch Go­lücke Stu­den­ten­wör­ter­buch 1, S. 69: „Bur­schen­schaft 1) Ge­samt­heit der Stu­den­ten (1791). 2) Frü­her Bez. für die ge­sam­te Stu­den­ten­schaft einer Hoch­schu­le (1791). 3) Kor­po­ra­tion der »Deut­schen Burs­chen­schaft«, des »Bur­schen­bunds–Con­ven­tes« und des »Schwarz­burg­bun­des«. 4) Die 1815 ent­stan­de­ne Stud.–Be­we­gung, die die dt. Stu­den­ten­schaft eini­gen und er­neu­ern woll­te. Die Bez. ist seit 1748 durch das äl­te­re Wort >Lands­mann­schaft< vor­ge­bil­det. [...]”

[112] So be­kla­gen oft bun­des­deut­sche An­ge­hö­ri­ge der DB die Ra­di­ka­li­tät in der Ein­stel­lung zu Po­li­tik und Men­sur man­cher An­ge­hö­ri­ger der DBÖ — seit 1971 kön­nen Cor­po­ra­tio­nen der DBÖ auch der DB bei­tre­ten; vgl. dazu Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 247. — Der Be­griff Deut­sche Bur­schen­schaft be­zeich­net üb­ri­gens den Ver­band, nicht eine Cor­po­ra­tion!

[113] Eine Aus­wahl der Ti­tel von Ver­bands­zeit­schrif­ten bie­tet Krau­se Ver­bands­zeit­schrif­ten, S. 407–412; zum Ver­bin­dungs­schrift­tum vgl. all­ge­mein Taus Ver­bin­dungs­schrift­tum, S. 413 f. Vgl. auch Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 245–267.

[114] Et­wa 150 Ab­kür­zun­gen für (Orts–) Ver­bän­de al­lein im deutsch­spra­chi­gen Raum be­deu­ten die gro­ße Viel­falt von tau­sen­den Cor­po­ra­tio­nen und Zehn­tau­sen­den von Cor­po­ra­tions­mit­glie­dern. Vgl. da­zu et­wa Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 9–12. Bei der Be­ur­tei­lung einer Cor­po­ra­tion ist auch ihr Tra­di­tions­be­wußt­sein zu be­rück­sich­ti­gen; als Maß­stab die­nen dem Ken­ner In­ten­si­tät und Eigen­stän­dig­keit (!) der Brauch­tums­pfle­ge so­wie die To­le­ranz — nicht: Gleich­gül­tig­keit! — ihrer Mit­glie­der; dem­ge­mäß spricht er von einer „gu­ten” oder einer „schlech­ten”, „ster­ben­den” Cor­po­ra­tion.

[115] K.Ö.St.V. Traun­gau Graz im ÖCV, gegr. 29.05.1908; K.Ö.St.V. Gu­el­fia Wien im MKV, gegr. 23.12.1909.

[116] K.H.V. Ba­ben­berg Wien im ÖCV, gegr. 11.04.1910.

[117] K.Ö.St.V. Sieg­berg Dorn­birn im MKV, gegr. 1907.

[118] K.Ö.H.V. Uni­ver­si­täts­sän­ger­schaft Wal­tha­ria Wien im ÖCV, gegr. 19.11.1928.

[119] Die heu­ti­ge K.Ö.H.V. Nord­gau Wien im ÖCV wur­de am 26.03.1900 als „Deut­sche Lands­mann­schaft Nord­gau ka­tho­li­scher Hoch­schü­ler aus den Su­de­ten­län­dern” vor­wie­gend für Stu­den­ten aus Böh­men, Mäh­ren und Schle­sien ge­grün­det, de­nen auch aus heu­ti­ger Sicht nicht vor­ge­wor­fen wer­den kann, daß sie deutsch spra­chen.

[120] Nach dem En­de der Mon­ar­chie wird die­ser Be­griff so­wohl in den Far­ben­stro­phen als auch in den Wahl­sprü­chen die­ser Cor­po­ra­tio­nen im­mer sel­te­ner, nach dem Zwei­ten Welt­krieg wird er von den neu ge­grün­de­ten, kon­fes­sio­nell orien­tier­ten öster­rei­chi­schen Cor­po­ra­tio­nen nicht mehr ver­wen­det; vgl. da­zu MKV Kom­mers­buch, S. 17–69. Auf­grund der Tat­sa­che, daß die kor­rek­te hi­sto­ri­sche In­ter­pre­ta­tion des von ih­nen ver­wen­de­ten Be­grif­fes „deutsch” für ka­tho­li­sche Cor­po­ra­tio­nen kei­nes­wegs be­la­stet ist, se­hen die­se auch heu­te kei­ner­lei Ur­sa­che, von ih­ren Tra­di­tio­nen ab­zu­ge­hen, ih­re Ge­schich­te zu ver­leug­nen, sich von et­was zu di­stan­zie­ren, zu dem sie — als Cor­po­ra­tio­nen — selbst kein Na­he­ver­hält­nis ge­habt ha­ben, in­dem sie sich um­be­nen­nen (Kon­ser­va­ti­ve leh­nen „op­por­tu­ne” Um­be­nen­nun­gen ge­ne­rell als la­ten­ten Ver­such der Ge­schichts­fäl­schung ab) oder ih­re Wahl­sprü­che bzw. ih­re Far­ben­stro­phen ver­än­dern; viel­mehr wird die Be­zeich­nung „deutsch” in ih­rer hi­sto­ri­schen Be­deu­tung von eben die­sen Cor­po­ra­tio­nen durch­aus gu­ten Ge­wis­sens wei­ter­ver­wen­det wer­den.
Die Cor­po­ra­tio­nen des Aka­de­mi­schen Bun­des ka­tho­lisch–öster­rei­chi­scher Lands­mann­schaf­ten, die in der Zwi­schen­kriegs­zeit ent­stan­den sind und sich für die Wie­der­er­rich­tung der Mon­ar­chie ein­ge­setzt hat­ten, be­nut­zen die­se Be­zeich­nung be­greif­li­cher­wei­se nicht; vgl. da­zu auch MKV Kom­mers­buch, S. 67–69.
Um­ge­kehrt mag viel­leicht der Na­me „Ta­fel­rund­e Wi­king” (Wie­ner Neu­stadt) in die­sem Zu­sam­men­hang harm­los er­schei­nen; der Ver­fas­ser hat aber 1994 — selbst­ver­ständ­lich in dem Be­wußt­sein, daß dies nicht un­mit­tel­bar end­gül­ti­ge Rück­schlüs­se auf die­se Cor­po­ra­tion zu­läßt — einen ih­rer Ver­tre­ter ken­nen­ge­lernt, der nicht nur deutsch­na­tio­na­les, son­dern auch ein­deu­tig na­tio­nal­so­zia­li­sti­sches Ge­dan­ken­gut ver­trat.

[121] So gibt et­wa das Öster­reichi­sche Kom­mers­buch einen gro­ßen Teil des Lied­gu­tes ka­tho­li­scher Cor­po­ra­tio­nen in Öster­reich wie­der, zu dem un­be­kann­te, aber auch zahl­rei­che be­rühmt ge­wor­de­ne Kom­po­ni­sten und Dich­ter aus al­len Tei­len der Habs­bur­ger–Mo­nar­chie und na­tür­lich auch des nicht–öster­rei­chi­schen deutsch­spra­chi­gen Rau­mes bei­ge­tra­gen ha­ben; vgl. da­zu Das Öster­rei­chi­sche Kom­mers­buch, S. 579–604.

[122] Vgl. da­zu et­wa Lah­rer Bi­bel 1914.

[123] Vgl. Asterix Über­fahrt, S. 40. Das ent­spre­chen­de Studen­ten­lied heißt „Im schwar­zen Wal­fisch zu As­ka­lon”; nor­ma­ler­wei­se kommt kein Mensch auf die Idee, einem sol­chen Bild „deutsch­tü­meln­des” oder gar na­tio­nal­so­­zia­li­sti­sches Ge­dan­ken­gut zu un­ter­stel­len, nur weil es in et­was ab­ge­wan­del­ter Form ein Stu­den­ten­lied zi­tiert — auch wenn der Tex­ter Kennt­nis um die­ses Stu­den­ten­lied und um Jo­seph Vik­tor v. Schef­fel ha­ben muß­te. Vgl. Das Öster­rei­chi­sche Kom­mers­buch, S. 381; Lang In­to­nas, S. 143 ff m.w.N. so­wie S. 194 zur ­­hung und Hin­ter­grund die­ses Lie­des.

[124] So wird bei­spiels­wei­se bei eini­gen Cor­po­ra­tio­nen des Aka­de­mi­schen Bun­des ka­tho­lisch–öster­rei­chi­scher Lands­mann­schaf­ten in der sech­sten Stro­phe des „Gau­dea­mus igi­tur” die Zei­le „Vi­vat et res pub­li­ca et qui il­lam re­git” durch „Vi­vat et res pub­li­ca, glo­rio­sa Austria” er­setzt; die­ses Lied wird bei der K.Ö.L. Austria–Salz­burg über­dies oft zu­sam­men mit dem Lied „Als ich ­ lag heut' Nacht” ge­sun­gen, was bei an­de­ren Cor­po­ra­tio­nen sel­ten ge­schieht. „Gau­dea­mus igi­tur” wird auch „Er­stes All­ge­mei­nes” ge­nannt: Bei ka­tho­li­schen öster­rei­chi­schen Cor­po­ra­tio­nen wird es — au­ßer bei Trau­er­ver­an­stal­tun­gen — je­weils zu Be­ginn einer Knei­pe oder eines Kom­mer­ses ge­sun­gen. Vgl. Das Öster­rei­chi­sche Kom­mers­buch, S. 134–140.

[125] Cor­po­ra­tio­nen sind Ver­ei­ni­gun­gen, die selbst na­tur­ge­mäß sol­cher Ge­sin­nun­gen nicht fä­hig sind; die ge­nann­ten At­tri­bu­te be­zie­hen sich da­her nur auf de­ren Mit­glie­der. Der Ver­fas­er ist sich der Un­schär­fe des all­ge­mei­nen dies­be­züg­li­chen Sprach­ge­brau­ches be­wußt, paßt sich hier je­doch aus Zweck­mä­ßig­keits­grün­den die­sem an. — Cor­po­ra­tio­nen traditioneller europäischer Prägung gab bzw. gibt es u.a. in fol­gen­den Län­dern: Deutsch­land, Öster­reich, Bel­gien, Ita­lien, Süd­ti­rol, Schweiz, Un­garn, Slo­wa­kei, Tsche­chien, Po­len, Ukra­i­ne, Ru­mä­nien, Slo­we­nien, Lett­land, Li­tau­en, Ruß­land (vgl. da­zu Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 128 l.Sp. bis S. 133 l.Sp. so­wie S. 176 r.Sp. bis S. 177 l.Sp.); eben­so in Ja­pan, Chi­le, den USA (ge­meint sind hier nicht die zahl­rei­chen „fra­ter­ni­ties” bzw. „so­ror­i­ties”; vgl. da­zu Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 177). Zur Viel­zahl der in Öster­reich ak­ti­ven Ver­bän­de exi­stiert die aus­führ­li­che Dar­stel­lung in Krau­se Stu­dio­sus Austria­cus, S. 185–196. Eine nach Städ­ten ge­glie­der­te Kurz­be­schrei­bung al­ler öster­rei­chi­schen Cor­po­ra­tio­nen fin­det sich eben­da, S. 7–176, eine Auf­li­stung vie­ler Cor­po­ra­tio­nen in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz sowie de­ren Ver­band­szu­ge­hörig­kei­ten in Glien­ke Ci­vis aca­demi­cus, S. 13–244.

[126] Zu Fehl­lei­stun­gen öster­rei­chi­scher Be­hör­den we­gen fal­scher Na­mens­ein­schät­zung vgl. auch Schusch­nigg in FS Osta­ri­cia 1992, S. 21: „Nur [die K.Ö.L., Anm.] Star­hem­berg wur­de we­gen ih­res Na­mens ver­eins­be­hörd­lich nicht zu­ge­las­sen. Man ver­wech­selte amt­li­cher­seits den Wien–Ver­tei­di­ger mit dem Hei­mat­schutz–Füh­rer.”

[127] Jeff Bridges in Hopkins Blown Away.

[128] Vgl. Plat At­ten­ta­te, S. 9; Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 2, S. 239 l.Sp.: „At­ten­tat [lat.–frz.; zu lat. at­ten­ta­re »ver­su­chen«], An­schlag auf das Le­ben polit. Geg­ner oder an­de­rer Per­so­nen des öff. Le­bens. [...]”

[129] Vgl. da­zu BBA 3, S. 154: „2. ... Kei­ne ein­zi­ge Brief­bom­be der er­sten Se­rie war eine töd­liche Waf­fe [...] 2.5 [...] Die Spreng­wir­kung einer Brief­bom­be be­trägt höch­stens 10% bis 20% je­ner Spreng­wir­kung, die einen Mann nach mi­li­tä­ri­schen Maß­stä­ben tö­ten kann. [...] 2.7 Hät­te sich Zilk statt auf den Brief auf einen Sil­ve­ster­kra­cher ge­lüm­melt, hät­te er wohl auch 1 oder 2 Fin­ger ver­lo­ren.”

[130] Zu die­sen kön­nen die To­des­op­fer des An­schlags von Ober­wart — wenn man über­haupt da­von aus­geht, daß auch hier die BBA Ur­he­ber des An­schlags ge­we­sen ist — nicht ge­zählt wer­den; da­her ist der At­ten­tats­be­griff auch auf sie nicht an­wend­bar.

[131] Vgl. das Le­nin–Zi­tat bei Sol­sche­ni­zyn Gu­lag I, S. 337. Lat. ter­ror = Schrecken; vgl. Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 22, S. 42 r.Sp. f.

[132] Vgl. Mid­den­dorff Po­li­ti­sche Kri­mi­na­li­tät, S. 392 m.w.N.

[133] Vgl. Leit­ner u.a. Mensch und Staat, S. 146. Für Ideo­lo­gien mit ab­so­lu­tem Macht­an­pruch ist die An­wen­dung von Ter­ror ein kenn­zeich­nen­des Ele­ment; vgl. Das Le­nin–Zi­tat in Sol­sche­ni­zyn Gu­lag I, S. 338: „[...] Das Ge­richt soll den Ter­ror nicht be­sei­ti­gen — das zu ver­spre­chen wä­re Selbst­be­trug oder Be­trug —, son­dern ihn prin­zi­piell, klar, oh­ne Falsch und oh­ne Schmin­ke be­grün­den und ge­setz­lich ver­an­kern. Die For­mu­lie­rung muß so weit­ge­faßt wie mög­lich sein, denn nur das re­vo­lu­tio­nä­re Rechts­be­wußt­sein und das re­vo­lu­tio­nä­re Ge­wis­sen le­gen die Be­din­gun­gen fest für die mehr oder min­der brei­te An­wen­dung in der Pra­xis. Mit kom­mu­ni­sti­schem Gruß. Le­nin.” Der Bo­gen läßt sich be­lie­big über die Volks­gerichts­kofs­ju­stiz des Drit­ten Rei­ches und den Ver­such des Macht­er­halts in Ru­mä­nien durch die Se­cu­ri­ta­te bis hin zur Pra­xis zeit­ge­nös­si­scher Dik­ta­tu­ren wei­ter­span­nen.

[134] Et­wa Ter­ror durch Re­gie­rungs­trup­pen auf staats­frem­dem Ter­ri­to­ri­um; auch ent­spre­chen­de ge­heim­dienst­li­che Ak­ti­vi­tä­ten fal­len in die­se Ka­te­go­rie. Zum Ter­ror­krieg, wie er et­wa in Ju­go­sla­wien ge­führt wur­de, vgl. Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 22, S. 44 l.Sp.

[135] Als Die­ner des Macht­er­halts der Re­gie­rung.

[136] Im Eigen­in­ter­es­se han­delnd; ent­we­der zur Her­bei­füh­rung eines Um­stur­zes, zur Er­obe­rung von Le­bens­raum für die eige­nen An­hän­ger (auch mit be­ab­sich­tig­ter Staats­grün­dung) oder aus an­de­ren, eige­nen po­li­ti­schen Mo­ti­ven.

[137] Der Feind der PLO et­wa war ne­ben dem Staat Is­ra­el, der sich auf be­an­spruch­tem Ter­ri­to­ri­um be­fand, auch das die­sen Staat un­ter­stüt­zen­de „Welt­ju­den­tum” und al­le, die die­ses und da­mit den Staat Is­ra­el un­ter­stüt­zen bzw. die­sen ak­tiv be­kämp­fen! Die­ser Feind­be­griff ließ sich be­lie­big aus­deh­nen — er nahm schließ­lich nur eini­ge we­ni­ge Staa­ten aus, die die PLO un­ter­stütz­ten — und be­wirk­te, daß es für die Um­set­zung ih­rer Zie­le letzt­lich völ­lig un­er­heb­lich war, wel­cher Be­völ­ke­rungs­grup­pe oder Na­tio­na­li­tät die Op­fer ih­rer Ter­ror­an­s­chlä­ge an­ge­hör­ten: Die Bom­be, die in einem Pas­sa­gier­jet einer Flug­li­nie aus den USA ex­plo­diert, soll nicht nur die PLO in den USA be­kannt ma­chen und die­se ein­schüch­tern, son­dern auch je­ne Staa­ten be­ein­flus­sen, die Op­fer unter den Pas­sa­gie­ren zu be­kla­gen ha­ben. (Zu­fäl­li­ge Op­fer aus „be­freun­de­ten Staa­ten” wer­den in Kauf ge­nom­men und, um das Freund­schafts­ver­hält­nis zu die­sen auf­recht­er­hal­ten zu kön­nen, kur­zer­hand zu „Mär­ty­rern” des Dschi­had, des Hei­li­gen Krie­ges ge­gen Un­gläu­bi­ge er­klärt und ge­fei­ert.)

[138] Vgl. Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 22, S. 42 r.Sp.

[139] Die Art der Le­gi­ti­ma­tion die­ser Herr­schafts­ge­walt ist für die ter­rori­sie­ren­de Grup­pe ir­re­le­vant, da sie zu­sam­men mit der Be­nach­tei­li­gung als un­ge­recht emp­fun­den wird.

[140] Ty­pi­sche Bei­spie­le hier­für sind Be­we­gun­gen wie die IRA, die ETA oder die BBA, die sich die Ver­tre­tung der ka­tho­li­schen, bas­ki­schen bzw. völ­kisch–deut­schen Be­völ­ke­rungs­tei­le ge­gen­über der pro­te­stan­ti­schen, spa­ni­schen bzw. min­der­wer­tig–ver­tschusch­ten Herr­schaft an­ma­ßen — auch ge­gen den Wil­len der „ir­re­ge­lei­te­ten” Per­so­nen, die sie ver­tre­ten wol­len. Zum Ter­ror im Öster­reich der Nach­kriegs­zeit vgl. et­wa Göh­ring u.a. Auf­bruch, Bild­un­ter­ti­tel S. 31, so­wie Por­tisch/Riff Der lan­ge Weg, S. 413–434; zu den Ur­sachen des Ter­ro­ris­mus vgl. auch Kueh­nelt–Leddihn Rechts, S. 22–26.

[141] In Öster­reich ver­wei­sen § 19 ABGB und Art. 82 B–VG je­der­mann zur In­ter­es­sens­durch­set­zung, die nicht ein­ver­nehm­lich ge­schieht, auf den staat­li­chen (!) Rechts­weg. Es ist da­her im Eigen­in­te­res­se eines Rechts­staa­tes, Ter­ror — egal von wem er aus­geht und ge­gen wen er sich rich­tet — zu be­kämp­fen, am Prin­zip der Rechts­staat­lich­keit fest­zu­hal­ten und das Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung in sei­ne In­sti­tu­tio­nen auf­recht­zu­er­hal­ten bzw. zu stär­ken. Vgl. da­zu die Re­de des öster­rei­chis­chen Bun­des­prä­si­den­ten Kle­stil zur Er­öf­fnung des Bruck­ner­fe­stes 1997 in Linz am 14.09.1997 zum „Mo­rast des Miß­trau­ens”; vgl. da­zu u.a. SVZ 15.09.1997, S. 11. Ge­schieht dies nicht, füh­ren un­fei­ne, die Spiel­re­geln nicht be­ach­ten­de Schlag­ab­täu­sche mit ent­spre­chen­der Wort­wahl im Par­la­ment zu eben­sol­chen auf der Stra­ße mit ent­spre­chen­der Hand­greif­lich­keit und schluß­end­lich zum er­bar­mungs­lo­sen Aus­nut­zen der da­bei ent­ste­hen­den Emo­tio­nen durch Ex­tre­mi­sten. Vgl. da­zu Ca­net­ti Mas­se und Macht so­wie zur ent­spre­chen­den öster­rei­chi­schen Ge­schichts­er­fah­rung Mol­den Öster­rei­cher, S. 191: „In Öster­reich setz­te der gna­den­lo­se Ter­ror ein. Im Jah­re 1933 und im er­sten Halb­jahr 1934 zähl­te man mehr als 300 At­ten­ta­te, da­von 56, bei de­nen Blut floß. Na­he­zu 70 To­te und Schwer­ver­letz­te wa­ren das Re­sul­tat die­ser er­sten gro­ßen Na­zi–Ter­ror­wel­le in Öster­reich. Die NSDAP wur­de ver­bo­ten, eben­so auch die kom­mu­ni­sti­sche Par­tei, die aber be­deu­tungs­los war.” Vgl. da­zu auch Ledel in CARO♦AS 5/1995, S. 11–13. Wo­hin man­geln­des Ver­trau­en et­wa in die Ju­stiz eines Lan­des führt, zei­gen die Pla­kat­auf­schrif­ten der De­mon­stran­ten vom 15.07.1927 wie „Pro­test dem Schand­ur­teil — Wir grei­fen zur Selbst­hil­fe” und dem an­ar­chi­schen Cha­os zum dar­auf­fol­gen­den Ju­stiz­pa­last­brand in Wien; vgl. da­zu Ca­net­ti Mas­se und Macht so­wie Berger u.a. 50 Jah­re, S. 32 und S. 38–44.

[142] Da­zu ist aus der Sicht der BBA et­wa Ara­bel­la Kies­bau­er zu zäh­len.

[143] Der Ver­fas­ser ist sich selbst­ver­ständ­lich der Men­schen­ver­ach­tung der ge­wähl­ten For­mu­lie­run­gen be­wußt; an­ge­sichts der dem Ter­ror im­ma­nen­ten Men­schen­ver­ach­tung er­schei­nen sie je­doch in die­ser Form un­um­gän­glich. — In­to­le­ranz rich­tet sich nicht nur ge­gen „den Feind”, son­dern auch ge­gen „den Ver­rä­ter”, den mit dem Feind Sym­pa­thi­sie­ren­den aus den eigen­en Rei­hen, und zwar mit der­sel­ben zu­neh­men­den Rück­sicht­lo­sig­keit; ein Mu­ster­bei­spiel da­für ist die na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Men­schen­ver­ach­tung, oh­ne je­den Re­spekt vor Frau­en, Kin­dern, Al­ten, Schwa­chen. „Auch hoch­de­ko­rier­te Of­fi­zie­re konn­ten von ih­ren Ka­me­ra­den oft nicht ge­ret­tet wer­den. Al­le — frei­wil­li­gen wie un­frei­wil­li­gen — Nicht–Na­tio­nal­so­zia­li­sten muß­ten mit Re­pres­sa­lien rech­nen, de­ren Be­ginn zwar oft nicht le­bens­be­droh­lich, aber ent­wür­di­gend war.” Vgl. Se­ne­ko­witsch Fried­län­der, S. 22.

[144] So muß je­der, der sich für ras­sisch Min­der­wer­ti­ge ein­setzt, da­mit rech­nen, vom Ter­ror der BBA er­faßt zu wer­den.

[145] Der Ans­chlag von Ober­wart war be­glei­tet von der Auf­for­de­rung „Ro­ma zu­rück nach In­dien!”; Vgl. Grassl–Ko­sa/Stei­ner Der Brief­bom­ber, S. 36; vgl. eben­da, S. 160: „Clans der Schif­ko­wits, Gran­dits, Stoi­sits, Re­se­ta­rits und Ja­nisch — Zu­rück nach Dal­ma­tien!” Vgl. dazu auch VB 21./22.10.1928, S. 4: „Eine Aus­wei­sung der Ju­den ist un­nö­tig! wenn je­der Deu­sche jü­di­sche Ge­schäf­te und Wa­ren­häu­ser mei­det, dann ge­hen sie von selbst.”

[146] Vgl. dazu Hit­ler Mein Kampf, S. 61: „Nichts hat­te mich in kur­zer Zeit so nach­denk­lich ge­stimmt als die lang­sam auf­stei­gen­de Ein­sicht in die Art der Be­tä­ti­gung der Ju­den auf ge­wis­sen Ge­bie­ten. Gab es denn da einen Un­rat, eine Scham­lo­sig­keit in ir­gend­einer Form, vor al­lem des kul­tu­rel­len Le­bens, an der nicht we­nig­stens ein Ju­de be­tei­ligt ge­we­sen wä­re? So­wie man nur vor­sich­tig in eine sol­che Ge­schwulst hin­ein­schnitt, fand man, wie die Ma­de im fau­len­den Lei­be, oft ganz ge­blen­det vom plötz­li­chen Licht, ein Jüd­lein.” Vgl. ebenda, S. 104: „Es ist das Ver­dienst der all­deut­schen Be­we­gung Deutsch­öster­reichs der neun­zi­ger Jah­re ge­we­sen, in kla­rer und ein­de­ti­ger Wei­se fest­ge­stellt zu ha­ben, daß eine Staats­au­to­ri­tät nur dann das Recht hat, Ach­tung und Schutz zu ver­lan­gen, wenn sie den Be­lan­gen eines Volks­tums ent­spricht, min­de­stens ihm nicht Scha­den zu­fügt. [...] Wenn durch die Hilfs­mit­tel der Re­gie­rungs­ge­walt ein Volks­tum dem Un­ter­gang ent­ge­gen­ge­führt wird, dann ist die Re­bel­lion eines je­den An­ge­hö­ri­gen eines sol­chen Vol­kes nicht nur Recht, son­dern Pflicht. Die Fra­ge aber, wann ein sol­cher Fall ge­ge­ben sei, wird nicht ent­schie­den durch theo­re­ti­sche Ab­hand­lun­gen, son­dern durch die Ge­walt und — den Er­folg.” (Her­vor­he­bun­gen nicht im Ori­gi­nal.)
Vgl. da­zu eben­da, S. 419: „Die­se Um­set­zung einer all­ge­mei­nen welt­an­schau­ungs­mä­ßi­gen idea­len Vor­stel­lung von höch­ster Wahr­haf­tig­keit in eine be­stimmt be­grenz­te, straff or­ga­ni­sier­te, gei­stig und wil­lens­mä­ßig ein­heit­li­che po­li­ti­sche Glau­bens– und Kampf­ge­mein­schaft ist die be­deu­tungs­voll­ste Lei­stung, da von ih­rer glück­li­chen Lö­sung al­lein die Mög­lich­keit eines Sie­ges der Idee ab­hängt. Hier muß aus dem Heer von oft Mil­lio­nen Men­schen, die im ein­zel­nen mehr oder we­ni­ger klar und be­stimmt die­se Wahr­hei­ten ah­nen, zum Teil viel­leicht be­grei­fen, einer her­vor­tre­ten, um mit apo­dik­ti­scher Kraft aus der schwan­ken­den Vor­stel­lungs­welt der brei­ten Mas­se gra­ni­te­ne Grund­sät­ze zu for­men und so lan­ge den Kampf für ih­re al­lei­ni­ge Rich­tig­keit auf­zu­neh­men, bis sich aus dem Wel­len­spiel einer frei­en Ge­dan­ken­welt ein eher­ner Fels ein­heit­li­cher glau­bens– und wil­len­mäßi­er Ver­bun­den­heit er­hebt. Das all­ge­mein­e Recht zu einer sol­chen Hand­lung liegt be­grün­det in ih­rer Not­wen­dig­keit, das per­sön­li­che Recht im Er­folg.”

[147] Vgl. da­zu BBA 3, S. 159: „Wir ver­tei­di­gen un­se­re Frei­heit und un­ser Haus­recht grund­sätz­lich mit dem Le­ben, auch ge­gen Gen­dar­me­rie­späh­trupps im Auf­trag der EBT. Un­glücks­fäl­le die­ser Art konn­ten bis­her knapp ver­mie­den wer­den.” Die Mit­glie­der der BBA müs­sen be­fä­higt sein, „nicht nur den fa­na­ti­schen Glau­ben an den Sieg einer Be­we­gung im Her­zen zu tra­gen, son­dern auch mit un­er­schü­tter­li­cher Wil­lens­ener­gie und bru­tal­ster Rück­sichts­lo­sig­keit die Wi­der­stän­de zu be­sei­ti­gen, die sich dem Em­por­stei­gen der neu­en Idee in die We­ge stel­len moch­ten.” Er­for­der­lich sind da­her „We­sen, in de­nen sich Geist und Kör­per je­ne mi­li­tä­ri­schen Tu­gen­den zu eigen ge­macht hat­ten, die man viel­leicht am be­sten so be­zeich­nen kann: Flink wie Wind­hun­de, zäh wie Le­der und hart wie Krupp­stahl.” Vgl. Hit­ler Mein Kampf, S. 392.

[148] Ein Teil die­ser Dar­stel­lung ist Bei­trag des Ver­fas­sers zur Dis­kus­sion der Ko­nver­sa­to­ri­ums­teil­neh­mer vom 08.04.1997 ge­we­sen, die da­von aus­ging, daß die Be­ken­ner­schrei­ben tat­säch­lich das wie­der­ge­ben, was der Ter­ro­rist ver­mit­teln möch­te. Zu be­ach­ten ist aber da­bei, daß et­wa ein frem­den­feind­li­ches Mo­tiv eine fast per­fek­te Tar­nung dar­stellt, um an­de­re (po­li­ti­sche) Zie­le — bei­spiels­wei­se das Zum-Schwei­gen-Brin­gen frem­den­feind­li­cher Be­völ­ke­rungs­tei­le und Be­kämp­fung „rech­ten” Ge­dan­ken­gu­tes durch den „Em­pö­rungs­ef­fekt” — ver­fol­gen zu kön­nen; die da­zu be­nö­tig­te Li­te­ra­tur steht der All­ge­mein­heit — wie dem Ver­fas­ser für diese Ar­beit —, noch bes­ser aber den Mit­ar­bei­tern der Stapo, des In­nen­mi­ni­ste­ri­ums oder auch des DÖW in zahl­rei­chen Bib­lio­the­ken, Ar­chi­ven und pri­va­ten Samm­lun­gen zur Ver­fü­gung!
Es ist äußerst schwie­rig, zur Per­sön­lich­keit und G­edan­ken­welt von Ter­ro­ri­sten — noch da­zu sol­cher, die noch un­be­kannt sind — gül­ti­ge pro­gno­sti­sche bzw. de­duk­ti­ve Aus­sa­gen zu ma­chen; vgl. da­zu Mid­den­dorff Po­li­ti­sche Kri­mi­na­li­tät, S. 404 m.w.N.: „Die Su­che nach dem Ty­pus einer ter­ro­ri­sti­schen Per­sön­lich­keit ist bis­her ver­geb­lich ge­we­sen [...]. Im all­ge­mei­nen ist es nicht mög­lich, Ter­ro­ri­sten in der Un­ter­su­chungs­haft zu ex­plo­rie­ren, so daß auch auf die­sem We­ge kei­ne kri­mi­no­lo­gi­schen Er­kennt­nis­se ge­won­nen wer­den kön­nen. In­des­sen las­sen sich zur Er­klä­rung der Per­sön­lich­keit von Ter­ro­ri­sten eini­ge Er­kennt­nis­se und E­fah­run­gen der mo­der­nen Kri­mi­no­lo­gie her­an­zie­hen. Es ist bis­her nicht ge­lun­gen, ir­gend­wel­che prin­zi­piel­len Un­ter­schie­de zwi­schen dem Men­schen, der ein De­likt, gleich wel­cher Art, be­geht, fest­zu­stel­len und dem Men­schen, der dies nicht tut. Glei­cher­ma­ßen gibt es kei­ne prin­zi­piel­len Un­ter­schie­de zwi­schen einem Ter­ro­ri­sten und einem Nicht­ter­ro­ri­sten. Die mo­der­ne Ver­hal­tens– und Ag­gres­sions­for­schung hat nach­ge­wie­sen, daß je­der Mensch ein be­stimm­tes Ag­gres­sions­po­ten­tial be­sitzt, das er teil­wei­se oder zeit­wei­se le­gal oder il­le­gal ein­setzt. Die Über­gän­ge kön­nen flie­ßend sein. In vie­len Fäl­len kann es von zu­fäl­li­gen Um­stän­den ab­hän­gen, ob eine Ag­gres­sion sich ge­gen Sa­chen oder einen be­stimm­ten Men­schen oder ein zu­fäl­li­ges Op­fer rich­tet. Außer­dem be­ste­hen zwi­schen Mord und Selbst­mord en­ge kri­mi­no­lo­gi­sche Zu­sam­men­hän­ge. Aus die­sen Tat­sa­chen er­gibt sich, daß kaum je­mals pro­gno­sti­ziert wer­den kann, ob und wann eine Tö­tung statt­fin­den wird oder ob z. B. ein jun­ger Mensch, der ein Jahr­zehnt lang de­mon­striert hat, da­nach ein fried­li­cher Bür­ger wird oder ob er sich kon­se­quent wei­ter zum Ter­ro­ri­sten ent­wickelt [...].”

[149] Vgl. Ru­din Fa­na­tis­mus, S. 12.

[150] Lat. fa­na­ti­cus = „von einem Gott in En­zücken ver­setzt.” Vgl. zum Be­griff Ru­din Fa­na­tis­mus, S. 22 sowie Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 6 S. 335 l.Sp.: „[...] psy­cho­path. Ver­hal­tens­form, die der lei­den­schaftl. und oft kom­pro­mißlo­sen Durch­set­zung eines Vor­stel­lungs­kom­ple­xes (meist einer fi­xen Idee) zu­ge­ord­net ist. Wäh­end der per­sönl. Fa­na­ti­ker (wie der Que­ru­lant) für sein eige­nes ver­meintl. Recht kämpft, setzt sich der Ideen­fa­na­ti­ker, häu­fig so­gar un­ter Miß­ach­tung seines eige­nen Le­bens oder des Le­bens sei­ner Mit­men­schen, für ein ide­el­les Ziel ein. Die Ur­sa­chen des F. lie­gen ent­we­der in so­zia­len Be­ein­flus­sungs­pro­zes­sen (z.B. Pro­pa­gan­da) oder in­di­vi­du­el­len Ver­hal­tens­ano­ma­li­tä­ten.” Das Wort „Fa­na­tis­mus” war im Drit­ten Reich von Hit­ler und sei­ner Pro­pa­gan­da po­si­tiv ge­deu­tet wor­den; vgl. da­zu et­wa Bork Miß­brauch, S. 23 f.; es be­deu­tet aber Fremd­be­stim­mung, Ziel­aus­rich­tung durch (ideo­lo­gi­sche, emo­tio­ne­le ...) Scheu­klap­pen — vgl. da­zu Brau­er auf poly­dor —, nicht aber Blind­heit: Es gibt kei­nen (blin­den) Fa­na­tis­mus oh­ne ein Ziel oder Mo­tiv, das im­mer deut­lich sicht­bar ist; vgl. da­zu Ru­din Fa­na­tis­mus, S. 82. Fa­na­tis­mus ist zu un­ter­schei­den von blin­der Wut, blin­dem Haß, die grund­los ge­gen al­les Mög­li­che ge­rich­tet sein kön­nen; er ist Ein­sei­tig­keit durch Ma­ni­pula­tion, und zwar in gro­ßer In­ten­si­tät (vgl. Rudin Fa­na­tis­mus, S. 31–34) und Emo­tio­na­li­tät (vgl. Ru­din Fa­na­tis­mus, S. 35–57). Fa­na­tis­mus ist eine Form der Sucht (vgl. Ru­din Fa­na­tis­mus, S. 71); er wen­det sich ge­gen Viel­falt und To­le­ranz und ist da­her de­mo­kra­tie– und men­schen­rechts­feind­lich. Er geht aus vom fa­na­ti­schen Ein­zel­men­schen (wo­bei es kei­ne Rol­le spielt, ob es sich hier­bei um einen „fa­na­ti­schen Ab­sti­nen­ten und Roh­köst­ler” — vgl. Ru­din Fa­na­tis­mus, S. 20 — han­delt oder um einen po­li­tisch mo­ti­vier­ten Fa­na­ti­ker; der Grund­ge­halt des Fa­na­tis­mus bleibt im­mer der­sel­be!) und springt durch be­wuß­te oder un­be­wuß­te Agi­ta­tion auf eine Mas­se von Men­schen über; vgl. da­zu Ca­net­ti Mas­se und Macht.

[151] Vgl. Ru­din Fa­na­tis­mus, S. 12.

[152] Weib­li­che VOPOs an der in­ner­deut­schen Gren­ze.

[153] Vgl. dazu auch SN 03.09.1997.

[154] Wenn sie das nicht tun, trifft dies zu­min­dest in der Re­gel auf ih­re Auf­trag­ge­ber zu.

[155] Im Ge­gen­satz zum Ver­fas­ser ge­hen Grassl–Ko­sa/Stei­ner aus­schließ­lich von der Theo­rie aus, es hand­le sich bei der BBA um einen (männ­li­chen) Ein­zel­tä­ter. Das „kon­ser­va­ti­ve Frau­en­bild” (al­so ein von christ­lich–abend­län­di­scher An­schau­ung ge­präg­tes), das die Auto­ren zu der Schluß­fol­ge­rung führt, es müs­se sich beim „At­ten­tä­ter” um einen Mann han­deln — vgl. Grassl–Ko­sa/Stei­ner Der Brief­bom­ber, S. 137 so­wie 131 f. —, kann nicht nach­voll­zo­gen wer­den; viel wahr­schein­li­cher han­delt es sich um ein na­tio­nal­so­zia­li­sti­sches Frau­en–, Fa­mi­lien–, Ehe– und Welt­bild, wie es bei Hit­ler be­schrie­ben wird; vgl. da­zu Hitler Mein Kampf, etwa S. 270–279, insb. S. 275: „... denn die Frau ist ja hier oh­ne­hin nur der pas­si­ve Teil”, so­wie eben­da, S. 442–462.






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Version Nr. 3/2026 vom 25. Jänner 2026
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