„Burschen und Bomben”

Studentische Corporationen


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Schwenkt der Schlä­ger blan­ke Klin­gen, hebt die Be­cher, sto­ßet an!
Un­ser Stre­ben, un­ser Rin­gen, al­ler Welt sei's kund­ge­tan.
Laßt das Bur­schen­ban­ner wal­len, hal­tet's hoch mit star­ker Hand,
Brau­send laßt den Ruf er­schal­len: Eh­re, Frei­heit, Va­ter­land!
[156]


1  Recht­li­ches und Fak­ti­sches


1.1   Rechts­form und Grün­dung[157]


In al­ler Re­gel ist eine Cor­po­ra­tion ein (ge­mein­nüt­zi­ger) Ver­ein im Sin­ne des Ver­einsG.[158] Ih­re Grün­dung er­folgt da­her nach den Maß­ga­ben der §§ 4–7 Ver­einsG.


1.2   Ra­di­ka­lis­mus und na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Wie­der­be­tä­ti­gung


Un­ter den in Art. 11 Abs. 2 EMRK ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen sind Ein­schrän­kun­gen der Ver­eins– und Ver­samm­lungs­frei­heit, wie dies et­wa durch das Ver­botsG ge­schieht, mög­lich.[159] Die völ­ker­recht­li­che Grund­la­ge für die Pflicht der zu­stän­di­gen Si­cher­heits­di­rek­tion[160] ge­mäß § 6 Abs. 1 Ver­einsG, die Bil­dung eines Ver­eins un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Art. 11 Abs. 2 EMRK zu un­ter­sa­gen bzw. ihn ge­ge­be­nen­falls auf­zu­lö­sen, „wenn der Ver­ein nach sei­nem Zweck, sei­nem Na­men oder sei­ner Or­ga­ni­sa­tion ge­setz­wid­rig wä­re”, bil­det Art. 9 Abs. 3 StVv­Wien.[161]

Eine Cor­po­ra­tion, de­ren Mit­glie­der sich der Wie­der­be­tä­ti­gung im Sin­ne des Ver­botsG schul­dig ma­chen, ris­kiert — ne­ben den Un­an­nehm­lich­kei­ten einer ent­spre­chen­den si­cher­heits­po­li­zei­li­chen Über­prü­fung und Über­wa­chung — ih­re Auf­lö­sung.[162] Ein sol­ches Ver­hal­ten wird sta­tu­ten­ge­mäß au­to­ma­tisch[163] als ver­eins–, d.h. cor­po­ra­tions­schä­di­gend zu qua­li­fi­zie­ren sein, was nor­ma­ler­wei­se zu einem (meist schieds­ge­richt­li­chen) Ver­eins­ver­fah­ren[164] führt, das re­gel­mä­ßig den Aus­schluß des bzw. der Be­trof­fe­nen zur Fol­ge hat. Wäh­rend ins­be­son­de­re bei kon­fes­sio­nell ori­en­tier­ten Cor­po­ra­tio­nen re­gel­mä­ßig prin­zi­pi­el­le Un­ver­ein­bar­keits­über­le­gun­gen[165] das vor­wie­gen­de Mo­tiv der di­mis­sio dar­stel­len, die da­her un­mit­tel­bar nach Be­kannt­wer­den des Fehl­ver­hal­tens eines Mit­glie­des im An­schluß an das ent­spre­chen­de Ver­fah­ren die­sem ge­gen­über aus­ge­spro­chen wird,[166] steht bei Cor­po­ra­tio­nen, in de­nen na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Ide­o­lo­gie und/oder der Ge­dan­ke der po­li­ti­schen bzw. wirt­schaft­li­chen Ver­einung von Öster­reich mit Deutsch­land ver­brei­tet sind,[167] meist die Sor­ge um die Exi­stenz der Cor­po­ra­tion im Vor­der­grund der Er­wä­gun­gen, so­daß Mit­glie­der vom Aus­schluß we­gen Wie­der­be­tä­ti­gung dort erst dann be­trof­fen sind, wenn sie be­hörd­lich auf­fäl­lig wur­den und des­we­gen be­fürch­tet wer­den muß, daß sich das auf die Cor­po­ra­tion ne­ga­tiv aus­wirkt.[168]


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1.3   In­ne­rer Auf­bau


Die Ge­schicke einer Cor­po­ra­tion wer­den auf ver­schie­de­nen Con­ven­ten be­stimmt, de­ren ein­zel­ne Auf­ga­ben — von Cor­po­ra­tion zu Cor­po­ra­tion un­ter­schied­lich — durch Sta­tu­ten und Ge­schäfts­ord­nung be­stimmt sind.[170] In der Re­gel wer­den die Char­gen[171] je­weils zu Se­me­ster­an­fang auf einem Bur­schen­con­vent[172] ge­wählt und zu Se­me­ster­en­de von einem sol­chen wie­der ent­la­stet und be­ur­teilt.

Die Be­lan­ge der Alt­her­ren­schaft wer­den auf dem Alt­her­ren­con­vent ge­re­gelt.[173] Ein­mal jähr­lich fin­det ein Cu­mu­la­tiv–Con­vent[174] statt, dem von Sta­tu­ten und Ge­schäfts­ord­nung be­son­de­re An­ge­le­gen­hei­ten zur Be­schluß­fas­sung zu­ge­wie­sen sind.

Con­ven­te wer­den in der Re­gel vom Se­nior ge­lei­tet; die Con­venta­teil­neh­mer ha­ben grund­sätz­lich glei­che Rech­te und — mit Aus­nah­me der Char­gen, die zu­sätz­lich dem Con­vent für ih­re Amts­füh­rung ver­ant­wort­lich sind — auch glei­che Pflich­ten. Al­len Cor­po­ra­tio­nen ist ge­mein, daß ihr in­ne­rer Auf­bau je­den­falls de­mo­kra­tisch ist, Be­schlüs­se nach Dis­kus­sion durch Ab­stim­mung zu­stan­de­kom­men und die lei­ten­den Funk­ti­onä­re durch freie und ge­hei­me Wah­len be­stellt wer­den.[175]


1.4   Das An­ge­bot einer „gu­ten” Cor­po­ra­tion


Gleich nach dem Ein­tritt in die Cor­po­ra­tion lernt der Fuchs, sich ein­zu­ord­nen; er hat nie­de­re Dien­ste
[176] zu über­neh­men und sich den An­ord­nun­gen der Äl­te­ren zu fü­gen, aber auch An­spruch auf Er­klä­rung und Recht­fer­ti­gung für die­se An­ord­nun­gen.[177] Kom­pe­ten­te In­for­ma­tio­nen über Uni­ver­si­tät und ge­wähl­tes Stu­di­en­fach hel­fen über die An­fangs­schwie­rig­kei­ten des Stu­di­ums hin­weg. Ne­ben den stu­den­ti­schen Be­nimm–Re­geln, dem „Com­ment”[178], wer­den ihm Dis­zi­plin und Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein[179] bei­ge­bracht: Das Ver­trau­en, das ihm ge­mäß dem Prin­zip der Le­bens­freund­schaft als Bursch und Al­ter Herr ent­ge­gen­ge­bracht wird, muß er sich erst ver­die­nen. Über­haupt wird sich der Fuchs die Prin­zi­pien der Cor­po­ra­tion, der er als Voll­mit­glied bei­tre­ten möch­te, aus in­ne­rer Über­zeu­gung als Selbst­ver­ständ­lich­keit an­eig­nen und sie nicht nur im Cor­po­ra­tions–, son­dern auch und vor al­lem im All­tags­le­ben an­wen­den und nut­zen. Der Bursch und spä­ter der Al­te Herr wird da­her im­mer — selbst für einen Lai­en — an sei­nem com­ment­ge­mä­ßen Ver­hal­ten er­kenn­bar sein.[180]

Auf den Con­ven­ten lernt der Bursch nicht nur, aka­de­misch zu ar­gu­men­tie­ren, da­bei auch die Mei­nung an­de­rer Cor­po­ra­tions­mit­glie­der zu re­spek­tie­ren, sei­nen Bei­trag zum Kli­ma der To­le­­ranz zu lei­sten und die eige­nen Ar­gu­men­te ent­we­der ent­spre­chend zu ver­tei­di­gen oder zu re­vi­die­ren, son­dern auch Ab­stand zu eige­nen, per­sön­li­chen In­ter­es­sen zu ge­win­nen und mit Hil­fe aka­de­mi­scher Frei­heit[181] und stu­den­ti­scher Tra­di­tion nach Ob­jek­tiv­ität zu stre­ben.[182] Als Char­ge wird er er­ler­nen, Ver­ant­wor­tung nicht nur für sich selbst, son­dern auch — im Rah­men der je­weils ge­stell­ten Auf­ga­be — für die Ge­samt­cor­po­ra­tion zu über­neh­men — ein Vor­sprung an Er­fah­run­gen, der ihn im spä­te­ren Be­rufs­le­ben in die La­ge ver­set­zen wird, rasch eine ge­ho­be­ne, ver­ant­wor­tungs­vol­le Po­si­tion zu er­lan­gen und den ent­spre­chen­den An­for­de­run­gen ge­recht zu wer­den.

Al­te Her­ren ge­nie­ßen Re­spekt ent­spre­chend ih­rem frü­he­ren und ak­tu­el­len En­ga­ge­ment für die Cor­po­ra­tion und ih­rer ge­sell­schaft­li­chen Stel­lung. Ih­re Haupt­auf­ga­be be­steht in der Wei­ter­ga­be von Tra­di­tio­nen und er­wor­be­nem Wis­sen; sie sind Ga­ran­ten der Kon­ti­nui­tät in der Cor­po­ra­tion.[183]



2  Ge­schicht­li­ches: Zur Ent­ste­hung stu­den­ti­scher Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de


2.1   Mit­tel­al­ter und Neu­zeit


Der Über­gang vom so­ge­nann­ten Va­gan­ten­tum[184] zur Bil­dung orts­an­säs­si­ger Na­tio­nes[185] und Bur­sen[186] er­folg­te flie­ßend in der Zeit von der Grün­dung der er­sten euro­pä­i­schen Uni­ver­si­tät in Bo­lo­gna (1119) bis ins Spät­mit­tel­al­ter, ins­be­son­de­re bis zur Grün­dung der Uni­ver­si­tä­ten in Prag[187] und Wien[188].

En­de des 17. Jahr­hun­derts ent­stan­den als Fort­bil­dung der Na­tio­nes die er­sten Lands­mann­schaf­ten[189]. Am 12.06.1815 lö­sten sich die lands­mann­schaft­li­chen Cor­po­ra­tio­nen auf und bil­de­ten die er­ste all­ge­mei­ne deut­sche Bur­schen­schaft, die „Je­na­er Ur­bur­schen­schaft”.[190] Da­ne­ben ent­ste­hen seit dem 18. Jahr­hun­dert stu­den­ti­sche Or­den[191], die eine de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­wei­sen und von Schutz– und Treue­pflich­ten der Mit­glie­der un­ter­ein­an­der ge­kenn­zeich­net sind; sie ent­wickeln sich in der Fol­ge zu e­li­tä­ren, mi­li­tä­risch ori­en­tier­ten, schla­gen­den „Ge­heim–”Bün­den, den Corps.

Vier­zehn der an den deut­schen Uni­ver­si­tä­ten ent­stan­de­nen Bur­schen­schaf­ten schlos­sen sich an­läß­lich des Wart­burg­fe­stes am 18.10.1817 zur „All­ge­mei­nen Deut­schen Bur­schen­schaft” zu­sam­men,[192] de­ren Haupt­an­lie­gen die po­li­ti­sche Eini­gung der deut­schen Na­tion war. Die­se wur­de 1819 auf­grund der von Met­ter­nich durch­ge­setz­ten „Karls­ba­der Be­schlüs­se” auf­ge­löst,[193] je­doch ent­stan­den be­reits 1820 wie­der neue Bur­schen­schaf­ten[194] mit li­be­ra­ler, an­ti­kle­ri­ka­ler und spä­ter auch na­tio­na­li­sti­scher Grund­hal­tung. Ab 1830 wer­den auch neue Lands­mann­schaf­ten ge­grün­det.[195]

Schließ­lich kommt es zur Grün­dung ver­schie­den­ster Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de;[196] zu nen­nen wä­ren et­wa 1841 der Schwei­ze­ri­sche Stu­den­ten­ver­ein[197], 1844 der Win­golf–Bund[198], 1848 der Kö­se­ner Se­nio­ren–Con­vents–Ver­band[199], 1856 der Deut­sche Car­tell­ver­band, der sich 1863 in den farb­tra­gen­den CV und den nicht farb­tra­gen­den KV spal­tete,[200] so­wie 1868 der All­ge­mei­ne Lands­mann­schaf­ter–Verband, der sich ab 1873 Co­bur­ger Lands­mann­schaf­ter–Con­ventnannte.[201]

In Öster­reich wur­de 1868 mit der Austria–Inns­bruck die er­ste öster­rei­chi­sche CV–Cor­po­ra­tion ge­grün­det;[202] 1876 ent­stand — eben­falls in Inns­bruck — die Teu­to­nia als er­ste ka­tho­li­sche Pen­na­lie[203] trotz des ver­ord­ne­ten Ko­a­li­tions­ver­bo­tes für Mit­tel­schü­ler. 1900 ent­stand der ka­tho­li­sche MCV, der bis 1913/14 exi­stier­te. 1919 schlos­sen sich ka­tho­li­sche Pen­na­li­en zum VPV zu­sam­men, der in die­ser Form bis 1931 be­stand.

Das zum Er­sten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil er­neut for­mu­lier­te Duell­ver­bot für Ka­tho­li­ken führ­te wäh­rend des letz­ten Drit­tels des 19. Jahr­hun­derts zu einer im­mer schär­fe­ren Ab­gren­zung und La­ger­bil­dung zwi­schen schla­gen­den und kon­fes­sio­nel­len Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­den,[204] die zu­neh­mend in un­aka­de­mi­schen Prü­ge­lei­en — man spricht ge­le­gent­lich vom „Holz–Com­ment”[205] —, die in Graz be­son­ders hef­tig wa­ren und in de­nen die kon­fes­sio­nel­len na­tur­ge­mäß den schla­gen­den Stu­den­ten re­gel­mä­ßig un­ter­la­gen.[206]

„Ne­ben den na­tio­na­len und po­li­ti­schen Kämp­fen kün­dig­te sich seit der Mit­te der sieb­zi­ger Jah­re auch der An­ti­se­mi­tis­mus an Öster­reichs Hoch­schu­len an. Den Auf­takt da­zu gab ein Buch des welt­be­rühm­ten Wie­ner Chir­ur­gen Theo­dor Bill­roth, in dem er die Ju­den als »scharf aus­ge­präg­te Na­tion« be­zeich­ne­te. Die Fol­ge da­von wa­ren schar­fe An­grif­fe der Wie­ner li­be­ra­len Pres­se ge­gen den Pro­fes­sor und Kund­ge­bun­gen von Stu­den­ten ge­gen den­sel­ben. Die­se wie­der wa­ren das aus­lö­sen­de Mo­ment für die er­sten an­ti­se­mi­ti­schen, von der deutsch­na­tio­na­len Stu­den­ten­schaft ver­an­stal­te­ten Kund­ge­bun­gen. [...] Be­reits 1878 aber lehn­te die Bur­schen­schaft Li­ber­tas die Auf­nah­me eines jü­di­schen Stu­den­ten mit der Mo­ti­vie­rung ab, ein Ju­de kön­ne nicht gut deutsch ge­sinnt sein! [...] Am 11. März 1896 wur­de auf einer Ver­tre­ter­ver­sam­mlung der wehr­haf­ten Ver­eine Wiens be­schlos­sen, dem »Ju­den auf kei­ne Waf­fen mehr Ge­nug­tu­ung zu ge­ben, da er de­ren nicht wür­dig ist«. Der Be­schluß wur­de [...] Waid­ho­fe­ner Prin­zip ge­nannt.”[207] Da aus vie­len deutsch­na­tio­na­len Cor­po­ra­tio­nen Ju­den zu­neh­mend aus­ge­schlos­sen bzw. gar nicht erst auf­ge­nom­men wur­den, ih­re Auf­nah­me in die ka­tho­li­schen Cor­po­ra­tio­nen aber aus prin­zi­pi­ell–re­li­giö­sen Grün­den so­wie we­gen des von den Aus­ge­schlos­se­nen ver­tre­te­nen schla­gen­den Prin­zips nicht in Fra­ge kam,[208] wur­den wäh­rend des letz­ten Drit­tels des 19. Jahr­hun­derts ver­mehrt jü­disch–aka­de­mi­sche Cor­po­ra­tio­nen ge­grün­det,[209] die vor­wie­gend zio­ni­sti­sche, aber auch or­tho­do­xe Mit­glie­der hat­ten[210]. Die­se jü­di­schen Cor­po­ra­tio­nen wur­den je­doch bei­na­he von al­len Sei­ten an­ge­fein­det, konn­ten sich trotz größ­ter An­stren­gun­gen kaum aus ih­rer Iso­la­tion be­frei­en und wa­ren — der all­ge­mei­nen Ten­denz ent­spre­chend[211] — im­mer wie­der mit an­ti­se­mi­ti­schen Aus­schrei­tun­gen auf uni­ver­si­tä­rem Bo­den kon­fron­tiert.[212] Nicht ein­mal der Aus­bruchs des Er­sten Welt­krie­ges und sei­ne Fol­ge­er­eig­nis­se konn­ten dar­an et­was än­dern;[213] die schon von Franz Grill­par­zer kri­ti­sier­ten Zu­stän­de — und noch eini­ge Ne­ga­ti­va außer­dem — hat­ten sich nicht nur er­hal­ten, sie soll­ten sich noch ver­schlim­mern![214]


2.2   Zwi­schen­kriegs­zeit


Die er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten der Nach­fol­ge­staa­ten der Do­nau­mon­ar­chie, die po­li­ti­schen Wir­ren und Macht­kämp­fe im Deut­schen Reich und in Öster­reich und die dar­aus re­sul­tie­ren­de Un­zu­frie­den­heit wei­ter Be­völ­ke­rungs­krei­se mün­de­ten in ver­stärk­ten Na­tio­na­lis­mus und — be­wirkt durch den ver­mehr­ten Zu­zug von Ju­den aus dem öst­li­chen Teil der ehe­ma­li­gen Mon­ar­chie nach Öster­reich und Deutsch­land[215] — An­ti­se­mi­tis­mus[216], die die Ver­brei­tung na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Ge­dan­ken­gu­tes be­gün­stig­ten. Welt­wirt­schaft­kri­se, Iden­ti­täts­ver­lust und po­li­ti­sches Scheu­klap­pen­den­ken tru­gen das ih­re zur all­ge­mei­nen Ra­di­ka­li­sie­rung bei.[217]

Im aka­de­mi­schen Be­reich wa­ren die un­ter­schied­lich­sten Po­si­tio­nen min­de­stens so hef­tig ver­tre­ten wie sonst in der Be­völ­ke­rung; trotz an­fäng­li­cher Be­mü­hun­gen kam es nicht zu einer Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den ver­schie­de­nen cor­po­rier­ten La­gern,[218] zu de­nen das le­gi­ti­mi­sti­sche neu hin­zu­ge­kom­men war.[219] So stan­den ein­an­der ka­tho­li­sche, deutsch­völ­ki­sche, deutsch­na­tio­na­le, jü­di­sche und li­be­ra­le Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de zu­neh­mend feind­lich ge­gen­über; hin­zu ka­men noch die Agi­ta­tion so­zia­li­sti­scher Stu­den­ten al­ler Schat­tie­run­gen, wu­chern­der An­ti­se­mi­tis­mus[220] und chau­vi­ni­sti­scher Na­tio­na­lis­mus[221]. Es er­scheint da­her nicht ver­wun­der­lich, daß Ra­di­ka­le — be­gün­stigt durch das all­ge­mei­ne Kli­ma des Miß­trau­ens und Has­ses so­wie durch das Chaos der oft vom je­wei­li­gen Zeit­punkt und Ge­gen­stand ab­hän­gi­gen Trenn­li­nien und Koa­li­tio­nen — am be­sten re­üs­sier­ten.[222]


2.3   Ö­ster­rei­chi­sche Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de und der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus


2.3.1    Von der Macht­er­grei­fung der NSDAP in Deutsch­land bis zum An­schluß Öster­reichs


Die Be­deu­tung der Stu­den­ten­schaft für die Er­rin­gung der Macht wur­de von der NSDAP früh er­kannt. Ob­wohl der NSDStB die ge­wünsch­ten Er­fol­ge nicht er­brin­gen konn­te, ge­lang es doch mit sei­ner Hil­fe, die Deut­sche Stu­den­ten­schaft nach­hal­tig zu un­ter­wan­dern und von die­ser Po­si­tion aus vie­le Stu­den­ten für na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Pro­pa­gan­da emp­fäng­lich zu ma­chen.[223] Das von ihm ver­tre­te Füh­rer­prin­zip war je­doch der de­mo­kra­ti­schen in­ne­ren Struk­tur der Cor­po­ra­tio­nen so­wie der tra­di­tio­nel­len Frei­heits­lie­be ih­rer Mit­glie­der zu­wi­der­lau­fend, was zwangs­läu­fig zu wach­sen­der Op­po­si­tion selbst bei je­nen cor­po­rier­ten Stu­den­ten führ­te, die den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus von vorn­her­ein be­für­wor­tet hat­ten.[224]

Der ka­tho­li­sche CV er­klär­te an­läß­lich der LXI. CVV — in Über­ein­stim­mung mit einer vor­an­ge­gan­ge­nen, ähn­li­chen Er­klär­ung der deut­schen Bi­schö­fe für Ka­tho­li­ken all­ge­mein — die gleich­zei­ti­ge Mit­glied­schaft bei einer CV–Cor­po­ra­tion und der NSDAP für un­ver­ein­bar. Nach­dem je­doch be­reits am 28.03.1933 die Bi­schö­fe ih­re War­nun­gen vor dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu­rück­ge­nom­men hat­ten,[225] er­klär­te am 03.04.1933 der CV–Vor­ort Ae­na­nia Mün­chen auf An­trag des CV–Seel­sor­gers P. Dr. Eber­hard Schlund OFM (Vin­de­li­cia Mün­chen): „Der Be­schluß der 61. CV–Ver­samm­lung, der die Zu­ge­hö­rig­keit von CVern zur NSDAP ver­bot, war eben­so wie die Richt­li­nien des CV–Seel­sor­gers auf dem Ver­bot der deut­schen Bi­schö­fe auf­ge­baut und le­dig­lich kir­chen­recht­lich be­grün­det. Nach der Auf­he­bung des Ver­bots der Zu­ge­hö­rig­keit zu die­ser Par­tei durch die zu­stän­di­gen kirch­li­chen Stel­len ist selbst­ver­ständ­lich auch der Be­schluß der CV–Ver­sam­mlung be­treff­end NSDAP samt den Richt­li­nien des CV–Seel­sor­gers hin­fäl­lig.”[226] Die­se Er­klä­rung und der nach­fol­gen­de Ver­such, die Inns­brucker Cor­po­ra­tio­nen we­gen ih­res Be­kennt­nis­ses zur Re­gie­rung Doll­fuß aus dem Ver­band aus­zu­schlie­ßen, be­wo­gen die öster­rei­chi­schen CV–Cor­po­ra­tio­nen, um­ge­hend aus dem Ver­band aus­zu­tre­ten und den ÖCV zu grün­den: „Am 5. Ju­li 1933 teil­te die prä­si­die­ren­de Ver­bin­dung No­ri­ca Wien dem Vor­ort Ae­na­nia Mün­chen im Na­men al­ler öster­rei­chi­schen Ver­bin­dun­gen mit, daß sie sich vom CV »ab­schal­te«. Da­mit wur­de ein Bruch voll­zo­gen, der bis heu­te nicht ge­heilt wer­den konn­te.”[227] Der CV wur­de 1935 zur Selbst­auf­lö­sung ge­zwun­gen, sein Alt­her­ren­bund 1938 ver­bo­ten.”[228]

Die Macht­er­grei­fung der Na­tio­nal­so­zia­li­sten im Deut­schen Reich brach­te aber auch im völ­kisch–na­tio­na­len La­ger des Cor­po­ra­tions­stu­den­ten­tums einen ge­wis­sen Nach­denk­pro­zeß mit sich. Hat­te näm­lich noch 1931 Adolf Hit­ler per­sön­lich in einem Schrei­ben an Mün­ch­ner Corps­stu­den­ten die­sen ver­si­chert, die NSDAP set­ze sich für die Er­hal­tung des Waf­fen­stu­den­ten­tums ein,[229] wur­de nach einem kurz­zei­ti­gen Auf­schwung[230] jetzt den Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­den im Deut­schen Reich die frei­wil­li­ge Selbst­auf­lö­sung mit an­schlie­ßen­der Über­nah­me ih­rer ak­ti­ven Mit­glie­der in die Ka­me­rad­schaf­ten des NSDStB bzw. der Alt­her­ren­schaf­ten in den NSDAHB und die „Na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Stu­den­ten­kampf­hil­fe” ver­ord­net.[231] So wur­de nun voll­zo­gen, was der Füh­rer be­reits im Jah­re 1927 ver­langt hat­te: „Nicht »bier­ehr­li­che« Stich­fe­stig­keit, son­dern po­li­ti­sche Schlag­kraft ist jetzt nö­tig, und die Vor­stel­lung der heu­ti­gen Zeit wird nicht mehr be­frie­digt durch den »Stu­dio­sus« von einst, den mehr oder we­ni­ger be­moo­sten Häup­tern, als viel­mehr durch den Mann, des­sen Be­schrei­bung heißt: Schlank wie ein Wind­hund, zäh wie Le­der und hart wie Krupp­stahl. Ein neu­er Typ muß er­ste­hen, der nicht mehr in sei­nem Wert ge­wer­tet wird nach dem Er­tra­gen von Bier, son­dern nach dem Gra­de sei­ner Nüch­tern­heit und der Wi­der­stands­fä­hig­keit in den Un­bil­den des Le­bens und dem An­griffs­fa­na­tis­mus ge­gen die Fein­de des Le­bens, mö­gen sie sein wer im­mer.”[232] Es galt, die Son­der­stel­lung auch der völ­kisch ori­en­tier­ten Waf­fen­stu­den­ten durch Gleich­schal­tung auf­zu­he­ben,[233] ih­nen rasch die so­zia­li­sti­sche Art des Han­delns na­he­zu­brin­gen,[234] sie von der Not­wen­dig­keit der Auf­lö­sung ih­rer Cor­po­ra­tio­nen zu über­zeu­gen[235] und sie schließ­lich zu gu­ten, na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Stu­den­ten um­zu­er­zie­hen.[236] Je­de mög­li­che Op­po­si­tion muß­te nicht nur un­ter Kon­trol­le ge­bracht, son­dern be­reits im Keim er­stickt, die den Cor­po­ra­tions­stu­den­ten kenn­zeich­nen­de tra­di­tio­nel­le Ten­denz zur Re­bel­lion ge­gen ab­so­lu­ti­sti­sche All­macht und Un­ter­drückung je­g­li­cher Art aus­ge­rot­tet wer­den; schließ­lich konn­te man ge­nau so, wie man die Uni­ver­si­tä­ten er­obert hat­te, sie wie­der ver­lie­ren!

Wäh­rend sich eini­ge li­be­ra­le Corps in Öster­reich ge­gen En­de der zwan­zi­ger Jah­re von An­ti­se­mi­tis­mus und na­tio­nal­so­zia­li­sti­schem Ge­dan­ken­gut ab­ge­grenzt hat­ten[237] und die ka­tho­li­schen Cor­po­ra­tio­nen spä­te­stens 1933 einen be­tont öster­rei­chi­schen Kurs ein­schlu­gen,[238] brach­te die Auf­lö­sung der Cor­po­ra­tio­nen im Deut­schen Reich die na­tio­nal–völ­ki­schen Cor­po­rier­ten zwar nicht ab von ih­rem Ge­dan­ken­gut, aber doch meist in Op­po­si­tion zum er­star­ken­den na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Füh­rer­prin­zip.[239]

Der An­schluß Öster­reichs an das Deut­sche Reich brach­te da­her für al­le Cor­po­ra­tio­nen — wenn auch auf völ­lig un­ter­schied­li­che Wei­se — ein­schnei­den­de Kon­se­quen­zen mit sich.


2.3.2    Vom An­schluß Öster­reichs bis zum En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges


Um der Zwangs­auf­lö­sung und –ein­glie­de­rung in den NSDStB und der so­fort ein­set­zen­den Ver­fol­gung zu ent­ge­hen und Cor­po­ra­tions­ge­gen­stän­de und –ar­chi­ve vor dem Zu­griff der Ge­sta­po zu be­wah­ren, lö­sten sich vie­le der­je­ni­gen Cor­po­ra­tio­nen, die sich of­fen ge­gen den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus bzw. ge­gen den An­schluß Öster­reichs an das Deut­sche Reich[240] aus­ge­spro­chen hat­ten, un­mit­tel­bar nach dem Be­kannt­wer­den des fak­ti­schen Un­ter­gan­ges der Re­pu­blik Öster­reich auf.[241] Ein­schnei­den­de Re­pres­sa­lien durch Ge­sta­po und SS muß­ten ins­be­son­de­re je­ne Cor­po­ra­tio­nen ge­wär­ti­gen, de­ren Mit­glie­der mon­ar­chi­stisch bzw. le­gi­ti­mi­stisch ge­sinnt wa­ren, je­ne, die wei­ter­hin zu ih­ren jü­di­schen bzw. jü­disch­stäm­mi­gen Mit­glie­dern stan­den bzw. jü­di­sche Cor­po­ra­tio­nen über­haupt;[242] für sie wur­den Wi­der­stand und Un­ter­grund­ar­beit ge­gen den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus viel­fach zur Über­le­bens­fra­ge.[243] Bei den groß­deutsch bzw. deutsch­völ­kisch ori­en­tier­ten Cor­po­ra­tio­nen hin­ge­gen kam es zwar zu Trotz­re­ak­tio­nen ge­gen die be­foh­le­ne Um­ge­stal­tung des aka­de­mi­schen Le­bens[244]; ech­ter Wi­der­stand kam aus die­sen Rei­hen je­doch nur ver­ein­zelt.[245] All­ge­mein ist dort der An­schluß Öster­reichs — trotz der Tat­sa­che der be­vor­ste­hen­den Auf­lö­sung — ent­spre­chend po­si­tiv auf­ge­nom­men wor­den.[246] „An­der­seits aber la­ste­ten Krieg und Dik­ta­tur über al­lem, was aka­de­misch war, auch über den Stu­den­ten. Die elek­tri­sche Klin­gel, die Be­ginn und En­de der Vor­le­sun­gen auf der Uni­ver­si­tät an­zeig­te, die „Bahn­hofs­uhr” vor dem phi­lo­so­phi­schen De­ka­nat, die aka­de­mi­schen Leh­rer in Par­tei­uni­form und die ob­li­ga­to­ri­sche Teil­nah­me der Uni­ver­si­tät an di­ver­sen Mai­auf­mär­schen wa­ren äuße­re Zei­chen da­für.”[247]


2.4   Von der Nach­kriegs­zeit zur Ge­gen­wart


Die jü­di­schen Cor­po­ra­tio­nen sind un­ter­ge­gan­gen; of­fen­bar hat die Schoa[248] zu we­ni­ge Cor­po­rier­te für die nach­hal­ti­ge Re­ak­ti­vie­rung des jü­disch–aka­de­mi­schen Cor­po­ra­tions­le­bens über­le­ben las­sen. Nur ge­legent­lich fin­det man in stu­den­ti­schen Schrif­ten Be­rich­te und Dar­stel­lun­gen über­le­ben­der Zeit­zeu­gen aus die­sem Be­reich.[249] „Öster­reich wur­de für sei­nen An­ti­se­mi­tis­mus be­straft, ins­be­son­de­re durch die Tat­sa­che, daß es in Öster­reich heu­te so gut wie kei­ne Ju­den mehr gibt. [...] Da­ß die­se ste­te Quel­le von Be­ga­bung, Ideen, Esprit, Re­la­ti­vie­rung und In­fra­ge­stel­lung plötz­lich nicht mehr exi­stier­te, wur­de eines der gro­ßen Man­kos der Zwei­ten Re­pu­blik.”[250]

Nach den Wir­ren und Miß­ver­ständ­nis­sen der er­sten „Ent­na­zi­fi­zie­rungs­pha­se”[251] ge­lang es in Öster­reich, den Groß­teil der ka­tho­li­schen Ver­bin­dun­gen und ih­re Ver­bän­de in­ner­halb kur­zer Zeit zu re­ak­ti­vie­ren.[252] Na­tur­ge­mäß be­nö­tig­ten an­de­re Cor­po­ra­tio­nen — je nach ih­rem An­teil an „be­la­ste­ten Mit­glie­dern” und ih­rer Rol­le vor dem An­schluß ent­spre­chend län­ger, al­li­ier­te und öster­rei­chi­sche Be­hör­den von ih­rer Un­be­denk­lich­keit zu über­zeu­gen.[253]

Die ein­zi­ge Ge­mein­sam­keit, die al­le cor­po­ra­tions­stu­den­ti­schen La­ger 1945 auf­zu­wei­sen hat­ten, war eine ho­he Zahl to­ter Bun­des­brü­der.

Die Er­fah­run­gen aus Krieg und Ver­fol­gung ha­ben die christ­li­chen Ver­bän­de in Öster­reich durch Freund­schafts­ab­kom­men und in Euro­pa durch ih­re Mit­glied­schaft beim 1976 in Salz­burg ge­gründ­eten Euro­päi­schen Kar­tell­ver­band ein­an­der nä­her­ge­bracht; die An­ge­hö­ri­gen der Cor­po­ra­tio­nen von MKV, ÖCV, ÖKV, K.Ö.L., V.f.M. und VCS du­zen ein­an­der und be­su­chen ge­mein­sa­me Ver­an­stal­tun­gen. Auch die selb­stän­di­gen Mäd­chen– und Da­men­cor­po­ra­tio­nen[254] sind heu­te meist nicht nur we­gen kar­tell­recht­li­cher Ab­kom­men re­pek­tiert und ak­zep­tiert.

Auch wenn der fak­ti­sche po­li­ti­sche Ein­fluß vor al­lem des ÖCV zeit­wei­se recht be­acht­lich ge­we­sen ist,[255] be­tä­ti­gen sich die Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de selbst nie po­li­tisch.[256] In den mei­sten Cor­po­ra­tio­nen ist über­dies auch im In­nen­ver­hält­nis die par­tei­po­li­ti­sche Agi­ta­tion oder Aus­rich­tung ver­bo­ten; al­ler­dings er­war­ten sie von ih­ren Mit­glie­dern, daß sie den Prin­zi­pien ent­spre­chen und sich so­zi­al und po­li­tisch en­ga­gie­ren.[257]

Durch den Fall des Eiser­nen Vor­hangs war eine Aus­wei­tung des christ­li­chen Cor­po­ra­tions­we­sens un­ter an­de­rem in Tsche­chien, Po­len (Schle­sien), Un­garn, Slo­we­ni­en, der Slo­wa­kei und der Uk­rai­ne mög­lich.

Schla­gen­de Bur­schen­schaf­ten und an­de­re Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg auf­grund ih­rer po­li­ti­schen Ver­gan­gen­heit ins Hin­ter­tref­fen ge­ra­ten wa­ren, be­mü­hen sich seit dem En­de der acht­zi­ger Jah­re ver­stärkt, die Er­fol­ge der FPÖ un­ter der Füh­rung von Dr. Jörg Hai­der zu nut­zen, um an den Uni­ver­si­tä­ten wie­der Ter­rain zu­rück­zu­ge­win­nen.[258] Äng­ste vor neu­er­li­cher Ra­di­ka­li­sie­rung und Neid ma­chen sie so zu­sam­men mit die­ser Par­tei und ih­rem Ob­mann zum will­kom­me­nen Feind­bild der an­de­ren po­li­ti­schen La­ger Öster­reichs.


Das Ver­hält­nis ka­tho­li­scher Cor­po­ra­tio­nen zum „frei­heit­lich–na­tio­na­len La­ger” ist heu­te größ­ten­teils höf­li­cher als frü­her, je­doch wei­ter­hin di­stan­ziert.[259] „Das Zu­sam­men­le­ben von ka­tho­li­schen und na­tio­nal­li­be­ra­len Ver­bin­dun­gen in der Ge­sell­schaft ist oft von lo­ka­len Ge­ge­ben­hei­ten be­stimmt, es schwankt zwi­schen To­le­ranz, Kon­kur­renz und of­fe­ner Feind­schaft. [...] Die Trenn­li­nie zwi­schen den La­gern ist sehr stark und klar. Für die ein­zel­ne Per­son sind die Be­rüh­rungs­punk­te in­di­vi­du­ell sehr ver­schie­den. Eini­ge ha­ben gar kei­nen Kon­takt und we­nig Kennt­nis vom id­eo­lo­gi­schen Geg­ner. An­de­re sind durch fa­mi­li­ä­re Be­zie­hun­gen oft in sehr en­gem Kon­takt, es kommt ge­le­gent­lich vor, daß der eine Bru­der bei einer ka­tho­li­schen Ver­bin­dung und der an­de­re bei einer na­tio­nal­li­be­ra­len Ver­bin­dung Mit­glied ist. Auch im schu­li­schen und be­ruf­li­chen Be­reich kann es zu Kon­tak­ten kom­men, letzt­lich ist es von kei­ner Sei­te her ver­nünf­tig, ein Feind­bild vor­zu­schrei­ben.”[260]

Ge­le­gent­li­che An­nä­he­rungs­ver­su­che, vor al­lem von frei­heit­li­cher Sei­te, wur­den bis­her re­gel­mä­ßig zu­rück­ge­wie­sen.[261] Nur ein­mal, näm­lich zu dem vom MKVer Rai­mund Lang ge­lei­te­ten „Hos­piz” an­läß­lich der Er­öff­nung der Nie­der­öster­rei­chi­schen Lan­des­aus­stel­lung auf der Schal­la­burg,[262] sa­ßen die Cor­po­rier­ten der ver­schie­den­sten La­ger of­fi­zi­ell ge­mein­sam an einem Kneip­tisch.


2.5   Pau­scha­lie­run­gen und Ver­ur­tei­lun­gen



Die Tat­sa­che, daß Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Cor­po­ra­tio­nen und Cor­po­rier­ten (fast) al­ler La­ger zu­neh­mend auf aka­de­mi­schem Ni­veau und nicht mehr per „Holz–Com­ment” aus­ge­tra­gen wer­den, führt al­ler­dings auch da­zu, daß Außen­ste­hen­de im­mer sel­te­ner in der La­ge sind, die ver­schie­de­nen Cou­leurs aus­ein­an­der­zu­hal­ten.[263] Ober­fläch­lich re­cher­chier­te Pu­bli­ka­tio­nen mit Mei­nun­gen und Ver­mu­tun­gen von Auto­ren, die of­fen­bar we­nig Ah­nung vom Cor­po­ra­tions­le­ben ha­ben,[264] tra­gen da­zu eben­so bei wie je­ne, die die­sen Kennt­nis­man­gel für ih­re po­li­ti­sche Agi­ta­tion aus­nut­zen.[265]


2.6   Con­clu­sio


Ob­wohl die für die Mon­ar­chie ty­pi­sche Viel­falt an Na­tio­na­li­tä­ten und die Zahl fremd­spra­chi­ger Stu­den­ten heu­te bei wei­tem nicht er­reicht ist,[266] för­dern doch christ­lich–euro­pä­isch ein­ge­stell­te Ver­bän­de wie der Euro­päi­sche Kar­tell­ver­band un­ter den Cor­po­rier­ten und Au­stausch­pro­gram­me wie ERASMUS und SOCRATES all­ge­mein bes­se­res Ver­ständ­nis und aka­de­mi­sche To­le­ranz (zu­min­dest un­ter euro­päi­schen Stu­den­ten). Die Chan­ce, daß die öster­rei­chi­sche Stu­den­ten­schaft als sol­che wie­der einem Ex­tre­mis­mus hul­digt, sinkt da­durch be­trächt­lich.

Bei al­ler Not­wen­dig­keit, auch wei­ter­hin die eige­ne Ord­nung, den eige­nen Staat zu schüt­zen und men­schen­ver­ach­ten­de und ra­di­ka­le Ideo­lo­gien al­ler Art ge­ra­de im aka­de­mi­schen Be­reich zu be­kämp­fen, soll­te man je­doch nicht ver­ges­sen, daß es sich bei den Trä­gern sol­cher Ex­tre­mis­men um Men­schen han­delt, die — ge­ra­de in einer an Grund– und Frei­heits­rech­ten ori­en­tier­ten De­mo­kra­tie[267] — im­mer als sol­che be­han­delt und re­spek­tiert wer­den müs­sen. Nur ein sol­ches Ver­hal­ten kann je­nen die Mög­lich­keit ge­ben, sich selbst von üb­lem Ge­dan­ken­gut nach­hal­tig zu be­frei­en; ge­gen eine „ver­ord­ne­te”, ok­troy­ier­te Ent­ra­di­ka­li­sie­rung wird sich — ge­ra­de bei Cor­po­ra­tions­stu­den­ten — im­mer Wi­der­stand bil­den: „Frei­heit schreibt auf eure Fah­nen, für die Frei­heit un­ser Blut!”[268]

„Selbst in einem vom Bö­sen be­setz­ten Her­zen hält sich ein Brücken­kopf des Gu­ten.
Selbst im gü­tig­sten Her­zen — ein un­ein­nehm­ba­rer Schlupf­win­kel des Bö­sen.”[269]



[156] Vier­te Stro­phe des Stu­den­ten­lie­des „Schwört bei die­ser blan­ken Weh­re”; vgl. Öster­rei­chi­sches Kom­mers­buch, S. 158. Der Text die­ses Stu­den­ten­lie­des stammt von Ru­dolf Baum­bach (1840&8211#;1905), der ihn Öster­reich ge­wid­met hat; vgl. da­zu Lang In­to­nas, S. 52. In man­chen ka­tho­li­schen Cor­po­ra­tio­nen ist es üb­lich, die Stro­phe mit „Gott, Eh­re, Frei­heit, Va­ter­land!” ab­zu­schlie­ßen.

[157] Be­schrie­ben wird die recht­li­che Si­tua­tion einer stu­den­ti­schen Cor­po­ra­tion in Öster­reich. Zum Ver­eins&8211#; und Ver­samm­lungs­recht in Öster­reich all­ge­mein vgl. et­wa Gin­zin­ger Ver­eins­recht so­wie der­sel­be Ver­samm­lungs­recht.

[158] Vgl. Ver­einsG 1951 i.d.g.F. So­wohl Ver­eins– als auch Ver­samm­lungs­recht sind Grund­frei­hei­ten i.S.d. Art. 11 Abs. 1 EMRK, BGBl. 1958/210 und wer­den außer­dem durch Art. 12 StGG ge­schützt. Vgl. da­zu auch den Be­schluß der Pro­vi­so­ri­schen Na­tio­nal­ver­samm­lung vom 30.10.1918, StGBl. 1918/3 so­wie das VersG 1953, BGBl. 1953/98 i.d.g.F.

[159] Vgl. Ver­botsG v. 26.02.1992, BGBl. 148/1992, i.d.g.F.; zum Prin­zi­pi­el­len vgl. Bo­din Staat, S. 69: „Eben­so aber ist es ge­fähr­lich, al­le Ar­ten von Ver­ei­ni­gun­gen zu er­lau­ben. Denn oft ge­nug ver­ber­gen sich hin­ter ih­nen Ver­schwö­run­gen und Mo­no­pol­bil­dun­gen, wo­für es vie­le Bei­spie­le gibt. Da­rin lag der Grund, war­um mehr­mals Ver­eini­gun­gen durch Ge­set­ze ver­bo­ten wur­den, die dann frei­lich nicht aus­ge­führt wur­den. Es ist bes­ser, die Schlech­ten wie Un­kraut aus­zu­rot­ten als Gu­te und Schlech­te in glei­cher Wei­se zu be­sei­ti­gen.” Sei­ne straf­recht­li­chen Sank­tio­nen be­tref­fen die Pro­po­nen­ten bzw. die Mit­glie­der der Cor­po­ra­tion im Fal­le der Wie­der­be­tä­ti­gung i.S.d. Ge­set­zes. Ver­wal­tungs­recht­lich ist die Wie­der­be­tä­ti­gung über­dies gem. Art. IX Abs. 1 Z. 4 EGVG straf­bar. Un­ter Stra­fe ge­stellt ist re­gel­mä­ßig die (öf­fent­lich wahr­nehm­ba­re) Wie­der­be­tä­ti­gung, nicht die Mei­nungs­äuße­rung im Pri­vat­be­reich. Vgl. da­zu auch Platz­gum­mer in ÖJZ 11/1994, insb. S. 760 r.Sp. f. m.w.N. Zum Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot vgl. Art. IX Abs. 1 Z. 3 EGVG.

[160] Zur Zu­stän­dig­keit der Si­cher­heits­di­rek­tion vgl. § 2 Abs. 2 SPG.

[161 Vgl. StVv­Wien v. 15.03.1955, BGBl. 1955/152. Zur be­hörd­li­chen Auf­lö­sung eines Ver­ei­nes vgl. §§ 24 f. Ver­einsG.

[162] Das­sel­be Schick­sal droht ihr für den Fall, daß ih­re Mit­glie­der für die po­li­ti­sche und/oder wirt­schaft­li­che Ver­eini­gung Öster­reichs mit Deutsch­land ein­tre­ten; vgl. da­zu Art. 4 Abs. 2 StVv­Wien.

[163] Die Sta­tu­ten müs­sen, § 4 Abs. 2 lit. e und f Ver­einsG ent­spre­chend, ein­schlä­gi­ge Be­stim­mun­gen ent­hal­ten.

[164] Vgl. da­zu § 4 Abs. 2 lit. j Ver­einsG.

165] Vgl. da­zu ÖCV und ÖAHB Grund­satz­pro­gramm: „4.3.2. Un­ver­ein­bar­keit mit po­li­ti­schem Ex­tre­mis­mus. Aus der po­li­ti­schen Ori­en­tie­rung an der christ­li­chen Ge­sell­schafts­leh­re er­gibt sich die Un­ver­ein­bar­keit von Mit­glied­schaf­ten in links– oder rechts­ex­tre­mi­sti­schen Par­tei­en. Die Zu­ge­hö­rig­keit zu einer Ver­eini­gung und das po­li­ti­sche Ver­hal­ten des CVers müs­sen mit den Grund­sät­zen des Ver­ban­des im Ein­klang ste­hen. 4.3.3. Ge­gen Na­tio­na­lis­mus, Ras­sis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus und für Min­der­hei­ten­schutz und ver­nünf­ti­ge Aus­län­der­po­li­tik. Na­tio­na­lis­mus, Ras­sis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus stel­len Ideo­lo­gien dar, die den Ge­dan­ken der Na­tion und der Ras­se ver­ab­so­lu­tie­ren und mehr oder min­der mi­li­tant nach in­nen und außen tre­ten. Sie führ­en im­mer zu Ge­ring­schät­zung, Ver­ach­tung und Be­nach­tei­li­gung an­de­rer Men­schen (Na­tio­nen, Ras­sen, Min­der­hei­ten) und wer­den da­her vom CV ge­ne­rell ab­ge­lehnt. Die Ge­mein­wohl­bin­dung der Staats­ge­walt um­faßt nach Auf­fas­sung des ÖCV auch die auf dem Staats­ge­biet le­ben­den Min­der­hei­ten und Aus­län­der. Die Zu­wan­de­rung von Aus­län­dern soll nach Re­geln der Ver­nunft im Sin­ne des Ge­mein­woh­les ge­regelt wer­den. Zur Auf­nah­me von po­li­ti­schen Flücht­lin­gen (aus po­li­ti­schen Grün­den Ver­folg­ter) be­steht eine sitt­li­che und völ­ker­recht­li­che Ver­pflich­tung.” Vgl. da­zu auch ÖCV CVV 1993, BT S. 5: „Der Öster­rei­chi­sche Car­tell­ver­band (ÖCV) be­kennt sich zum de­mo­kra­ti­schen Rechts­staat und zur fö­de­ra­li­sti­schen Re­pu­blik Öster­reich in einem frei­en Euro­pa. Die Ver­bin­dun­gen des ÖCV for­dern von ih­ren Mit­glie­dern ver­ant­wor­tungs­be­wuß­tes und welt­of­fe­nes Staats­bür­ger­tum und ver­lan­gen von ih­nen die Wahr­neh­mung so­zia­ler Ver­ant­wor­tung in völ­ker­ver­bin­den­der Ge­sin­nung. Na­tio­na­lis­mus, Ras­sis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus stel­len Ideo­lo­gien dar, die den Ge­dan­ken der Na­tion und der Ras­se ver­ab­so­lu­tie­ren und mehr oder min­der mi­li­tant nach in­nen und außen ver­tre­ten. Sie führ­en im­mer zu Ge­ring­schät­zung, Ver­ach­tung und Be­nach­tei­li­gung an­de­rer Men­schen und wer­den da­her vom ÖCV ge­ne­rell ab­ge­lehnt. Aus der po­li­ti­schen Ori­en­tie­rung des ÖCV an der ka­tho­li­schen Ge­sell­schafts­leh­re er­gibt sich die Un­ver­ein­bar­keit der Zu­sam­men­ar­beit mit rechts– oder links­ex­tre­mi­sti­schen Grup­pie­run­gen. Des­halb weist der ÖCV auch al­le An­bie­de­rungs­ver­su­che na­tio­na­li­sti­scher Grup­pie­run­gen zu­rück.”

[166] Vgl. da­zu Austria Wien in Aca­de­mia 2/1994 zum Le­ser­brief ih­res Mit­glieds Jo­sef Kö­nig–Gunz in Aca­de­mia 1/94: „Wer sich so­cher­art äußert, stellt sich außer­halb un­se­rer Ge­mein­schaft. Wir tei­len da­her mit, daß ge­eig­ne­te ver­bin­dungs­in­ter­ne Schrit­te in die We­ge ge­lei­tet wur­den.” Das be­deu­tet die di­mis­sio i.p.c.i.

[167] Vgl. da­zu auch oben A.2.7 m.w.N.

[168] Dies hat of­fen­bar den ehe­ma­li­gen Se­ni­or der Wie­ner Aka­de­mi­schen Bur­schen­schaft Teu­to­nia 1868 (DBÖ), Franz Radl, im Jah­re 1991 be­trof­fen.

[169] Harm­lo­ses im In­ter­net? Die „Smi­leys” für Adolf Hit­ler (links) und sei­ne An­hän­ger (rechts); vgl. Mar­shall Smi­leys.

[170] Nicht je­der Con­vent dient der Be­schluß­fas­sung; auf dem FC et­wa wer­den Fuch­sen i.d.R. vom FM er­zo­gen, auf dem San­ges­con­vent („SC”) — scherz­haft auch als „Xanx­con­vent” oder „XC” be­zeich­net — soll der Lied­schatz der Cor­po­ra­tions­mit­glie­der (und nur die­ser!) ge­fe­stigt und er­wei­tert wer­den.

[171] Sitz und Stim­me ha­ben auf dem BC al­le Voll­mit­glie­der der Cor­po­ra­tion; die Ver­tre­tung der Fuch­sen ob­liegt dem FM.

[172] Die­sem Char­gen­ca­bi­nett, das nor­ma­ler­wei­se aus­schließ­lich von ge­bursch­ten, je­doch noch nicht phi­li­strier­ten Mit­glie­dern ge­bil­det wird, und insb. dem Se­ni­or ob­liegt bei fast al­len Cor­po­ra­tio­nen die Ver­tre­tung der­sel­ben nach in­nen und nach außen; vgl. da­zu § 4 Abs. 2 lit. i Ver­einsG.

[173] Sitz und Stim­me auf dem Alt­her­ren­con­vent ha­ben, wie der Na­me schon sagt, nur Al­te Her­ren der Cor­po­ra­tion. Die­se wäh­len jähr­lich — bei man­chen Cor­po­ra­tio­nen auch nur je­des drit­te Jahr — ein eige­nes Char­gen­ca­bi­nett, be­ste­hend aus Phi­li­ster­se­nior, –con­se­nior, –schrift­füh­rer und –kas­sier.

[174] Der CC führt ge­le­gent­lich auch den Na­men GC; in je­dem Fall ent­spricht er der Jahres­haupt­ver­samm­lung nicht­stu­den­ti­scher ge­mein­nüt­zi­ger Ver­eine. Sitz und Stim­me ha­ben al­le ge­bursch­ten Mit­glie­der, bei eini­gen Cor­po­ra­tio­nen wird den Fuch­sen Sitz, je­doch nicht Stim­me auf dem CC zu­ge­stan­den. Vgl. da­zu auch § 13 Ver­einsG.

[175] Et­wa den Bu­den­putz oder die Be­die­nung Äl­te­rer auf ge­sel­li­gen Ver­an­stal­tun­gen wie Knei­pen oder Kom­mer­sen.

[176] Das er­gibt sich nicht nur aus den ak­tu­el­len ge­setz­li­chen Auf­la­gen, son­dern schon aus dem hi­sto­ri­schen Selbst­ver­ständ­nis stu­den­ti­scher Cor­po­ra­tio­nen seit den An­fän­gen der Ur­bur­schen­schaft. So ist auch die all­ge­mein üb­li­che Be­schrän­kung der „Macht” des Se­ni­ors zu er­klä­ren, der bei Ab­stim­mun­gen nur bei Stim­men­gleich­heit (das gilt na­tür­lich nur für Be­schlüs­se, die auf­grund der Sta­tu­ten — vgl. § 4 Abs. 2 lit. h Ver­einsG — nur der ein­fa­chen Mehr­heit be­dür­fen; an­dern­falls ist die Stim­men­ab­ga­be dem Se­ni­or nor­ma­ler­wei­se ge­ne­rell ver­bo­ten) di­ri­mie­rend sei­ne Stim­me ab­ge­ben darf.

[177] Der Miß­brauch die­ser Macht der Äl­te­ren wird als un­bun­des­brü­der­lich, d.h. dem Prin­zip ami­ci­tia zu­wi­der­lau­fend, emp­fun­den und be­straft.

[178] Vgl. da­zu Grill u.a. Com­ment, S. 13: „Com­ment — wie wir ihn ver­ste­hen — ist der In­be­griff al­ler stu­den­ti­schen Sit­ten und Sym­bo­le. Es gibt kei­ne Ge­mein­schaft von Dau­er, die oh­ne sol­che aus­kom­men könn­te. Com­ment ist — wie je­des Brauch­tum — nicht das »al­len Zu­gäng­li­che und Ver­ständ­li­che. Es ist nicht das All­ge­mei­ne, son­dern das Be­son­de­re« (Hun­ger–Meyer).” Vgl. da­zu auch Kras­ser Fest­schrift, S. 15: „Ent­schließung F1 und F3: Un­ter Kom­ment ver­ste­hen wir das kð@i­fi­zier­te stu­den­ti­sche Brauch­tum, wie es sich im Lau­fe der Zeit all­mäh­lich her­aus­ge­bil­det hat und das die stu­den­ti­sche Tracht, die stu­den­ti­schen Sit­ten im in­ne­ren Ver­bin­dungs­ver­kehr wie auch das Ver­hal­ten beim öf­fent­li­chen Auf­tre­ten um­faßt. Irr­tüm­li­cher­wei­se wird von außen­ste­hen­den Krei­sen das Wort »Kom­ment« häu­fig mit »Kneip­kom­ment« schlech­thin iden­ti­fi­ziert und das Far­ben­stu­den­ten­tum so dar­ge­stellt und da­durch auch gleich­zei­tig dis­kre­di­tiert, als ob der Kneip­kom­ment das Um und Auf des Ver­bin­dungs­le­bens über­haupt wä­re.”

[179] Dies gilt selbst­ver­ständ­lich auch für den Ge­nuß von Al­ko­hol; vgl. da­zu Kras­ser Fest­schrift, S. 15: „Die­se grund­sätz­li­che Ein­schät­zung des Kneip­kom­ments, der sei­nem tief­sten We­sen ge­mäß in ver­nünf­ti­ger Hand­ha­bung eine er­zie­he­ri­sche Ein­schrän­kung des Al­ko­hol­ge­nus­ses und nicht eine För­de­rung der Maß­lo­sig­keit ist, kommt mit einer nicht mehr zu über­bie­ten­den Deut­lich­keit in der seit 1922 be­ste­hen­den Be­stim­mung der Car­tell­ord­nung zum Aus­druck: »Kein Hin­der­nis zur Auf­nah­me in eine Ver­bin­dung ist das Be­kennt­nis zur Ent­hal­tung von Al­ko­hol und Ni­ko­tin. Sei­ne Durch­füh­rung darf nie­mand er­schwert wer­den.«” Vgl. auch Grill u.a. Com­ment, S. 14: „Auch der Al­ko­hol — von Com­ment­geg­nern aus vor­der­grün­di­gen Mo­ti­ven oft als er­ster An­griffs­punkt ge­nützt — hat sei­ne ge­mein­schafts­bil­den­de Funk­tion. Der Wein, in der christ­li­chen Li­tur­gie Sym­bol für das höch­ste Op­fer, ist bei den Hel­le­nen als Bak­chos (la­ti­ni­siert: Bac­chus) der Gott, der die Sor­gen löst. Bei der Knei­pe ist es sei­ne und des Gam­bri­nus (sa­gen­haf­ter Er­fin­der des Bie­res) Auf­ga­be, die Zun­ge zu lö­sen, die Stim­mung zu he­ben, die Ge­mein­schaft zu för­dern, die Phan­ta­sie an­zu­re­gen, die Knei­pan­ten zu be­gei­stern. Die kom­mu­ni­ka­ti­ven Wir­kun­gen des Bie­res dür­fen selbst­ver­ständ­lich kei­nen An­laß zum Miß­brauch bil­den. In je­der gut­ge­führ­ten Kor­po­ra­tion wer­den Se­ni­or und Fuchs­ma­jor — ge­ra­de mit dem In­stru­ment der durch den Com­ment ge­for­der­ten Kneip­dis­zi­plin — je­des Über­maß zu un­ter­bin­den wis­sen.” Schlecht ge­führ­te Cor­po­ra­tio­nen ha­ben einen ent­spre­chen­den Ruf — wie et­wa z.Z. die K.Ö.H.V. Le­o­pol­di­na Inns­bruck im ÖCV — und wer­den von an­de­ren Cor­po­ra­tio­nen aus dem eige­nen oder be­freun­de­ten Ver­band oft ge­mie­den oder so­gar boy­kot­tiert.

[180] Vgl. da­zu Grill u.a. Com­ment, S. 14: „Die Ver­bin­dung als Er­zie­hungs­ge­mein­schaft hat die Auf­ga­be, den gan­zen Men­schen mit al­len sei­nen Kräf­ten an­zu­spre­chen und Ver­stand, Ge­müt und Wil­len zu bil­den; der Com­ment mit sei­ner rei­chen Sym­bo­lik ist ein Stück des stu­den­ti­schen Le­bens, denn Sym­bo­le sind die Ge­heim­schrift un­se­res Seins. Wer den Com­ment ver­steht und ihn aus die­sem Ver­ständ­nis her­aus pflegt, er­hält ein Stück Kul­tur und da­mit ein Stück Men­sch­lich­keit.” Vgl. auch Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 249 f., Selbst­dar­stel­lung des WSC: „Der WSC ver­tritt eine po­si­ti­ve Ein­stel­lung sei­ner Mit­glie­der zum Staat und steht auf dem Bo­den der christ­li­chen Sit­ten­ge­set­ze. Er ver­tritt eine hu­ma­ni­sti­sche Gei­stes­hal­tung, stützt sich auf die le­ben­di­gen Wer­te sei­ner Tra­di­tion und setzt sich voll für die aka­de­mi­sche Frei­heit ein. [...] Die Corps be­trach­ten es als ih­re Auf­ga­be, ih­re Mit­glie­der zur Selbst­zucht und selbst­än­di­gen Den­ken zu er­zie­hen, be­son­ders zur ver­ant­wor­tungs­freu­di­gen Hand­lung, zur Ach­tung be­rech­tig­ter In­ter­es­sen und Ein­satz­be­reit­schaft. Die Corps [...] hal­ten ih­re An­ge­hö­ri­gen zur Mit­ar­beit am öf­fent­li­chen Le­ben an.” Vgl. auch eben­da, S. 251, die Selbst­dar­stel­lung der DB 1881: „Die Bur­schen­schaft ist sich mit den an­de­ren Ver­bän­den in der Ziel­set­zung einig, ver­ant­wor­tungs­be­wuß­te Ein­zel­per­sön­lich­kei­ten zu bil­den, die von sitt­li­chem Ernst durch­drun­gen sind, an ih­rer gründ­li­chen fach­wis­sen­schaft­li­chen Aus­bil­dung ar­bei­ten und be­reit sind, die Wür­de des Men­schen, sei­ne Eh­re und die frei­heit­li­che Aus­ge­stal­tung al­ler Le­bens­be­rei­che zu ver­tre­ten. Ne­ben die­sen We­sens­zug tritt die For­de­rung nach Be­reit­schaft zum Dienst am Ge­mein­we­sen.” Vgl. da­zu auch Hart­mann CV, S. 19–24.

181] Vgl. da­zu Le­del in CARO♦AS 5/1995, S. 5 r.Sp: „Frei­heit schreibt auf Eu­re Fah­nen ... aber ver­geßt da­bei nicht, daß Frei­heit — eben­so wie die Ge­sell­schaft — kein Selbst­zweck ist! Der Hin­weis auf das be­kann­te Wort, daß die Frei­heit des Einen ih­re Gren­zen an der Frei­heit des An­de­ren fin­det, mag als Selbst­ver­ständ­lich­keit be­lä­chelt wer­den; er ist aber wich­tig. Eben­so wich­tig ist aber auch der Hin­weis, daß eine funk­tio­nie­ren­de De­mo­kra­tie von der Frei­heit des Ein­zel­nen ab­hän­gig ist, um­ge­kehrt aber die Frei­heit des ein­zel­nen nur von einer (zu­min­dest im Grund­prin­zip funk­tio­nie­ren­den) De­mo­kra­tie ge­währ­lei­stet wer­den kann. All­ge­mei­ne Frei­heit — ganz be­son­ders je­ne des Den­kens! — und die Er­zie­hung zu ih­rem ver­ant­wort­ungs­vol­len Ge­brauch sind da­her Grund­vor­auss­et­zun­gen für eine men­schen­wür­di­ge Form mensch­li­chen Zu­sam­men­le­bens, für die De­mo­kra­tie. Nur dem­je­ni­gen, dem er­laubt und der fä­hig ist, in al­le Rich­tun­gen ra­di­kal zu den­ken, wird es ge­lin­gen, den »Gol­de­nen Weg der Mit­te«, den Weg der To­le­ranz, des Aus­gleichs, zu fin­den. Wir Cou­leur­stu­den­ten ha­ben je­den Grund, dar­ü­ber in­ten­siv nach­zu­den­ken, für die Frei­heit ein­zu­tre­ten und sorg­sam mit ihr um­zu­ge­hen. Wer näm­lich zur Eli­te einer De­mo­kra­tie ge­hö­ren will, muß auch die ent­spre­chen­de Ver­ant­wor­tung über­neh­men ...” Vgl. da­zu auch Kueh­nelt–Leddihn Wei­chen, S. 201: „Men­sch­li­che Frei­heit ist nicht ein Ziel in sich selbst. Sie kann nie ab­so­lut sein. Sie ist ein Zu­stand, in dem man mit Wür­de le­ben und han­deln kann.” In An­leh­nung an den Leit­spruch der Wie­ner Se­zes­sion könn­te man for­mu­lie­ren: „Der Zeit ih­re Kunst, der Kunst ih­re Frei­heit, der Frei­heit ih­re Be­schrän­kung!”

[182] Selbst­ver­ständ­lich er­mög­licht ihm der neu­ge­fun­de­ne Freun­des­krei­s auch Hil­fe­stel­lun­gen beim Ler­nen, ge­mein­sa­me Frei­zeit­ge­stal­tung, ge­sel­li­ge Pfle­ge stu­den­ti­scher Tra­di­tio­nen, zahl­rei­che wis­sen­schaft­li­che Dis­kus­sio­nen etc.

[183] Die­ses kon­ser­va­ti­ve Ele­ment stellt si­cher, daß Mo­den und Ein­flüs­se von außen wie der viel­zi­tier­te „Zeit­geist” die Tra­di­tio­nen nicht ih­rer Auf­ga­ben und ih­res Ge­halts und da­mit ih­res Sin­nes be­rau­ben kön­nen und so die Cor­po­ra­tion an sich ob­so­let wird. Dem­ent­spre­chend ist bei­spiels­wei­se die Wei­ge­rung vie­ler äl­te­rer Cor­po­ra­tio­nen, Frau­en als (Voll–) Mit­glie­der auf­zu­neh­men, nicht als frau­en­feind­lich, son­dern als tra­di­tions­be­wah­rend zu se­hen, da die­se Idee tra­di­tions­fremd und da­mit re­vo­lu­tio­när ist und zu­dem von außen ver­sucht wird, die­se Idee den Cor­po­ra­tio­nen zu ok­troy­ie­ren. So ist zu er­klä­ren, daß es ge­ra&de bei der K.A.V. No­ri­ca im ÖCV, einer Cor­po­ra­tion, in der der Com­ment seit den sech­zi­ger Jah­ren kaum mehr ge­lebt wird, zur Grün­dung einer Da­men­cor­po­ra­tion na­mens No­ri­ca no­va und 1997 zur spä­ter vom ÖCV als eine dem Ver­bands­recht wi­der­spre­chen­de Maß­nah­me wie­der auf­ge­ho­be­nen Ver­eini­gung bei­der Cor­po­ra­tio­nen kam, was nicht nur als üb­le Re­spekt­lo­sig­keit emp­fun­den wur­de, son­dern auch das Ge­sprächs­klima emp­find­lich be­ein­träch­tig­te und dem An­se­hen der No­ri­ca, aber auch des ÖCV Scha­den zu­füg­te. Vgl. da­zu Ledel in CARO♦AS 10/1996, insb. S. 20: „Kein Wun­der, daß ge­ra­de dort ein Grüpp­chen Fru­strier­te, die es nicht ge­schafft hat­ten, sich das san­di­ge Blend­werk so­zia­li­sti­scher Eman­zi­pa­tions­ideo­lo­gie aus den Augen zu wi­schen, in der La­ge war, oh­ne je­de Rück­sicht auf Ver­lu­ste Spalt­pil­ze aus­zu­set­zen und be­stän­dig zu näh­ren.” — Man­che Cor­po­ra­tio­nen sind weit über 150 Jah­re alt und ver­fü­gen über ein ent­spre­chen­des Tra­di­tions­be­wußt­sein; vgl. da­zu et­wa MKV KFS 1989, S. 30 f.

[184] Lat. va­gans = wan­dernd; Va­gan­ten sind fah­ren­de Stu­den­ten; vgl. da­zu auch Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 23 S. 67.

[185] Lat. na­tio = Stamm, Na­tion; hier: Grup­pe von Stu­den­ten mit ge­mein­sa­mer Her­kunft. Die Na­tio­nes stan­den un­ter dem Ein­fluß und dem Schutz der Kir­che.

186] Stu­den­ti­sche Eß– und Wohn­ge­mein­schaf­ten; vgl. da­zu Meyers Ta­schen­lexi­kon 1990, Bd. 4 S. 162 l.Sp.

[187] Die Pra­ger Uni­ver­si­tät wurd­e 1348 durch Kai­ser Karl IV. (14.05.1316—29.11.1378) ge­gründet, der die Stadt 1346 als Re­si­denz ge­wählt hat. — Erst im 15. Jahr­hun­dert wur­den die Stu­den­ten auch wehr­haft; vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 139 f.

[188] Die­se Grün­dung er­folg­te im Jah­re 1365 durch Ru­dolf IV. den Stif­ter (01.11.1339—27.06.1365).

[189] Die Lands­mann­schaf­ten ste­hen nicht mehr un­ter dem Schutz der Kir­che, son­dern un­ter je­nem des je­wei­li­gen Lan­des­herrn. Zur Ent­wick­lung der Lands­mann­schaf­ten vgl. auch Go­lücke Stu­den­ten­wör­ter­buch 1, S. 185 f.

[190] Ih­re Mit­glie­der tru­gen die vom Lüt­zow'schen Frei­korps ver­wen­de­ten Far­ben rot und schwarz mit gol­de­ner Ein­fas­sung. Vgl. da­zu auch Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 79 ff. Auf dem so­ge­nann­ten Ham­ba­cher Fest (1832) wur­de die bur­schen­schaft­li­che schwarz-rot-gol­de­ne Fah­ne zum er­sten Mal auch gleich­zei­tig als deut­sche Volks­fah­ne ver­wen­det.

[191] Lat. or­do = Ord­nung; ge­ord­ne­tes Zu­sam­men­le­ben.

[192] Zum Wart­burg­fest der Je­na­er Ur­bur­schen­schaft sind am 17.10.1817 et­wa 450–500 Stu­den­ten aus al­len pro­te­stan­ti­schen Uni­ver­si­tä­ten der deut­schen Bun­des­staa­ten nach Eise­nach ge­kom­men. „Nicht ver­tre­ten wa­ren Kö­nigs­berg, Bres­lau und Greifs­wald, eben­so fehl­ten die Habs­bur­ger Uni­ver­si­tä­ten und die süd­deutsch–ka­tho­li­schen Re­prä­sen­tan­ten aus Frei­burg i. Br. und Lands­hut so­wie die vor der Auf­lö­sung ste­hen­den Hoch­schu­len von Duis­burg und Mün­ster.” (vgl. Heither u.a. Blut und Pauk­bo­den, S. 23.) „Ab­ge­se­hen von der mi­li­ta­ri­sti­schen Spra­che, die Rie­manns Re­de mit dem na­tio­na­len Frei­heits­pa­thos ver­band (die Leip­zi­ger Völ­ker­schlacht be­zeich­ne­te er als »Schlacht­fest«), tritt im Be­griff Volk die po­li­ti­sche Be­zugs­grö­ße einer na­tio­nal­po­li­ti­schen Op­po­si­tions­be­we­gung auf, die über die feu­dal–stän­di­schen Dif­fe­ren­zie­rungs­mu­ster hin­weg den de­mo­kra­tisch–ega­li­tä­ren Im­pe­tus der fran­zö­si­schen Tri­ko­lo­re wi­der­spie­gelt.” (vgl. eben­da, S. 25) Vgl. zu den Er­eig­nis­sen des Jah­res 1848 in Wien und ih­ren cor­po­ra­tions­stu­den­ti­schen Be­zug auch Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 156–163. Bei der Bü­cher­ver­bren­nung, die wäh­rend die­ses Wart­burg­fe­stes statt­ge­fun­den hat, sind ne­ben staats­recht­li­chen Schrif­ten auch Wer­ke jü­di­scher Auto­ren so­wie der Co­de Na­po­lé­on ver­brannt wor­den. Die an­ti­se­mi­ti­sche Ein­stel­lung wech­sel­te — auch ver­schie­den von Cor­po­ra­tion zu Cor­po­ra­tion — im Lau­fe der Ge­schich­te der DB; vgl. da­zu Heither u.a. Blut und Pauk­bo­den, S. 27, 36, 107. — An­läß­lich des Wart­burg­fe­stes wur­de auch die Grün­dung der ADSt be­ra­ten; der 1. Deut­sche Stu­den­ten­tag fand aber erst am 08./09.01.1897 in Wien statt; vgl. da­zu Hart­mann CV, S. 30.

[193] Vgl. da­zu Hart­mann CV, S. 11. Zur sel­ben Zeit ent­stand in der Schweiz die Zo­fin­gia, der Schwei­zer­ische Zo­fin­ger­ver­ein, des­sen Ziel war und ist, die Stu­den­ten der Schweiz ein­an­der nä­her zu brin­gen, der je­doch nicht die tra­di­tio­nel­len stu­den­ti­schen Sit­ten deut­scher Cor­po­ra­tio­nen über­nahm; er ist christ­lich ori­en­tiert und farb­tra­gend (rot-weiß-rot), Bin­dun­gen an Par­tei­en oder Kon­fes­sio­nen wer­den ab­ge­lehnt. Vgl. da­zu Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 261 f.

[194] Zur Ge­schich­te der DB vgl. Go­lücke Stu­den­ten­wör­ter­buch 1, S. 69–71, so­wie Hart­mann CV, S. 31. Zum Ver­hält­nis der Bur­schen­schaf­ten zu den Corps vgl. eben­da.

[195] Die­se leh­nen so­wohl die Ex­klu­si­vi­tät der Corps als auch die po­li­ti­schen Zie­le der Bur­schen­schaf­ten ab. Vgl. da­zu aus­führ­li­cher Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 246: Selbst­dar­stel­lung des CC 1951, der aus der DL und dem VC her­vor­ging.

[196] Zur Viel­falt der Grün­dun­gen vgl. auch Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 174–188.

[197] Zum SchwStV vgl. Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 260, so­wie Hart­mann CV, S. 12.

[198] Vgl. da­zu Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 260 f., so­wie Hart­mann CV, S. 12; die Cor­po­ra­tio­nen des Win­golf–Bun­des sind christ­lich ori­en­tiert, farb­tra­gend und über­kon­fes­sio­nell. Zur Ge­schich­te der pro­te­stan­ti­schen Cor­po­ra­tio­nen vgl. Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 117 r.Sp. bis 118 r.Sp.

[199] Der KSCV ist ein Zu­sam­men­schluß von farb­tra­gen­den, die Be­stim­mungs­men­sur be­ja­hen­den Corps; vgl. Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 247 f. Zu den Corps und ih­ren SC vgl. auch Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 103 l.Sp. bis 106 r.Sp.

[200] Vgl. da­zu Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 256.

[201] Vgl. da­zu Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 246 f., so­wie Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 106 r.Sp. bis 108 l.Sp. und 118 r.Sp. f.

[202] Zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te der ka­tho­li­schen Cor­po­ra­tio­nen vgl. Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 108 r.Sp. bis 117 l.Sp., so­wie MKV KFS 1989, S. 31. Zur Grün­dung des 1. ÖCV vgl. aus­führ­lich Hart­mann CV, S. 14–18, zum wei­te­ren Auf­bau des CV und sei­ner Cor­po­ra­tio­nen eben­da, S. 24–26.

[203] Vgl. MKV KFS 1989, S. 31. Zum Ko­a­li­tions­ver­bot vgl. aus­führ­lich Ober­mül­ler Ver­bo­ten, S. 48 f.

[204] Vgl. da­zu et­wa Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 185–188, Ober­mül­ler Ver­bo­ten, S. 54, so­wie aus­führ­lich Hart­mann CV, S. 55–64.

[205] Vgl. da­zu ALSS Ver­zeich­nis 1979, S. 9 f.; Möl­zer Aus­ein­an­der­set­zun­gen; so­wie aus­führ­lich Hart­mann CV, S. 40–54.

[206] Vgl. Stitz Kul­tur­kampf, S. 12: „In Graz war die Ty­ran­nei der All­deut­schen grö­ßer als in je­der an­de­ren Stadt Öster­reichs, und die Ca­ro­li­na hat­te mehr aus­zu­ste­hen als je­de an­de­re CV&8211#;Ver­bin­dung.” Vgl. Ober­mül­ler Ver­bo­ten, S. 55–63 m.w.N.; vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 185: „Der Kampf der schla­gen­den Cou­leurs ge­gen die ka­tho­li­schen Ver­bin­dun­gen ging — zu­min­dest äußer­lich — vor al­lem um das Tra­gen von stu­den­ti­schen Ab­zei­chen durch letz­te­re. Da sie die rit­ter­li­che Ge­nug­tu­ung mit dem Schlä­ger ver­wei­ger­ten, sprach man ih­nen auch das Recht, die­se Waf­fe zu tra­gen, ab. In die­ser Fra­ge soll so­gar Kai­ser Franz Jo­sef I. 1895 den Stand­punkt der wehr­haf­ten Stu­den­ten­schaft ge­teilt ha­ben; vgl. Ex­ner in Ac­ta Stu­den­ti­ca 85/1991. Es ist nicht un­in­te­res­sant zu se­hen, daß hin­ge­gen der Un­ter­richts­mi­nis­ter Wil­helm v. Har­tel (einst selbst Si­le­se) recht ener­gisch für das Far­ben­tra­gen der ka­tho­li­schen Cou­leurs ein­trat.” Erst nach dem Er­sten Welt­krieg än­der­te sich die Auf­fas­sung der Schla­gen­den, die Ab­leh­nung der Men­sur aus re­li­giö­sen Grün­den sei pri­mär Feig­heit zu­zu­schrei­ben, all­mäh­lich; vgl. da­zu Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 188. Vgl. ALSS Ver­zeich­nis, S. 19: „Die kle­ri­ka­len Ver­bin­dun­gen wa­ren in den letz­ten Jah­ren mä­chtig an­ge­wach­sen. Wäh­rend bis da­hin die bei­den Bla­sen ›No­ri­ca‹ und ›Austria‹ ein ziem­lich zu­rück­ge­zo­ge­nes und ver­ach­te­tes Da­sein ge­führt hat­ten, er­for­der­te der ste­ti­ge Mit­glie­der­zu­wachs im Jah­re 1900 be­reits die Neu­grün­dung der kle­ri­ka­len Lands­mann­schaf­ten ›Kürn­berg‹ und ›Nord­gau.‹ Am 8. Mai 1900 kommt es zu er­sten Ru­he­stö­run­gen auf der Uni­ver­si­tät, wor­auf der Rek­tor ein all­ge­mei­nes Fa­rben­ver­bot er­läßt.”

[207] Vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 182 f. Vgl. auch ALSS Ver­zeich­nis, S. 14 f.: „1. März 1896: Der in einer na­tio­na­len Zeit­schrift ab­ge­druck­te Satz, »Ist der Ju­de sa­tis­fak­tions­fä­hig oder nicht?«, lei­tet auf aka­de­mi­schem Bo­den die ge­sell­schaft­li­che Äch­tung des Ju­den­tums ein. Al­le wehr­haf­ten Wie­ner Ver­ei­ne be­schließen, Ju­den auf kei­ne Waf­fe mehr Ge­nug­tu­ung zu ge­ben. Die un­mit­tel­ba­ren Fol­gen sind wü­ten­de An­grif­fe der jü­di­schen Pres­se ge­gen die deut­sche Stu­den­ten­schaft. Die ›Ju­den­bla­sen‹ Ka­di­mah, Uni­tas und Ivria ent­sen­den Ab­ord­nun­gen zum Rek­tor der Wie­ner Uni­ver­si­tät, der schließ­lich ge­mein­sam mit dem Aka­de­mi­schen Se­nat das Ver­hal­ten der deut­schen Ver­bin­dun­gen schärfst­ens miß­bil­ligt. Die Ur­he­ber des an­ti­se­mi­ti­schen An­trags wer­den aus­ge­forscht und mit der Re­le­gie­rung auf 1 Se­me­ster be­straft.” Zur Ent­ste­hung die­ser Si­tua­tion vgl. auch Stitz Kul­tur­kampf, S. 10.: „Für die deut­schen Ka­tho­li­ken, die treu zu Kai­ser­haus und Kir­che stan­den, er­fuh­ren die­se Schwie­rig­kei­ten da­durch noch eine Stei­ge­rung, daß die Los-von-Rom–Be­we­gung seit den sieb­zi­ger Jah­ren von Ge­org Rit­ter v. Schö­ne­rer [1842–1921, Anm.] ge­steu­ert wur­de, der die deutsch–li­be­ra­le Par­tei durch sei­ne 1879 ge­gründ­te deutsch–na­tio­na­le Par­tei ver­dräng­te und spä­ter die All­deut­sche Be­we­gung ins Le­ben rief. Sein Kurs war ra­di­kal na­tio­na­li­stisch, an­ti–habs­bur­gisch, an­ti–se­mi­tisch und vor al­lem an­ti–ka­tho­lisch. Da er auch per­sön­lich nicht vor Ge­walt­tat zu­rück­schreck­te und in­fol­ge­des­sen 1888 sein Reichs­rats­man­dat und den Adels­ti­tel ver­lor und zu schwe­rer Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt wur­de, ver­ehr­te ihn die ra­di­kal ge­sinn­te „deutsch–völ­ki­sche” oder „deutsch–frei­heit­li­che” Kor­po­ra­tions­stu­den­ten­schaft als ih­ren Hel­den.” Vgl. auch Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 121 f., so­wie Mol­den Öster­rei­cher, S. 138 f.: „Die an­ti­se­mi­ti­schen An­schau­un­gen eines Ge­org von Schö­ne­rer, eines Her­mann Bahr, eines Karl Lue­ger, aber auch eines Karl Son­nen­schein be­ruh­ten auf den ras­si­sti­schen Ge­dan­ken­gän­gen, die der aus einem fran­zö­si­schen Ge­schlecht stam­men­de Jo­sef Ar­thur Graf Go­bi­neau und die deut­schen Schrift­stel­ler Wil­helm Marr und Eugen Dü­ring nie­der­ge­schrie­ben hat­ten und die bald auch in Öster­reich Ver­brei­tung fan­den.”

[208] Über­dies gab es auch in den ka­tho­li­schen Cor­po­ra­tio­nen der da­ma­li­gen Zeit einen zwar we­ni­ger ra­di­ka­len, aber zu­min­dest la­ten­ten, oft re­li­giös mo­ti­vier­ten An­ti­se­mi­tis­mus, der nicht nur das christ­lich–so­zia­le La­ger (vgl. da­zu auch Mol­den Öster­rei­cher, S. 142: „Noch we­sent­li­cher aber war die Tat­sa­che, daß Dr. Karl Lue­ger, der ja nicht oh­ne Grund den Satz »wer Ju­de ist, be­stim­me ich« ge­prägt hat­te — ver­dank­te er doch einen Groß­teil sei­nes gei­stig–pro­gram­ma­ti­schen Rüst­zeugs sei­nem jü­di­schen Freund Ig­naz Mandl — nach­dem er 1897 end­lich nach lan­gem Zö­gern Franz Jo­sephs als Bür­ger­mei­ster von Wien be­stätigt wor­den war, sich bald vom kämp­fe­ri­schen An­ti­se­mi­tis­mus zu­rück­zog.”), son­dern einen Groß­teil der nicht­jü­di­schen Ge­sell­schaft und so­gar Per­so­nen jü­di­scher Ab­stam­mung er­faßt hat­te wie et­wa Vic­tor Ad­ler. Vgl. da­zu et­wa Böck in L'Hom­me 1/1996, S. 90 f.: „Nur des­halb ließ sich Vic­tor Ad­ler, der aus einer as­si­mi­lier­ten jü­di­schen Fa­mi­lie stamm­te und im­mer ver­sucht hat­te, die­se Her­kunft ab­zu­strei­fen, da­zu über­re­den, eine Ein­la­dung in das Haus sei­nes Freun­des Hein­rich Braun an­zu­neh­men, um dort des­sen Schwe­ster Em­ma vor­ge­stellt zu wer­den. Denn als „An­ti­se­mit der streng­sten Ob­ser­vanz” hat­te er sich zu­nächst ge­wei­gert, die Be­kann­schaft einer Jü­din zu ma­chen [...]. [...] Wie vie­le Ver­tre­ter der mo­der­nen Ge­ne­ra­tion jü­di­scher Her­kunft, so hat­ten sich auch Vic­tor und Em­ma Ad­ler nach dem Nie­der­gang des Li­be­ra­lis­mus En­de des 19. Jahr­hun­derts, der die vol­le Gleich­be­rech­ti­gung der Ju­den po­stu­liert hat­te, dem So­zia­lis­mus zu­ge­wandt, der so­wohl der Ar­bei­ter­schaft als auch den Ju­den Eman­zi­pa­tion ver­sprach.” „Die Fra­ge des Ju­den­tums brach­te auch er­heb­li­che Schwie­rig­kei­ten in die Ehe der Ad­lers; Em­ma Ad­ler schrieb: »Vic­tor und ich ka­men aus einem ganz ver­schie­de­nen Mi­lieu. Er such­te sich vom Ju­den­tum und al­len jü­di­schen Ge­bräu­chen ener­gisch los­zu­lö­sen, da er al­les dies für kul­tur­feind­lich an­sah. Ich hin­ge­gen glaub­te noch im­mer, zum aus­er­wähl­ten Vol­ke Got­tes zu ge­hö­ren und da mir mei­ne El­tern Auto­ri­tä­ten be­deu­te­ten, from­me Ju­den wa­ren, die streng die Vor­schrif­ten und Ge­set­ze ein­hiel­ten, so war ich von al­lem über­zeugt, oh­ne je dar­ü­ber nach­ge­dacht zu ha­ben, oh­ne daß mir Kri­tik in den Sinn ge­kom­men wä­re. [...] Auch hat­te es mich gro­ße Kämp­fe ge­ko­stet, mich ge­gen Vic­tor in die­ser Fra­ge auf­zu­leh­nen.«” Vgl. Böck in L'Hom­me 1/1996, S. 95. Die Ein­stel­lung Ad­lers än­der­te sich je­doch — wie bei Lue­ger, wenn auch aus an­de­ren Mo­ti­ven; vgl. Drim­mel 1918–1927, S. 178 f.: „Es war nicht nur die spä­te­re Hin­wen­dung Ge­org von Schö­ne­rers zu einem mi­li­tan­ten An­ti­se­mi­tis­mus, die Ad­ler voll­ends von der Lin­ken im Na­tio­nal­li­be­ra­lis­mus trenn­te. [...] Aber Ad­ler hat sich nie vor sol­chen An­grif­fen po­li­ti­scher Geg­ner ge­duckt. Er selbst hat zu­ge­ge­ben, daß sei­ne Her­kunft Klas­sen­vor­ur­tei­le bei ihm hin­ter­las­sen hat, de­rer er sich erst nach der Sturm– und Drang­zeit eines waf­fen­fro­hen Bur­schen­schaf­ters ent­le­dig­te. So wie die Vä­ter der christ­lich­so­zia­len So­zi­al­leh­re for­der­te auch Ad­ler den Klas­sen­ego­is­mus (die Kle­ri­ka­len nann­ten ihn an­ders) der bür­ger­li­chen wie feu­da­len Par­tei­en her­aus. [...] wie sehr Ad­ler ge­lit­ten hat, daß die So­li­da­ri­tät der Klas­se bald nicht mehr im­stan­de war, den na­tio­na­li­sti­schen Ego­is­mus der Ge­nos­sen in den tsche­chi­schen, pol­ni­schen, ita­lie­ni­schen und ru­the­ni­schen so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en zu über­win­den.” Vic­tor Ad­ler war (1898) der Mei­nung, „der letz­te An­ti­se­mit wird erst mit dem letz­ten Ju­den ster­ben.” Vgl. Ma­der­tha­ner in Le­ser/Wag­ner, S. 155.

[209] Vgl. da­zu et­wa Go­lücke Stu­den­ten­wör­ter­buch 1, S. 162 f.; Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 123 r.Sp.; Gau­dea­mus igi­tur, S. 170 ff mit der Ab­bil­dung des Ce­re­vis der J.a.V. Mak­ka­bäa, Bild­ta­fel nach S. 216; Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 184, so­wie Stitz Kul­tur­kampf, S. 29 m.w.N.: „Die jü­di­schen Ver­bin­dun­gen wur­den ganz ver­schie­den ein­ge­reiht. In Han­no­ver — wo sie nicht ver­tre­ten wa­ren — gal­ten sie als kon­fes­sio­nell, in Char­lot­ten­burg als na­tio­na­le und in Hei­del­berg als ras­si­sche Grup­pe. Sie selbst woll­ten nicht als kon­fes­sio­nell be­trach­tet wer­den. Ein jü­di­scher Stu­dent wies dar­auf hin, daß die Ju­den ja eige­ne Kor­po­ra­tio­nen bil­den müß­ten, da sie von vie­len Ver­eini­gun­gen grund­sätz­lich nicht auf­ge­nom­men wür­den. Nur des­halb woll­te ih­nen auch der frei­sin­ni­ge Ab­ge­ord­ne­te Pel­ta­sohn eine ge­wis­se Be­rech­ti­gung nicht ver­sa­gen, ob­wohl er prin­zi­piel­ler Geg­ner kon­fes­sio­nel­ler Kor­po­ra­tio­nen war und auch die jü­di­schen da­zu rech­ne­te.” Vgl. auch Pabst Cou­leur und Braun­hemd, S. 8. Eine gu­te Dar­stel­lung der J.a.V. in Euro­pa be­fin­det sich in Rou­bi­cek Von Ba­sel bis Czer­no­witz, S. 16–88. Schla­gen­de deutsch­na­tio­nal und an­ti­se­mi­tisch ge­sinn­te Cor­po­rier­te drück­ten ih­re Ver­ach­tung für nicht schla­gen­de und jü­di­sche Cor­po­ra­tio­nen durch Be­grif­fe wie „Bla­se” bzw. „Ju­den­bla­se” aus; vgl. ALSS Ver­zeich­nis, S. 15 und S. 19.

[210] Vgl. da­zu auch Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 120 r.Sp. bis 123 l.Sp.: „Jü­di­sche Stu­den­ten gab es schon seit dem En­de des 18. Jahr­hun­derts. [...] Schon 1820 wur­de aber die Auf­nah­me von Ju­den vom Bur­schen­tag [der Bur­schen­schaf­ten; Anm.] un­ter­sagt, und die schärf­ste an­ti­se­mi­ti­sche For­mu­lie­rung folg­te am 29. Sep­tem­ber 1821: Ju­den sei­en aus der Bur­schen­schaft aus­ge­schlos­sen, da sie kein Va­ter­land hät­ten. [...] 1830/31 al­ler­dings stell­te man sich auf einen to­le­ran­te­ren Stand­punkt und er­mög­lich­te auch Ju­den oh­ne Un­ter­schied den Zu­gang zur Bur­schen­schaft. In der Fol­ge fin­den wir dann auch eine gan­ze Rei­he be­rühm­ter Na­men un­ter ih­nen, wie bei­spiels­wei­se Vik­tor Ad­ler [Vgl. da­zu auch Drim­mel 1918–1927, S. 177: „Der Bur­schen­schaf­ter von da­mals traf sich so mit dem Eh­ren­bur­schen der Bur­schen­schaft »Li­ber­tas« und einer Ge­ne­ra­tion jun­ger Bur­schen­schaf­ter bei der Ab­fas­sung des Lin­zer Pro­gramms der Deutsch­na­tio­na­len im al­ten Öster­reich”, Anm.], Hein­rich Dern­burg, Max Fried­län­der, Hein­rich Hei­ne, Theo­dor Herzl, Fer­di­nand La­sal­le und Ju­li­us Stahl.” Vgl. da­zu auch Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 183. „Ab 1855 kam es zu einem ver­stärk­ten Zu­zug jü­di­scher Stu­den­ten vor al­lem an die Wie­ner Uni­ver­si­tät. Da­mit be­gann sich lang­sam ein Glau­bens–An­ti­se­mi­tis­mus zu ent­wickeln, dem et­wa um 1880 der noch viel bru­ta­le­re Ras­sen–An­ti­se­mi­tis­mus folg­te. [...] Durch das An­wach­sen der Hö­rer­zah­len, ins­be­son­de­re nach der Wirt­schafts­kri­se von 1873, ver­schlech­ter­ten sich aber na­tur­ge­mäß die Stu­di­en­be­din­gun­gen für den ein­zel­nen. Da der An­teil jü­di­scher Stu­den­ten weit­aus stär­ker wuchs als der al­ler an­de­ren, gab man auch ih­nen die Schuld an den auf­tre­ten­den Schwie­rig­kei­ten, und 1875 warn­te der be­kann­te Arzt und Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Theo­dor Bill­roth vor einer Pro­le­ta­ri­sie­rung des Me­di­zin­stu­di­ums durch mit­tel­lo­se ost­jü­di­sche Stu­den­ten. [...]” Vgl. auch Mol­den Öster­rei­cher, S. 138 f.: „Spe­zi­ell die frü­he Ver­brei­tung des Ras­sen–An­ti­se­mi­tis­mus in Öster­reich wur­de un­ter­stützt durch eine Schrift des gro­ßen Chi­rur­gen Theo­dor Bill­roth, in der die­ser ge­gen die aus Ga­li­zi­en und der Bu­ko­wi­na kom­men­den jü­di­schen Me­di­zi­ner wet­ter­te. Bill­roth er­klär­te, es sei ein ziem­lich weit ver­brei­te­ter Irr­tum, von den Ju­den als Deut­schen zu spre­chen, die nur eben zu­fäl­lig eine an­de­re Kon­fes­sion hät­ten. [...] Eben­so wie Schö­ne­rer war Her­mann Bahr maß­geb­lich an der Ent­schei­dung einer Wie­ner schla­gen­den Stu­den­ten­ver­bin­dung, der Bur­schen­schaft »Teu­to­nia«, be­tei­ligt, ab 1878 kei­ne Ju­den mehr auf­zu­neh­men. Die­ser Be­schluß wur­de bald von na­he­zu al­len an­de­ren »na­tio­na­len« al­so »schla­gen­den« Ver­bin­dun­gen über­nom­men. Eine schar­fe an­ti­se­mi­ti­sche Er­klär­ung Her­mann Bahrs hat üb­ri­gens auch Theo­dor Herzl, den Wie­ner Schrift­stel­ler und Feuil­le­to­ni­sten und spä­te­ren Va­ter des »Ju­den­staats« ver­an­laßt, aus der Bur­schen­schaft »Al­bia«, der er zu­sam­men mit Bahr an­ge­hör­te, aus­zu­tre­ten.” (Bur­schen­schaf­ter war auch Vic­tor Ad­lers Weg­ge­fähr­te En­gel­bert Per­ner­stor­fer; vgl. da­zu Ber­ka 100 Jah­re DB, S. 8–10 und S. 22: „Deutsch­ge­sinn­te Per­sön­lich­kei­ten hat­ten in Wien einen „Deut­schen Ver­ein” ge­grün­det, in dem am 20. De­zem­ber 1879 die Zu­rück­drän­gung der Deut­schen an den Sprach­gren­zen be­spro­chen und ein Aus­schuß ein­ge­setzt wur­de, des­sen Mit­glie­der die Ver­lu­ste des Deutsch­tums in den na­tio­nal be­droh­ten Ge­bie­ten prü­fen soll­ten. Von Bur­schen­schaf­tern ge­hör­ten die­sem Aus­schuß [...] En­gel­bert Per­ner­stor­fer [..] an.” Vgl. auch Dvo­rak Per­ner­stor­fer, S. 55–63.) Vgl. auch Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 123 l.Sp. Er­setzt man „den Ju­den” von da­mals durch „den Aus­län­der” von heu­te, er­gibt die Be­ur­tei­lung der Si­tua­tion, in der sich die Re­pu­blik Öster­reich mit ih­ren enor­men so­zia­len und wirt­schaft­li­chen An­pas­sungs­schwie­rig­kei­ten an die euro­päi­schen Ge­ge­ben­hei­ten und Vor­ga­ben auf­grund ih­res star­ren, rechts­po­si­ti­vi­sti­schen Sy­stems zur Zeit be­fin­det, frap­pie­ren­de und be­äng­sti­gen­de Pa­ral­le­len. Zwar sind die Stu­den­ten heu­te bei wei­tem (noch) nicht so ra­di­ka­li­siert wie da­mals; ein Blick auf die (ins­be­son­de­re Wie­ner) Durch­schnitts­be­völ­ke­rung zeigt je­doch deut­lich, wie sehr die „Volks­see­le kocht”. Auch hier scheint ein Ver­gleich zu da­mals zu­läs­sig: „Der An­ti­se­mi­tis­mus nach 1870 ist kei­ne Er­fin­dung der Stu­den­ten, son­dern die ver­zö­ger­te Auf­nah­me und Re­ak­tion auf eine ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Wand­lung. Die Ba­sis da­für lag im brei­ten Mit­tel­stand. Für Händ­ler, Hand­wer­ker, Ge­schäfts­leu­te und Bau­ern wa­ren Ju­den viel­fach un­mit­tel­ba­re Kon­kur­ren­ten oder lä­sti­ge Kre­dit­ge­ber, die ih­re Un­ab­hän­gig­keit be­droh­ten.” Vgl. eben­da, S. 121 l.Sp. Bricht der Haß ein­mal of­fen aus, gibt es meist kein Hal­ten mehr; vgl. Ca­net­ti Mas­se und Macht.
Zum Ju­den­tum und zum Ver­hält­nis Or­tho­do­xie und Zio­nis­mus vgl. et­wa Hobs­bawn Na­tio­nen, S. 199 FN 4: „Es läßt sich nicht ge­nau sa­gen, wie weit die tra­di­tio­nel­le jü­di­sche Or­tho­do­xie, die na­tür­lich da­ge­gen ist, daß vor der Wie­der­kunft des Mes­si­as in Is­ra­el ein Staat für al­le Ju­den ge­grün­det wur­de, ih­ren Wi­der­stand ge­gen den Zio­nis­mus ge­mil­dert oder ganz auf­ge­ge­ben hat. Je­den­falls soll­te man jü­di­sche Sied­ler in den be­setz­ten Ge­bie­ten, die für re­li­giö­ses Brim­bo­ri­um Re­kla­me ma­chen, nicht auto­ma­tisch gleich­set­zen mit dem an­de­ren (und wahr­schein­lich wach­sen­den) Flü­gel des jü­di­schen Fun­da­men­ta­lis­mus, der einer sä­ku­la­ri­sier­ten Ge­sell­schaft wie­der die gan­ze Stren­ge des Ri­tu­als auf­er­le­gen will.” Der Zio­nis­mus ist eine Un­ab­hän­gig­keits­be­we­gung, die im AT ih­re Grund­la­ge hat; vgl. AT, Das Buch der Psal­men, Psalm 137,1: „1An Ba­bels Strö­men sa­ßen wir und wein­ten, wenn wir Si­ons ge­dach­ten”, so­wie IDA–Be­richt Herzl–Sym­po­si­on 1996 zu Herzls Schrift „Der Ju­den­staat”. Von Be­ginn an war der Zio­nis­mus ve­he­ment und teils ag­gres­siv; vgl. da­zu Psalm 137,7–9: „7Ge­den­ke, Herr, an den Edo­mi­tern des Un­glücks­ta­ges Je­ru­sa­lems! Wie sie rie­fen: »Reißt nie­der, reißt nie­der bis auf sei­nen Grund!« 8Toch­ter Ba­bel, der Ver­wü­stung ver­fal­len, Heil dem, der dir ver­gilt, was du an uns ver­übt! 9Heil dem, der dei­ne Kin­der packt und am Fel­sen zer­schmet­tert.” Vgl. da­zu die Be­mer­kung von Frie­dens­reich Hun­dert­was­ser zu Psalm 137 in Hun­dert­was­ser–Bi­bel, S. 743: „Ein er­grei­fen­des Lied vom Heim­weh eines gläu­bi­gen Ju­den in der Ba­by­lo­ni­schen Ge­fan­gen­schaft, der es nicht über sein Herz bringt, auf frem­dem Bo­den Si­ons­lie­der zu sin­gen. Scha­de, daß durch Vers 7–9 die­ses Lied mit einem so ganz un­christ­li­chen Ra­che­wunsch en­det.” Dies mag ein Grund da­für ge­we­sen sein, daß ihn die Ver­ein­ten Na­tio­nen (vor al­lem auf Drän­gen ara­bi­scher und mos­le­mi­scher Staa­ten) 1975 als ras­si­stisch ein­ge­stuft und ab­ge­lehnt ha­ben; vgl. da­zu kri­tisch Co­may Zio­nis­mus, S. 7 f. Vgl. da­zu auch Stim­mer in Krau­se/Fritz, S. 45 f.

[211] Vgl. da­zu We­ber An­ti­se­mi­tis­mus­for­schung, S. 76: „Die Kor­po­ra­tions­ver­bän­de wa­ren das Spie­gel­bild ih­rer Ge­sell­schaft und de­ren po­li­ti­scher Kul­tur, in­so­fern nicht stär­ker an­ti­se­mi­tisch als ihr kul­tu­rel­les Um­feld. Teils sti­mu­lier­ten sie einen An­ti­se­mi­tis­mus. All­ge­mein hal­te ich fest: Sie ver­sag­ten im Lich­te ih­res To­le­ranz­an­spruchs und De­mo­kra­tie­prin­zips. Sie ver­sag­ten auch als in­tel­lek­tu­el­le Mei­nungs­füh­rer in der Ge­sell­schaft, wie auch die an­de­ren tra­gen­den Ge­sell­schafts­schich­ten. Als Aus­blick ver­bleibt, so­weit die Kor­po­ra­tio­nen — und es gibt sehr vie­le po­si­ti­ve Bei­spie­le — ih­rem To­le­ranz­ge­dan­ken, de­mo­kra­ti­schen Con­vents­prin­zip im­mer ver­pflich­tet sind, wird ein bes­se­res Ver­ständ­nis für Ju­den selbst­ver­ständ­lich sein.” Solch eine Zu­sam­men­fas­sung kann na­tür­lich nicht den Fa­cet­ten der ein­zel­nen Ver­bän­de ge­recht wer­den.

[212] Vgl. da­zu auch ALSS Ver­zeich­nis, S. 24 f.: „Seit März 1896 galt der Waid­ho­fe­ner Grund­satz, den Ju­den jeg­li­che Waf­fen­eh­re ab­zu­spre­chen. Die zio­ni­sti­schen Ver­bin­dun­gen, und sie wa­ren un­ter den jü­di­schen Kor­po­ra­tio­nen weit­aus in der Über­zahl, be­müh­ten sich, ih­re Eh­re auf aka­de­mi­schem Bo­den zu be­wah­ren und pfleg­ten zu die­sem Zweck nach deut­schem Mu­ster straf­fes Cou­leur– und Men­sur­we­sen. Die Zu­sam­men­stö­ße zwi­schen deutsch­na­tio­na­len und zio­ni­sti­schen Kor­po­ra­tio­nen hat­ten schon 1904 einen er­sten Hö­he­punkt er­reicht, als die »Ak­a­de­mi­sche Uni­on« ge­gründet wer­den soll­te. Der ent­spre­chen­de An­schlag, der zum Ein­trit­te ein­lud, lau­te­te fol­gen­der­ma­ßen: »Die ›Aka­de­mi­sche Uni­on‹ la­det die ge­sam­te Fin­ken­schaft ein, in ih­ren Rei­hen für die Frei­heit des Stu­di­ums ein­zu­tre­ten und ge­gen klein­li­che par­ti­ku­la­ri­sti­sche und chau­vi­ni­sti­sche In­ter­es­sen an­zu­kämp­fen. Die ›Uni­on‹ stellt sich in Ver­fol­gung ih­rer kos­mo­po­li­ti­schen Prin­zi­pi­en das Ziel, na­tio­na­le und kon­fes­sio­nel­le Spal­tun­gen in der Fin­ken­schaft al­ler öster­rei­chi­schen Hoch­schu­len zu über­brücken, die­sel­be zu einem fest­ver­bun­de­nen Gan­zen zu or­ga­ni­sie­ren, um dann mit al­ler Kraft für mo­der­ne so­zi­al­re­for­ma­to­ri­sche Ide­en ein­zu­tre­ten, die­sel­ben durch Wort und Schrift und durch Schaf­fung eines Welt­ver­ban­des zu pro­pa­gie­ren.« An der Spit­ze die­ser »Uni­on« stan­den größ­ten­teils Ju­den. Da man ih­re Ab­sicht, mit Hil­fe die­ser »Uni­on« die ge­sell­schaft­li­che Aus­sper­rung zu um­ge­hen, er­kann­te, ver­such­te man mit Ge­walt, die be­ab­sich­ti­ge Grün­dung zu ver­hin­dern. Die Vor­fäl­le häuf­ten sich, und zu Be­ginn des Win­ter­se­me­sters 1908/09 wur­de die ge­sam­te na­tio­na­le Stu­den­ten­schaft zum Kampf ge­gen die Ju­den auf­ge­ru­fen. Die­se wur­den bei ih­ren nächt­li­chen Über­fäl­len auf deut­sche Stu­den­ten auch von Ita­lie­nern und Sla­wen un­ter­stützt. Am 7. No­vem­ber 1908 be­setz­ten die Zio­ni­sten die Uni­ver­si­täts­ram­pe, die dar­auf­hin von den Deut­schen im Sturm ge­nom­men wur­de. Wäh­rend die­ser »Schlacht« ging das Stein­ge­len­der in Trüm­mer; die Ju­den wur­den schließ­lich vom aka­de­mi­schen Bo­den ver­trie­ben. Die­ser Vor­fall ver­ur­sach­te ein Far­ben­ver­bot für die Ju­den und si­cher­te den Deut­schen eine Zeit­lang Ru­he.” Vgl. da­zu Stitz Kul­tur­kampf, S. 104: „Die Uni­ver­si­täts­kra­wal­le im De­zem­ber 1904 ha­ben uns schon ge­zeigt, wie heiß um­strit­ten der aka­de­mi­sche Bo­den auch in Wien oder ge­ra­de in Wien war, denn hier prall­ten ja al­le na­tio­na­len und welt­an­schau­li­chen Ge­gen­sät­ze auf­ein­an­der. [...] Eben­so un­ver­hüllt hat­te der „Zwei­te deut­sche Stu­den­ten­tag” zu Wien im März 1905 [...] sei­ne an­ti­ka­tho­li­schen Zie­le aus­ge­spro­chen [...] Des­halb ge­hör­te viel Mut da­zu, im ka­tho­li­schen Wien ka­tho­li­sche Far­ben zu tra­gen. Die be­droh­li­che Über­macht der Geg­ner hat­te aber das er­freu­li­che Er­geb­nis, daß sich die 4 far­ben­tra­gen­den Ver­bin­dun­gen des öster­rei­chi­schen Kar­tells, Au­stria–Wien mit ih­ren 3 Töch­tern Ru­dol­phi­na, Nord­gau–Wien und Kürn­berg, 1906 da­zu ent­schlos­sen, dem groß­deut­schen CV bei­zu­tre­ten, dem No­ri­ca schon seit 1884 an­ge­hör­te.” Zur Si­tua­tion der ka­tho­li­schen und jü­di­schen Cor­po­ra­tio­nen in Deutsch­land vgl. Pabst Cou­leur und Braun­hemd, S. 8: „Ein Ni­schen­da­sein führ­ten die ka­tho­li­schen Kor­po­ra­tio­nen in den Dach­ver­bän­den C.V, K.V., U.V., R.K.D.B. und an­de­ren; trotz de­ren oft de­zi­diert pa­trio­ti­scher Hal­tung wirk­te ge­ra­de an den Uni­ver­si­tä­ten der „Kul­tur­kampf”, bis hin zu hand­greif­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen, nach. Von den waf­fen­stu­den­ti­schen Kor­po­ra­tio­nen wur­den die ka­tho­li­schen Ver­bin­dun­gen auch we­gen ih­rer prin­zi­pi­el­len Ver­wer­fung der Sa­tis­fak­tion mit der Waf­fe aus­ge­grenzt. Als Re­ak­tion auf einen sich ver­stär­ken­den An­ti­se­mi­tis­mus im aka­de­mi­schen Le­ben bil­de­ten sich jü­di­sche und „pa­ri­tä­ti­sche” (d.h. ge­misch­te, de fac­to aber zu­meist auch rein jü­di­sche) Kor­po­ra­tio­nen her­aus. Sie be­fan­den sich eben­falls in einer Außen­sei­ter­po­si­tion, stie­ßen je­doch noch auf eine be­grenz­te Ak­zep­tanz, da­von am ehe­sten die deutsch­na­tio­nal aus­ge­rich­te­ten und schla­gen­den Ver­bin­dun­gen im »Kar­tell–Con­vent« (K.C.)” Vgl. zum For­schungs­stand über jü­di­sche Kor­po­ra­tions­ver­bän­de, Ver­bin­dun­gen und J.a.V. We­ber An­ti­se­mi­tis­mus­for­schung, S. 74–76.

[213] Vgl. dazu noch Gall Alma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 188: „Ein an­de­res Pro­blem sa­hen die aka­de­mi­schen Krei­se je­ner Zeit in der star­ken Zu­wan­de­rung von Ju­den aus Ost­euro­pa. Der An­teil der Ost­ju­den am Stu­di­um zum Bei­spiel der Me­di­zin scheint tat­säch­lich wäh­rend des Er­sten Welt­krie­ges zeit­wei­se ü­ber 80% der Fa­kul­täts­fre­quenz aus­ge­macht zu ha­ben. In einer ge­wis­sen Ab­wehr­hal­tung ge­gen die­sen jü­di­schen Zu­strom fan­den sich dann ge­gen En­de und nach dem Er­sten Welt­krieg Waf­fen­stu­den­ten und Kle­ri­ka­le zu ge­mein­sa­mer Ab­wehr­front.” Vor­he­ri­ge Ver­su­che deutsch­na­tio­na­ler Stu­den­ten in die­se Rich­tung im Jän­ner 1909 wa­ren al­ler­dings fehl­ge­schla­gen — vgl. ALSS Ver­zeich­nis, S. 25 f. —, und auch dies­mal schei­tern die Be­mü­hun­gen um ein Ab­kom­men; vgl. Gall Alma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 188, so­wie ALSS Ver­zeich­nis, S. 40 f: „Auch in der Ju­den­fra­ge ste­hen die ›Salz­bur­ger‹ auf dem al­ten Stand­punkt. Nur im Ver­hält­nis zum CV scheint sich eine Än­de­rung an­zu­bah­nen. Man er­klärt sich auf­grund der Tat­sa­che, »daß auch die ka­tho­li­schen Stu­den­ten im Krie­ge ih­ren Mann ge­stellt ha­ben«, be­reit, ein Ab­kom­men zu schlie­ßen. Als ein­zi­ge Be­din­gung for­dert man das Ver­spre­chen, den An­schlu­ß­ge­dan­ken zu un­ter­stüt­zen und al­le Ar­bei­ten im Sin­ne einer habs­bur­gi­schen Re­gie­rung als volks­feind­lich zu er­klä­ren. Die­ses CV–Ab­kom­men kommt je­doch nicht zu­stan­de, da die neu­en Ver­hält­nis­se nach dem Krie­ge die ka­tho­li­sche Stu­den­ten­be­we­gung der­art stär­ken, daß sie nach und nach ein Über­ge­wicht er­hal­ten und kei­nen Wert mehr auf eine Bei­le­gung des Strei­tes mit der Deut­schen Stu­den­ten­schaft le­gen.”

[214] Vgl. Gall Uni­ver­si­tät im Ge­dicht, S. 31 m.w.N.: „Stu­den­ten, die nicht stu­die­ren, Gar­den, die nicht be­wa­chen, Re­gie­run­gen, die nicht re­gie­ren, Das sind mir schö­ne Sa­chen!”

[215] Hier insb. in die Me­tro­po­len Wien und Ber­lin. Das all­ge­mei­ne po­li­ti­sche Cha­os in der Wei­ma­rer Re­pu­blik führ­te dort zu ähn­li­chen Zu­stän­den wie in Öster­reich.

[216] Zur Ver­stär­kung des An­ti­se­mi­tis­mus in der Zwi­schen­kriegs­zeit vgl. Pabst Cou­leur und Braun­hemd, S. 30 f.: „Kon­kre­te Er­eig­nis­se ver­stärk­ten den la­ten­ten An­ti­se­mi­tis­mus in der Stu­den­ten­schaft. Bei den re­vo­lu­tio­nä­ren Um­sturz­ver­su­chen seit En­de 1918 wa­ren zahl­rei­che Ju­den an füh­ren­der Stel­le be­tei­ligt, so z.B. Ro­sa Lux­em­burg, Kurt Eis­ner, Ernst Tol­ler, Eugen Le­vi­ne. Ähn­li­ches konn­te man bei der bol­sche­wi­sti­schen Re­vo­lu­tion in Ruß­land fest­stel­len. In den Par­tei­en und der Pu­bli­zi­stik der Lin­ken in den zwan­zi­ger Jah­ren wa­ren eben­falls Ju­den über­pro­por­tio­nal ak­tiv. Hin­zu kam die star­ke Ein­wan­de­rung der Ost­ju­den aus den recht an­ti­se­mi­tisch ge­präg­ten Na­tio­nal­staa­ten wie Po­len und Un­garn nach Öster­reich und Deutsch­land, die Über­frem­dungs­angst her­vor­rie­fen und vie­le Stu­den­ten um ih­re Stu­di­en– und Ar­beits­plät­ze fürch­ten ließ. [...] Selbst im größ­ten ka­tho­li­schen Ver­band, dem C.V. wur­de auf Be­trei­ben des nach­ma­li­gen öster­rei­chi­schen Dik­ta­tors Dr. En­gel­bert Doll­fuß (Fran­co–Ba­va­ria Wien) auf der Re­gens­bur­ger Car­tell­ver­sam­mlung im Jah­re 1920 »se­mi­ti­sche Ab­stam­mung, nach­weis­bar bis auf die Groß­el­tern« als Hin­der­nis­grund für eine Auf­nah­me vor­läu­fig in die C.V.–Ge­schäfts­ord­nung auf­ge­nom­men, was aber schließ­lich nicht ra­ti­fi­ziert wur­de.” Vgl. da­zu Klo­se Frei­heit, S. 240, so­wie We­ber An­ti­se­mi­tis­mus­for­schung, S. 67.

[217] Vgl. da­zu Schusch­nigg in Krau­se/Fritz, S. 161: „Das En­de des Er­sten Welt­krie­ges be­deu­te­te für das al­te Öster­reich eine na­tio­na­le Ka­ta­stro­phe nie ge­kann­ten Aus­ma­ßes, da ne­ben Dy­na­stie und Staats­form auch das Ter­ri­to­ri­um und der Wirt­schafts­raum weit­ge­hend ver­lo­ren gin­gen. So ist es nicht ver­wun­der­lich, daß die erst­ma­lig über­wie­gend deutsch­spra­chi­ge Be­völ­ke­rung Rest­öster­reichs und de­ren po­li­ti­sche Par­tei­en [FN: Ne­ben der „na­tio­na­len” Min­der­heit wa­ren es in er­ster Li­nie die So­zi­al­de­mo­kra­ten und So­zia­li­sten, die teil­wei­se bis zum En­de des zwei­ten Welt­krie­ges die Idee eines An­schlus­ses an Deutsch­land ver­tra­ten. Aber auch wei­te Krei­se der Christ­lich­so­zia­len sa­hen bis 1933 im An­schluß an Deutsch­land die ein­zi­ge Chan­ce Öster­reichs.] von einem An­schluß an das ter­ri­to­ri­al fast un­ver­sehr­te Deutsch­land träum­ten.” Vgl. da­zu auch Kueh­nelt–Leddihn Sa­ra­je­wo, S. 60 f. so­wie eben­da, S. 35: „Man stel­le sich einen ver­hei­ra­te­ten Mann mit vier Kin­dern vor, der auf ein­mal er­fährt, daß al­le sei­ne An­ge­hö­ri­gen samt und son­ders in einem Auto­un­fall um­ge­kom­men sind. Er steht aber nicht nur auf ein­mal mut­ter­see­len­al­lein da, son­dern man er­öff­net ihm auch, daß er rest­los ver­armt ist und daß man ihm auch eini­ge Fin­ger und Ze­hen am­pu­tie­ren muß. In sei­nem Un­glück und völ­lig ver­ein­samt be­schließt er, zu sei­nem wohl­ha­ben­den Bru­der zu zie­hen. Doch wird ihm dies aus­drück­lich ver­bo­ten.”

[218] Vgl. da­zu Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 190.

[219] Zur Ent­ste­hung der K.Ö.L. und ihr Ver­hält­nis zu an­de­ren Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­den so­wie zu ih­ren pro­mi­nen­ten Mit­glie­dern in der Zwi­schen­kriegs­zeit vgl. Bra­chet­ka in Fritz u.a., S. 11–21, so­wie Le­ser in Fritz u.a., S. 26 f.; zu ih­ren Ziel­set­zun­gen vgl. Schusch­nigg in Krau­se/Fritz, S. 163–168. Zu den kai­ser­treu­en Corps vgl. eben­da, S. 163 und 168 f., insb. zum Corps der Ot­to­nen vgl. Schusch­nigg in Fritz u.a., S. 46 f.

[220] Vgl. We­ber An­ti­se­mi­tis­mus­for­schung, S. 55–77; Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 176; Wei­gel Ru­hig, S. 27.: „Wie schreck­lich die­se Er­ste Re­pu­blik, Wien aus­ge­nom­men, ge­we­sen ist, wird und kann mir nie­mand glau­ben. Far­ben­tra­gen­den Stu­den­ten miß­han­del­ten Kom­mi­li­to­nen, wenn sie »jü­disch« aus­sa­hen. Und man ent­schul­dig­te sich nur, wenn es sich um Aus­län­der han­del­te.”

[221] Zu den Un­ter­schei­dungs­merk­ma­len von Na­tio­na­lis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus vgl. Hobs­bawn Na­tio­nen, S. 33 f., un­ter Be­zugs­nah­me auf Ri­chard Böckh, zu den die­se bei­den Be­grif­fe ver­bin­den­den Ele­men­te eben­da, S. 129–131. Zu den Kor­re­la­tio­nen zwi­schen der „Volks­zu­ge­hö­rig­keit” bzw. „Ras­se” und dem Na­tio­nen­be­griff vgl. eben­da, S. 80–82; die Re­duk­tion des Na­tio­nen­be­grif­fes auf das eth­nisch–sprach­li­che Kri­te­ri­um er­folg­te erst um die Jahr­hun­dert­wen­de; vgl. eben­da, S. 122 f.

[222] Na­tür­lich wa­ren die An­sich­ten der öster­rei­chi­schen Deutsch­völ­ki­schen und Deutsch­na­tio­na­len — ins­be­son­de­re in Hin­blick auf das da­mals noch nicht er­reich­te Ziel der Ver­eini­gung bei­der Staa­ten — noch ra­di­ka­ler als die reichs­deut­schen; vgl. da­zu auch Kin­der­mann An­griffs­ziel, S. II und VI. Noch heu­te ha­ben die Mit­glie­der so man­cher schla­gen­den öster­rei­chi­schen Cor­po­ra­tio­nen in der BRD den Ruf be­son­de­rer Ra­di­ka­li­tät.

[223] Vgl. da­zu Hit­ler in Stu­den­ti­sche Ka­me­rad­schaft, S. 4: „Nichts gibt mir mehr Glau­ben an den Sieg un­se­rer Idee als die Er­fol­ge des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus auf der Hoch­schu­le. Adolf Hit­ler. »Die Be­we­gung« vom 19. August 1930.”

[224] Vgl. aber Wre­den in Ac­ta Stu­den­ti­ca 99–100/1993, S. 21 r.Sp.: „Es wä­re ver­fehlt, die­se Op­po­si­tion als Wi­der­stand ge­gen den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu be­zeich­nen, aber es war doch im­mer­hin ein Auf­bäu­men ge­gen die Gleich­schal­tung einer Dik­ta­tur.”

[225] Vgl. da­zu Mu­chol in Ac­ta Stu­den­ti­ca 99–100/1993, S. 16.

[226] Vgl. da­zu Mu­schol in Ac­ta Stu­den­ti­ca 99–100/1993, S. 16, so­wie Klo­se Frei­heit, S. 240: „Aber wie die Kir­che pak­tier­ten auch ka­tho­li­sche Kor­po­ra­tio­nen mit den na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Macht­ha­bern, zu­mal sie sich eben­so wie die ka­tho­li­schen Ju­gend­ver­bän­de durch das Reichs­kon­kor­dat seit 1933 bes­ser ab­ge­si­chert fühl­ten. CV–An­ge­hö­ri­ge tra­ten ab 1933 in die NSDAP und ihr Glie­de­run­gen ein, und der Ge­samt­ver­band brach­te die Ein­zel­ver­bin­dun­gen auf den neu­en Kurs. Das Ju­den­pro­blem, bei an­de­ren Ver­bin­dun­gen ein Kenn­zei­chen ih­res Mit­läu­fer­tem­pos, trat in den ka­tho­li­schen Ver­bin­dun­gen kaum auf, da sie nur ein­zel­ne Mit­glie­der jü­di­scher Ab­stam­mung hat­ten. [...] Bei den Al­ten Her­ren prüf­te die NSDAP die frü­he­ren Be­zie­hun­gen zum Zen­trum miß­trau­isch.”

[227] Vgl. da­zu Mu­schol in Ac­ta Stu­den­ti­ca 99–100/1993, S. 17. Zum Car­tell­ver­band der ka­tho­li­schen öster­rei­chi­schen Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen vgl. auch Go­lücke Stu­den­ten­wör­ter­buch 2, S. 75. „Ent­stan­den 1935 durch Auf­lö­sung des CV im Reichs­ge­biet. 1938 bis 1945 eben­falls ver­bo­ten, 1945 wie­der­ge­gr. als selb­stän­di­ger Ver­band mit be­tont österr. Grund­hal­tung.” Das Grün­dungs­da­tum des ÖCV ist al­ler­dings falsch an­ge­ge­ben. Vgl. auch Stim­mer in Krau­se/Fritz, S. 39 f. so­wie Glien­ke Ci­vis aca­de­mi­cus, S. 256.

[228] Vgl. Go­lücke Stu­den­ten­wör­ter­buch 2, S. 74 f., so­wie Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 190.

[229] Vgl. da­zu auch Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 178 l.Sp.

[230] Vgl. da­zu Wre­den in Ac­ta Stu­den­ti­ca 99–100/1993, S. 21 l.Sp.

[231] Die DB bei­spiels­wei­se wur­de am 18.10.1935 auf­ge­lö­st; vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 191.

[232] Vgl. Hit­ler Krupp­stahl, S. 4.

[233] Vgl. Frick Stu­dent im Volk, S. 11: „Die Na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Re­vo­lu­tion hat al­le Schei­de­wän­de, die das Volk bis­her zer­trenn­ten, nie­der­ge­ris­sen. Der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus läßt kei­nen Volks­ver­rat, kei­ne Flucht aus dem Vol­ke her­aus zu. Er dul­det kei­ne In­seln der Volks­fer­ne und Volks­fremd­heit. Mit der eiser­nen Stren­ge, die aus dem Kampf ge­gen die in letz­ter Stun­de ver­hü­te­te Ver­nich­tung des Deut­schen Volks her­vor­ge­gan­gen ist, zwingt er al­le in die völ­ki­sche Ord­nung zu­rück.”

[234] Vgl. da­zu Frick Stu­dent im Volk, S. 14: „So­zia­lis­mus ist kei­ne Sa­che der blo­ßen Auf­fas­sung und der blo­ßen Wor­te. So­zia­list ist nur der, der in je­dem Schritt, in je­der Re­gung, in je­der Be­geg­nung mit Volks­ge­nos­sen so­zia­li­stisch han­delt. So­zia­lis­mus ist un­ab­läs­si­ge Ver­wirk­li­chung einer in­ne­ren Hal­tung, die nichts für sich sel­ber be­gehrt und al­les für die Volks­ge­nos­sen zu tun be­reit ist. Sie kön­nen, mei­ne Kom­mi­li­to­nen, den So­zia­lis­mus auf der Hoch­schu­le nicht ler­nen wie ein Fach. Sie kön­nen nur durch das Le­ben sel­ber zum So­zia­lis­mus er­zo­gen wer­den, so, daß er Ih­re Na­tur ver­wan­delt. Es ist für Sie als Stu­den­ten ganz be­son­ders schwer, so­zia­li­stisch zu wer­den und sich als So­zia­li­sten zu be­wäh­ren.” Die­se Maß­nah­me war of­fen­sicht­lich not­wen­dig, da ein gro­ßer Teil der Waf­fen­stu­den­ten — insb. der Bur­schen­schaf­ter — zwar an­ti­se­mi­tisch und völ­kisch–na­tio­nal ge­sinn­t war und mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus we­gen des­sen na­tio­na­ler Be­tont­heit, we­gen sei­nes An­ti­se­mi­tis­mus und sei­ner Frem­den­feind­lich­keit sym­pa­thi­sier­te, aber nicht so­zia­li­stisch ge­sinnt war. Dies kann man üb­ri­gens heu­te noch als Ab­gren­zung zum Na­tio­nal­so­zia­lis­mus von schla­gen­den Stu­den­ten hö­ren; vgl. da­zu Schie­del Vor­trag. Auf der an­de­ren Sei­te stand ein klei­ne­rer Teil — auch hier insb. der Bur­schen­schaf­ter —, des­sen Ein­stel­lung zwar so­zia­li­stisch, ja so­gar kom­mu­ni­stisch, je­doch nicht völ­kisch ori­en­tiert war und eben­falls im Sin­ne des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus um­er­zo­gen wer­den muß­te (auch die­ser Teil hat sich bis in die heu­ti­ge Zeit er­hal­ten; vgl. da­zu et­wa Le­ser in Ac­ta Stu­den­ti­ca 76/1989, S. 10); vgl. Kaupp in Krau­se/Fritz, S. 91 f.

[235] Vgl. Frick Stu­dent im Volk, S. 7.: „Es ist ein schö­nes, herz­er­he­ben­des Bild, das ge­sam­te deut­sche Waf­fen­stu­den­ten­tum im Be­kennt­nis zum Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ge­eint zu se­hen.” Das ist zwei­fel­los eine scha­m­lo­se Über­trei­bung — vgl. et­wa Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 190, zum Wie­ner SC. Vgl. Schmi­ge Stu­den­ten­tag, S. 10 f.: „Dr. Scheel [Reichs­stu­den­ten­füh­rer und SS–Ober­füh­rer Dr. Gu­stav Adolf Scheel, Anm.] tat den ent­schei­den­den und wa­ge­mu­ti­gen Schritt, daß er aus der Viel­zahl der vor­han­de­nen Mög­lich­kei­ten das Fun­da­ment einer na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Le­bens­form des deut­schen Stu­den­ten schuf. [...] Die lan­ge dis­ku­tier­te Fra­ge: für oder wi­der das Frei­stu­den­ten­tum? wur­de zu Un­gun­sten des­sel­ben ent­schie­den, in­dem das ge­mein­schafts­ge­bun­de­ne Le­ben auch für den na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Stu­den­ten zur Ver­pflich­tung ge­macht wird. [...] Auch griff man nicht rück­sichts­los in die ein­zel­nen stu­den­ti­schen Bün­de ein, wuß­te man doch, daß in ih­ren Rei­hen, so­weit es sich nicht um po­li­tisch un­deutsch ori­en­tier­te Ge­mein­schaf­ten han­del­te, vie­le der ak­tiv­sten Kämp­fer für den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus stan­den. Es wur­den auch die ver­schie­den­sten Ver­su­che un­ter­nom­men, einen or­ga­ni­schen Ein­bau ge­eig­net er­schei­nen­der stu­den­ti­scher Ge­mein­schaf­ten in den Na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Deut­schen Stu­den­ten­bund zu voll­zie­hen, die aber doch, ob­wohl sie in ver­schie­de­nen ein­zel­nen Fäl­len in frucht­ba­rer und glück­li­cher Wei­se hät­ten durch­ge­führt wer­den kön­nen, schei­tern muß­ten, weil eine neue und so ge­wal­ti­ge Zeit wie die un­se­re auch neue For­men und neue In­hal­te for­der­te.”

[236] Vgl. Scheel Re­de, S. 13 f.: „Man­nes­tum, Eh­re, Frei­heits­lie­be, völ­ki­sches Wol­len, Sinn für die Ge­mein­schaft, wa­ren nicht nur Be­grif­fe, son­dern Grund­la­gen einer gu­ten Kor­po­ra­tions­er­zie­hung. Heu­te im na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Reich aber sind die al­ten For­men zu eng ge­wor­den. Es gibt auch kei­nen Raum mehr für das un­po­li­ti­sche Stu­den­ten­tum, wie es kei­nen Raum mehr ge­ben darf für po­li­ti­sche Grup­pen an un­se­ren Hoch­schu­len, die Aus­läu­fer der volks­zer­stö­ren­den und –zer­set­zen­den Kräf­te, die sich in das Le­ben un­sers Vol­kes ein­ge­schli­chen hat­te, wa­ren. Der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus for­dert nicht nur die Ein­heit, er voll­zieht sie auch. [...] Sie wis­sen, daß es in Zei­ten einer ein­heit­li­chen Er­zie­hung und Welt­an­schau­ung nicht mög­lich ist, daß heu­te die einen sich vor­nehm­lich oder fast aus­schließ­lich mit Wis­sen­schaft, die an­dern mit Tur­nen oder be­son­ders aus­ge­rich­te­ter po­li­ti­scher Ar­beit, wie­der an­de­re nur mit ge­sell­schaft­li­cher Er­zie­hung oder fast aus­schließ­lich kon­fes­sio­nel­ler Be­tä­ti­gung be­schäf­ti­gen kön­nen. [...] Die al­ten For­men muß­ten neuen wei­chen; aber die al­ten Ide­a­le, die über ein Jahr­hun­dert lang als fei­er­li­ches Be­kennt­nis im deut­schen Stu­den­ten­tum leb­ten, die Ide­ale Eh­re, Frei­heit, Va­ter­land, Einig­keit, Recht und Frei­heit, sie sind heu­te nicht mehr Ide­ale ein­zel­ner klei­ner Ge­mein­schaf­ten, son­dern durch die Kraft und Er­zie­hungs­ar­beit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus Be­kennt­nis des gan­zen deut­schen Vol­kes ge­wor­den.

[237] Vgl. da­zu Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 190 f., so­wie Hein An­schluß­freu­dig?, S. 33–40.

[238] So sie sich nicht, wie et­wa die K.Ö.L., oh­ne­hin schon seit dem Un­ter­gang der Do­nau­mon­ar­chie für die Selb­stän­dig­keit und Sou­ve­rä­ni­tät Öster­reichs ein­ge­setzt hat­ten. Vgl. auch Hein An­schluß­freu­dig?, S. 37: „Was die »Carolina« be­trifft, so ge­hör­te sie zur »Ka­tho­lisch öster­rei­chi­schen Lands­mann­schaft«, die sich Ka­tho­li­zis­mus und Treue zum Hau­se Öster­reich zum Prin­zip ge­macht hat­te. Die Lands­mann­schaft Ca­ro­li­na (ge­grün­det 30.4.1936) war dem An­den­ken Kai­ser Karls ge­wid­met. Quer­ver­bin­dun­gen zum Corps Ot­to­nen be­stan­den auf Grund der le­gi­ti­mi­sti­schen Ein­stel­lung, die selbst­ver­ständ­lich je­den An­schluß­ge­dan­ken aus­schloß.”

[239] Vgl. da­zu auch ALSS Ver­zeich­nis, S. 50; Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 191; Wre­den in Acta Stu­den­ti­ca 99–100/1993, S. 21 r.Sp.; Ra­veau in Krau­se/Fritz, S. 135. Er­nüch­ternd dürf­ten wohl auch die Wor­te von Bal­dur von Schi­rach ge­wirkt ha­ben: „Mei­ne Ka­me­ra­den, es ist ein stol­zes Er­be, das ihr zu ver­wal­ten habt, und ich weiß, daß es nicht leicht ist, die­ses Er­be zu ver­wal­ten. Die na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Be­we­gung schaut auf euch und sie ver­langt von euch, daß ihr auf der Hoch­schu­le mit Bru­ta­li­tät den Ge­dan­ken der To­ta­li­tät der na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Er­zie­hung ver­tre­tet!” Vgl. Schi­rach 10 Jah­re NSDStB, S. 131; Her­vor­he­bun­gen nicht im Ori­gi­nal.

[240] Daß die­ser An­schluß droh­te, war den mei­sten Mit­glie­dern die­ser Cor­po­ra­tio­nen durch­aus klar: Hit­ler hat­te ihn be­reits 1923 ge­for­dert; vgl. Hit­ler Mein Kampf, S. 14: „Es ge­nügt hier, nur fest­zu­stel­len, daß ich im Grun­de ge­nom­men schon in der frü­he­sten Ju­gend zu einer Ein­sicht kam, die mich nie­mals mehr ver­ließ, son­dern sich nur noch ver­tief­te: Daß näm­lich die Si­che­rung des Deutsch­tums die Ver­nich­tung Öster­reichs vor­aus­setz­te, und daß wei­ter Na­tio­nal­ge­fühl in nichts iden­tisch ist mit dy­na­sti­schem Pa­trio­tis­mus; daß vor al­lem das habs­bur­gi­sche Erz­haus zum Un­glück der deut­schen Na­tion be­stimmt war. Ich hat­te schon da­mals die Kon­se­quen­zen aus die­ser Er­kennt­nis ge­zo­gen: hei­ße Lie­be zu mei­ner deutsch­öster­rei­chi­schen Hei­mat, tie­fen Haß ge­gen den öster­rei­chi­schen Staat.” Für Mon­ar­chi­sten und Le­gi­mi­sten wur­de die Si­tua­tion be­son­ders ge­fähr­lich; vgl. Hit­ler Mein Kampf, S. 13 bzw. S. 39: „Das »Erz­haus« tsche­chi­sier­te, wo im­mer nur mög­lich, und es war die Faust der Göt­tin ewi­gen Rech­tes und un­erbitt­li­cher Ver­gel­tung, die den töd­li­chen Feind des öster­rei­chi­schen Deutsch­tums, Erz­her­zog Franz Fer­di­nand, ge­ra­de durch die Ku­geln fal­len ließ, die er sel­ber mit­half zu gie­ßen. War er doch der Pa­tro­nats­herr der von oben her­un­ter be­tä­tig­ten Sla­wi­sie­rung Öster­reichs.” [...] „Je mehr das Spra­chen­to­hu­wa­bo­hu auch das Par­la­ment zer­fraß und zer­setz­te, muß­te die Stun­de des Zer­fal­les die­ses ba­by­lo­ni­schen Rei­ches näher­rücken und da­mit auch die Stun­de der Frei­heit mei­nes deutsch­öster­rei­chi­schen Vol­kes. Nur so konn­te dann der­einst der An­schluß an das al­te Mut­ter­land wie­der kom­men.” Zu der von öster­rei­chi­schen Le­gi­ti­mi­sten da­mals ver­tre­te­nen Auf­fas­sung vgl. u.a. Wolf in Wolf u.a. Reichs­idee, S. 11–34, Gör­gen in eben­da, S. 243–279, so­wie Lov­rek Mon­ar­chi­sche Idee.

[241] Vgl. da­zu et­wa Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 181 r.Sp. f.; Ca­ro­li­na FS 1951, S. 13 und S. 25–33; über den ÖCV (ins­be­son­de­re in Graz) wäh­rend der Zeit des An­schlus­ses und da­nach (mit Op­fer­be­schrei­bung) vgl. Grinschgl in Ca­ro­li­nen­blät­ter Nr. 26/1987, S. 14–21, so­wie Hart­mann in eben­da, S. 22–25.

[242] Ob­wohl es dem Ver­fas­ser müß­ig er­scheint, an die­ser Stel­le Men­schen­ver­ach­tung und An­ti­se­mi­tis­mus des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus nach­zu­wei­sen, sol­len hier — nur bei­spiel­haft — Quel­len aus Hit­lers Mein Kampf zi­tiert wer­den: „Nein. Je mehr ich den Ju­den ken­nen­lern­te, um so mehr muß­te ich dem Ar­bei­ter ver­zei­hen.” (S. 67.) „Im Früh­jahr 1912 kam ich end­gül­tig nach Mün­chen. [...] Eine deut­sche Stadt! Welch ein Un­ter­schied ge­gen Wien! Mir wur­de schlecht, wenn ich an die­ses Ras­sen­ba­by­lon auch nur zu­rück­dach­te.” (S. 138.) „Der jü­di­sche Staat war nie in sich räum­lich be­grenzt, son­dern uni­ver­sell un­be­grenzt auf den Raum, aber be­schränkt auf die Zu­sam­men­fas­sung einer Ras­se. Da­her bil­de­te die­ses Volk auch im­mer einen Staat in­ner­halb der Staa­ten. Es ge­hört zu den ge­nial­sten Tricks, die je­mals er­fun­den wor­den sind, die­sen Staat als „Re­li­gion” se­geln zu las­sen und ihn da­durch der To­le­ranz zu ver­si­chern, die der Ari­er dem re­li­giö­sen Be­kennt­nis im­mer zu­zu­bil­li­gen be­reit ist. Denn tat­säch­lich ist die mo­sai­sche Re­li­gion nichts an­de­res als eine Leh­re der Er­hal­tung der jü­di­schen Ras­se. Sie um­faßt da­her auch na­he­zu al­le so­zio­lo­gi­schen, po­li­ti­schen so­wie wirt­schaft­li­chen Wis­sens­ge­bie­te, die hier­für über­haupt nur in Fra­ge zu kom­men ver­mö­gen.” (S. 165.) Zur na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Ras­sen­hy­gie­ne vgl. eben­da, S. 312: „Je­de Kreu­zung zwei­er nicht ganz gleich ho­her We­sen gibt als Pro­dukt ein Mit­tel­ding zwi­schen der Hö­he der bei­den El­tern. Das heißt al­so: Das Jun­ge wird wohl hö­her ste­hen als die ras­sisch nied­ri­ge­re Hälf­te des El­tern­paa­res, al­lein nicht so hoch wie die hö­he­re. Folg­lich wird es im Kampf ge­gen die­se hö­he­re spä­ter un­ter­lie­gen. Sol­che Paa­rung wi­der­spricht aber dem Wil­len der Na­tur zur Hö­her­züch­tung des Le­bens über­haupt. Die Vor­aus­set­zung hier­zu liegt nicht im Ver­bin­den von Hö­her– und Min­der­wer­ti­gen, son­dern im rest­lo­sen Sie­ge des er­ste­ren. Der Stär­ke­re hat zu herr­schen und sich nicht mit dem Schwä­che­ren zu ver­schmel­zen, um so die eige­ne Grö­ße zu op­fern.” Zu be­den­ken ist da­bei, daß die­se The­sen be­reits da­mals na­tur­wis­sen­schaft­lich — et­wa mit Hil­fe der Men­del­schen Ver­er­bungs­leh­re — und lo­gisch — wenn es am En­de der Ket­te ein Stärk­stes gibt, kann es sich nicht mit einem zwei­ten Stärk­sten ver­einen — oh­ne wei­te­res sach­lich wi­der­leg­bar ge­we­sen sind! Der Sieg von Po­li­tik und Pro­pa­gan­da über sach­lich–ob­jek­ti­ve Wis­sen­schaft hat­te die be­kann­ten, ver­hee­ren­den Fol­gen.

[243] Zum Be­griff des Wi­der­stan­des vgl. Wip­per­mann in Krau­se/Fritz, S. 11–22, so­wie grund­le­gend Erd­mann Hand­buch Bd. 21, S. 141: „Der Be­reich des Wi­der­stan­des läßt sich nur schwer ab­gren­zen. Nicht al­les, was der na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Be­we­gung fern­blieb, kann hier­zu ge­rech­net wer­den, wie an­der­seits ge­ra­de aus dem Idea­lis­mus sol­cher, die die na­tio­na­le Er­he­bung des Jah­res 1933 mit Be­gei­ste­rung be­grüßt hat­ten, dem Wi­der­stan­de wert­vol­le Kräf­te zu­ström­ten. Über­haupt zeig­te sich im Lau­fe der Jah­re, daß über die ge­hei­me Op­po­si­tion hin­aus un­ter den Ge­ge­ben­hei­ten des to­ta­li­tä­ren Staa­tes eine Um­wäl­zung nur er­reicht wer­den konn­te mit Hil­fe sol­cher Per­so­nen, die sel­ber durch Mit­ar­beit an den po­li­ti­schen und mi­li­tä­ri­schen Auf­ga­ben des Staa­tes Schlüs­sel­stel­len in­ne­hat­ten und im nä­he­ren Um­kreis des Zen­trums der Macht stan­den.” Dar­an sind die mei­sten Wi­der­stands­grup­pen — so idea­li­stisch ihr Ein­satz auch war — ge­schei­tert: Sie hat­ten kei­ne Hel­fer an ent­schei­den­den Stel­len. Ledig­lich die Grup­pe „Blu­men­gar­ten” konn­te be­ste­hen, die At­ten­tä­ter vom 20.07.1944 brach­ten es we­nig­stens zu einem Putsch­ver­such, den aber vie­le Be­tei­lig­te (und auch Un­be­tei­lig­te) mit dem Le­ben be­zah­len muß­ten; vgl. da­zu eben­da, S. 154. — Un­ter­grund– und Wi­der­stands­ar­beit sind da­bei we­der dem christ­li­chen noch dem wehr­haf­ten Cor­po­ra­tions­stu­den­ten­tum fremd; vgl. da­zu aus­führ­lich Ober­mül­ler Ver­bo­ten und ver­folgt, m.w.N.; Gau­dea­mus igi­tur, S. 115. Zum Wi­der­stand der öster­rei­chi­schen Le­gi­mi­sten all­ge­mein vgl. et­wa Bo­­be­rach Mel­dun­gen aus dem Reich, Bd. 2 S. 7 f., S. 77–79, S. 216, S. 349, S. 382, S. 422, S. 442, Bd. 3 S. 467, Bd. 3 S. 483, S. 492, S. 507, S. 525, S. 776, S. 867 mit dem in der Ost­mark ver­brei­te­ten Slo­gan „Wir wol­len kei­nen Krieg, Wir wol­len kei­nen Sieg, Wir wol­len un­ser Öster­reich und eine schö­ne Füh­rer­leich!”, Bd. 12 S. 4800, Bd. 13 S. 4902, Bd. 14 S. 5564 (die drei letz­ten Quel­len be­schäf­ti­gen sich mit den Ge­rüch­ten um die Wie­der­her­stel­lung Öster­reichs — als Mon­ar­chie — un­ter dem Schutz der an­glo–ame­ri­ka­ni­schen Sie­ger des Welt­krie­ges); über den Wi­der­stand der Le­gi­mi­sten und der Christ­lich­so­zia­len vgl. Stu­dent ak­tu­ell „CAM­PUS” 61/1988, S. 26 r.Sp., so­wie für den ent­spre­chen­den cor­po­ra­tions­stu­den­ti­schen Be­reich bei­spiels­wei­se Star­hem­berg FS, S. 28–30; Gau­dea­mus igi­tur, S 98 f., S. 115 so­wie S. 116 FN 8; Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit S. 181 r.Sp. bis 183 l.Sp.; Fritz u.a. Far­be, S. 3; zur „Grup­pe Bu­rian”, einer Wi­der­stands­grup­pe, die aus den Mit­glie­dern des „Aka­de­mi­schen Korps der Ot­to­nen” be­stand, eben­da, S. 120–122, Schusch­nigg in Krau­se/Fritz, S. 168 f., Hein An­schluß­freu­dig?, S. 34 und S. 38, die An­kla­ge­schrift vom 09.03.1941 (8.J.376/40), Volks­ge­richts­hof Ber­lin (Aus­zü­ge) in: Gau­dea­mus igi­tur, S. 121 r.Sp. f., so­wie Bo­be­rach Mel­dun­gen aus dem Reich, Bd. 2 S. 7 f. und S. 77–79; zu den Ak­ti­vi­tä­ten aus dem Be­reich der K.Ö.L. vgl. all­ge­mein Fritz u.a. Zei­chen, Schusch­nigg in Krau­se/Fritz, S. 161–173, so­wie et­wa Schusch­nigg in FS Osta­ri­cia 1986, S. 16–18; Hein An­schluß­freu­dig?, S. 34 und S. 37; Ca­ro­li­na FS S. 13 und S. 25–33; Scho­lik Ra­detz­ky und Scho­lik in Fritz u.a., S. 103–105; zum Wi­der­stand der ka­tho­lisch Cor­po­rier­ten all­ge­mein vgl. aus­führ­lich Fritz u.a. Far­be, m.w.N., zu den be­trof­fe­nen Cor­po­ra­tio­nen u.a. KDHW Mit­tei­lun­gen 06.1937, S. 10 f.; WStV Pen­nä­ler­tag 1994, S. 32–96; Nor­man­nia FS, S. 40–42; Hart­mann CV, S. 149–160; Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 197; Klo­se Frei­heit, S. 237; Gall Alma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 191; für den ÖCV in einer für die Zeit (1947) ver­ständ­li­chen Ein­sei­tig­keit und Über­schweng­lich­keit vgl. Kras­ser Fest­re­de, S. 3: „Die Kraft der Idee und die Zu­ver­läs­sig­keit der CVer of­fen­bar­te sich erst recht in den Stun­den der schwer­sten Er­pro­bung, als sich der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus mit bei­spiel­lo­sem Haß und un­er­hör­ter Bru­ta­li­tät auf den CV stürz­te und nun je­der ein­zel­ne CVer zei­gen muß­te, wie­viel er wert ist. Da gab es kein Schwan­ken und kein Pak­tie­ren: der CV hat stand­ge­hal­ten! [...] Wer hät­te den Mut zu leug­nen, daß die CVer jahr­zehn­te­lang auf den öster­rei­chi­schen Hoch­schu­len die ein­zi­gen wa­ren, die den „Mut zu Öster­reich” auf­brach­ten, al­so schon zu einer Zeit, wo vie­le, die sich heu­te ih­res Ö­ster­rei­cher­tums nicht ge­nug rüh­men kön­nen, noch nicht ahn­ten, daß ein­mal eine Zeit kom­men wür­de, in der das Be­kennt­nis zu Öster­reich ein selbst­ver­ständ­li­ches Ge­bot der po­li­ti­schen Rai­son wer­den könn­te.” (Kras­sers Lo­bes­hym­ne ent­spricht na­tür­lich nicht den hi­sto­ri­schen Tat­sa­chen; nur we­nig ob­jek­ti­ver for­mu­lie­ren die Ent­schlie­ßun­gen: „Der CV, der als ein­zi­ger stu­den­ti­scher Ver­band wäh­rend der lan­gen Zeit sei­nes acht­zig­jäh­ri­gen Be­stan­des of­fen und un­er­schrocken zu Öster­reich stand und wie kei­ne an­de­re aka­de­mi­sche Kör­per­schaft von den Na­tio­nal­so­zia­li­sten mit un­er­hör­ter Bru­ta­li­tät ver­folgt wur­de, be­kennt sich im Zeit­punkt sei­nes Wie­der­er­ste­hens er­neut und mit un­be­irr­ba­rer Ent­schlos­sen­heit zu einem frei­en und un­ab­hän­gi­gen Öster­reich.” Vgl. eben­da, S. 11 f.); zum Wi­der­stand im Be­reich der Corps­stu­den­ten vgl. et­wa Stim­mer in Krau­se/Fritz, S. 43, Hein An­schluß­freu­dig?, S. 36–38; Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 190 f. Vgl. auch Klo­se Frei­heit, S. 244–248. All­ge­mein ent­hal­ten die mei­sten Cor­po­ra­tions­fest­schrif­ten der ge­nann­ten Cor­po­ra­tio­nen und Ver­bän­de, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg er­schie­nen sind, In­for­ma­tio­nen zu die­sem The­ma; vgl. da­zu et­wa Wu­schitz Do­ku­men­ta­tion, S. 83–102; Hand­ler Le­gen­de, S. 108–110; Schusch­nigg in FS Osta­ri­cia 1992, S. 19–21.
Auf­grund der in vie­len Cor­po­ra­tio­nen üb­li­chen Ver­wen­dung von Deck­na­men — den so­ge­nann­ten Bier– oder Cou­leur­na­men — so­wie durch die Ver­pflich­tung der Cor­po­ra­tions­mit­glie­der, das Con­vents­ge­heim­nis strikt zu be­ach­ten und den dar­aus re­sul­tie­ren­den Man­gel der na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Dien­ste an Wis­sen über Cor­po­ra­tions­in­ter­na — insb. über den dort üb­li­chen Zu­sam­men­halt in Not­zei­ten — hat sich auch man­cher Cor­po­rier­te der Ver­fol­gung ent­zie­hen kön­nen.

[244] Et­wa das Auf­recht­er­hal­ten eines spo­ra­di­schen Fecht­be­triebs (ver­bun­den mit dem Ri­si­ko einer kriegs­recht­li­chen Ver­fol­gung we­gen Selbst­ver­stüm­me­lung); vgl. da­zu Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 191, so­wie Ra­veau in Krau­se/Fritz, S. 135 f.

[245] Vgl. et­wa zu den Bur­schen­schaf­ten Wre­den in Ac­ta Stu­den­ti­ca 99–100/1993, S. 20 f., so­wie Kaupp in Krau­se/Fritz, S. 91–105; zu den KSCV–Cor­po­ra­tio­nen Ra­veau in eben­da, S. 133–146; vgl. da­zu auch Papst Cou­leur und Braun­hemd, S. 78: „Ledig­lich An­ge­hö­ri­ge frü­he­rer ka­tho­li­scher Kor­po­ra­tio­nen, die be­reits vor 1933 dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus viel­fach ab­leh­nend ge­gen­über­ge­stan­den hat­ten, fin­den sich häu­fi­ger in den Rei­hen von Wi­der­stands­grup­pen. In Inns­bruck wur­de gar im Jah­re 1940 als im Un­ter­grund wir­ken­de neue Kor­po­ra­tion und zu­gleich Wi­der­stands­grup­pe (!) die »Al­pi­nia« ins Le­ben ge­ru­fen, die heu­te zum C.V. ge­hört. Beim »20. Ju­li 1944« wa­ren eine gan­ze Rei­he von Corps­stu­den­ten be­tei­ligt, da­ne­ben auch An­ge­hö­ri­ge an­de­rer Ver­bän­de. [...] Das kor­po­ra­tions­stu­den­ti­sche Ethos der Er­zie­hung zu frei­en, eigen­ver­ant­wort­li­chen und eh­ren­haf­ten Per­sön­lich­kei­ten, das ins­be­son­de­re die Corps be­son­ders hoch an­setz­ten, mag hier in­des sei­ne Wir­kun­gen ge­zeigt ha­ben. Eine grund­sätz­li­che Ver­bin­dung von Wi­der­stand und Kor­po­ra­tions­zu­ge­hö­rig­keit kann je­doch nicht ein­fach po­stu­liert wer­den, und vie­le Kor­po­ra­tio­nen be­trei­ben heut­zu­ta­ge eine eher pein­li­che Le­gen­den­bil­dung be­züg­lich ih­res vor­geb­li­chen »Ver­bo­tes« und »Wi­der­stan­des« im Drit­ten Reich. Eine der­ar­ti­ge Ar­gu­men­ta­tion hat­te na­tür­lich auch der Selbst­le­gi­ti­ma­tion bei der ver­such­ten Wie­der­grün­dung En­de der vier­zi­ger Jah­re ge­dient.”

[246] Vgl. Waas Pen­na­lie, S. 434: „Der 13. März 1938 bil­de­te auch in der Ge­schich­te der öster­rei­chi­schen Pen­nal­be­we­gung eine ge­wal­ti­ge Zä­sur. Als die­ser Tag an­brach, war auch wie­der das na­tio­nal–frei­heit­li­che Stu­den­ten­tum Öster­reichs an sei­nen Mit­tel­schu­len und gleich­ran­gi­gen Lehr­an­stal­ten frei ge­wor­den. [...] Als am 23. Ap­ril 1938 un­ter Füh­rung Cim­bri­as al­le Pen­na­lien Wiens zum Be­such eines Groß­deutsch­land–Kom­mer­ses im An­to­nien­saal des Re­stau­rants Weigl im Dre­her­park auf­ge­ru­fen wur­den, da ka­men al­le oh­ne Zö­gern. [...] Der Kom­mers bil­de­te einen durch­aus wür­di­gen Schluß­stein in der Ge­schich­te der öster­rei­chi­schen Pen­nal­be­we­gung. Denn all­zu­bald muß­ten die Bün­de an ih­re zwar frei­wil­li­ge, aber von oben ent­schie­den ge­for­der­te Auf­lö­sung schrei­ten. Im na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Staat blieb kein Raum mehr für far­ben­tra­gen­de, stu­den­ti­sche Ver­bin­dun­gen. Die wehr­haf­ten Gra­zer pen­na­len Bur­schen­schaf­ten und Ver­eine voll­zo­gen die­se Auf­lö­sung am 25. Ju­ni 1938 auf dem Fest­kom­mers im gro­ßen Saal der Gast­wirt­schaft »Ele­fant«, durch fei­er­li­che Nie­der­le­gung und Über­ga­be ih­rer Far­ben­bän­der an den äl­te­sten an­we­sen­den Alt­her­ren [...] In den üb­ri­gen Pen­nal­or­ten war es nicht viel an­ders, in­so­fer­ne die dor­ti­gen pen­na­len Bün­de nicht schon vor­zei­tig in Le­thar­gie ver­sun­ken wa­ren. Je­den­falls war es of­fen­sicht­lich ge­wor­den: das En­de der Pen­na­lie war ge­kom­men.”

[247] Vgl. Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 191.

[248] Der Ver­fas­ser lehnt die Be­nüt­zung des Wor­tes „Ho­lo­caust” für den na­tio­nal­so­zia­li­sti­schen Völ­ker­mord als ge­schmack­lo­se Ver­harm­lo­sung ab; vgl. da­zu Kueh­nelt-Leddihn Sa­ra­je­wo, S. 179 FN 79: „Wir be­nüt­zen das he­bräi­sche Wort Schoa (Greu­el) und nicht Ho­lo­caust, das ir­gend­ein ig­no­ran­ter Skri­bant in Hol­ly­wood auf dem Ge­wis­sen hat. Ein Ho­lo­caust war im al­ten Hel­las ein from­mes Brand­op­fer, um die Hil­fe der Göt­ter zu er­lan­gen. Doch un­se­re Pa­pa­mä­leo­ne plap­pern das nach!” Vgl. da­zu auch Wei­gel Ru­hig, S. 8: „»Ho­lo­caust« ist nicht Be­stand­teil mei­nes Vo­ka­bu­lars. Ich ge­stat­te Hol­ly­wood–Pro­du­zen­ten nicht, ein The­ma die­ser Art an­zu­fas­sen, ich leh­ne es ab, ein Pro­dukt die­ser Art auch nur ab­zu­leh­nen, denn dann müß­te ich es ja vor­her an­schau­en, al­so mei­ne Augen, mei­ne See­le und mein Hirn be­schmut­zen.” Vgl. auch Schön­born Erez Is­ra­el, S. 67 l.Sp. so­wie Meyers Ta­schen­le­xi­kon 1990, Bd. 10 S. 46 r.Sp. f.

[249] Vgl. hier­zu et­wa Rou­bi­cek Von Ba­sel bis Czer­no­witz, m.w.N, so­wie Weich­sel­bau­mer DA, S. 67.

[250] Vgl. Mol­den Ö­ster­rei­cher, S. 144.

[251] Vgl. da­zu et­wa Hart­mann CV, S. 161–165; Ra­veau in Krau­se/Fritz, S. 133; Erd­mann Hand­buch Bd. 22, S. 336.

[251] Vgl. da­zu et­wa Hart­mann CV, S. 161–173; MKV KFS 1989, S. 22; Gall Al­ma Ma­ter Ru­dol­phi­na, S. 192; Weich­sel­bau­mer DA, S. 69–72.

[253] Vgl. da­zu auch ALSS Ver­zeich­nis, S. 50: „Nach der Ka­pi­tu­la­tion wer­den vie­le [Bun­des­brü­der] in An­hal­te­la­ger ge­bracht und dort zum Teil jah­re­lang fest­ge­hal­ten. Eini­ge wer­den auf­grund des Kriegs­ver­bre­cher­ge­set­zes zu Ker­ker­stra­fen ver­ur­teilt, fast al­le ver­lie­ren ih­re wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen. Es hat den An­schein, als ob un­ser Bund end­gül­tig dem Un­ter­gang ge­weiht wä­re, vor al­lem des­halb, weil in­fol­ge der Kriegs­er­eig­nis­se und der Zu­stän­de in der er­sten Nach­kriegs­zeit die Ver­bin­dung mit vie­len Mit­glie­dern un­se­res Bun­des ab­ge­ris­sen ist.”

[254] Vgl. da­zu et­wa Krau­se Bur­schen­herr­lich­keit, S. 208 und S. 210 r.Sp. f.; Hart­mann CV, S. 214 f.; Gau­dea­mus igi­tur, S. 168 r.Sp., so­wie et­wa zu den let­ti­schen Da­men­cor­po­ra­tio­nen eben­da, S. 211–213.

[255] Vgl. da­zu Hart­mann CV, S. 221 f.; auch heu­te noch sind zahl­rei­che CVer gleich­zei­tig (po­li­tisch ak­ti­ve) Mit­glie­der der ÖVP.

[256] Vgl. da­zu et­wa Kras­ser Fest­re­de, S. 12.: „Der ÖCV hält an dem [der; Anm.] seit den Grün­dung­sta­gen bis zur Auf­lö­sung im Jah­re 1938 gül­ti­gen Sat­zungs­be­stim­mung: »Po­li­ti­sche Be­stre­bun­gen lie­gen dem CV fern« un­ver­rück­bar fest.”

[257] Ein sol­ches En­ga­ge­ment wird für selbst­ver­ständ­lich er­ach­tet und da­her nicht me­di­al oder po­li­tisch aus­ge­schlach­tet; so ist bei­spiels­wei­se ein Spen­den­auf­ruf für einen ÖCV–Hilfs­zug für „Nach­bar in Not” be­zeich­nen­der­wei­se im in­ter­nen Teil der „Aca­de­mia” ab­ge­druckt; vgl. ÖCV in Academia BT 3/1992, S. 7. Die K.Ö.H.V. Nord­gau bau­te 1991 an­ge­sichts des Elends im ehe­ma­li­gen Ju­go­sla­wi­en ih­re Bu­de spon­tan ent­spre­chend um und nahm Flücht­lings­fa­mi­lien auf.

[258] All­ge­mein be­kannt ist, daß zahl­rei­che schla­gend Cor­po­rier­te in die­ser Par­tei ak­tiv sind. Erst mit dem Er­star­ken der FPÖ un­ter Dr. Hai­der sind „Bur­schen­schaf­ter” für die Me­di­en „in­te­res­sant” ge­wor­den; vgl. da­zu Weich­sel­bau­mer DA, S. 65.

[259] Vgl. auch Weich­sel­bau­mer DA, S. 62–67. Ka­tho­li­sche Cor­po­ra­tio­nen ver­bie­ten ih­ren Mit­glie­dern i.d.R. die Teil­nah­me an Ver­an­stal­tun­gen von Cor­po­ra­tio­nen, mit de­nen bzw. de­ren Ver­band kein Freund­schafts­ab­kom­men be­steht, was in be­zug auf schla­gen­de Cor­po­ra­tio­nen re­gel­mä­ßig der Fall ist.

[260] Vgl. Weich­sel­bau­mer DA, S. 62.

[261] Vgl. et­wa Hart­mann CV, S. 194 f. und S. 221; „Di­dien” in cou­leur 1/1990; Ko­sak in Aca­de­mia 12/1996. In den mei­sten Fäl­len konn­ten sich die ka­tho­lisch Cor­po­rier­ten nicht des Ein­drucks er­weh­ren, sie soll­ten ver­ein­nahmt wer­den.

[262] Vgl. da­zu auch Weich­sel­bau­mer DA, S. 66 m.w.N.

[263] Vgl. da­zu Gau­dea­mus igitur.

[264] Ein Mu­ster­bei­spiel da­für ist Heither u.a. Blut und Pauk­bo­den; vgl. et­wa eben­da, S. 139–142, über die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der deutsch–frei­heit­li­chen und der ka­tho­lisch–deut­schen Hoch­schul­aus­schüs­se. Die feh­ler­haf­te Ver­wen­dung von cor­po­ra­tions­stu­den­ti­schen ter­mi­ni tech­ni­ci ver­rät die man­geln­de Kom­pe­tenz der Auto­ren: Ein Cou­leur­stu­dent hät­te — auch wenn er nicht La­tein ge­lernt ha­ben soll­te — auf­grund sei­ner Aus­bil­dung „Ak­ti­vi­tas” in den kor­rek­ten Plu­ral ge­setzt (S. 161), das Wort „Ver­eins­bruder” (S. 140) ver­mie­den und kor­rekt zwi­schen Bun­des­bruder (d.h. Ver­bin­dungs­mit­glied), Car­tell– (in­ner­halb je­weils des Ver­ban­des) und Kar­tell­bruder (MKV oder ver­bän­de­über­grei­fend im ka­tho­li­schen/christ­li­chen Be­reich mit Freund­schafts­ab­kom­men) so­wie Far­ben­bru­der (im ka­tho­li­schen wie im schla­gen­den Be­reich ver­bands­über­grei­fend, aber nicht la­ger­über­grei­fend; ein Bur­schen­schaf­ter ist da­her nicht der Far­ben­bru­der eines ka­tho­li­schen Cou­leur­stu­den­ten) un­ter­schie­den. Ab­ge­se­hen da­von ver­wech­seln die Auto­ren ge­le­gent­lich den CV mit dem ÖCV zu einer Zeit, in der die bei­den Ver­bän­de be­reits ge­trennt zu be­ur­tei­len sind (S. 207 f.); be­son­ders von Un­kennt­nis der De­tails zeugt die Ver­wech­se­lung von Char­gen und Char­gier­ten (S. 279); sie „über­se­hen”, daß das „auto­ri­tä­re Doll­fuß-Schusch­nigg–Re­gime” nicht nur ak­tiv ge­gen den „Austro­mar­xis­mus”, son­dern auch ent­schie­den ge­gen den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus auf­ge­tre­ten ist (mit ihm, wie rich­tig ge­sagt wird, auch der CV — S. 208). Die ge­schil­der­ten Feh­ler und Män­gel sind nur bei­spiel­haft auf­ge­zählt! Für die se­ri­ö­se Be­hand­lung eines The­mas, bei dem es um emo­tio­nell ge­präg­te Be­grif­fe wie „Bun­des­brü­der­lich­keit”, „Va­ter­lands­lie­be” oder „Re­li­gion” geht, ge­nügt es nicht, nur ein­schlä­gi­ges Schrift­tum her­an­zu­zie­hen und zu ver­ar­bei­ten, da für die sach­ge­rech­te, ob­jek­ti­ve Be­ur­tei­lung des­sel­ben die ent­spre­chen­den eige­nen Er­fah­rungs­wer­te un­ab­ding­bar not­wen­dig sind.

[265] Vgl. u.a. Elm u.a. Fü­xe, S. 127–130: Selbst­ver­ständ­lich steht den Auto­ren et­wa die Mei­nung zu, „daß die Kon­flik­te der Ka­tho­li­ken mit den NS–Stu­den­ten kei­nes­wegs aus einer grund­sätz­lich an­de­ren ideo­lo­gi­schen Grund­hal­tung re­sul­tier­ten”, und zwar selbst dann, wenn sie sach­lich falsch und po­li­tisch mo­ti­viert ist; für eine be­rech­tig­te Kri­tik am Cor­po­ra­tions­we­sen oder Tei­len da­von fehlt ih­nen aber, wie aus vie­len pau­schal­ie­ren­den For­mu­lie­run­gen ein­deu­tig her­vor­geht, die nö­ti­ge Di­stanz und Kom­pe­tenz! Be­son­ders be­denk­lich und un­glaub­wür­dig ist aber, wenn z.B. ein Mit­ar­bei­ter des DÖW, das einen wis­sen­schaft­li­chen, al­so ob­jek­tiv–sach­li­chen An­spruch er­hebt — vgl. et­wa DÖW Hand­buch 1994, S. 7 — vor Stu­den­ten einen Vor­trag über „Rechts­ex­tre­mis­mus an Öster­reichs Uni­ver­si­tä­ten. Die Bur­schen­schaf­ten und ihr Um­feld” hält und da­bei voll Stolz er­klärt, er wä­re noch nie auf der Bu­de einer Bur­schen­schaft ge­we­sen und hät­te auch noch nie mit Bur­schen­schaf­tern per­sön­lich zu tun ge­habt; vgl. Schie­del Vor­trag. Der der nach­fol­gen­den Kri­tik an­we­sen­der Cor­po­rier­ter ver­schie­den­ster Pro­ve­nie­enz konn­te er nur mehr (par­tei­po­li­tisch ori­en­tier­te) Po­le­mik, nicht aber sach­li­che Ar­gu­men­te ent­ge­gen­set­zen.
Aber ge­ra­de je­ne, die in öf­fent­li­chem Auf­trag han­deln und an­de­re als „Fa­schi­sten”, „(Rechts–) Ex­tre­mi­sten” bzw. als „Na­tio­nal­so­zia­li­sten” be­zeich­nen, die­sen aber in die Hän­de spie­len, weil sie ih­nen nicht ein­mal in einer Dis­kus­sion Pa­ro­li bie­ten kön­nen, sind als de­mo­kra­tie– und staats­feind­lich, weil mit­schul­dig an Un­recht und Ver­bre­chen an­zu­se­hen, die im Na­men die­ser Ra­di­ka­len ge­sche­hen. Vgl. da­zu Wei­gel Ru­hig, S. 14: „Die dif­fa­mie­ren­de Be­zeich­nung »Na­zi« wird wahl­los für al­le je­ne an­ge­wen­det, die nicht zu den Op­fern Hit­lers ge­hö­rten. So macht man aus je­nen, die es längst nicht mehr sind, das, was sie ein­mal wa­ren.” Pau­schal­ver­ur­tei­lun­gen, sach­lich un­rich­ti­ge oder un­voll­stän­di­ge Dar­stel­lun­gen und un­faire, ein­sei­ti­ge „Ar­gu­men­ta­tio­nen” ge­gen Ex­tre­mis­men hel­fen die­sen und sind da­her — eine all­ge­mein po­si­ti­ve Be­wer­tung einer an Grund– und Frei­heits­rech­ten orien­tier­ten De­mo­kra­tie vor­aus­ge­setzt — als un­ver­ant­wort­li­ches Spiel mit dem po­li­ti­schen Feu­er zu be­zeich­nen! Zur Mög­lich­keit der leicht­fer­ti­gen Zer­stö­rung einer De­mo­kra­tie und zum Nut­zen von Ex­tre­mis­men für die De­mo­kra­tie vgl. Ledel in CA­RO♦AS 5/1995, S. 4 f.
Zur bur­schen­schaf­ter­li­chen Re­ak­tion auf po­li­tisch mo­ti­vier­te Ein­sei­tig­keit vgl. z.B. DB zu Zorn, S. 7: „Wäh­rend Zorn fort­wäh­rend von »na­tio­na­li­sti­schen« und »ra­di­kal­völ­ki­schen Stu­den­ten« spricht [...] und auf acht­zehn Sei­ten aus­schließ­lich von den Frei­korps und den stu­den­ti­schen Zeit­frei­wil­li­gen­for­ma­tio­nen be­rich­tet, er­wähnt er auf vier­und­acht­zig Sei­ten sei­ner Ar­beit nur je ein­mal die Wor­te »Spar­ta­kis­mus« (239) und »Spar­ta­ki­sten« (231). Zorn spricht lie­ber schlicht von »Ar­bei­tern« (258) wo es sich um kom­mu­ni­sti­sche Auf­rüh­rer und Re­vo­lu­tio­nä­re han­delt. Gra­de­zu gro­tesk ist es aber, wenn er die mit den kom­mu­ni­sti­schen Ban­den um­her­zie­hen­den und als Kran­ken­schwe­stern ge­tarnt­en Flin­ten­wei­ber als »be­waff­ne­te Ar­bei­ter­sa­ma­ri­te­rin­nen« (259) be­zeich­net.”

[266] Vgl. Gall in BKA 1965, S. 23: „Zwi­schen 1848 und 1918 mach­te die durch­schnitt­li­che Zahl der an der Wie­ner Uni­ver­si­tät stu­die­ren­den fremd­spra­chi­gen Stu­den­ten mehr als 55% der Ge­samt­fre­quenz aus.”

[267] Vgl. da­zu et­wa Art. 10 EMRK.

[268] Vgl. Öster­rei­chi­sches Kom­mers­buch, S. 158, die 2. Stro­phe des Lie­des „Schwört bei die­ser blan­ken Weh­re”: „Frei­heit, duft'­ge Him­mels­blu­me, Mor­gen­stern nach ban­ger Nacht! Treu vor dei­nem Hei­lig­tu­me steh'n wir al­le auf der Wacht. Was er­strit­ten un­s're Ah­nen, hal­ten wir mit star­ker Hut; |: Frei­heit schreibt auf eu­re Fah­nen, für die Frei­heit un­ser Blut! :|”

[269] Vgl. Sol­sche­ni­zyn Gu­lag II, S. U 1.






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Version Nr. 5/2026 vom 21. Feber 2026
Für den Inhalt verantwortlich: Christoph M. Ledel
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