Das österreichische Militärstraf- und Heeresdisziplinarrecht
im Lichte von Art. 5 und 6 EMRK

Schlußbemerkungen

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Rechtliches   Teil C   Anhang A: EMRK
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Ver­gleicht man das öster­rei­chi­sche HDG et­wa mit den Be­stim­mun­gen des Schwei­zer DR, so ist er­ste­res in Hin­blick auf die Här­te der mög­li­chen Sank­tio­nen ge­ra­de­zu als harm­los zu be­zeich­nen. Um­so be­dau­er­li­cher ist es, daß trotz die­ser Tat­sa­che — bei­na­he zwan­zig Jah­re nach dem Ur­teil des EGMR im Fall En­gel u.a.! — im­mer noch Kon­ven­tions­wid­rig­kei­ten fest­ge­stellt wer­den müs­sen.

Die nicht nur im Ein­satz­fall er­for­der­li­che stren­ge Dis­zi­plin im mi­li­täri­schen Be­reich er­zeugt meist ein aus­ge­präg­tes und sen­sib­les Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den der von der Dis­zi­pli­nar­ge­walt be­trof­fe­nen Per­so­nen. Eine Ver­let­zung des­sel­ben — et­wa durch Dis­zi­pli­nar­ent­schei­dun­gen, die zwar ge­set­zes­kon­form, je­doch kon­ven­tions­wid­rig sind und so­mit als un­ge­recht emp­fun­den wer­den — ist als ein Akt ge­gen je­ne Frei­wil­lig­keit zu se­hen, mit der sich der Sol­dat als mün­di­ger Staats­bür­ger in Uni­form der Dis­zi­plin un­ter­wirft.

Ein un­ter Be­rück­sich­ti­gung der mi­li­täri­schen Not­wen­dig­kei­ten den An­for­de­run­gen von Art. 5 und 6 EMRK an­ge­paßtes HDG ist so­mit als Grund­la­ge für die Auf­recht­er­hal­tung von Dis­zi­plin und Ord­nung im Öster­rei­chi­schen Bun­des­heer zu se­hen und un­be­dingt an­zu­stre­ben, soll das Schlag­wort der Um­fas­sen­den Lan­des­ver­tei­di­gung nicht zur in­halts­lee­ren, aber im­mer­hin Steu­er­mil­li­ar­den ver­schlin­gen­den Wort­hül­le für einen Ver­rat am de­mo­kra­ti­schen und un­ab­hän­gi­gen Öster­reich wer­den.

Dis­zi­plin im mi­li­täri­schen Be­reich ist kein Selbst­zweck, wie aus­führ­lich dar­ge­stellt wor­den ist. Die Ab­schaf­fung stren­ger, aber ad­äqua­ter Sank­tio­nen bei Pflicht­ver­let­zun­gen scheint im Hin­blick auf die Auf­recht­er­hal­tung der Dis­zi­plin da­her der grund­sätz­lich fal­sche Weg zu sein.[520] Rich­tig wä­re es viel­mehr, so­wohl das dis­zi­pli­nä­re Ver­fah­ren als auch sei­ne Sank­tio­nen den Er­for­der­nis­sen der EMRK an­zu­pas­sen, was selbst un­ter Be­rück­sich­ti­gung der be­son­de­ren mi­li­tä­ri­schen Er­for­nis­se, ins­be­son­de­re der Ein­fach­heit und Rasch­heit eines Ver­fah­rens — vor al­lem im Ein­satz­fall — kei­ne un­über­wind­li­chen Schwie­rig­kei­ten be­rei­ten kann.

Wünschens­wert ist in die­sem Zu­sam­men­hang auch eine Re­form des öster­rei­chi­schen Ver­fas­sungs­rechts, das durch be­son­de­re Un­über­sicht­lich­keit ge­kenn­zeich­net ist, mit dem Ziel, die Ver­fas­sungs­nor­men, vor al­lem aber die ver­fas­sungs­mä­ßig ga­ran­tier­ten Rech­te ver­ständ­li­cher und leich­ter auf­find­bar und so­mit auch leich­ter an­wend­bar zu ma­chen.[521]

Ein ein­fach durch­zu­füh­ren­der, aber wirk­sa­mer und wich­ti­ger Schritt in Rich­tung Kon­ven­tions­kon­for­mi­tät des Hee­res­dis­zi­pli­nar­rech­tes wä­re — nicht nur zur Über­brück­ung der für die Re­for­men und An­pas­sun­gen nöti­gen Zeit — die Auf­klär­ung der zu­stän­di­gen Of­fi­zie­re und rechts­kun­di­gen Be­am­ten so­wie al­ler an­de­ren be­trof­fe­nen Per­so­nen über den In­halt und die An­wend­bar­keit der EMRK–Nor­men im mi­li­tär­i­schen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren. Oh­ne die ent­spre­chen­de Aus­bil­dungs­ver­bes­se­rung sind al­le le­gi­sti­schen Ma­ß­nah­men von vor­ne­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt.



[520] AA et­wa Weis­sel Dis­ser­ta­tion 191.

[521] Gem Art 44 B–VG ge­hö­ren zum öster­rei­chi­schen Ver­fas­sungs­recht nicht nur Ver­fas­sungs­ge­set­ze (wie zB das PersFrG), son­dern auch die über­aus zahl­rei­chen Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen in ein­fa­chen Ge­set­zen (wie et­wa je­ne im HDG); vgl da­zu Er­ma­co­ra Bun­des­ver­fas­sungs­ge­set­ze 10.






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